Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 6 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und Adunnistration: Wien, II., Novaragasse 27 Telephon: Redaktion Automat 42.889. ^«abhängige Herjfchrift für jübifche B e z u g s p^r e l s: Ganzjährig.K 15.— Halbjährig.K 7.50 Administration Aut. 47.654! — Ä. k. österr. Postsparka ssa- Schetk-Konto Nr. 100.918. Interesse«. Für Kultusbeaiute: Ganzjährig.K 10.— Inserate: — Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Areitag. Für Ausland: Abonnements- und JnsertionS- Ganzjährig.0 Mark betrüge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ K Rudel oder U» Frc». Kr. 6. Wie», 25 Februar HM 6 Inhalt: Für und wider einen engen wirtschaftlichen Zusammenschluß Mitteleuropas. — Die Pariser Rothschilds einst und jetzt. — Die Korrespondenz in hebräischen Schriftzeichen. Die Ostjuden und die Nationalitätenfrage. — Der Suezkanal und der Auszug Israels aus Aegyplen. — Die „neue Aera" in Rußland. — Antike Synagogen in Galiläa. — Die jüdischen Deputierten der neuen griechischen Kammer. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. Für und Wider einen engen Wirtschaftlichen Zusammenschluß Mitteleuropas. Der geschäftliche Neid und die weltwirtschaftliche Eifersucht Englands gegen den Aufschwung Deutschlands brachte die Bildung der zwei großen Staatengruppen gegeneinander zustande, welche mm im größten Kriege aller Zeiten gegeneinander ringen. Der wild gewordene englische Krämer setzte sich bekanntlich nach dem Kriegsausbrüche nichts weniger als die Zerschmetterung und Vernichtung Deutschlands und seiner Verbündeten zum Ziel. Nicht nur durch militärische Uebermacht sollte diese Aufgabe „der Menschlichkeit" gelöst werden, sondern auch durch systematische Isolierung und ^Aushungerung aller ungezählten Millionen der Volksangehörigen aller gegnerischen Staaten. Trotz der Verbindung Frankreichs, des einstigen Freiheitsapostels der Welt, mit dem gewalttätigen tyrannischen Moskowitismus, trotz des militärischen Zusammenschlusses mit dem mongolischen ErobererstaateJapan und trotz des anfangs unter überschwänglicher Wertschätzung erzielten perfiden Treubruches Italiens an seinen einstigen Alliierten erklärte sich die Entente doch bis heute krampfhaft als Hüterin der Menschlichkeit und Hort aller schwächeren Staaten, als Schätzerin der internationalen Verträge und der Völkerrechte, während Deutschland und Oesterreich-Ungarn konsequent als Barbarenstaaten ausgeschrieen wurden, trotzdem diese dem Weltfrieden zuliebe unendliche Geduld an den Tag gelegt hatten und Oesterreich- Ungarn erst daun zum Schwerte griff, als es den ferneren Reichsbestand, ja die Sicherheit des Lebens durch die verbrecherischen Praktiken seiner südlichen und östlichen Nachbarn arg bedroht sah. Gar zahlreich und hart waren bis jetzt die Kriegsopfer, welche die Völker Oesterreich-Ungarns brachten und gar großeGefahren durchlebten wir in diesem überlangen, arg wütenden Weltkriege. Nach nahezu neunzehn Monaten hat jedoch der Vierbund Dank der Hilfe Gottes und dem Siege der gerechlen Sache und Dank der hingebenden Tapferkeit und Staatstreue aller Nationen, Volksklassen und Konfessionsangehörigen des alten Doppelstaates große und erfreuliche Kriegserfolge zu verzeichnen. Serbien und Montenegro, die zwei russischen Fanghunde im Süden Oesterreich-Ungarns, sind geknebelt und unsere tapferen Scharen sind eben daran, auch die italienischen Interessen am Balkan und ganz besonders an der albanischen Meeresküste für immer aus der Welt zu schaffen. Die Liebe Griechenlands und Rumäniens für die Entente wurde durch die Ereignisse gründlich ausgetriebeu und unsere Heere besetzen nun ungleich mehr russischen Boden, als der österreichische beträgt, den die Russen noch in ihrer Gewalt haben. Noch erfreulicher ist die Tatsache, daß die Orientbahn nach Konstautiuopel in der Gewalt des Vierbundes ist, welche Tatsache unsere Gegner am meisten beklagen, weil sie das Hauptmittel vorstellt, die „menschlichsten" Hoffnungen unserer Kriegsgegner zu durchkreuzen. Die gewaltigen Offensiven an der West-, Nordost- und Südweftfront zeitigten für unsere Feinde keinen Erfolg und ihre Unternehmungen an den Dardanellen, in Makedonien und am Tigris scheiterten bekauutlich schmählich. Der Kriegseifer unserer Gegner muß unter solchen Umständen wohl schwächer werden und nur gewaltige Anstrengungen halten noch das Joch des „Londoner Abkommens" gegen jeden Sonderfrieden aufrecht. Denkende Politiker suchen trotz des noch herrschenden „Burgfriedens" die Verhältnisse des künftigen Friedenszustandes zu besprechen und nach ihren Wünschen vorzubereiten. Der Weltkrieg zog von vielen vorhandenen Uebeln radikal den Schleier weg. Er offenbarte die.Gewalt des nationalen Zusammenhanges. Die nationale Idee zeigte sich mächtiger als die soziale Internationale und spaltete dieselbe bekanntlich in ebensoviele Fraktionen als es kriegführende Staaten gab. Er überwand die grundsätzliche Kriegsgegnerschast der Sozialdemokratie und führte sogar die polnische Sozialdemokratie in den Polenklub, trotzdem daselbst die Schlachta und die kapitalskräftige Bourgeoisie die Hauptrolle spielen. Doch ist die gesamte Demokratie, an welcher auch große Scharen von Bürgern teilnehmen, die an keinem Ueberfluß des Besitzes leiden, entschieden für eine größere Demokratisierung der staatlichen Gewalt in der Zukltnft. Sowohl die Arbeiterschaft, als die gewaltigen Scharen aller Arten von Beamten, die gesamte Lehrerschaft und alle Arten von privaten Fixangestellteu, alle intelligenten Kleinbauern, Handwerker und Kleinhändler wünschen vor allem kein anderes als das allgemeine und gleiche Wahlrecht. Sie wünschen die Staatsgewalt derart zu stärken, daß sie künftig von keiner Gemeinde- oder Landesautonomie in Frage gestellt werden