Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 4 (28.1.1916)
- Date
- 1916-01-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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etAcii-...-.. -...:. ..., /Ptt/MrdMit............. , ., Nr. 4. Im Ä b s ch U i t t e 6t (finanzielle- und Ähministtütions?- augelegenhetteu) flud die'MMSfieueru' für das 'laufende Jahr 1sti6 Meuüber dem Jahre 1915 um K 100.000.— erhöht worden. Für die Erhöhung war maßgebend, daß bekanutennaßen- Ke» einer größeren Anzahl voil Zensiteu, von denen bekannt war. daß sich die Verhältnisse im ab gelaufenen Jahre günstig. gestaltet haben, eine Erhöhung der Kultnssteüern vorgenommen wurde. - Hiezn war der Vorstand statutenmäßig berechtigt; hie Erhöhungen sind aus Grund von Sachverständigen, Gutachten und deren Einschätzung erfolgt. Wir glauben annehmen zu können, daß diese Erhöhungen mindestens die Summe ergeben werden, um welche die KultnSfteuer pro 1916 höher angenommen wurde als für das Jahr 1915. In den weiteren Kapiteln sind mit Ausnahme der Post allgemeine Reverse, welche in vorjähriger Höhe beibehalten wurde, keine wesentlichen Aenderungen eingetreten. Die Post per K 100.000.— in „Außerordentlichen Ausgaben" war notwendig wegen der den Angestellten mit Plenarbeschluß zugebilligten Kriegsteuerungsznlagen. Ich habe bereits in den einleitenden Worten, welche ich meinem Referate voransschickte, das vorliegende Budget als eine Art Kriegsbudget bezeichnet. Können bereits in normalen Zeiten die in unserem Budget anfscheinenden Einnahme- und Ausgabeposten nur als wahrscheinliche angesehen werden, dann gilt dies umsomehr in Zeiten, wie die gegenwärtigen. in welchem auch die Wahrfcheinlichkeitsberechnung sehr häufig im Stiche läßt; und wenn uns auch die wichtigsten Eingangsposten aus dem Jahre 1915 halbwegs Anhaltspulikte geboten haben für gleichartige Eingangsposten für das Jahr 1916, so fehlt uns derzeit noch der Ueberblick über die Höhe der im Jahre 1915 stattgesnndeneu Ausgaben, deren endgültige Feststellung erst in dem Rechnungsausweife geboten werden wird. Wir können nur das eine nachdrückkichst betonen, daß das Vertreterkollegium und das Bureau, soweit als dies möglich mit Berücksichtigung der bereits vorliegenden Ergebnisse aus dem Jahre 1915, sowie in Berücksichtigung aller maßgebenden Verhältnisse, die einzelnen Posten des Budgets geprüft und festgestellt hat. Allein die gegenwärtige Kriegslage und die durch dieselben hervorgerusenen derzeit bestehenden und allgemein auf alle Kreise der Bevölkerung schwer lastenden Verhältnisse haben nicht bloß ihren Einfluß geübt auf die Feststellung unserer Einnahmen und Ausgaben, sondern dieselben wirken auch lähmend auf die seit Jahren in Aussicht genommenen und zum Teile dringend notwendigen Ausführungen. Ich will heute nicht besonders hervorheben den unbedingt notwendigen Bau unseres Administrationsgebäudes und die seit Jahren projektierte Ausführung ans dem zu diesem Zwecke angeschasften, rückseitigen Baugründe, sondern vornehmlich daraus Hinweisen, daß wir auch den Ban des Kiuderspitales, für welchen bereits das Kapital seit Jahren erliegt, neuerlich hinauszuschieben bemüßigt sind, weil unter . den gegenwärtigen Verhältnisten und bei den enormen Preisen auf allen hier in Betracht kommenden Gebieten einerseits und wegen Mangel an Arbeitskräften andererseits dies geradezu ein Ding der Unmöglichkeit ist und will weiter darauf verweisen, daß wir auch, was als geradezu unaufschiebbar gelten sollte, die Inangriffnahme der Arbeiten auf dem für den neuen Friedhof bestimmten Platze wiederum um ein Jahr verschieben muffen. In dieser Richtung ist die Sachlage folgende: Wir haben laut der per 1. Jänner 1916 vorgenommenen Aufstellung und Berechnung für Gratisbegräbnisse, sowie für Begräbnisse der vierten Klasse auf der derzeit bestehenden, jüdischen Abteilung des Zentralst iedhofes höchstens noch Belegraum für das Jahr 1916. Für Leichenbestattnngen der höheren Klasse haben wir die Pelegungsmöglichkeit noch für längere Zeit. Nun sind wir auch in dieser Beziehung durch die Kriegsereignisse imb: bereit Folgen nicht in der Lage schon ist diesem Jahre die 'Anlage ans bem neuen Friedhofe auszuführen, dies auch dann nichtr wenn wir große finanzielle Opfer bringen wollten, weil die Baumaterialien äußerst schwer zu beschaffen sind, weil die Arbeitskräfte fehlen und weil alle notwendigen Herstellungen ernorme Kosten iit Anspruch nehmen würde, die Beschaffung des für die Ausführung dieser Anlage nötigen Kapitals nicht, bloß schwierig, sondern auch äußerst kostspielig wäre. Zu dem wird, wie im Vorjahre, ein großer Teil der betreffenden Grundfläche von der Gemeinde Wien, richtiger könnte man sagen, von der Militärbehörde für Anbanzwecke in Anspruch genommen nnd wir können uns in keinem Falle dieser mit Rücksicht auf das allgemeine Interesse gesielten Anforderung bezüglich eines bedeutenden Teiles dieser Fläche nicht entziehen. Wir haben uns deshalb entschlossen die Vorbereitung für alle Arbeiten, welche die vollständige Instandsetzung der Grundfläche und die Aufführung der nötigen Baulichkeiten erfordern werden, schon in diesem Jahre vorzunehmen und alles vorzukehren, damit eventuell schon im Herbste des Jahres 1916, jedenfalls schon im Frühjahre 1917 mit dem Baue des Adminlstrationsgebäudes und der sonstigen Anlagen der betreffenden Grundfläche vorgegangen werden kann. Wir werden jedoch noch im Jahre 1916, und zwar möglichst bald eine provisorische Adaptierung eines Teiles des neuen Friedhofes und die Aufführung eines gleichfalls provisorischen Gebäudes ans dieser Fläche zur Ausführung bringen und ans diese Weise einen Begräbnisplatz für Lei chen der vierten Klaffe, sowie für Gratisleichen Herstellen, damit wir diese Fläche bereits in den letzten Monaten des Jahres 1916, unter allen Umständen mit Beginn des Jahres 1917 für Belegzwecke benützen können. Wir werden mit dem diesbezüglichen Plane recht bald an Sie, herantreten nnd Ihre Genehmigung hiezu einholen. Sehr geehrte Herren! So wenig wir begreiflicherweise Grund haben von dem vorliegenden Budget befriedigt z u fein, so wenig wäre es anderseits -angebracht, bezüglich desselben einem zu weit gehenden Pessimismus Ranm zu geben und dies nicht bloß deshalb, weil das Ergebnis der Eingänge pro 1915 ein relativ günstigeres war als wir es erwartet haben, sondern aus dem weiteren Grunde, weil das pro 1916 präliminierte Defizit in dem Falle, wenn die in einzelnen Fällen erfolgten Erhöhungen der Knltussteuer halbwegs einfließen werden, eine namhafte Verringerung erfahren dürfte. Ich möchte bei diesem Anlasse an unsere geehrten Glanbensgeuossen und insbesondere an jene Glaubensgenossen, bei denen mit gutem Grunde mit Erhöhung der Kultusstener vorgegangen wurde, den Appell richten, diese Steuervorfchreibung mit Rücksicht ans die außerordentlichen Verhältniss¬ und die hiedurch unserer Gemeinde erwachsenden, bedeutenden Lasten und mit weiterer Rücksicht darauf, daß ein namhafter Teil dieser Eingänge Wohltätigkeitsanstalten und charitativen Institutionen zustatten kommen, nicht anzufechten und das Opfer, das ihnen durch solche Erhöhungen erwachsen ist, zu bringen, im Bewußtsein, daß dasselbe wohltätigen Zwecken zu dienen habe. Sehr geehrte Herren! Uns Inden hat seit Jahrtausenden unter allen möglichen schwer drückenden Verhältnissen die Hoffnung auf Besserung aufrecht erhalten; wir bringen dies seit jeher in dem täglichen Gebete: Al ken. nekawe $um?lu§bnicfe. Und so wollen wir anch in dieser hart bedrängten Zeit anch heute der Hoffnung Ausdruck geben, daß recht bald der heißersehnte uns und allen Völkern zum Wohle gereichende Friede eintreten wird/ Hoffen wir, daß dieser Friede uns Juden die Gewährung mancherberechtigter. bisher nicht erfüllter Ansprüche bringen und uns auch ermöglichen wird im Interesse unserer Gemeinde ans allen Gebieten ihres Wirkungskreises eine gedeihliche Betätigung zu entfalten, unserer Gemeinde zur Ehre, unseren bedrängten Glaubensgenossen? um Heile.