Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 7 (3.3.1916)
- Date
- 1916-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 7. versität gegründet hat. Die früher grausam geknebelte „Schwesternation Polen" wird vor dieser „Falle" und vor diesem „Linsengerichte" gewarnt. Sasanow har recht, wenn er konstatiert, Rußland habe seit Kriegsbeginn „die Bereinigung der Teile des (von ihm) zerstückelten Polen auf seine Fahne geschrieben". Das Reich sollte eben uuzerstückelt von Rußland allein verschlungen Werden. Die Tatsache kann aber Sassanow nicht ableugnen, daß alle der russischen Gewalt entrissenen polnischen Städte und Landschaften in ihren Befreiern Rener begrüßten. Daß der gegenwärtige Zeitpunkt nicht geeignet ist, die alten Aspirationen Rußlands auf schwedisches Gebiet zu verwirklichen, ist glaublich. Auch das Verlangen nach einem eisfreien skandinavischen Hafen muß noch gebannt werden, denn die Trauben hängen noch zn hoch und sind noch zu sauer. Die behailpteie Achtung der rumänischen Neutralität stimmt angesichts der im Jahre 1915 erhobenen russischen Dnrchzugsfordernngen weniger. Heuer wirkt, was Sasanow bezüglich der Kriegsaklionen der Euleine am Balkan znsammenstotterl. Der nach katastrophalen Verlusten schließlich doch erzwungene Abzug von den Dardanellen wurde nach Sasanow durch „Aendernngen der strategischen Lage" nötig. Die Besetzung zahlreicher griechischer Gebiete verstößt beileibe nicht gegen das Völkerrecht, weil ein Londoner Vertrag vom Javre 1830 die Enientestaalen berechtige, Truppen ans griechisches Gebiet zu führen. Außerdem hat ja der dunkle Ehrenmann Veniselos die Besetzung Salonikis gewünscht. Die Ereignisse in Griechenland seien also nicht mit dem identisch, was die Deutschen in Belgien taten, das, Bauer, ist etwas ganz anderes. König Nikolaus von Montenegro habe sammt Familie daS Königreich verlassen, „um nicht einen schmachvollen Frieden unterzeichnen zn müssen. Bezüglich Bulgariens kann Sasanow seinen Groll gegen die unfähige Diplomatie derber Allierten nicht vollständig bemeistern und seine Entlastung derselben fällt matt ans. Der einzige Lichtpunkt in seiner Rede ist die Eroberung Erzernms, an welchem Ereignis sich trotz der ungezählten Kriegsopfer auch der Zar delektierte. Das angebahute „germanisch-muselmanische Reich,, bereitet Sasanow Schrecken, aber er tröstet mit der gewaltigen britischen Seemacht, welche die Gefahr des „Kalifats von Berlin" wesentlich mindert. Die persische Gefahr sei geschwunden, denn „der Schah drückte dem Zaren seine Ergebenheit ans." Für Rußland sei die Mitwirkung Japans nun unendlich wertvoll (?), denn beide Staaten fühlen bereits ein Gruseln vor einer etwaigen Einigung Deutschlands mit China. Aus diesem Grunde lügt Sasanow polttische und wirtschaftliche Annäherungsversuche Deutschlands in Gewalttätigkeiten um. Die Organisierung der unübersehbaren Kräfte dieses RiesenreichK und ganz besonders die Zentralisierung derselben in einer kräftigen Hand müsse daher inn jeden Preis verhindert werden. Tags darauf hielt nach einer vielleicht bestellten Anfrage wegen englischerFriedensbedingnngen auch der englischePremierminister Asquith im Unterhause eine Brandrede gegen das deutsche Reich. Der stolze Engländer schimpfte wie ein Rohrspatz und konnte seine Wnt nicht zügeln. Er wiederholte seinekriegerische Herausforderung vom 9. Novemuer 1914, doch mußte er zn seinem großen Leidwesen znm „unterdrückten" Belgien nun auch Serbien hinzufügen. Er will noch immer „die Militärherrschaft Preußens gänzlich und endgiltig vernichten", welche ihm wegen ihrer fortgesetzten Kriegserfolge auf die Nerven geht. Hat er von den neuen deutschen Kriegstaten an der Westfront schon etwas erfahren? Es scheint, daß Asquith seine neuen Großsprechereien ebenso zur unrichtigen Zeit vom Stapel läßt, wie Italien seine Kriegserklärung an Oesterreich- Ungarn im Mai 1915. Wenn auch Asquith feierlich versichert, auch ferner von seinen Fried^nsbedingungen „nicht ein Iota" abzulassen, mag man ihm dennoch mit jenem alten witzigen Inden znrufen: ..Soll ich so leben, er wird es noch billiger geben." Die Wnt der schuldigen Kriegstreiber wird von ihrer A n g st beeinflußt, denn sie fühlen die Wahrheit des Wortes des. edlen Lord Lorebnrn: „Die Reglernng und nicht die Völker Eurapas sind für den Krieg und seine Fortdauer verantwortlich." Es graut ihnen davor nun ihre Kriegstreibereien auch zn verantworten und wollen den aussichtslos gewordenen Krieg nicht beenden. Auch das unermeßlichste Elend, das sie über den ganzen Erdball dadurch heranfveichwören, schreckt sie von ihrem Treiben nicht ab. Wann werden sie endlich von ihren eigenen Völkern erkannt und weggefegt werden? Es ist offenbar, die Kriegstreiber sind nnfähig, Frieden zn machen. N. L. Der mänseartige Kampf der englischen Diplomaten. Der freundliche Leser dürfte wohl erstaunt fragen: Was hat die englische Diplomatie mit den Mäusen gemein? oder wie das alte jüdische Sprichwort lautet: „wie kommt Haman in die Ma nischtane hinein?" Nun diese Frage will ich eben zn lösen versuchen. Ein Ansspruch unserer Weisen (Jeruschalmi B. M. S.) lautet: Hanne Achb eri reschii ninhu“. „Welch b oshafte Geschöpfe sind doch die Mäuse! So oft sie Raubzüge unternehmen und es ihnen gelingt, sich im reichsten Maße fremdes Gilt anzueignen. an den schönsten, besten und edelsten Früchten der Felder, Gärten rc. zn delektieren, zn sättigen, da genügt dies ihnen noch lange nicht, sie rufen vielmehr auch andere, abseits stehende Mäuse herbei, laden sie ein, sich ebenfalls dem Ranbznge anzuschließen, an der Plünderung lebhaft zn beteiligen, um die Besitzer irdischer Güter und Reichlümer vollständig vernichten zn können." — Wer also wird es nicht begreistich finden, daß die englischen Diplomaten ganz nach diesem Muster ihre ans die völlige Vernichtung der Zentralmächte zielende Pläne entwerfen. Seit dem Tode der Königin Victoria ist Englands Streben ausschließlich dahin gerichtet, das Deutsche Reich, das seit fünf Dezennien einen äußerst mächtigen Aufschwung genommen und auf allen Gebieten des kulturellen Lebens Großes geleistet, nie geahnte Fortschritte gemacht, zn zertrümmern, um dann den Völkern der Erde diktieren zn können. Zn diesem Behufe luden die englischen Machthaber ihre Gesinnungsgenossen, die rnssischen, französischen, belgischen, serbischen, montenegrinischen, japanischen und italienischen Machthaber, richtige Raubritter, ein, mit ihnen einen Frenndschaftsbund zn schließen und dann gemeinschaftlich gegen die „B a r b a r e n" — die lange Jahre dem Weltfrieden die größten Opfer gebracht — ins Feld zn ziehen, da sie. die englischen Diplomaten. gestützt auf die Statistik, die feste Ueberzeugnng haben, daß sie unter allen Umständen siegen m ü s s e n. Und so eilten die geladenen russischen, französischen rc. Gäste rasch herbei, hielten schon im Geiste ihre Triumphzüge in Wien, Berlin, Budapest usw., wo ihnen im reichsten Maße Gelegenheit geboten sein wird, ihre Genuß- und Habsucht, wie ihre unbezähmbare Rachgier und Herrschsucht befriedigen zn können. Und welch glänzende Erfolge, welche Siege haben die Ententediplomatie seit 18 Monaten erzielt, errungen? Trotz der „Statistik", trotz der vielen Millionen Menschen, die sie dem Moloch geopfert, trotz der hunderte Milliarden, die sie verbraucht, trotz der Gewalt, die sie gegen neutrale Mächte — die um keinen Preis ihre Neutralität anfgeben, unter keinen Umständen hnndertausende ihrer Kinder zur Schlachtbank führen lassen wollten — gebrauchten, indem sie gewaltsamer Weise in ihr Gebiet eindrangen und rücksichtslos alle Völker-