Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 2 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 7. Nr.. 2. war es gewesen, eine verdammte Siätte. Kein Rechtgläubiger, lein rechter Nüsse burftc seinen Faß ans den verwünschten Boden des Jndenfriedhofes setzen, so erzählte mir ein alter, alter Bauer, der trotz des Krieges hier geblieben war. Hier ruhten ja die Verhaßten und Gezeichneten, die Nicht-einmal- Geduldeten, die Ewiggehetzten. > Dann kam aber der Krieg und der stille Friedhof verwandelte sich in einen Kampfplatz. Kanonendonner wirbelte die Stille ans, Granaten rissen tiefe Locher zwischen den vergilbten Knochen, Gräben laufen kreuz und quer durch den Friedhof. Die Grabmäler, die Steine sind in die Schwarmlinie hinuntergewandert. Der Friedhof ist unterstanden: Er begriff den Sinn des Kampfes und stellte sich in die Reihe der Kämpfer. Der Friedhof der Unterjochten reichte die Bruderhand den lebenden Befreiern und nahm sie in seinen Schutz. Die Toten gaben ihre Grabmäler her, die sich in Schrapnellfangschirme, Kugelsänge, Brustwehren verwandelten, sie gaben ihre steinernen Namen her, um die Befreier vor der Feindeskngel zu schützen, sie ließen in ihre Ruhestätten Minenwerfer Und Maschinengewehre einguartieren, und Nahkampfgeschütze, die hundertfachen Tod dem. Feinde engegeustemmen. Lebende haben ihre Wohnstätte in alten Grabstätten aufgeschlaaen, und zwischen den übrig gebliebenen Steinen wirbelt ein dünner Ranch empor — der Ranch der Schwarmöfen, die die Deckungen der Honbeds warm halten. Aber sie laten noch mehr, die Toten. Ihre vergilbten Gebeine stützten den leichten Sand der Gräben und oft stolpert der Fuß in einem runden Ding: ein Schädel ist es, ein vergilbter Schädel, und kichernd rollt er dahin. Der Friedhof schlägt sich. Er schützt, verteidigt und greift an. In einer dunklen Novembernacht, als die „Urri! Urrl!"-Rufe des Feindes vor den Drahthindernissen ertönten, verwandelte sich der stille Friedhof in eine feuerspeiende Hölle. Ekrasitwnrfminen stogen ans den verwandelten Gräbern hervor, versteckte Maschinengewehre spien Tod und Verderben, im dichten Gebüsch zwischen den Steinen platzten heulende Granaten, daß die trockenen Aeste krachten und ächzten, ^Gewehrkugeln zischten und prallten laut winselnd von den hebräischen Lettern zurück; das fahle Licht der Leuchtpistolen warf einen beklemmend spuckhaften Schein herunter und hoch über dem Friedhof platzten laut die Schrapnells und warfen ihre verhängnisschweren Bleisamen in die Reihen des Feindes. Der Friedhof wies fünf Angriffe zurück und er blieb Sieger. Seit dem ist er wieder still und verschwiegen; er wartet und schweigt. Nur selten pfeift eine ziellose Kugel in Dickicht, der Schnee hat alles mit seinem weißen Leichentuch bedeckt. Eine tiefe Stille herrscht in dem Friedhof, es ist aber nicht die Stille des Todes, des Vergehens und der Verlassenheit, sondern das selbstbewußte Schweigen der Aufmerksamkeit und des ehernen Widerstandes. Nachts, wenn die blendenden Finger der Scheinwerfer über dem .Friedhof hinourchgletten, stehen die wenigen noch gebliebenen Grabsteine, wie versteinerte Soldaten im gleißenden Lichte, Line fu eherner Entschlossenheit erstarrte Schar, die jeder Macht der Welt trotzig die Brust bietet. Ja, ein Symbol ffind sie, die schlanken Steine mit dem runden Kopf, deren Schauen so spuckhaft ähnlich dem eines Menschen scheinen. Unten in der Tiefe fließt aber langsam die Jkwa und schaukelt leise die Spiegelbilder der stahldrahlbeflochtenen spanischen Reiter. Geschichtliche Mdeulnng des Gemäldes ..Die große Zeit" von Lndmitz Koch. Ernste Fragen zeitigen gioße Kräfte. So finden wir ln diesem größten aller Kriege eine Reihe von Männern an führender'und die Geschicke bestimmender Stelle, deren Name im weiteren friedlichen Dämmern der Völker vielleicht kaum an die Oberfläche gedrungen wäre. Werden mächtig ungewaltig der eiserne Wille unserer gemeinsamen Heerführer, die genialen Schlachrenlenker und Bürgen des endgiltige» Sieges, für jetzt und immerdar als Helden genannt, so hätten unsere Söhne von dem Dasein dieser Giganten ohne den Weltbrand kaum etwas gewußt. Denn es ist ohne weiters klar, das organisatorische Talent bedarf des Friedens, das Feldherrengenie aber des Krieges, des Zusammenpralls aller, und da vornehmlich der zerstörenden Kräfte, denen es den Halt gebietet. So wird an diesem reichlich vorhandenen Feldherrengenie der zwei verbündeten Reiche alle Femdestücke in vier Himlnelsrichtungeu siegreich bekämpft. Diese größten und großen Männer in schicksalsschwerer Zeit im Bilde zu ewigem Gedächtnis festzilhalten, ist em guter Gedanke. Auf Anregung einer für die Kriegsfürsorge verdienstvollen Persönlichkeit wurden vom Maler Ludwig Koch die Fürsten, Heerführer lind Staatsmänner der Zeniralmächte bildlich vereinigt, um so dem großen Ereignis beider Monarchien eine symbolische Bedeutung zu geben. Durch das wolkige Firmameul bricht sich die Sonne des Friedens Bahn, und ein Regenbogen spannt sich über das Firmament. Noch zuckt da und dort der Wiederschein des großen Weltbraudes auf, aber strahlend, hell, in feldgrauen Uniformen ziehen Oesterreich-Ungarns und Deutschlands Führer in die Glück und Frieden verheißenden Gefilde. Der mächtige Geiamlelndrnck. den das Gemälde auf den Beschauer macht, läßt zunächst die überraschende Lebendigkeit und Porträlähnlichkell der einzelnen Figllren des Bildes znrückcrelen. Vorn ziehen drei reichsdeutsche und drei österreichisch-ungarische Soldaten, als Symbol der Bravheit lind Tapferkeit nnserer Helden, Hand in Hand auf. Ans einer von Kriegsfuhrwerken schwer durchfurchten Landstraße reitet die Kavalkade von Majestäten. Prinzen und Heerführern daher. Vom Blick am raschesten erfaßbar, Kaiser Fraiiz Josef, neben ihm zur Linken Kaiser Wilhelm auf stolzem Rosse. Den verbündeten Herrschern zur Seite, die den Weltkrieg gegen mächtige Feinde siegreich führenden Erzherzog Karl Franz Josef und Kronprinz Wilhelm. Nach rückwärts anschließend in genau abgewogener Masse, die sich nach rechts bis an den Bildrand gruppiert, die Könige von Bayern, Albrecht Herzog von Württemberg, Feldmarschall Erzherzog Friedrich, Erzherzog Josef Ferdinand, Erzherzog Peter Ferdinand. Erzherzog Franz Salvator, Erzherzog Karl Stephan. Generaloberst Erzherzog Engen, Erzherzog Josef und dann die große, fast unübersehbare Reihe der berühmt gewordenen Heerführer und treuen Mitarbeiter, die für die verbündeten Wiche ihre ganze Kraft eingesetzt haben. Das Originalgemälde wurde am 5. Juli von Sr. Majestät besichtigt und war Se. Majestät sowohl über die gelungene Ausführung, sowie auch darüber, daß dieses Gemälde zu Gunsten des Jnvalidenfouds geschaffen wurde, sichtlich erfreut. Am 17. und 18. September wurde das Gemälde in der Kunstsammlung des Jnvalidenfouds in Wien ausgestellt und waren die zur Besichtigung erschienenen höchsten und hohen 'Persönlichkeiten voll des Lobes. Auch als dasselbe einige Wochen hindurch im Schaufenster der Firma Portois öe Fix ausgestellt war. erregte es die höchste Beivundernng. Die Kopien und Reproduktionen „Der großen Zeit" werden als offizielle Kriegsfürsorge für den Jnvalidenfond seit einiger Zeit in Verkehr gesetzt und sind den invalid Gewordenen bereits bedeutende Kapitalien durch diese Aktion zngeführt worden. Aber auch die Not im Künstlerstaude ist hiedurch gelindert, da zahlreiche Künstler mit der Anfertigung der Kopien beschäftigt sind. Die offizielle Bertriebsstelle des Jnvalidenfonds-Kriegsfürsorgeamt, Wien, HL Paracetsusgafse 11 und das Kriegsfürsorgeamt, IX. Berggasse 1b nehmen Subskriptionen für die Kopien und Reproduktionen entgegen.