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Die Wahrheit · 1916-03-24 · Heft 10 (24.3.1916) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 10 (24.3.1916)
Date
1916-03-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6. Die Wahrheit Rr> 10. der russischen Okkupation in herzlicher Teilnahme zu gedenken. Der Erzherzog erklärte, daß, obgleich im Sinne der Haager Konvention Das okkupierte Gebiet ans Grund der russischen Gesetze verwaltet werde, der Grundsatz der Gleichberechtigung aller in Oesterreich-Ungarn anerkannten Religionsbekenntnisse vom Armeeoberkommando kurz nach Aktivierung der k. u. k. Militärverwaltung mit der Verordnung vom 7. März 1915 proklamiert worden sei und seither in voller Geltung stehe. Hiemil sei entgegen allen anderweitigen Behauptungen der feindlichen, ja sogar der neutralen Presse von der in der Haager Landkriegordnung (Artikel 43) gebotenen Ermächtigung Gebrauch gemacht worden, im Falle unbedingter Unmöglichkeit von der Anwendung der Gesetze des Landes im okkupierten Gebiete Abstand zu nehmen. Eine solche unbedingte Unmöglichkeit habe eben die österreichisch-ungarische Militärverwaltung in der Anwendung vpn Ansnahmsgesetzen gegen eine bestimmte Religionsgesellschaft erblickt. Die Mitglieder der Deputation, die der Mittagstafel beim Erzherzog zugezogen wurden, hatten auch Gelegenheit, sich im Hanpiqnanier den maßgebenden, mit der Militärverwaltung Russisch-Polens befaßten Funktionären vorzustellen. Auch diese Persönlichkeiten haben den Bestrebungen des Komitees im Sinne des Rechtsschutzes, der Gleichberechtigung und der kulturellen Hebung der jüdischen Bevölkerung des Okkupationsgebietes die Förderung der Organe der k. u. k. Militärverwaltung zugesagt und in Aussicht gestellt, die informative Mitwirkung des Komitees nach Bedarf in Anspruch zu nehmen. Erlaß betreffend die Osterfeierlage. Das Militärkommando Wien hat mit Befehl vom 20. März 1916 folgendes verlantbart: „ad Erlaß des k. u. k. KM. Abt. 9, Nr. 17041 vom 8. März 1916." Für die Bekenner aller ch r i st l i ch e n Konfessionen sind nach Diensteszulässigkeit freizugeben: der 21., dann der Nachmittag des 22. und 23. April 1916 neuen Stiles; für die Israeliten der Nachmittag des 17., dann der 18. und 19. April 1916 neuen Stiles; gilt auch für die Kriegsgefangenenlager und die Arbeitsstellen außerhalb der Lager. Hiezu wird vom Militärkommando verfügt: Das Passahfest für die israelitischen Glaubensangehörigen beginnt am Montag, den 17. April um 5 Uhr nachmittags und endet am Dienstag, den 25. April um 8 Uhr abends. Die ersten zwei Tage, das ist von Montag, den 17. April, 5 Uhr nachmittags bis Mittwoch, den 19. April, 8 Uhr abends und die letzten 2 Tage, das ist von Sonntag, den 23. April, 5 Uhr nachmittags bis Dienstag, den 25. April, 8 Uhr abends sind Hauptfeiertage. Der Mannschaft sind der Nachmittag des 17., dann der 18. und 19. April dienst-, bezw. stationsfrei zu geben. Wo dies aus dienstlichen Rücksichten unzulässig erscheint, ist den Soldaten Montag, den 17. und Dienstag, den 18. April zur Begehung der Sederabende die Bewilligung zum Ausvleiben über die Retraite zu gewähren. An den Hanptfeiertageu werden Gottesdienste in allen Bethänsern jener Stationen, wo sich solche befindet, abgehalten werden. Den Offizieren und Militärbeamten, sowie der Mannschaft und ansgangsfähigen Kranken ist, soweit es die dienstlichen Verhältnisse gestatten, Gelegenheit zn geben, diesen Gottesdiensten beiwohnen zu können. In jenen Stationen, wo sich keine Gotteshäuser befinden, sowie in den Kriegsgefangenenlagern und Arbeitsstellen außerhalb der Lager ist den Soldaten bezw. Kriegsgefangenen zu gestatten, sich in einem geeigneten Raume zu gemeinsamen Andachten zu versammeln. Hilfskommisston 1915 für Palästina. W i e ii, 4. B e z., F r a n k e n b e r g g a s s e 14. Z a h l ste l le: B a n k h a u s S. M. ».Rothschild, Wien, I., B e z., R e u n g affe 3, Konto: „Hil fskommission 1915". Montag, den 6. d. M., abends 6 Uhr, fand im Zeremoniensaale des Tempels, Wien, I. Bezirk, Seitenstettengasse 4, eine Besprechung der Ansschnßmitglieder der Hilfskommission statt. Nach der Begrüßung der Erschienenen erstattete der Präsident Dr. Adolf Kapralik den Rechenschaftsbericht. Die Kommission hat seit Juni 1915 bis Ende Dezember 1915 132.870 Kronen gesammelt nnd hievon 80.223 Kronen nach Palästina gesandt. Im ganzen beträgt das Ergebnis der von ihr eingeleiteten Aktionen für Palästina bis heute eine Viertel Million Kronen. Von den nach Palästina überwiesenen Hilfsgeldern wurden in erster .Reihe die Angehörigen der ostgalizischen, bukowinaischen nnd nordnngarischen Kreise bedacht, darunter auch die ans den ovgenannteu Gegendeu stammenden Kolonisten, weil diese infolge der Russeninvafiou aus ihrer Heimat keine Unterstützung erhielten, nnd überdies ihre Kuratoren, die der Kolelim Kossow, Ottyuja und Wlschuitz, die einzigen waren, die mit uns zusammenznwirken, d. h. ihre Sendungen durch uns unter Kontrolle der kousularischeu Vertretungen in Palästina verteilen zu lassen, sich bereit erklärt haben. Etwa 24.500 Kronen sind aber außerdem an Mitglieder des ungarischen Kolels, weitere Beträge (ca. 870 Kr.) an Westgalizianer (Drohobyczer Kolel) nnd andere Notleidende, insbesondere Talmndgelehrte, verteilt worden. Ferner erhielten 50 in Wien durch den Kriegsausbruch zurückgehaltene Palästinenser,Angehörige der verschiedensten Kolelun,monatliche Unterstützungen. Die Kriegs-Mogendovid-Nagelspende hat über 2000 Kr. eingetragen. Uilsere Freunde in Ungarn (das Dr. Lederer- S z a b o l c s i -Komitee) arbeiten mit uns in steter Verbindung. In Prag uub Brünn sind bereits für Böhmen, bezw. Mähren Zweigkomitees gebildet. Das Prager Komitee setzt sich znsammeir aus den Herren : Oberrabmer Dr. Heinrich Brvdy, Dr. Arnold Rosenbacher, Präsident der israel. Kutusgemeinde, Dr. Heinrich Rosenbanm, Obmann der böhmischen Landesjndenschaft, Siegfried Lieber», Josef Strauß. Direktor Wilh. Wertheimer, Ignaz Lion, Doz. Dr. Isidor Pollak. Dr. Adolf Oppenheimer, Gustav Fuchs und — als Geschäftsleiler — Dr. Weltsch. An der Spitze des Brünner Komitees stehen die Herren Jonas Löw-Beer und Vizepräsident der Brünner Knltnsgemeinde Gustav Tandler. Von Herrn Stadtrat Dr. Michael Feith liegt ein Brief im Namen des Brünner Komitees vor, in dem u. a. heißt: „Ich wünsche eine Aktionszentrale in Wien, der sich Landeszentralen nnd Orlsansschüsse organisch einsügen. Jede Willensäußerung geht von der Zentrale ans und wird in ihrem Namen von den Landeskommissionen nnd Ortsausschüssen ansgesührr. Alle Mittel stießen der Zentrale zn. Indem so die Aktion gewissermaßen zu einer Staatsaktion wird, gewinnt sie an Eindruck. Es muß das Gefühl der Wichtigkeit erweckt werden, damit die Aktion nicht als nebensächlich empfunden werde." Hetr M. Spiegel, Obmann der Chewra-Kadischa, Troppan, erhielt als erster das Wort, ilm den Plan der „Kriegs-Spitals-Hilfe für Palästina" zu erörtern, die der himmelschreienden Not der Spitäler in Palästina steuern soll. Auch hier sind durch den Beitritt einiger Chewra- Kadischas die ersten Schritte eingeleitet, die Herr Dr. Alfred Stern, Präsident der israel. Knltnsgemeinde Wien, zn fördern seine Bereitschart schriftlich erklärt hat. Die Hilfskommission übernimmt die vorbereitenden Arbeiten, Herr Hofrat Dr. Julius Schlag die Leitung. Herr Dr. Kaminka fragt, nach welchem Maßstabe die hiesigen Palästinenser, die auch von anderer Seite nnterstützt wurden, von der Hilfskommission beteilt werden. Das

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