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Die Wahrheit · 1916-01-28 · Heft 4 (28.1.1916) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 4 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4. Die Wahrheit Seite 9. dem Ausschüsse der Pester israelitischen Kultusgemeinde gehört er seit 1861 an. Auch im sozialen, kommunalen und politischen Leben der Hauptstadt betätigte er sich in markanter Weise. Seit Jahrzehnten ist er Mitglied der Stadtrepräsentauz. Nach dem Tode Moriz Wahrmanns wurde er dessen Nachfolger als Abgeordneter der Leopoldstadt, die er zwei Zyklen hindurch im Reichstag vertrat. Die ebenso selbstlose wie hingebungsvolle Wirksamkeit im Dienste der Konfession hinderte Moriz Mezei nicht, in der Leitung seiner seit einem halben Jahrhundert bestehenden Advokaturskanzlei, einer der angesehensten der Hauptstadt. Als Anwalt und Direktionsmitglied der Pester Ungarischen Kommerzialbauk hat er zum Ausbau des ungarländischen Kreditwesens besgetrageu. In juridischen Fragen war er wiederholt der Ratgeber der leitenden Staatsmänner; seit Ausbruch des Krieges hat er bei der Vorbereitung der Moratorinmsverordnnngen sowie anderer in den Bereich des wirtschaftlichen Lebens gehörender wichtiger Gesetze und Verordnungen mitgewirkt. Ans allen Gebieten, auf die sich seine so vielseitige Tätigkeit erstreckte, hat er mit Einsetzung seines umfassenden Wissens und seines nimmer erlahmenden Eifers voll und ganz seine — meist freiwillig übernommene — Pflicht getan. Trotz seiner achtzig Jahre geht Mezei noch rüstig einher und seine Arbeitslust ist noch nicht erschöpft. Rauschende Ovationen, die ihm zu seinem 80. Wiegenfeste zugedacht waren, hat er sich, als seinem Wesen widerstrebend, verbeten, aber jene, die seine auf mehr als ein halbes Jahrhundert sich erstreckende segensreiche und ersprießliche Tätigkeit kennen und schätzen, haben es sich nicht nehmen lassen, ihm ans diesem Anlasse ihre aufrichtige Verehrung, ihre wärmsten Sympathien und ihre herzlichsten Glückwünsche in schlichter, aber um so innigerer Weise zum Ansdrucke bringen. Ueber die Feier selbst wird folgendes gemeldet: Um die zehnte Vormittagsstunde fanden sich die ersten Deputationen und Gratulanten ein. Zuerst sprach die Deipntation der Pester israelitischen Kultusgemeinde unter der Führung des Präsidenten Ludwig Adler vor; die Deputation bestand aus den Herren Dr. Moriz Stiller. Hofrat Sigmund L. Breitner, Dr. Beta Feleki und Generalsekretär Dr. Julius W e i ß b u r g. Präsident Ludwig Adler richtete an den Gefeierten eine schwungvolle Ansprache, in der er seiner großen Freude darüber Ausdruck .gab, daß es ihm vergönnt sei, Mezei an seinem Jnbeltage begrüßen zu können. Die Deputation der Ofner israelitischen Gemeinde machte unter der Führung des Präsidenten Doktor Isidor S z a b o l c s i ihre Aufwartung, der auf die schweren und großen Kämpfe hinwies, die Mezei im Interesse der ungarischen Jndeuheit siegreich bestanden hat. Der Deputation der Bndapester Chewra Kadischa gehörten Präsident Hofrat Julius Minierb erg, Vizepräsident Julius Adler und Vorsteher Joseph Bro d y an. Hofrat W i n terb erg schloß seine Ansprache mit folgenden Worten: »Du bist unser, Du bist unser bester Mann. Aber nicht, weil Dein Name eiugereiht ist in unsere Mitgliederlisten, Du bist unser vermöge der edlen Regungen Deiner Seele, vermöge Deiner Nächstenliebe nnd dank Deiner heiligen Betätigung für das Wohl der ganzen Jndenschaft." Der Führer der Abordnung des sechsten israelitischen Gemeindedistrikts, dessen Präsident Mezei ist, war Dr. Franz M e z e y, der darauf hinwies, daß in den letzten fünfzig Jahren in der Geschichte des ungarischen Judentums sich kein bemerkenswertes Ereignis abgespielt hat, an dem Mezei nicht bedeutenden Anteil gehabt hatte. Er gab dem Wunsche Ausdruck. Mezei möge die vielgeprüften Juden in den sicheren Hafen führen. Unter der Führung des Szegeder Reichstagsabgeordneten Dr. Jzso Rosa sprach die Deputation der israelitischen Distriktspräsidenten vor, unter der Führung Dr. Franz Mezeys die Deputationen des israelitischen Landes- Rabbiner-Seminars nnd der israelitischen Landes-Lehrer- Präparandie; unter der Führung des Magnatenhausmit- Zliedes Geheimrates Leo Lanczy eine Deputation des Direktion der Pester Ungarischen Kommerzialbauk. eine Deputation der Bndapester Advokatenkammer unter der Führung des Hofrates Dr. Moriz B r ü l l, eine Deputation der Leopoldstädter Kasinos unter der Führung des Hosrates Max Markus, die Stadtrepräsentanten des v. Bezirks unter der Führung Dr. Samnel Glücksthals, eine Deputation des Prvfessoreukörpers des Sakoraljanjhelyer Piaristen-Gymnasiums. wo Mezei seine Gymnasialstndien absolviert hat, eine Deputation seiner Vaterstadt Saioraljanjhelv und noch viele andere. Im Laufe des Tages sprachen in der Wohnung Mezei s Staatssekretär Dr. Leopold B ad a ß, Staatssekretär Baron K a z y, Bürgermeister Dr. Ste-- phan Ba rczy, die Magnatenhansmirglieder Adolf v. Ullmaun, Manfred v. Weiß, Reichstagsabgeordneler Paul S a n d o r nnd andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vor. In den Abendstunden erschien Moriz Mezei im Klub der Nationalen Arbeitspartei, wo er Gegenstand herzlicher Begrüßung war. Bon besonderer Herzlichkeit war das folgende Grainlationsschreibeu des Ministerpräsidenten Grasen Stephan T i ß a : Lieber aller Freund! Gestatte mir, daß auch ich mich der Reihe jener anschließe, die Dich an Deinem heutigen Geburtstage mit ihren Glückwünschen anfsnchen. Bon den Gefühlen der wahren Hochschätzung und Freundschaft erfüllt, wünsche ich Dir, daß er Dir noch viele Jahre vergönnt sein möge, in Kraft nnd Gesundheit die Jahreswende Deines Geburtstages zu erleben. Es grüßt Dich vom Herzen Dein Getreuer Stephan T i ß a. Kerfchiedene Nachrichten Wien. Der Vorstand der Kultusgemeinde Nagykanizsa hat an den Präsidenten des Oesterr.-ungar. Kantorenveremes, Herrn Oberkantor Jakob Bauer nachfolgendes schreiben gerichtet: „Euer Hochwoülgeboren! Sehr geehrter Herr Präses! Anläßlich der Lerchenfeier nuferes unvergeßlichen Oberkantors Leo Kart sch maroff wurden uns ans nah und fern unzählige Bewerfe der Teilnahme geliefert. Insbesondere waren es die dem Andenken des teuren Toten von Euer Hochwohlgeboren gewidmeten Worte, die wir in unserem herben Schmerze als wahre Tröstung empfunden haben. Die Teilnahme der Herren Kanroreu in Vertretung des Oesterr.-ungar. KantorenvereineS am Leichenbegängnisse hat uns davon überzeugt, welch' hohe Schätzung und Würdigung der Verblichene in Berusskreisen genoß. Sowohl Euer Hochwohlgeboren, als auch den Herreir Kantoren sprechen wir unseren tiefgefühlten Dank für die Mitwirkung beim Leichenbegängnisse aus. Als schwachen Beweis unseres Dankgefühls übermitteln wir Euer Hochwohlgeboren K 200 (Zweihundert Kronen) mit der Bitte, diesen Betrag den humanitären Zwecken des unter Ihrer Leitung stehenden Kantorenverernes zu widmen. Genehmigen Sie die Versicherung unserer Hochachtung. Nagykanizsa, am 14. Februar 1916. Der Vorstand der isr. Knlmsgeiueittde: Ludwig B a r o n, Sekretär. Heinrich G r ü n h n t. Präses. Wien. (I s r a e l >. t i s ch e K n l t u s g e m e i n d e.) Donnerstag, den 3. Februar 1916, halb 8 Uhr abends, find>'t im Ingenieurnnd Archirekrenvereinssaale. L, Ejchenbachgafse 9, ein Borrrag des Herrn Dr. S. G andz starr. Thema: „Die Gesanuorganisationen der Juden in der Diaspora." Eintritt frei — ohne Karten. Wien. Zugsführer Bela L a z a r. Sohn des bekannten Wiener Selchwarenfabrrkauten, welcher seit Beginn des Krieges bererts zweimal im Felde stand, erhielt die Silberne Tapferkeitsmedaille. Die Ueber - reichung fand ut Nagykanizsa durch den Regimentskommandanten, in Anwesenheit sämtlicher in Gala erschienenen Offiziere und der Mannschaft statt, wobei der Kommandant an den Ausgezeichneten Worte der Anerkennung richtete. Wie«. (Israelitischer Tempelverern für die Bezirke Wieden und Margarethe n.) Sonntag, den 30. Jänner 1916 um 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungsfaale des Israelitischen Tempelvereins für die Bezirke Wieden und Margarethen in W>rn, V;, Siebenbrnnnengaffe 43, d,e 42. Gelieratverfammlililg dieses Vereins statt.

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