Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 6 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 6. Die Wahrheit Nr. 6. Majorität und die Ortschaften, wo die Ukrainer als einheimische Bevölkerung zusammen mit den Inden eine erdrückende Majorität ausmachen. Andere Städte auf dem ukrainischen Gebiete gibt es überhaupt nicht. Und diese Feststellung bezieht sich nicht nur auf das Gebiet der russischen Ukraina, sondern auch auf das gesamte Gebiet der ethnographischen Ukraina rechts vom Dniproftrome. In den Gouvernements Cholm und Wolhynien zum Beispiel sind alle Städte und Städtchen entweder ukrainisch (das ist mit der absoluten Majorität der bodenständigen ukrainischen Bevölkerung) oder jüdisch-ukrainisch. In Bezug auf die Gesamtbevölkerung des genannten Gouvernements bilden die Ukrainer im Gonvernement Cholm zusammen mit den Inden eine Majorität von über zwei Dritteln und im Gouvernement Wolhynien sogar eine Majorität von vier Fünfteln der Gesamtbevölkerung (71 Proz. Ukrainer und 13 Prozent Juden). Und im benachbarten österreichischen Galizien und der Bukowina haben wir annähernd dieselben Verhältnisse. Ziehen mir die obigen unleugbaren Tatsachen in Betracht, so fallen alle mit dem eben dargestellten Sachverhalt in Widerspruch stehenden nationalpolitischen Kalkulationen, wie sie gar zu oft von verschiedenen Seiten lanciert wurden, von selbst zusammen. Die Juden sind nämlich im europäischen Osten nichts anderes als — Inden und müssen auch als solche betrachtet werden. Das, was sich in der Ukraina über die jüdisch-ukrainische Masse erhebt, ist nur eine ganz verschwindende Minorität; das Fremdartige, welches momentan dorthin (hanpnächlick von der Beamtenschaft) Hineingelragen wird, ist auch nichts mehr als ein Firnis, der für die Feststellung und Beurteilung der Sachlage in nationaler Hinsicht belanglos ist. Was soll nun ans den osteuropäischen Inden werden, sobald die Zeit für die endgültige Lösung des Problems kommt? Auf diese Frage möchten wir vorläufig nicht antworten, da sich dieselbe ohnehin erst im vorbereitenden Stadium einer öffentlichen Eröterung befindet. Allein so viel können wir schon jetzt konstatieren, daß sich die Ukrainer stets für die kulturell-nationale Autonomie der Inden auf ihrem Gebiete, schon aus den Rücksichten der Gerechtigkeit und Billigkeit allein, erklärt haben, und daß sie auf diesem prinzipiellen Standpunkt verbleiben werden. Ans verschiedene Kalkulationen der sogenannten Assimilatoren können wir jedenfalls nicht eingehen, schon ans dem Grunde, weil sich die Aisimiliernugsarbeit — zumindest insofern unsere Länder in Betracht kommen — als ein politisch und kulturell ganz verweiflches Mittel erwiesen hat. Die assimilierten Juden rekrutteren sich bei uns vorwiegend aus den politisch und gesellschaftlich demoralissierten Elementen, die aus rein egoistischen Rücksichten eine neue Nationalität „angenommen" haben, itnd sofern diese ..Assimielierten" — die sich ohnehin überall ans ganz vereinzelte Individuen reduzieren — politisch anftreten. so dienen sie bloß als ein polnisches Werkzeug zu dem Z vecke. um den wahren Sachverhalt zuguusteu ihrer Gönner zu verdrehen und die öffentliche Meinung irrezuführen. Der Snezkaual und der Auszug Israels ans Aegypten. Die gegenwärtige Kriegsbühne ist sehr drehbar, bei neuen Kämpfen werden die jüdischen Söhne Hand in Hand mit den andern Deutschen tapfer kämpfen. Da ist es unereffant, daran zu erinnern, daß wir uns da auf klassischem Boden befinden, und daß die ersten Kapitel der jüdischen Geschichte von da ihren Ausgang nahmen. Denn, wo heute der Snezkaual stießt, waren einst starke Festungsmanern, die dem ägyptischen Reiche Schutz boten vor den angrenzenden Wüstenvölkern. Das Nilland war ja von jeher ein „Garten Gottes" und ein Gegenstand der Sehnsucht für alle Völker. Auch unsere Patriarchen suchten in Zeiten der Not Schutz in diesem befestigten Gebiete. Ja, das Schicksal unserer Ahnen in Ägypten war häufig mit diesen Mauern verknüpft. Denn das Land Gosen, das den Juden als Wohnsitz angewiesen wurde, war von dieser Mauer llmgeben. Die Bibel erzählt uns, daß nach dem Tode Josephs die Inden zur Frohnarbeit herangezoaen wurden. Sie mußten als Zwangsarbeit Festungen und Städte erbauen. Diese Festungen hielten ihre^ Erbauer umklammert, so daß sie körperlich nild seelisch zu Sklaven gestempelt wurden. Erst mit der Erlösung und dem Auszug ans Aegypten fing für die Inden wieder ein freies Leben an, und erst die Freiheit befähigte sie, ein großes Kulturvolk zu werden. Der Weg,- den sie nahmen, war der, den die Türken jetzt nach Aegypten benutzen, nur in umgekehrter Richtung. So wiederholen sich alte historische Vorgänge in neuer Gestalt, und sie künden uns die Ewigkeit der sittlichen Wahrheiten. Die „neue Aero" in Rußland- Man schreibt dem „Nienwe Rotterdamsche Courant" von gut unterrichteter Seite: Die Lage der Juden in Rußland wird mit jedem Tag ungünstiger. Neben dem schrecklichen Kriegselend erhebt der Antisemitismus wieder sein Haupt und macht sich iu den schamlosesten Formen geltend. Es ist nicht zu leugnen, daß die wirklich fortschrittlichen Parteien jetzt in der Kriegszeit mehr denn je für die Rechte der Inden emtreten, aber die Vertagung der Duma hat sich vorläufig mundtot gemacht. Der Einfluß der antisemitischen Presse nimmt immer mehr zu. Das echtrussische Blatt „Semstschiua" hetzt iu Leitartikeln, zu Pogromen. Die „Semstschiua" und andere antisemitische Blätter werden gratis verteilt und in ihren Leitartikeln werden die Juden, die der Zar zu Beginn des Krieges „meine lieben Juden" nannte, als Spione in Deutschlands Diensten in wüstester Weise beschimpft. Die russische Regierung scheint indessen so weise zu sein, vorläufig mehr auf das Urteil der neutralen Länder und die Stimmung ihrer, französischen und englischen Bundesgenossen zu geben als auf die Wünsche der sich „echte Russen" nennenden Untertanen. Billigerweise muß auch mitgeteilt werden, daß die russische Negierung dem Zentralkomitee zur Unterstützung der jüdischen Flüchtlinge den Betrag von einer Million Rubel übermittelt hat. aber für denselben Zweck hat ein von den Juden iu New-Iork veranstaltetes Meeting den Betrag von ungefähr drei Millionen Rubeln ergeben. Dieser Tage hat eine Deputation von Leitern der jüdischen Gemeinde in Petersburg eine Unterredung mit dem Minister des Inneren gepflogen, bei der verschiedene, das russische Judentum betreffende Angelegenheiten zur Sprache gebracht wurden. „Antike Synagogen in Galiläa". Die Deutsche Orieutgesellschaft gibt den 30. Band ihrer Wissenschaftlichen Veröffentlichungen „Antike Synagogen in Galiläa" heraus, der. mitten in der Kriegszeit zum Abschluß gebracht, eine ausführliche Darstellung der Ereignisse der rund zehn Jahre .zurückliegenden Syuagogenexpedition nach Galiläa enthält. Von den Verfassern ist der Leiter der Expedition, Regiernngsbanmeister Dr. Heinrich Kohl, nach Vollendung der Vorarbeiten für die Veröffentlichung im Herbst 1914 ins Feld gezogen und bereits am 26. September in der Nahe von Reims für sein Vaterland gefallen. Seilt Relsegefährle und Mitarbeiter, der Archeologe Professor Dr. Karl Watzinger in Gießen, hat die Arbeit zu Ende geführt. Durch diese erste Unternehmung der deutschen Orientgesellschaft ans dem Boden Palästinas , ist ein wichtiges, bisher vergessenes Gebiet antiker Architektur neu erschlossen. Die galiläischen Sy.uagogenrniuen sind die einzigen bedeutenderen erhaltenen Reste jüdischer Synagogen ans dem späteren Altertum und waren bisher nur iu ungenauen Aufnahmen bekannt. In der neuen -Veröffentlichung sind auf 18 Tafeln und in über