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Die Wahrheit · 1916-03-17 · Heft 9 (17.3.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 9 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9. Die Wahrheit. Seite 7. geltenden Inden Thebens sich sogar ans 3000 bezifferte, traf er in Korfu nnr einen Bekenner des mosaischen Glaubens an, der das Färbergewerbe betrieb. Aber im XIII. Jahrhundert fand sich dort uuch schon eine kleine, jedenfalls von Osten her eingewanderte Kolonie; denn sie bediente sich ausschließlich der griechischen Sprache, wie auch ihre Synagoge die „griechische" hieß. Merkwürdig, daß das älteste Werk in -griechischer Volkssprache eine für den Gebrauch in jener Synagoge bestimmte Uebersetzung der Bücher Jonas ist. Das mit hebräischen Buchstaben geschriebene Manuskript befindet sich in Oxford. Aus der von der Unduldsamkeit und den Ansschreitnngen des Pöbels leider genngsam verdunkelten Geschichte der Kolonie im XIII. und XTV. Jahrhundert treten die Gestalten der damaligen Herrscher Korfus, eines Philipp und Robert von Tarent, eines Karl HL, einer Maria von Bourbon leuchtend hervor. Die von Ihnen zu wiederholten Malen erlassenen Dekrete, worin die Gleichberechtigung ihrer jüdischen mit den andersgläubigen Untertanen eine nachdrückliche Betonung erfährt, liefern den erfreulichen Beweis, daß jene .Fürsten der Einsicht und Milde nicht unzugänglich waren. Die Lage der Inden in damaliger Zeit darf überhaupt als erträglich bezeichnet nur beit. Die Steuern lasteten nicht zu schwer auf ihnen, da sie gesetzlich wenigstens, nur verpflichtet waren, einen Teil der städtischen Beleuchtungskosten zu tragen. Sie waren als Bürger anerkannt und besaßen Einfluß und Ansehen. Dies erhellt ans der Tatsache, daß unter den Vertretern der Stadt, die im Jahre 1386 dem Dogen von Venedig die Bitte zu Füßen legten, sich fortan unter den Schutz dieser stolzen, mächtigen Republik stellen zu dürfen, sich anch der Jude David Semos befand, dessen Nachkommen noch heule zu den Zierden der jüdischen Gemeinde gehören. Der Vermittlung dieies vortrefflichen Mannes ist wohl anch der ein Jahr darauf erfolgte Erlaß des Großen Mats zu verdanken, der die jüdische Gemeinde seines ganz besonderen Wohlwolletts versichert und sämtliche ihr bisher verliehenen Privilegien ausdrücklich bestätigt. Im Jahre 1406 taten sich die Tore des herzoglichen Palastes in Venedig abermals einer Gesandschaft von Korfioten auf. Sie kam um die Ermächtigung zum Steinigen ihrer jüdischen Mitbürger ein. Hierzu erhielt sie nun zwar keine Befugnis, doch fiel es dem Großen Rat schwer, seine.getreuen Untertanen gänzlich unbefriedigt die weite Rückreise anlreten zu lassen. Und so wurden die Juden in anderer Weise getroffen, indem sie sich fortan angewiesen iahen, ein in gelber Farbe gehaltenes O von der Größe eines Brotes auf der Brust zu tragen, während die Frauen ihr Haupt mit einem gelben Tuch umhüllen mußten. Das zugleich mit diesem harten Erlaß verknüpfte Gebot, sich jeglichen Grundbesitzes zu enläußern, fand erst zwei Jahre später insofern eine Milderung, als den Inden dann wenigstens das Eigentumsrecht von Grundbesitz bis zum Werte von 4000 Dukaten zngebilligt wurde. Bis zum Beginn des XV. Jahrhunderts beschränkte sich die eigentliche Stadt auf die sogenannte alte Festung, während das jetzige am Meer gelegene Korfu nur für ihren Vorort angesehen wurde. Zwischen beiden.lag der von den Inden bewohnte Stadtteil. In diesen engen, von hohen Mauern umtürmten Gassen, vor denen der Haß des Pöbels verderbensinuend lauerte, ging ihnen ein Tag wie der andere trübe, freudlos und •eintönig dahin. Nur ein iir das Jahr 1776 fallendes romantisch-tragisches Ereignis wäre aus jener Periode der Knechtschaft und Tyrannei hervorzuheben: Er, der junge „Graf", Sohn des Pfarrers an der Kirche vom heiligen Spiridon, hatte zu tief in die wunderbaren Augen der schöllen Rahel geschaut und sich wohl auch vom Glanz der väterlichen Reichlümer blenden lassen. Und sie, das unerfahrene, kaum 16 jährige Mädchen wollte den Glauben ihrer Väter abschwören, um dem geliebten, Manne ganz anzugehören. Er entführte sie zur Nachtzeit aus dem elterlichen Hause. Mm folgendest Morgen sollten die Bekehrnugs- und Hochzeitsfeierlichkeiten durch den Vater des Bräutigams stattfinden. Man denke sich nun das bewegte Bild des Kirchganges, das durch die Reihen der neugierig gaffenden Menschen nnr mühsam vorwärts kommende Paar, die plötzlich herbeistürmendeu Polizeibeamten, welche die Braut ihren Eltern mit Gewalt znrückznführen suchen, die von den glühenden Worten des Pfarrers anfgestachelten. sich zu Beschützern der „Bekehrten" aufwerfenden Volksmassen und schließlich nach der religiösen Zeremonie den von wildem Gejanchz und Trinmphgeschrei begleiteten Einzllg der Vermählten in das Hans des Bräutigams! Und der Schluß? Kurz nach der Hochzeit erfolgte die Gefangennahme der jungen Frau durch Beamte der venezianischen Regierung. Sie ging in einem der entsetzlichsten Kerker V'nedigs elend zugrunde. — Gewiß mußte das tragische Geschick des so schönen als unglücklichen Wesens, dem die Liebe znin Verderben wurde, die Dichter jener Zeit zu poetischer Behandlung eiuladen. Und so zählte diese rührende Geschichte bald zu den Lieblingbüchern des griechischen Volkes. Sie erlebte in der Phönixdrnckerel zu Venedig mehrere Auflagen. Der Untergang der Republik Venedig führte erfreulicherweise auch das Ende jener mittelalterlich-barbarischen Znstände herbei. Die Mauern, die das Getto von der übrigen Stadt abschlossen, sanken und an Stelle der Freiheitsbeschräilknng. unter der die Juden bisher geseufzt, trat ihre dankbar und freudigen Herzens begrüßte völlige Gleichberechtigung mit den Christen. Unter der von 1814 an datierenden englischen Schntzherrschaft jedoch sahen sie sich die Ansübnngsbefngnis der Advokatur abgesprochen und erst nach Vereinigung der jonischen Inseln mit dem Königreich Griechenland im Jahre 1863 kam jeder rechtliche Unterschied zwischen Christen Nild Inden in Fortfall. Die gegenwärtige jüdische Gemeinde Korfus setzt sich ans verschiedenen Nationalitäten zusammen. Als im Jahre 1493 Ferdinand der Katholische in kurzsichtiger Verblendung seine jüdischen Untertanen in die Fremde stieß, fanden zahlreiche spanisch-jüdische Familien eine neue Heimat in dem meerumrauschten Korfu. Nach einem halben Jahrhundert sollte sich anch der Wohlklang der italienischen Sprache mit der spanischen und portugiesischen vermählen; denn da trug die blaue Meereswelle eine starke Kolonie verbannter Juden ans Apulien an Korfus Strand. Die Sprachen verschmolzen allmählich zu dem noch jetzt gesprochenen Dialekt, einer Mischung von italienischen und griechischen Worten, der dem Griechen wie dem Italiener gleich unverständlich ist. Die italienischen Flüchtlinge gründeten mit ihren spanischen Glaubensgenossen eine Synagoge, die zum Unterschied von der ältesten „griechischen" die „apulische" oder „spanische" genannt wurde. Die im Jahre 1558 '400 Mitglieder umfassende Gemeinde verdreifachte sich im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte und zählt gegenwärtig an 3000 Seelen. Verschiedene Ilochrichtc» Wien. (Auszeichnung jüdischer Offiziere und Soldaren.) Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das M l l > t ä r v e rd i e n st k r e nz 3. Klasse mit der Kr-egsdekoration für tapferes Berhalten vor dem Feinde dem Oberleutnant der Evidenz Emil Engel, Sekretär der israelitischen Kntrusgemenlde Wien; Das Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes dem Regimentsarzt der Evidenz kais. Rat Dr. S. Krüger, Spitalskommandant des Bereins-Reservespitales Nr. 11 in Wien. Fähnrich Erwin Steuer, welcher seil Kriegsbeginn bereits auf drei Kriegsschauplätzen kämpfte, wurde mit der großen silbernen Tapferkeitsmedalle ausgezeichnet und gleichzeitig zum Artillerieleutliant befördert. Er ist ein äußerst pflichttreuer, tapferer Offizier, dessen Berhalten musterglltig ist und har sich dadurch air der Jsonzofront hervorgetan, daß er wiederholt im lebhaftesten feindlichen Feuer seine Aufgabe mit größter Unerschrockenheit löste, ein feindliches Geschütz durch wohlgezielte Treffer vernichtete und so durch umsichtliches tapferes Berhalten feiner Mannschaft ein anfeuerndes Beispiel gab. Er ist der Sohn des Herausgebers des „Kurorrealbnm" Herrn Gustav Breuer und ein Enkel des fel. Rabbiners Josef Breuer.

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