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Die Wahrheit · 1916-01-28 · Heft 4 (28.1.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 4 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr..4- Die 2üahrdeit Setie 7, ■; Bevor ich schließe, halte ich es für menre Pflicht.: erstens, unsere Sympathie und unsere besten Wünsche zum Ausdrucke ju bringen für das Wohlergehen unserer Beamten, -die aus . dem Felde der Ehre für das Vaterland tapfer und rimstig kämpfen; zweitens, zu danken allen unseren Beamten, die in dieser schweren Zeit selbstlos und mit außerordentlichem Eifer. ihres Amtes walten; schließlich spreche ich auch, besonderen Dank aus dem Bureau für die Unterstützung, die ich bei der Ansarbeituug meines Referates gefunden habe. Ich erlaube mir den Antrag zu stellen, das vorliegende Budget auznnehmen." Der Präsident Dr. Alfred Stern dankt dem Referenten für seine mühevolle ausgezeichnete Arbeit und eröffnet hierauf die Debatte. Budgetdebatte. Heinrich Mendl: Nach einigen budgettechnischen Bemerkungen, die sich aus die im Voranschläge ausgestellten Defizite und deren Bedeckung beziehen, erklärt der Redner betreffs der M a z z 0 r s r a g e, daß aus derselben der Knltusgemeiude keine Kosten erwachsen sollen und dürfen, daß vielmehr das Risiko einzig und allein von den Erzeugern getragen werden müsse. Was den Religionsunterricht betrifft, müsse er in Bezug auf den ansgewiesenen Zuschuß der Kultus-' .gemeinde die Frage stellen, ob wir hierin nicht schlechter gestellt sind als dieKatholiken und ob auch diese für denkatholischen Religionsunterricht eine verhältnismäßig gleiche Summe ausvringen müssen. Jedenfalls sei. dafür zu sorgen, daß nach dieser Richtung die staatlich garantierte Gleichberechtigung zum Ausdrucke komme. Im allgemeinen ist aber der gegenwärtige jüdische Religionsunterricht nicht geeignet, bei den Kindern der Großstadt, welche in viel stärkerem Verkehr mit der Welt stehen als die Ostjllden, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu züchten und ihnen AchtUtlg uni) den Rückgrat oder gar den Stolz auf ihre Religion zu stärken. Eine Abhilfe ist da dringend geboten. Für S ch u l s u b v e n t l 0 n e n ist im Budget der Betrag von K 40.000.— eingestellt, diese Ausgabe dürfte nicht so sehr einem intensiven Bedürfnisse der Wiener Bevölkerung, als dem der hier weilenden Ostjnden eutiprechen. Ich möchte mit dieser Bemerkung keineswegs den Anschein erwecken, daß hierin eine Spitze gegen unsere Brüder aus dem Osten enthalten sei. vielmehr wünsche ich, daß wir in die Lage kämen, ihnen kulturell und materiell möglichst ausgiebig zu helfen, es handelt sich nur darum, daraus hinznweisen, was wirklich im Interesse unserer Wiener Juden gelegen ist. Auch das Matrikelamt. das einen Zuschuß von X 41.000.— erfordert, besorgt staatliche Ausgaben im übertragenen Wirkungskreise und es wäre daher ebenso wie beim Religionsunterricht ein Ersatz seitens des Staates anznstreben. Die Pflege der Wohltätigkeit erfordert insgesamt einen Betrag von mehr als K 600.000.—. Ich vertrete den Standpunkt, daß es nicht angezeigt ist. die Gemeindemitglieder durch Steuern zwangsweise zur Ausübung von Wohltätigkeit zu veranlassen. Prinzipiell bin ich überhaupt gegen konfessionelle Wohltätigkeil, weil wir verlangen müssen, daß .nufere Armen von den gesetzlich verpflichteten Behörden alimentiert werden müssen, nicht aber nur von den Inden. Die konfessionelle Wohltätigkeit ist nur als Ergänzung nötig. Ich halte darum die Organisation der g e s a m t e n Wohltätigkeit als eine wichtige und dringende Aufgabe. Die Kultusgemeinde hat sich durch Dotierung der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen gleichfalls zu diesem Standpunkt bekannt. Die Ausgestaltung dieser Zentralstelle, der ich auch angehöre, will lch mir angelegen sein lassen und ich wünsche, daß Subventionen nur au solche Institutionen bewilligt werden, die der Zentralstelle detaillierte Berichte über ihre Tätigkeit einsendeu. Das Budget akzeptiere ich. erlaube «ur jedoch den Wunsch auszusprechen/ daß der Vorstand, insbesondere das BertreterkoÜeglUln, bei seiner Gebahrung mit Rücksicht auf die derzeitigen Verhältnisse besondere Sparsamkeit walten lasse. * Hof rat Dr. I. L öw ne r: Seit langer Zeit besteht in der Wiener jüdischen Bevölkerung große Unzufriedenheit mit den Erfolgen des Religionsunterrichtes. Die jüdische Jugend zeigt nicht Herz und Sinn für Judentum und jüdische Religion. Die Schuld wirb von den einen der mangelnden Erziehung im Hause,, von den anderen den jüdischen Religiouslehrern beig.emesseil. Jedem Standpunkt ist eine gewisse Berechtigung nicht abzuerkenuen. wenn aber die Erziehung im Hause versagt, dann muß die Schule den Mangel zu ersetzen trachten. Die Fehler scheinen ebenso im Material wie in der Methode zu liegen. Keine Post wä>e hoch genug, wenn damit erreicht wird, daß eine Besserung eintrirt und die Knltnsgemeinde muß dafür sorgen, daß sie das b sie Lehrermaterial erhält. Die jüdische Jugend kennt nur, besonders seit Beginn der anusemim'chen Aera, die Mißlichkelten der Gesellschaft, die ihr ans ihrem Jndentume erwachsen. Bon der erhabenen Ethlk und von der Geschichte des Judentums ist ihr wenig bekannt. Unter solchen Verhältnissen ist es begreiflich, wenn der Jndifferenlismns so große Fortschritte macht und ichließtlch viele ihr Judentum wie einen Mantel abwersen. Diesbezügliche Anträge werde ich in der Schnlkommiision einbringen. für heute will ich nur betonen, daß der Rellgionsnnterricht über die Formenlehre die Ethik und die Geschichte des Jndenunus nicht vernachlässigen darf. Ich bin keineswegs ein Zionist, aber ich muß bekennen, daß es ein Borzng der zionistischen Jugend ist, auf diese Weise das jüdische Selbstbewnßtseln gehoben zu haben. S. . B r 0 d beantragt unter Hinweis auf die Erfolge seiner betreffend die Reform des Jngeudgoltesdienstes gegebenen Anregungen, daß die Obmänner der Bezirkskommissiouen die beim Jugendgotlesdienste anwesenden Delegierten veranlassen mögen, allwöchentlich auf vorgedruckten Formnlarieu Bericht an den Killtnsvorstand zu erstatten. Vizepräsident Dr. Leopold Kohn ersucht den Antragsteller, seinen Antrag in der Kommission einznbringen, da heule eine Beschlußfassung über denselben nu Plenum nicht möglich sei. Dr. Marklls Spitzer freut sich, daß die neuen Kollegen in ihren heutigen Ausführungen gerade dem Religionsunlerricht besonderes Juteresse enlgegengevracht haben. Die Frage des Kollegen Heinrich Mendl. ob die Inden bezüglich des Religioilsutel lichtes schlechter gestellt seien als die Katholiken, müsse er verneinen. Ans Grund des Katecheteugeietzes, das den Staat verpflichtet, für den Religionsunterricht in der dritten und vierten Bolksschulklasse sowie in der Bürgerschule Sorge zu tragen, bezieht die Knltusgememde gegenwärtig ein Pallschale von K 48.000.—. Vorher wurden die Beiträge für einzelne Schulen, respektive Lehrer gegeben, jedoch hat das Pauschaliystem den Vorzug, daß die Knlknsgemeinde durch dasselbe unabhängig von der" Kommune wurde, die zrimeist die Verfügungen von dem Gefichtspnnke aus beurteilte, ob der Säcke! der Kommnue hiedurch belastet wird oder nicht. Seit Einsühruug des Palischales gibt es auch im Bezirksschulräte weniger sogenannte Jndenstücke. Es wurde vo den Vorrednern auch die Vordernng gestellt, beim Religionsnnterrlcht eluen breiteren Raum der Ethik und Geschichte des Judentituls eiuzuränmen. Wie ist dies aber bei einem zweistündigen Unterricht in der Woche möglich? Natürlich hängt viel von den Fähigkeiten des Lehrers ab, aber selbst der talentierteste Lehrer kann Unmögliches nicht znstandebringen. Ich wäre jedermann baufbar. der mir das Rezept geben könnte, der Jugend Begeisterung eiuzllimpfen. Meines Erachtens macht nur Wissen Begeisterung. Was die Ausgaben für Mazzolh betrifft, sinder Redner dieselben vollkommen berechtigt, da eme konservative Knltnsgemeinde Institutionen schassen muß, an denen sich alle beteiligen können. Rach südlicher Tradition ist die Kultusgemeinde auch verpflichtet, Wohltätigkeit ausznüben, denn Gemilus chassodim ist eine der Grundlagen der jüdischen Lehre. Prof. Dr. Ehrmann konstatiert mit Bedauern, daß das jüdische Leben in den Familien geschwunden und nicht danach angetan ist, die Kinder zu begeisterten Juden zu

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