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Die Wahrheit · 1916-02-11 · Heft 5 (11.2.1916) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 5 (11.2.1916)
Date
1916-02-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Nr. 5. Die Wahrheit Herren: Josef Fuchs, Leopold Hendl, Gerson Koralek, Ludwig L a z a r, Julius R o s e n b a u m und Isidor Treb itsch. Nach Erschöpfung der Tagesordnung wird die Generalversammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Die deutsche« Inden nnd der Krieg.*) Das Kapitel Inden und Judentum, so oft es auch in Wort und Schrift angeschnitten wird, bleibt eigentlich ewig neu. da immer neue Gesichtspunkte, Stellungsnahme für und wider, anftreten, die neue Worte, neue Ansichten und Meinungen ergeben. Hier aber liegt ein zeitgemäßes, in bester Absicht von autoritativer Seite behandeltes Thema vor. Diese Schrift ist keine Streitschrift, sie tritt nur warmherzig für die Juden ein und gibt allen Zweistern klar zu verstehen, wie die deutschen Inden in früheren Kämpfen — die Schrift beginnt mit dem 18. Jahrhundert — und im gegenwärtigen Kriege sich als Deutsche und Soldaten fühlten und fühlen und wie sie ihre Psticht taten und wie sie auch jetzt zu jedem Opfer an Gut und Blut, freudig bereit sind. Der Verfasser hat sich größter Objektivität besteißigt, er würdigt das Verhalten der Juden, denen es nicht au Mut und Tapferkeit gebricht, er schildert ihren Anteil an I)er Literatur, er behandelt Zeitabschnitte und führt zum Teil noch unbekannte Zitate an, wie er seine Angaben überhaupt autentischem Qnellenmaterial entnimmt. Mit derselben Wärme, mit der Geiger die Juden als gute Deutsche und patriotisch gesinnte Kinder ihres Vaterlandes schildert, verurteilt er offen die Zurücksetzung, die die Juden als Soldaten bis in die jüngste Zeit erfahren haben, ein minder erfreulicher, aber im Rahmen dieser Schrift unvermeidlicher Punkt. Darum darf diese Arbeit als eine verdienstliche bezeichnet werden, die nicht allein Tatsachen berichtet, sondern auf Freund nnd Feind anfklärend wirken soll. Diese Broschüre, die kurze Zeit nach Erscheinen in neuer Auflage erscheinen mußte, nimmt einen besonderen Platz in der Kriegsllteratur ein; auch für die Juden Oesterreichs ist sie von großem Interesse und ihre Verbreitung kann nur empfohlen werden. Armin Redab. *) Bon Geheimrat Prof. Dr. Ludwig Geiger, Preis Mk. 1.20, Berlin W. 57 bei C. A. Schwctschke & Sohn. Uerschiedrne Nachrichten Wie». Freitag, den 4. Febrnar ist der langjährige, verdienstvolle Präsident und Ehrenpräsident der türkischen Jsraelitengemeinde in Wien, Herr Licco Z. Adult im 77. Lebensjahre gestorben. Sein Hmscheiden hat sowohl die Gemeinde wie auch die Beamten in große Trauer versetzt. Der Berblicheire hat sich viele Jahre den Agenden der Gemeinde und insbesondere der Verwaltung der Wohlfahrtsmstltntionen gewidmet nnd gleich seinem frommen und überaus wohltärigeu Barer Jehuda A d n t t, an dem er ein leuchtendes Vorbild im Wohltuu hatte, war er ein aufrichtiger Freund und Förderer der Armen und Notleidenden. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 6. d. M. unter nngemein zahlreicher Beteiligung statt. Au der Bahre standen die gebeugte Witwe, zwei Töchter und ein Sohn, fernex der ältere Bruder, der Tempel- und Schulvorsteher Moreno Adutt, sowie der Schwager Alfred M. R u s s o. der gesammte Vorstand der türkischen Gemeinde nnd der Chewra-Kadischa, sowie Abordnungen der Vereine. Nachdem Rabbiner V a p o die Trauerrede gehalten, sprach im Namen der türk.-sephardischen Gemeinde Herr Leon H a t nt und Herr Dr. Ad. Kapralik, als Delegierter des Knltusvorstandes im Namen der Knltusgemeinde. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Bauer unter Asiistenz der Kantoren L ö w i t und A l t a r a s. Vien. (Auszeichnung zweier Brüder.) Erzherzog Franz Salvator hat den Brüdern Emil und Viktor Jelinek die silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuze mit der Kriegsdekoration verliehen. Diese, jedem der Brüder zuteil gewordene Auszeichnung durch den Protektor-Stellvertreter der Gesellschaft vom Roten Kreuze erfolgte in Anerkennung der besonderen Verdienste um die freiwillige Sanitätspslege. deren sich die Herren Jelinek in völlig selbstloser und uneigennütziger Weife seit längerer Zeit hingeben; sie haben durch vierhändige Klaviervorträge in Lazareten in- Wien. Hirtenberg, Laxenburg, Tulln, Mödling, Eggenburg, Schloß Achen, Hirschstetten rc. Tausenden und Abertaujeirden unserer heldenmütigen Krieger, die dortselbst ihrer Wledergenesnng . eutgegengehen, zahllose Stunden des Vergessens ihrer Leiden und Schmerzen bereitet und sind jederzeit zur Verfügung, wenn es gilt, den an sie zn richtenden Einladungen zu entsprechen. Wien. Samstag, den 12. Februar abends halb 8 Uhr findet im Sitzungs-Saale der Israelitischen Kultnsgemeinde. I., Seltenstettengasse 4, 2. Stock, die General-Versammlung des Vereines für K r a n k e n p f l e g e und U n t e r st ü tz u n g h a n d l u n g s a n g e- ' höriger Israeliten, statt. Tagesordnung: 1. Wahlanzelegenheiten und Abgabe der Stimmzettel für die wie folgt vorzuiiehmenden Wahlen: a) Neuwahl von 4 Vorstandsmitgliedern, b) Neuwahl von 2 Vorstands-Ersatzmännern, c) Neuwahl des Revisionskomitees. 2. Vortrag des Jahresberichtes pro 1915. 3. Erstattung des N>'visionsberichtes. 4. Eröffnung der Debatte und Abstimmung über die vorgetragenen Berschte. 5. Promnlgierung des Wahlresultates. Die Herren Funktionäre, deren Mandat statutenmäßig abläuft, sind wieder wählbar^ Wien. Samstag, den 5. Februar fand im Tempel in der Seitenstettengasie die Barmizwah des Koiifirinanden Josef Schock, Sohn des Herrn Hermann Schock in Döbling und dessen seliger Gattin geb. K r a m p e l, statt. Der Konfirmand, ein Schüler des Kantors »iib Religiouslehrers S. Iellinek in Hollabrunn, wurde als Maftir mlsgernfen und las die Haftora mit vielem Verständnisse und in überaus exakter Weise vor. Herr Rabbiner Dr. K a m i n k a hielt eine gemütvolle Ansprache an den Barmizwah, desien Vater namhafte Spenden wohltätigen Zwecken widmete. Wie«. (Verein für Krankenpflege nnd Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten.) Samstag, den 12. Februar abends 7 Uhr findet im Gemeindetempel, I., Seiteust'ettengaffe 4, die statutengemäße jährliche Gedächtnisfeier für die v e r st o r b e n e n V e r e i n s ,n i t g l i e d e r, statt. - Oberhollabrunn (Außertourlich e B e f ö r d e u n g.) Dr. Ernst Ritter, vohn des hiesigen Arztes Herrn Dr. Emannel Ritter, wurde vom Kommando der Südwest-Armee für hervorragende chirurgische Tätigkeit an der Jsonzosront am 18. Jänner a. c. auße rtourlich zum k. u. k. Oberarzt i. d. R. befördert. Oberarzt Herr Dr. Ernst Ritter ist derzeit als Chirurg bei der Hilssmission H. des Roten Kreuzes (I. Gruppe Hocheuegg) in Bulgarien tätig. Großwardein. Am 26. Jänner ist hier Frau- Dr. Ignatz R e t h i, die Tochter des hiesigen Oberrabbmers Dr. K e c s k e in e t y nach kurzem Leiden im 27. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis der so früh Dahingeschiedenen gestaltetete sich zu einer großen Trauern knudgebnng. Tausende Menschen ohne Unterschied der Konfession waren anwesend. Der Obergespan, der Bürgermeister Karl R i m l e r, die Spitzen und Behörden der Stadt und des Komitates, eine Deputation der Orthodoxen Gemeinde und Delegierte vieler Vereine. Oberkantor Jenö Weiß trug mir dem Tempelchor die Tranergesänge vor. Der Onkel der Verstorbenen Herr Oberrabbiner Dr. Kecskemeth aus Mako, würdigte in tiefempfundener Rede die Tugenden und Vorzüge der so jäh Dahingeschiedenen. Am Grabe trug Oberkantor I.- W e i ß in sehr ergreifender Weise das „Elinole Rachamim“ vor. Berlin (A u s d e nr amerikanischen Indent» m.) Wie dem „Berliner Tageblatt" mit Kabeltelegramm vom 29. Jänner mitgeteilt wird, hat in New-Iork die Ernennung des Anwaltes Louis B r a n d e i s als Mitglied des Obersten Gerichtshofes großes Aufsehen hervorgerusen, da Brandeis bei verschiedenen Prozessen gegen Bahngesellschaften eine hervorragende Rolle gespielt hat. Louis Brandts ist ein bekannter demokratischer Politiker und seit einigen Jahren auch im jüdischen Leben Amerikas besonders hervorgetceten seit er sich der zionistischen Bewegung angeschlossen hat und in ihr mit großer Hingabe tätig ist. Seit Ausbruch des Krieges ist Louis Brandeis der Vorsitzende des Provision«! Executive Committee for General Zionist Affairs in Netv-Z)ork, der zionistischen Vertretung sür die außereuropäischen Länder, die mit der Leitung der Zionistischen Organisation, dem engeren Aktions-Komitee in Berlin, Hand in Hand arbeitet, an desien Spitze Prosesior Otto Marburg steht. Hilfskommi ssto» 1913fnrPalästina. (Wien, IV., Fraukenberggasse 14.) Der mörderische Krieg und die infolgedessen sich stets steigernde Not im heiligen Lande veranlaßt uns neuerdings, an unsere Glaubensbrüder mit der höflichen Bitte heranzutreten, unserem Hilfswerk ihre gütige Unterstützung gewähren zn wollen. Bis heute war es uns möglich, durch das hohe k. u. k. Ministerium des Aenßern K 110.000 an Bedürftige in Palästina verteilen zn lassen. Die Not ist, aber eine derart entsetzliche, daß unsere österreichisch-ungarische politische Vertretung in Jerusalem nnd Saffed telegraphischer Anweisung weiterer größerer Beträge in der Höhe von 70.000 Frcs., d. i. gegenwärtig X 112.000 als unbedingt erforderlich erbittet. Wir wollen nicht unterlassen, darauf hinznweisen, daß^ das hohe Ministerinm des Aenßern in Äuhetracht des patriotischen Zweckes, der Wichtigkeit und Dringlichkeit unseres Unternehmens uns einen Beitrag von K 10.000 zu spenden die Güte hatte.

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