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Die Wahrheit · 1916-02-25 · Heft 6 (25.2.1916) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 6 (25.2.1916)
Date
1916-02-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 6. kaun und das nationale Machtgebiet wünschen diese Kreise künftig an die Wähler, aber nicht an ganze Länder ohne Rücksicht auf die Nationalität der Bewohner zu binden. Mähren bietet bueits ei» Vorbild für die letzterwähnte Auffassung. Sie wünschen, daß die Staatsverwaltung jene gemeinnützigen Anordnungen, welche sie während des Krieges gezwungen war gegen rücksichtslose Beulegier gewissenloser Produzenten und Händler zn erlassen, auch in Friedenszeiten nicht wieder ganz außer Augen lasse. Sie wünschen endlich eine innige Zollunion nicht nur Deutschlands mit Oesterreich- Ungarn, sondern auch auch mit Bulgarien und dem osmanischen Reiche, welche nicht nur den Erfolg aller feindlichen, volkswirtschaftlichen Absichten nuferer Gegner wirksam durchkreuzen kann, sondern auch den breiten Volksschichten, der heimischen Industrie und dem Handel zum Segen gereichen muß. Dabei muß aber das Volksglück und die Volkswohlfahrt. nicht aber hoher Gewinne der reichen Großagrarier, Großindustriellen, Bergwerksbesitzer und Großhändler das anznstrebende Ziel sein. Blut- und Geldsteuer werden gegenwärtig in weitaus überwiegender Weise von den ärmeren Volksschichten geleistet, welche 95 Prozent aller Staatsbürger betragen. Nach dem Kriege werden diese Bürgerscharen kainn mehr begreifen wollen, warum sie zn Gunsten der Großagrarier auch in Friedenszeiten für Brod und Fleisch erhöhte Preise zahlen sollen. Sie werden es dann nicht mehr begreifen wollen, warum die ausländischen Schweine unseren Zucker um die Hälfte billiger erhalten sollen als staatsirene Bürger im Jnlaude, zumal die Staatskasse dadurch wegen der Exportprämien.nicht einmal bereichert wird. Gegen diese vorgesührte Auffassung melden sich bereits alle ehemaligen Gegner des allgemeinen Wahlrechtes. Die Koalition der Deutschnationalen mit den Christlichsozialen, in deren Reihen bekanntlich die Agrarier dominieren, die unlängst erffolgte Ralliierung ehemaliger deutschböhmischer Landlagsabgeordneter, welche lustig einen ^Vollzugsausschuß" bildeten. welche Tat „ein Markstein der Geschichte Deutschböhmens" genannt wurde und der Präsident der Prager Handelskammer bringen jetzt noch den Mut auf, alle alten rückständigen Regiernngs- und Verwaltungsmethoden aufrecht erhalten zu wollen. Die „heilige Selbstsucht" einte Deutsche und Tschechen und so wie 'die deutschböhmischen Landtagsabgeordneteu nun das so langeleidenschafllich bekämpfte tschechische Programm akzeptieren, ebenso setzeit die Demjchböhmen auch den Ausführungen des tschechischen Prager Handelskammerpräsidenten kein Veto entgegen. Ja, diese Herren sind zu lauge verhätschelt worden und wollen nun trotz der eindringlichen Lehren des Weltkrieges der Welt ihren Vorteil als staatswirtschaftlicheu Erfolg ausschwatzen. Wie weit die Borniertheit dieser Politiker reicht, zeigen folgende Ausführungen des Prager Handelskammerpräsidenten: „Das allgemeine Interesse spricht entschieden gegen einen weitgehenden wirtschaftlichen Anschluß an Deutschland." Weil Deutschland und Oesterreich-Ungarn auf die Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln ans dem Auslande angewiesen seien, entbehrt nach diesem Handelsherrn „der wirtschaftliche Zusammenschluß beider Reiche jeder Berechtigung und jeder großen wirtschaftlichen Idee". Sogar die Ersprießlichkeit des wirtschaftlichen Zusammentrittes ganz Mitteleuropas mit dem nahen Orient leugnet dieser Herr. Der Prager Handeskammerpräsideut f ü r ch t e t e i n e n V e r d i e n st e u t g a n g il n s e r e r L a n dwirtschaft und unsere Feinde können Deutschland als Konkurrenten nicht mehr fürchten, als es dieser Herr tut. Die Hochschutzzölle sollen in Oesterreich verewigt werden. „Die Möglichst einer Zollunion mit Deutschland muß im Interesse unserer Volkswirtschaft gänzlich, ausgeschieden werden" meint der bescheidene Herr. „Für alle Fälle müssen wir den unzweideutigen Wunsch und die dringende Forderung ailsfprechen, daß die wirtschaftlichen Interessen dieses Reiches ansschließlich nach seinen eigenen Bedürfnissen zu seinem eigenen Nutz und Frommen wahrgenommen werden" schließt der Prager Handelskammerpräsident seine Ausführungen. Er vergißt jedoch, daß die weitaus meisten österreichischen Staatsbürger nach dem Kriege nicht mehr so begriffstützig sein werden, Wucherpreise für Lebensmittel und hohe Dividenden für Aktionäre als Staatsnotwendigkeiten anzusprechen. R. L. Die Pariser Rothschilds enrst nnd fetzt. Der Weltkrieg, den die Ententemächte mutwillig heransbeschworen, »m ihren Ehrgeiz, wie ihre Herrschsucht und Ländergier befriedigen zu können, hat vergiftende Früchte gezeitigt, die geeignet sind zn bekräftigen das alte Wort unserer Weisen: „Die später erfolgten grausamen Leiden ver- % drängen die früheren Verfolgungen und Bedrückungen in das Reich der Vergessenheit". In Saloniki arbeiten die Agenten der Ententemächte mit Hochdruck, um die Griechen für die Politik des Vierverbandes zu gewinnen, damit sie sich endlich doch entschließen, die Neutralität anfzugeben und ihre Kinder zur Schlachtbank zu führen und sie dort für die Interessen der edlen. Russen,' Engländer und Franzosen zn opfern. Besonders abgesehen haben es die erwähnten Agenten ans die Inden, die in Saloniki einen mächtigen Faktor bilden, mit dem man rechnen muß. Diese werden dort unausgesetzt bestürmt, sich für die'Politik der Entente einzusetzen. Doch vergebens! denn die Inden sind — wie es ihnen die Religion'gebietet — dem Reiche, in dem sie ihr Heimatsrecht erworben, mit allen Fasern ihres Lebens treu anhänglich, daher selbstverständlich die Salonikier Inden als wackere Patrioten, sich für die Politik der griechischen Regierung,- aber nicht für die der Russen, Engländer ~ und Franzosen begeistern. Da nun die ilichljübischen Agenten der Ententemächte kein günstiges Resultat erzielen konnten, wurde von respektabler jüdischer Seite, und zwar vom Chef des Pariser Hauses Rothschild der Versuch gemacht, dies Juden Salonikis umznstimmen. Herr Baron Rothschild fuhr in höchst eigener Person nach Saloniki, spendete für die arme jüdische Bevölkerung 30.000 Frcs.. konferierte mit den maßgebendsten jüdischen Persönlichkeiten, setzte alle Hebel in Bewegung, um sie für die Politik des VierverbandeS zu gewinnen, allein alle seine Anst'engungell blieben erfolglos. Der konsequente Herr Baron wollte jedoch sein Vorhaben unter allen Umständen ausführen, daher er sich entschloß, von heiliger Stätte aus auf das Gemüt des jüdischen Volkes einznwirken, demselben die Heilsbotschaft der Ententemächtean deren Spitze das fromme Väterchen steht, zu predige». Er lud nämlich — wie von Sofia berichtet wurde — die jüdische Bevölkerung von Saloniki in die Hailptsyuagoge ein, um ihr von der Kanzel herab die Notwendigkeit allseinanderznsetzen, daß die Juden in den neutralen Ländern und in Saloniki im besonderen sich zn Gunsten der Entente betätigen. Bei dieser Gelegenheit linterließ er es nicht, sein Auditorium darauf aufmerksam zn machen, daß Frankreich das erste Land war, das sich für die Emallzipation der Jllden scholl vor hundert Jahren eingesetzt hatte. Kaum hatte der H ur Baron die Kanzel verlassen, als der greise, allgemein gefeierte Großrabbiner der Salonikier Gemeinde die heilige Slärte betrat, „um. dem jüdischen Abgesandten der Elllenle die Antwort der Juden von Saloniki in unmittelbarer Rede zn geben". Mit fester Stimme rief er Baron Rothschild zn. Frankreich habe das Recht verwirkt, an die Hilfe und die politische Unterstützung der Inden zu appellieren, da es sich mit dem Erzfeinde des Judentums, mit R n ß l a n d, alliiert habe. Und solange Frankreich der Verbündete des jndenmörderischen Rußlands ist, könne kein Ja d e, auch kein neutraler Jude für Frankreich freundschaftliche Gefühle hegen usw.

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