Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 4 (28.1.1916)
- Date
- 1916-01-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Die Wahrheit Seite 6. Winnen. Auf diesem Wege, der hier nur angedeulet sein soll, wird es gelingen, einerseits die Scheu vor der Behörde, das angeborene Mißtrauen zu überwinden, andererseits das lästige und zudringliche Ueberlaufen der vielgeplagten Beamten mit kleinen Anfragen und allerhand Lappalien zu verhüten und somit menschenwürdige Zustände wenigstens anznbahnen. Da» Kndget der Wiener Kntinsgemeinde. In der am 23. Jänner unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung des Knltusvorstandes gelangte der Voranschlag der Knltnsgemeinde pro 1916, nach vorangegangenen wiederholten Beratungen des Vertreterkollegiums, zur endgiltigen Beschlußfassung. Wie in anderen Körperschaften, ist es' auch in der Knltnsgemeinde Gepflogenheit, gelegentlich der Budgetdebatte sich nicht nur mit den ziffernmäßigen Aufstellungen zu beschäftigen, sondern auch die Gemeindewirtschaft im allgemeinen zu beleuchten und zu den Prinzipien Stellung zu nehmen, mach denen die Gemeinde verwaltet und geleitet wird. Wir hatten seit einer Reihe von Jahren Gelegenheit, ausgezeichnete Budgetreferate zu hören, die sich von dem trockenen Ziffernmaterial zu allgemeinen Ausblicken erheben, und auch Heuer waren die übersichtlichen Darstellungen des Budgetreferenten, H. Vizepräsidenten Dr. Leopold Kohn, der die voraussichtliche Veränderungen in den einzelnen Budgetposten im Zusammenhänge mit den Ursachen derselben erörterte, in diesem Sinne gehalten und regten eine interessante Debatte an. Den Reigen der Redner eröffneten zwei neue Mitglieder des Kollegiums, die Herren Heinrich Mendl und Hofrat Dr. L ö w n e r, die wohl, wie es ja selbstverständlich ist und wie sie selbst offen einbekannten, in der knappen Zeit ihrer Zugehörigkeit zum Knltusvorstaude nicht in allen Beziehungen volle Vertrautheit mit den behandelten Materialien erlangt haben konnten und wie Herr Men dl treffend bemerkte, manchen Fragen vielleicht mit der Unbefangenheit des Unverständigen gegenttberstehen. Ihre Ausführungen fanden aber, da dieselben ans einem reifen, aus reichen Lebenserfahrungen gesammelten Urteil basierten, allgemeine Beachtung. Sicher ist es, daß der Knlusvorstand in den letztkooptierten Mitgliedern, soweit wir ihre Tätigkeit bisher zu beobachten Gelegenheit hatten, wie es bei beiden genannten Herren und dem ins Vertreterkolleginm gewählten Dr. Wilhelm Pappenheim der Fall ist, einen erfreulichen Nachschub an tüchtigen .Arbeitskräften erhalten hat. Im Nachstehenden der Bericht: Nach Verlesung des Einlaufes durch Herrn Sekretär Dr. Emil Adler erteilt Präsident Dr. Alfred Stern dem II. Vizepräsidenten Dr. Leopold K o d n das Wort zur Erstattung des Bndgetreferates pro 1916. Budgetreferat. „Sehrgeehrte Herren!" „Es ist zum zweiten Male, daß wir unter dem Einflüsse des gewaltigsten Krieges, den je die Welt gesehen, daran gehen, unseren Haushalt für das laufende Jahr zu ordnen und es ist selbstverständlich, daß die Ungewißheit, die unter den obwaltenden Verhältnissen in allen Gebieten des öffentlichen Wirtschaftslebens und nicht minder auch in der Privatwirtschaft besteht, auch in nuferem Budget für das lausende Jahr zum Ausdrucke gelangt. Ans den Ihnen heute zur Beratung und Beschlußfassung vor^elegten Voranschlägen der Einnahmen und Ausgaben unserer Kultusgemeinde für das laufende Jahr 1916 entnehmen Sie, daß die präliminierten Einnahmen LI 3,608.516.28 und die Ausgaben X 3,913.858.49 betragen, daß sonach für das laufende Jahr ein Defizit von X 4(35,342.21 resultiert. Gegenüber dem pro 1915 präliminierten Fehlbeträge von X 321.242.82 stellt sich das pro 1916 resultierende Defizit um X 84.099.39 höher als pro 1915. Der Abschnitt A (Bethäuser. Kultus- und rituelle Angelegenheiten) weist pro 1916 an Gesamteinnahmen ans: X 227.810.—, an Ausgaben X 596.535R—, erfordert daher einen Zuschuß von X 368.725.—, welcher sich gegenüber dem Zuschüsse pro 1915 per X 348.681.— um K 20.044.— höher stellt. Im Abschnitte B (Religionsunterricht) stehen den Einnahmen per X 62.788.— Ausgaben per X 407.434.— gegenüber, daher stellt sich der Zuschuß pro 1916 auf LI 344.646.—, um K 6.010.— höher als im Jahre 1915. Im Abschnitt 0 (Friedhofs- und Beerdigungsangelegeuheiten) betragen die Einnahmen LI 978.659.—, die Ausgaben K 455.497.—, daher pro 1916 der Ueberschuß von X 413.897.—, um K 36.732.— weniger als im Jahre 1915. Die Tatsache, daß dieser Ueberschuß trotz bedeutender Mehreinnahmen ein geringerer als pro 1915 ist. ist dadurch erklärlich, daß einerseits große Leistungen ans der einen Seite mit größeren Ausgaben auf der anderen Seite verbunden sind, andererseits durch die auf allen Gebieten bestehenden, bedentenden Erhöhungen der Preise der in diesem Ressort erforderlichen Materialien und Löhne, die Mehrauslagen bedeutend gewachsen sind, wobei nicht zu übersehen ist, daß infolge der Kriegsereignisse und des Flüchtlingsznznges die Gratisleistnugen auf diesem Gebiete bedeutend höher sind als in andern Jahren, was wesentlich zur Verringerung des Ueberschusses beitrng. Auch sind in diesem Abschnitte sowohl in Haben als in Soll die Ergebnisse des Jahres 1915 berücksichtigt worden. Wenn im Abschnitte O, Kapitel XXITI (israel. Spital) bei Einnahmen von LI 311.766.— und Ausgaben von X 592.180.— trotz der außerordentlichen Erhödungert in den Ansgabeposten gegenüber dem Jahre 1915 der Zuschuß per X 280.414.— bloß mit K 1695.— höher ist als pro 1915, so hat dies seine Begründung darin, daß in den Einnahmeposten die Verpflegsgebühr pro 1916 um K 90.000.— höher angenommen werden konnten als im adgelanfenen Jahre 1915. Die Erhöhung der Verpflegsgebühr findet die Anfklärnng darin, daß das Kriegsministerium für die in unserem Spitale untergebrachten, verwundeten Soldaten die gesetzlich normierte Verpflegsgebühr zahlt, welche für das laufende Jahr mit dem Betrage von zirka X 70.000.— angenommen wurde; würde man diese Vergütung nach dem Betrage berechnen, welcher für die Monate November und Dezember 1915 gezahlt wurde, so würde ein weit höherer Betrag resultieren; nachdem aber sowohl die Anzahl der behandelten Militärpersonen nicht immer die gleiche ist, nachdem weiters die Dauer der Unterbringung von verwundeten Soldaten gleichfalls eine derzeit nicht zu bestimmende ist, mußten wir uns mit der approximativen Ziffer begnügen, von der wir annehmen konnten, daß sie jedenfalls zur Abstattung gelangen wird. Im A b s ch n i t Le E (Versorguugsanstalt) erscheint der Zuschuß trotz der auch in diesem Abschnitte nicht unwesentlich auftretenden Erhöhungen der Berköftignngsausgaben um X 70.000.— aus dem Grunde geringer als im Jahre 1915, weil eine Vergütung und Verpflegsbeiträge seitens des Wiener Magistrates mit einem Benage von X 40.000.—. also um X 26.000.— mehr als im Jahre 1915 angenommen werden konnten, weil ferner sonstige Mehreinnahmen aus Zinsen vorhanden und insbesondere deshalb, weil die außerordentlichen Ausgaben um X 52.500.— weniger sind als im Jahre 1915, wobei nicht unerwähnt bleiben darf, daß das günstige Ergebnis der außerordentlich sorgfältigen ökonomischen Gebahrung, wie sie eben unter der Leitung seitens des Herrn Hosrates Dr. Rappaport besteht, zu danken ist. Der Abschnitt X (Armen- und Wohltätigkeitsangelegenheiten) ist in seinen Ansätzen nahezu unverändert geblieben, da es sich diesfalls überall um gegebene Posten handelt.