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Die Wahrheit · 1916-03-03 · Heft 7 (3.3.1916) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 7 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ahrcheit Redaktion und Administration: Wien, II., Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion Automat 42.889. Avakhängige Heitschrift für Mische Bezugspreis: Ganzjährig.K 15.— Halbjährig.K 7.50 Administration Aut. 47.854! m ] . K. k. österr. Postjparkasia- Scheck-Konto Nr. 100.918. Interessen. j Für KultnSbeaiute: Ganzjährig ... N 10.— Inserate: — Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. £ r f <61 i n t jeden Arertug. Für Ausland: AbonnemenlS- und JusertionS- Ganzjährig.8 Mark betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 Rubel oder 16 FrcS. Nr. 7. ieu, 3. Mär; HM6. Inhalt: Wütende Kriegsreden der verzweifelten Kriegstreiber. — Der mäuseartige Kamps der englischen Diplomatie.— Unzeitgemäßes aus Ungarn — Der Chassidismus. — Von den jüdischen Volksschulen in Polen. — Hilfsaktion für die Inden in Polen. — Labbatmelodien. — Jüdische Volkslieder. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Oesterr.-ungar. Kantorenverein. Wütende Kriegsreden der ver-;weifelten Kriegstreiber. Die katastrophalen Mißerfolge der russischen Heere und die völlige Machtlosigkeit Rußlands, seine Vasallenstaaten Serbien und Montenegro vor der heransbeschworeneu Strafaktion zu schützen, tragen dem geknechteten russischen Volke bereits die ersten Früchte. Der absolute Herrscher begab sich am 22. Februar l. I. persönlich ins russische Parlament, um dort die Volksvertreter huldvoll zu begrüßen. Hierauf legte der Minister des Aeußern, Herr Sasanow, der Duma ein Gesamtbild der Kriegslage vor, wie rs verlogener kaum möglich wäre. Vor allem verkündete er. d e r K a m p f g e h e weiter, bis der Feind besiegt sei. Wohl wäre dann das Kriegsende nicht abznsehen, trotz des Zurückrollens der russischen Dampfwalze, doch wissen wir, daß die feierlichsten russischen Beteuerungen zuweilen nicht eingehalten werden. Hat doch der Zar vor kaum einem Jahre in Lemberg versichert. er lverde diese Perle ans ewig seiner Krone einverleiben und auch „Rotrnßland" nie wieder Herallsgeben. Sasanow hat vollkommen recht, wenn er sagt, der Krieg bedeute das größte Verbrechen gegen die Menschheit und diejenigen trügen schwere Verantwortung, die ihn verschuldeten. Zur Entlarvung der Uebelläter ist aber Herr Sasanow nicht geeignet nnb wenn er die deutsche Regierung dieser Schuld bezeiht, dann gleicht er einem Taschendiebe, der mit dem Rufe ans der Straße vorwärtseilt, „Haltet den Dieb". Er selbst ist der unfähige Diplomat, welcher „die Stunde der Verwirklichung langgehegter Raubpläne für gekommen" erachtete. In Rußland wächst sicherlich die Unzufriedenheit Alles was er sagt, trifft auffallend in Rußland zu, aber die Behauptung, die deutschen Generale hätten die Soldaten berauscht, um ihre Angriffe ungestümer zu machen, klingt einfach kindisch. Die Ablengnung der V e r n i ch t u u g su n b A n s h u n g e r u n g s p l ä n e gegen das deutsche Volk und seine Verbündelen seitens der Entente ist aber kühn, denn sie sind w a h r. trotzdem solche Pläne seiner Darstellung gemäß sinnlos sind. Bisher gönnte die russische Regierung nicht einmal ihren eigenen Untertanen eine freie Entwicklung und angesichts der geschichtlich feststehenden, fortgesetzten RanbpolitikRußlands. Englands und Frankreichs ist die Behauptung Sasanows, Rußland und seine Alliierten hätten an die legitimen Rechte anderer Nationen nicht gerühri(?!) lächerlich. .„Ranbgierigell Appetit" hat die Entente samt ihren neu erworbenen Mitgliedern Japan und Italien in höherem Maße bekundet als das „Preußentum". Die Entente mag gegen ihre Gegner ein klares Ziel austreben, aber der Weg hiezu ist es weniger. Die wohldurchdachte militärische Z u s a m m e n a r b e i t ihrer Gegner bereitet der militärisch uneinigen und ziellosen Entente Schrecken und Unruhe und mir o h nmachtiger Zorn verleitete Sasanow zu dem Schluffe, Oesterreich-Ungarn, die Türkei und Bulgarien seien nunmehr Vasallenstaaten Deutschlands. Heiter klingt das Lob Sasanows für die tapferen Franzosen im Augenblicke, in dem die denlschen Heere an der Westfront eine neue erfolgreiche Offensive ergriffen haben. Die armen Franzosen kommen ewig nicht ans der „Vorbereitung des Sieges" heraus, während die Deutschen wacker vorwärts dringen. Daß nun alle Mißverständnisse zwischen Rußland und England restlos und endgiltig beseitigt seien, mag Herr Sasanow der Frali Blaschke erzählen und ebenso wahr und echt ist das russische Lob der italienischen Truppen. Rußland und seine Verbündeten fühlen bereits viel Zorn und Euttänschnng darüber, weil die italienische Heeresleitung nicht entschiedener für sie am Balkan die heißen Kastanien aus dem Feuer holt. Nach Sasanows Darstellung drängen die Italiener die Oesterreich-Ungarn schritt weise zurück. Wann wird demnach das Kriegsziel Italiens erreicht sein? Ein Sonderfriede wäre den Russen ebenso verderblich wie den Engländern, daher tröstet Sasanow sein Publikum mit dem Londoner A b k o m m e n. Sasanow erzählt ferner, die Ententemächte halten internationale Verpflichtungen unter allen U m st ä n d e n aufrecht (!). Erst in jüngster Zeit widerlegte dies Rußland selbst, indem es den schwer bedrängten Serben und Montenegrinern trotz seiner früheren großsprecherischen Versicherungen in keiner Weise zu Hilfe kam. Auch der um Fried-» bittende König von Montenegro tat das Gleiche. Wahre Krokodilstränen vergießt Sasanow über den Fall Polens, Belgiens und Serbiens. Bon Lithauen und Wolhynien schweigt er. Er erzählt, dort herrsche nun „unversöhnlicher Schrecken und Elend". Damit stimmt aber die Tatsache nicht, daß die deutsche Regierung in Warschau eine polnische Uni-

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