Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 5 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 6. Die Wahrheit. Teite 7. Herr Ing. T o b e l l votierte namens der Mitglieder den Dank sowohl dem Präses als anch allen Funktionären, insbesondere dem Herrn Rabbiner Dr. Bauer und, nachdem Herr Vizepräses Adolf Beck, ans die gegenwärtige Kriegslage hinweisend, dem Wunsche Ausdruck gab, daß es unserem glorreichen Monarchen vergönnt sein möge, den endgültigen Sieg seiner Krieger zu erleben und sich noch lange des Friedens zu erfreuen, schloß der Vorsitzende, Herr kais. Rat Frankl, indem er für das Vertrauen und für die ihm gezollte Anerkennung nochmals dankte. dieVersammlnng. Tempelverein im IX. Sezirk. Unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. M. Schnepp fand Montag, den 7. d. M. 7 Uhr abends im Zeremoniensaale des Tempels IX.. Müllnergasse 21 die Generalveriammlung des Bethans-Vereines „Chewra Beth-Hatsilah" im IX. Bezirke statt, die insbesondere durch die Diskussion der bereits wiederholt und zuletzt in der Generalversammlung des Tempelvereines im VHI. Bezirke neuerdings angeregten Frage der Heranziehung der Vereinssnnktionäre zu den Leichenbegängnissen in den betreffenden Bezirken allgemeineres Interesse bot. Im Nachstehenden der Bericht: Vorsitzender Präsident Dr. M. Schnepp konstatiert die Beschlußfähigkeit der Versammlung. begrüßt die erschienenen Gäste ilnd Mitglieder, insbesondere den Delegierten des Knltilsvorstandes Dr. Heinrich Schreiber, die Vorstandsdamen des Vereines „Franenhort" Frau kais. Rat schefstel und. Frau Klodilde Benedikt, die Vertreter der jüdischen Presse Dr. I. S. Bloch und Dr. M. L ö w y, den Obmann des Tempetvereines im VHL. Bezirk kais. Rat Alsr. Frankl, die Delegierten des Tempelvereines im XIX. Bezirke, Präsident Mor. M ü l l e r und Schriftführer Dr. Jacob Kohn und hält hieraus dem kürzlich verschiedenen Vorstandsmitgliede des Vereines. Herrn Joses Qnittner, einen warmempfilndenen, dessen Verdienste ' mit den Tempelverein und insbesondere um die Verwaltung des Tempels würdigenden Nachruf. Nach Verlesniig des Protokolles der vorjährigen Generalversammlung durch den Obmann-Stellvertreter Doktor Wilhelm K n ö p s e l m a ch e r wird der Rechenschaftsbericht und Gebahrnijgs-Ausweis, von dessen Verlesung über Antrag des Mitgliedes Dr. I. S. Bloch Abstand genommen wird, vorgelegt. In der Debatte über den Bericht bespricht Herr Josef Stein e r die in der kürzlich stattgehabten Generalversammlung des JLsesstädter Tempelvereirres neuerlich angeregte Frage der Heranziehung der Bereiusfuuktionäre bei den Leichenbegängnissen in den einzelnen Bezirken. Durch Erfüllung der diesbezüglichen Wünsche der Tempelvereine könnte das Einkommen ihrer Funktionäre, die trotz der möglichsten Opfer der Tempelvereine materiell schlechter gestellt sind als die Funktionäre der Kultnsgemeinde, erhöht werden und Redner apostrophiert am Schlüsse seiner Ausführungen den Delegierten der Kultnsgemeinde Herrn Dr. Heinrich Schreiber, sich beim Knltnsvorstande für die Regelung dieser Frage zugunsten der Funktionäre der Tempelvereine einzusetzen. Herr Ignaz' Glück meint, daß die Wünsche der Parteien aus den einzelnen Bezirken beim Knltnsvorstande und im Friedhofamte der Kultnsgemeinde anch bisher Berücksichtigung gefunden haben. Wenn die Vereinsfunktionäre in einzelnen Fällen trotzdem bei Leichenbegängnissen üaergangen wurden, so lag dies, im IX. Bezirke vielleicht au den : Funktionären selbst und er hofft, daß diese Ursache bei den gegenwärtigen Funktionären Wegfällen wird. Herr Dr.,Ludwig Deutsch macht den Vorschlag, die Tempelvereine mögen anstreben, daß eure, gewisse Quote der Taxen, bei Trauungen, und Leichenbegängnissen von Bereins- : Mitgliedern und Bezirksinwohueru. gleichgültig, ob die Funktionäre der Vereine oder der. Äultnsgemeinde herangezogen -werden, den Tempelvereinen, resp. deren Funktionären znge- . wendet werde. Herr Dr. Heinrich Schreiber dankt dem Vorsitzenden für die freundlichen Worte der Begrüßung, die er ihm als Delegierten des Knltilsvorstandes zuteil werden ließ und anerkennt die hohen Verdienste der Vereinsleitnng. die in dem Berichte und der ausgewiesenen Gebahrung znm Ausdrucke kommen. Die Tempelvereine nehmen bedeutenden Anteil an den kulturellen Ausgaben der Mllttergemeinde und ihr Wirken hat jederzeit im Knltnsvorstande Würdigung und Anerkennung gefunden. Zit der in Debatte stehenden Frage betreffs Heranziehung der Vereinsfnnklionüre zu den Leichenbegängnissen will aber Redner nicht als Delegierter des Kriltnsvorstandes Stellitng nehmen sondern nur seine persönliche Meinung dahin äußern, daß ihre Löiililg am einfachsten wäre, wenn sie feiten» der Funktionäre selbst vom kollegialen Standpunkte behandelt würde und diese durch ihre Organisationen die Feststellnng veranlaßten, daß es mit der gebotenen Kollegialität unvereinbar, sei daß ein Fnilktonär der Killlllsgemeittde mit Uebergehtlug des Bereinsfnnklonärs Funktionen m einem Bezirke überniluml. Herr Dr. Jakob K o h u, Schriftführer des Döblinger Tempelvereines. erklärt, daß die materielle Seite der angeregten Frage leicht durch die Subventionen der Knltnsgemeinde ausgeglichen werden könnte. Aber durch die Berkürznllg der Vereinssnnktionäre leidet auch das Prestige der Tempelvereine und itirer Funktionäre. Nach dieser Rlchtnng könne nur eine Organisanon der Tempelvereine Abhilfe schaffen und eine solche würde anch Garantien dafür bieten, daß die Tempelvereine auch in anderen Belangen die ihrem Wirken und ihren Opfern entsprechende Beachtung fänden. Es sei ihm und gewiß auch vielen anderen anfgesallen, daß bei den letzten Kovptationswahlen in den Knllnsvorstand die Tempelvereme übergangen wurden und nebst anderen Bezirken habe anch z. B. der Tempelvereine des IX. Bezirkes keinen Vertreter im Knltttsvorstande. Frau Klothilde Benedikt warnt davor, bei den Parteien irgend einen Zwang betreffs Wahl der Funktionäre insbesondere bei Trauungen ansznüven. Herr kais. Rat Alfred F r a n k l, Präsident des Tempelvereines im YIH. Bezirke, dankt dem Vorsitzenden für die freundliche Begrüßung und verweist datlu ans den Abbruch des Ansehens, der dem Verelnsfunktionär widersäbrt, wenn bei einem Leichenbegängnisse im Bezirke an seiner Stelle ein im Bezirke unbekannter Funktionär funglerl. Herr Moriz Mülle r, Präsident des Tempelvereines im XIX. Bezirke, konstatiert, daß die Kultnsgemeinde in in ihren Gotteshäusern zirka 5000, die Tempelvereine Wiens aber zirka 15.000 Tempelsitze haben. Bon dem Kultnsbudget der Gemeinde mit ungefähr 600.000 Kronen werden aber für die Knltnsslätten der Kultnsgemeinde 500.000 und nur zirka 100.000 auf dem Wege der Subventionen für die Tempelvereine verwendet. Das sei unbedingt ein Mißverhältnis. Gleich seinem Borstandskollegen Dr. Kohn ist er der Ansicht, daß nur eine Organisanon der Tempelvereine. die allerdings nicht gegen die Mnttergemeinde, sondern in friedlichem Einvernehmen mit derselben die schwebenden Fragen zu regeln hätte, Wandel schaffen kann und er hoffe, daß der Schwesterverein im IX. Bezirke einer demnächst ergehenden Einladung seines Vereines zu einer Beratung in dieser Angelegenheit Folge leisten werden. Der Vorsitzende Dr. M. Schnepp bestätigt in seinem Schlußworte die mißliche Lage der Vereinssnnktionäre und versichert, daß der Tempelverein im IX. Bezirke gerne an allen Bestrebungen zur Förderung der Interessen der Tempelvereine und an deren Wahrnehmung im friedlichen Ueberemkommen mit der Kultnsgemeinde gerne Anteil nehmen werde. Hierauf wird der Bericht genehmigt und dem Vorstände einstimmig das Abfolutorinm erteilt. Bei der hierauf folgenden Wahl wurden gewählt in den Vorstand die Herren: Salo Fuchs, Ignatz Glück und kais. Rat Jg. Wilhelm; in beu A n s f ch u ß die