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Die Wahrheit · 1916-01-28 · Heft 4 (28.1.1916) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 4 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 10. Die Wahrheit Nr. 4. VLe«. Die orde« t l i ch e G enera lv ersammlu »g des TempelverrinS ,m VIII. Bezirk der Stadt Wie» findet Mittwoch, den 2. Februar 1916, präzise halb 11 Uhr vormittags, im Tempelgebäude, VIIT., Neudeggergaffe 12, statt. Wie«. Im Alterversorgunshause der Kultusgemeinde starb vor kurzem eine in den Sängerkreiseu Alt-Wiens wohlbekannte Persönlichkeit, Fräulein Kathi O r u st e i n, als hochbetagte Greisin. Sie war die Gesellschafterin und Hausrepräseutantin der unvergeßlichen k. k. Kammer- und Hosoperniäugerin Csillag. Wer von uns alten Wienern hat nicht durch diese gottbegnadete Primadonna des alten Kärntnertor-Theaters Stunden höchsten Entzückens für das Leben festgehalten. Künstlerinnen wie die Wildauer, Türgeus, Liebhart, Dust» manu-Maier, Sulzer, Künstler wie Ander, Erl, Walter, Beck, Draxler, Tr. Schmied. Hrabanek, Lay und als Stern erster Größe die Ungarin Csillag. Ihre Leonore. im „Trovatore" von Berdi habe ich niemals ui dieser Bollendung, in Spiel und Gesang, gehört und gesehen. Ich erinnere mich a» die Szene, wo Walter als Trovatore sang, im Kerker die Strcra, der Chor in der Kirche stimmte unt dumpfer Glockenbegleitung das Miserere zu seiner Sterbestunde an. Da erschien die Csillag als Leonore vor dem Kerkerturm und sann die bekannte Arie „Ich bin dir treu" und schloß mit einem hohen 6. Das ganze Haus war entzückt, die Gallenebesucher wollten ms Parterre hnrab. Da saß ein junges, schönes Mädchen, sie hatte den Klavierauszng der Oper m ihren Händen und weinte herzergreifend, sie hieß L n c c a. Fräulein Kathi Ornstein begleitete die Csillag ans ihren Kunstreisen. sie beherrschte fremde Sprach-n, war in Paris und Florenz ebenso heimisch wie in Budapest und Wien, sie verstand die Honneurs zu machen, den Fürste» Montenuovo, den Musikgrasen Lanckoronsky zu empfangen und sprach wiederholt mit Meyerbeer, Verdi und Goldmark. Trotzdem Fräulein Kathi Ornstein im Alter ins Versorgnngsheiul kam, haben sämtliche Mitglieder der Familien Sulzer und Frankel sie als treue Hausfreundin luil'g verehrt aus Dankbarkeit ans dem Altar der unsterblichen Künstlerin Csillag. E. Fr. Budapest. Am 1. Jänner wurde im Rahmen des Sabbat- Gottesdienstes das zehnjährige Amtsjubiläum des Oberkantors Israel Tkatsch gefeiert. In Anwesenheit des Präsidiums und Kultnsvorstaudes wurde der Jubilant zur Thora anfgerufen und der I. Kantor Adolf Jakobovits trug in meisterhafter Weise einen vom Rabbinate zu diesem Zwecke verfaßten Ni Lobsderaob vor. Die Tempelbesucher, die so zahlreich erschienen waren, daß der große Rombachtempel die Menge nicht fasten konnte, ergötzten sich an der herrlichen Stimme und dem künstlerischen Gesang des Gefeierten, der die althebräischen Gesänge gepaart mit moderuer-Kunst so zu vereinigen versteht, daß das Publikum in vollster Begeisterung nach stürmischer Akklamation, und Beglückwünschung des Jubilars das Gotteshaus verließ. Der Jubilar wurde von nah und fern mit' Glückwünschen und anderer Aufmerksamkeiten reichlich bedacht. Berlin. Sonnabend, den 15. d. M. veranstaltete die Synagogengemeiude „Beth-Zion" aus Anlaß des 25 jährigen Anitsjubiläums ihres., verdienstvollen Herrn Rabbiner L. Höxter einen Festgottesdleust, an dem sämtliche Vorsteher und Mitglieder der Gemeinde reilnahmen. Die Synagoge war von ehrwürdigen Gästen, treuen Freunden und Anhängern des Jubilars überfüllt. Der Gottesdienst in dieser Gemeinde ist ein herrliches Denkuial wahrhaft jüdischen, traditionellreligiösen Lebens im Zentrum des Großstadtgetriebes. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. W e i s s e. In seiner ihm eigenen Weise fand er tiefgehende, treffende Worte zur Chakterisierung und Würdigung der Persönlichkeit und Wirksamkeit des Jubilars. Er brachte der Gemeinde zum Bewußtsein, was sie iu der Persönlichkeit des Gefeierten besitzen, wie schwer der Standpunkt eines Rabbiners in der Gegenwart, besonders in der Großstadt ist. Es ist nun dem Gefeierten während der 25 Jahre seiner Amtstätigkeit gelungen. Segensreiches zu schaffen. Mit aufopfernder Liebe, jedoch gewiffenhaster Strenge und Gerechrigkeil leitet er seine Gemeinde. Nur so, indem er die bei Eigenschaften eines Talmud chochom, Liebe und Gerechtigkeit in sich vereinigte, konnte er das Wohl der Gemeinde in jeder Beziehung fördern und ihr Ansehen mehren und schützen. Durch seine energische Mitwirkung wurde eine neue Synagoge gebaut und seiner rastlosen Arbeit hat die Gemeinde die Gründung der Religionsschule zu verdanken. Als Beispiel treuer Pflichterfüllung erwarb er sich die ungeteilte Anerkennung und Dankbarkeit seiner ganzen Gemeinde. Tief gerührt dankte der Ge« feierte in ergreifenden Worten und betonte, daß er ohne die kräftige Mithilfe des Vorstandes nicht in der Lage gewesen wäre, das zu leisten, was er geleistet haben soll. Er schloß mit der Bitte, ihm auch fernerhin zu unterstützen und dem innigen Gebete Ai tascUichenu bezes dikuah. Am Nachmittag versammelten sich das Lehrer-Kollegium, die Schüler und Schülerinnen der Religionsschule „Beth-Zion" um dem Jubilar auch ihre Anerkennung und Dankbarkeit zu erweisen. Da war auch der Vorstand vertreten. Die Lehrerin Frau Klein hielt eine kurze, herzliche Ansprache und überreichte dem Jubilar ein Geschenk des Lehrerkollegiums. Die Kinder brachten ihm Blumen. Auch hier sprach der Gefeierte tiefempfundene Worte des Dankes und gab seiner besondere.» Freude über das Gedeihen der Religionsschule Ausdruck. Mit drei Kinder» habe er unter dem Spotte so mancher angefangen. Heute sind es 260 Schüler und Schülerinnen, die regelmäßig am Religionsuurerricht reiluehmen. Im ganzen sind es 2000 Zöglinge, die diese Schule während seiner Lehrtätigkeit besuchten. Besonders hob er die treue Mitarbeit der älteste» Lehrer, der Herren Pollak und Gottlieb, die ihm stets treu zur Seite standen, hervor. Möge es ihm noch recht viele Jahre vergönnt sein, seine segensreiche Tätigkeit zum Wohle des Judentums ausüben zu können! Petersburg. Alle jüdischen Flüchtlinge von Petersburg erhielten den Befehl, umgehend Petersburg zu verlassen. Mit diesem: ministeriellen Zirkular wurden laut „Birschewyja Wjedomosti" Schtscherbatows Zugeständniffe ausgehoben. Die Petersburger Inden befinde» sich in sehr schlimmer Lage. In dem neugegründeleil jüdischen Verein, der sich damit beschäftigt, die Geschichte, die Sitten und den Natioualcharakter der Inden zu erforschen, nnd an besten Spitze Gorkis I. I. Tolstoi und Andrej ew stehen, sagte Gorki: „Zu ihrer Schande beschäftigte sich die russische Intelligenz mit der Jndenfrage nur, wenn sich die Inden in äußerster Nor befänden. Es wäre höchste Zeit, nun endlich die Jildenfrage ernst zu erwägen, da der zunehmende Antisemitismus im russischen Nationalismus den besten Nährboden, gesunden habe. New-Iork Das allgemeine Verteilungskomitee, das die drei ameritanisch-jüdlschen Hilfskomitees umfaßt, beschloß auf seiner letzten Sitzung, für die durch den Krieg betroffenen Juden eine weitere Rate von 229.000 Dollars bereitznstellen. Die Verteilung geschah in folgender Weise: 80.000 Dollars für die Inden Rußlands. 70.000 Dollars für die Inden Polens in den von Deutschland okkupierten Gebieten; 24.000 Dollars für die Inden Palästinas und 5000 Dollars für die Juden der Türkei. Es sei hiuzngefügt, daß von dem verteilten Gelde 40.000 Dollars vom Vols-Hilfskomitee zur Verfügung gestellt worden war, von e,ner Körverichaft. die erst kürzlch organisiert worden ist, und ihre Samiiiluugen ausschließlich bei den arbeitenden und gewerbe^ treibenden Klassen betreibt. Im ganzen wurden bisher in Amerika aufgebracht: in runden Zahlen Dollars 1,940.000. Austritte ans dem Judentum. Schwarz Rosa, Bedienerin, geb. 21. Oktober iu Wien. XVI., Wichtelgaffe 16. Pollak Otto, k. k. Oberleuleuannr, geb. 20. März 1863 in Brünn. IV., Wieduergürtel 14. Kirsch Arthur, Privatbeamter, geb. 10. Juli 1894 in Böhmen. IV., Versorgungsheimstraße 26. Kaufmann Max, Privatbeamter, geb. 10. Oktober 1891 in Wien. III., .Hetzgaffe 20. Dr. Bacher Agnes, Aerztin, geb. 20. Februar 1890 in Wien. III., Biharegaffe 8. S i l b e r st e r n Alfred, geb. 2. Jänner 1876 in Laubelldorf. XVHL, Bentzgaffe 27. B i n oze Karl. geb. 10. Oktober 1874 in Temesvar. XII., Längenfeldgaffe 12. Doux Alfred, Privatbeamter, geb. 13. Jänner 1872 in Ungarn. III. , Blütengaffe 9. Dr. Tschelnitz Julius, Handelsgesellschafter, geb. 3. Juni 1868 in Wien. I., Maxmilianstraße 9. Löw-Beer Karl, geb. 17. Oktober 1882 in Wien. V., Schönbrunnerstraße 85. Groß mann Antonie, geb. 20. Februar 1876 in Mähren. IV. , Wieduergürtel 64. Norden Anna, Hildegard, Private, geb. 19. Juni 1895 in Trient. DL, Währingerstraße 76. Norden Elisabeth, Private, geb. 21. Juni 1895 in Krakau. DL, Säulengasse 10, Wur m i e r Paul, Fabrikant, geb. 19. Oktober 1877 iu Mannheim. XIII., Eiiisiedlergaffe 13. Ungar Franziska, geb. 9. September 1897 in Wien. B ra n d e i s Lola. Privat, geb. 10. Mai 1891 in Galizien. Hl:, Rennweg, Jnfantriekaserue. Labor Karl, Prokurist, geb. 11. Angust 1856 in Ungarn. VII., Burggaffe 2. Fisch! Alfred, Vertreter, geb. 7. Februar 1883 in Wien. IV., Hockgaffe 4. Kulka Bertha, Private, geb. 1. August 1891 inLeipnik. IC, Braterstraße 58. Melach Richard, Franz, Marie, Docktor, geb. 7. Februar 1878 in Wien. VI., Amerlinggaffe 9. Friedländer Walla, Direktor, geb. 27. September 1890 in Wien; IX., Porzelangaffe 16. Die geehrten Herren Abonnenten werben ersucht, die restlichen Abonnementsbeiträge einsenbeu zrr wollen.

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