Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1916-03-10 · Heft 8 (10.3.1916) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 8 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063828-3063836--09936-3077229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Leite 6 Die Wahrheit Nr. 8. Tempelverei» für Mariahilf und Uenban. Montag. den 6. März. 7 Uhr abends, fand im Zeremonieniaale des Tempels VI.. Schmalzhofgasse 3 die ordentliche Generalveriammlttng des Israelitischen Teinpelvereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau statt. Der Vorsitzende. Pr äsident Dr. Jakob Engel, konstatierte die Beschlußfähigkeit der Versammlung und begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste, insbesondere den Delegierten des Kulms Vor standes, Herrn Kultnsvorsteher Dr. Jakob Deutsch, Herrn Kultnsvorsteher Samuel Steiner, den Delegierten des Tempelvereines im VIEL Bezirke Herrn Philipp Weiß, den er gleichzeitig zu seinem jüngst gefeierten 70. Geburtstage beglückwünschte, Herrn Rabbiner Dr. Jakob Drobinsky. die Delegierten des Mariahilfer Frauenvereines Frau Dr. Engel und Frau Ingenieur Gelbhans, Frau Ha im. den Obmann des Vereines „Nachlath Jeschnrun" Dr. Karl Löwy und die Vertreter der jüdischen Presse. Herrn Dr. I. S. Bloch und Herrn Dr. Moriz Löwy. Nach Verlesung des Protokolles der vorjährigen Generalversammlung durch den Schriftführer Herrn August Fischel erstattet Präsident Dr. Jacob Engel den Tätigkeitsbericht über das Jahr 1915, in welchem er nach Konstatierung des gegenwärtigen Tiefstandes der Mitgliederanzahl der Heimgegangenen Mitglieder mit folgenden Worten gedenkt: Much Heuer verzeichnen wir in tiefer Wehmut den Verlust von treuen langjährigen Mitgliedern, von denen drei in der Blüte ihres hoffnungsvollen Lebens den Heldentod gefunden haben: Ingenieur Semi Berliner, dessen für das Judentum und alles Edle und Gute warm schlagendes Herz von einer feindlichen Kugel in jener denkwürdigen Durchbruchsschlacht bei Tarnow getroffen wurde, hat sein reges Interesse für unseren Tempel seit Jahren in hochherziger Weise bekundet und folgte hiebei den Intentionen seines Schwiegervaters, unseres hochverehrten verdienstvollen Kollegen Leopold Waller; er war ein treuer Besucher unseres Gotteshauses, ein überzengungsvoller Anhänger unseres Glaubens, ein edler Charakter, ein braver Mensch! Auf das schmerzlichste traf uns die Nachricht von dem Heimgange unseres langjährigen allverehrten Mitgliedes Siegfried Strauß, der leider einem feindlichen Geschosse zum Opfer gefallen ist. Siegfried Strauß, dieser selten feine, hochherzig gesinnte Mann, ein Muster und Beispiel als Gatte, Sohn und Vater, hat seine vornehme Gesinnung uns und allen dem Gemeinwohl dienenden Institutionen jederzeit m glänzendster Weise erwiesen. Nach dem Tode seines von uns noch immer unvergessenen edlen Vaters Jakob Strauß, dessen Wirksamkeit der Geschichte unseres Vereines angehört, trat er in den Kreis unserer Mitglieder, um -bei jeder sich darbietenden Gelegenheit sein warmes Interesse für das Gedeihen unseres Vereines im hellsten Lichte zu zeigen. Er folgte hiebei der Tradition dieses echten Patrizierhanses, dem seine von uns allen so hochverehrte, teure Mutter, die für die Armen unseres Bezirkes so überaus warmfühlende Präsidentin des Mariahilfer Frauenvereines, Frau Frida Strauß, angehört. Freudig war er zu Kriegsbeginn dem Rufe des Vaterlandes gefolgt und hat mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit und Hingebung seine Pflicht gegen Kaiser und Reich erfüllt. Ehre und Ruhm seinem glorreichen Andenken! Das dritte Opfer des furchtbar wütenden Krieges war Oberleutnant Ludwig L i e b e r m a n n. Noch immer hat der Name Liebermann einen guten Klang in unserem Vereine, denn nvergänglich und unanslöfchlich ist das Andenken an Hermann Liebermann in unser aller Herzen verankert. Sein ältester Sohn, den wir in aufrichtiger Wehmut heute beklagen, war ein treuer Anhänger nuferes Vereines, ein in seinem Berufe ungemein tüchtiger Mann von vortrefflichem Charakter, und unsere herzlichste Teilnahme wendet sich seiner ausgezeichneten Mutter zu, die in ihrem erprobten Gottvertrauen für ihren Schmerz Trost finden möge. Wir betrauern weiter den Verlust zweier langjähriger ehrenwerter Mitglieder, der Herren Simon Bernhard und Rudolf Klein. Au dieser Stelle gedenken wir auch mit aufrichtiger Teilnahme des Heimganges des Ingenieurs Haus Mayer, des Sohnes unseres geschätzten Vereinsmitgliedes Herrn Wilhelm Mayer, der als Opfer seiner Pflicht den Tod fürs Vaterland gefunden. Schmerzlich bewegt verzeichnen wir noch das Ableben unseres langjährigen zweiten Kantors Moritz Cz n c z k a, der am 17. Dezember 1915 einem tückischen Leiden erlag. Durch 21 Jahre hat.Moritz Cznczka seine gottesdienstlichen Funktionen in ungemein gewissenhafter und pflichteifriger Weise versehen; seine Bescheidenheit, seine stete Dienstbereitschaft. und sein schlichtes Wesen gewannen ihm die Sympathien des Vorstandes und der Tempelbesncher. die sich in der außerordentlich zahlreichen Beteiligung bei dem Leichenbegängnisse zeigten, bei welchem unser Ew. Herr Rabbiner dem Heimgegangenen den wohlverdienten Nachruf hielt. Sie haben, meine Hochverehrten, sich znm Zeichen Ihrer herzlichen Anteilnahme von Ihren Sitzen erhoben, welche Kundgebung auch im Protokoll der heutigen Sitzung Vermerkuug finden wird. Ans die spezielle Tätigkeit des Vorstandes im abgelanfenen Jahre übergehend, ermähnt der Bericht die Umwandlung des provisorischen Dienstverhältnisses unseres Herrn Rabbiners Dr. Jakob Drobinsky in ein definitives und wendet sich dann der Frage der Beiziehung der Vereiussnnktionäre zu den Leichenbegängnissen zu. Diese Frage ist schon ziemlich alt und wir müssen gestehen, daß eine uns und unsere Funktionäre befriedigende Lösung in den gegenwärtig geltenden Bestimmungen nicht gefunden werden kann, weshalb wir, sowie auch alle anderen Tempelvereine eine anderweitige Lösung anstreben. Wir müssen jedoch unsere verehrten Mitglieder darauf aufmerksam machen, daß sie für eine Besserung der Verhältnisse tätig sein könnten, wenn man in weitesten Kreisen darauf aufmerksam macht, daß Mitglieder oder Bethausbesucher unserer Bezirke, die leider in diese traurige Lage kommen, das Recht haben, die Beiziehnug unserer Funktionäre im Friedhofsamte zu verlangen. Wir hielten es für ein Gebot von Menschlichkeit und der sozialen Fürsorge für unsere braven Angestellten, diesen ab 1. Juli v. I. bescheidene Teuerungszulagen zu bewilligen, und werden sie uns auch in Hinkunft bereit finden innerhalb des Rahmens unserer freilich beschränkten Mittel ein Uebriges zu tun. Ein weiterer Gegenstand unserer Beschlußfassung bildete die Versorgung der Witwe unseres dahingeschiedeuen zweiten Kantors. Die Witwe erhält die Versicherungsbeträge seiner beiden Polizzen und außerdem eine bescheidene Peusiou, sowie einen Erziehungsbeitrag für ihren mj. Sohn, welche Beträge die ihr gesetzlich von uns zustehenden Leistungen um mehr als das Doppelte überschreiten. Wir wollen hier betonendaß uns die Alters- und Reliktenversorgung unserer zumeist viele Jahre im Dienste stehenden Angestellten sehr am Herzen liegt und daß wir nicht zögern werden, für diese dringende Notwendigkeit die Beihilfe der Knltusgemeinde in Anspruch zu nehmen, wenn sich dies als notwendig erweisen wird". Nach allgemeinen Bemerkungen über die finanzielle Gebahrnng, Anführung der eingelanfenen Spenden, Jahrzeitstiftungeu »lud Legate, sowie nach Hinweis auf einzelne besonders bemerkenswerte Momente in der Chronik des Vereines schließt der Bericht mit folgenden Worten: „Als erfreulichstes und erhebendstes Moment im abgelaufeuen Veceinsjahre sei der am 20. Juni 1915 in unserem Tempel abgehaltenen Jubelfeier anläßlich der Wiedereroberung. Lembergs gedacht, die sich eines ungemein zahlreichen Besuches unserer Mitglieder und Tempelbesucher zu erfreuen hatte und auch durch Entsendung einer Deputation der Bezirksbehörden ausgezeichnet wurde. Den Mittelpunkt dieser wahrhaft solennen Feier bildete die Festrede unseres Herrn Predigers; die altsgezeichneten Darbietungen des Oberkantors

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.