Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 2 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nl . & Aufruf! Der von Rabbinern und orthodoxen Inden geschaffene »Verband zur Lösung der ostjndischen Fragen in Wien" fordert hiermit alle jüdischen Gemeinden Galiziens und der Bukowina wie auch der von den Verbündeten okkupierten Gebieten, auf, daß diese allen loten jüdischen Soldaten —- da sie ans Liebe zum Baterlande und unserem erhabei'.eii Monarchen ihr Leben auf dem Felde der Ehre gelassen haben -- die letzte Ehre nach allen ritnelleu Vorschriften errveisen und ihnen einen Ort ans dem jüdischen Friedhofe nach Rang und Stand aiuveisen sollen. Präsident Uscher H o r o w i tz, Rabbiner (Krakau) Vizepräsident Pinkas Ri mell, Rabbiner (Zolkiew) Vizepräsident Jsak B. Thum im, Rabbiner (Kuli) Sekretär Markus H a l p e r n Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Allerhöchste Auszeichnung.) Dem k. u. k. Oberarzt Dr. Gustav Zell uek aus Stadl Kamtz. Chesarzr des Festuugs- Spitales in Trebiuje, Neffe des Kantors und Religionslehrers Herrn Sigmund Jelliuek m Oderhollabrnun, wurde in Anerkennung vorzüglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde, das goldene Verdienstkreuz mir der Krone am Bande der Tapferkeitsuiedaille verliehen. Wie«. Dieser Tage beging der veraurwortliche Redakteur unseres Blattes, Herr Alois K u l k a, seinen 75. Geburtstag, aus welchem Anlässe demselben aus dem großen Kreise seiner Verehrer und Freunde mannigfache Aufmerksamkeiten zureil wurden. Möge dem trotz seines Atters noch immer rüstig schaffenden Manne noch ein langes, schriftstellerisches Wirken beschieden sein! Wien. Der Oberkantor des Kaiser Franz Josef I. Huldigungs- Tempels in Wien, II., Pazmanitengaffe 6, Herr Josef G i b l > chm a u n. der seit Jänuer 1915 zur Kriegsdieustleistnng eingerückt ist, und seil mehr als einem halben Jahre aus dem nördlichen Kriegs» jchauplatze Kriegsdienste leister, ist zuni 14 tägigen Urlaube nach Wien zurückge^hrr. Derselbe vcrrichrere schon am verfloffenen Samstag (Parascda „Bau") m gewohnt rresflicher Weise den Gottesdienst. Nach dem Muffasgebete besuchte der Vorstand des Tempelvereines unter Leitung feines Präsidenten Herrn kais. Rates Adolf Weuger und des Seelsorgers Herrn Dr. S. Funk den beliebten Oberkantor in seiner Wohnung zum Kiddusch) wobei allseits ju zutreffenden Wechselreden der offene und ehrliche Charakter dieses „Scholiach Zibbnr" rühmend hervorgehoben wurde. Wie«. Herr Karl Grünfeld, welcher durch 37 Jahr als Kantor in Sechshans wirkte und sich der größten Verehrung und Beliebcheit erfreute, ist vor drei Jahren vom kantoralen Amte zurückge? treten, war jedoch'als Schocher auch weiter tätig und har sich auch in diesem Amte die Wertschätzung der Vorgesetzten und seiner Kollegen erworben. In Anbetracht seiner Tüchtigkeit und besonderen Verläßlichkeit wurde er vom Kultnsvorstande zum Schiachthaus-Kontrollor eruanut. Wie«. (B e t h a m i d r a s ch „Talmud Thora", II., Malzgaffe 6.) Besonders interessant war der letzte Freiragabeudvorlrag, den Herr Rabbiner H. Schenk in der Talmud Thora - Synagoge über das Leben und Wirken des unvergeßlichen „R. Juda Offad" hielt. El» kurzer Auszug wird unseren Lesern gewiß erwünscht sein. Armer, aber sehr frommer Eltern Kind wurde unser R. Juda im Jahre 5556 zu Aszö in Ungarn geboren und als zarter Knabe dem Talmudstudium zugeführt. Als 8 jähriger Talmudschüler hielt Juda seinem verstorbenen Vater einen Nachruf, der schon danials Staunen erweckte, und kam als 18 jähriger Jüngling nach Nikolsburg, wo er der Beste unter R. Mordechai Beuels Schülern wurde und später im Aufträge und auch in Vertretung seines großen Meisters gegen 50 jüngere Talmudschüler unterrichtete. Er konnte schon damals einige Hundert Talmudisteu aus den» Gedächtnis fehlerfrei hersagen. Er hatte dabei Mit Armut sehr zu kämpfen nnd fehilen ihm auch manchmal ein Paar gurer Schuhe, ivar doch sein Esrog zu Sukkot einer der schönsten in der Gememde. Beim Scheiden von der berühmten Nikolsbnrger Jeschiwa erhielt derdamals 22jährige Juda vom Laudesradbiner ein glänzendes Zeugnis, kam als Sub-Rabbu,er nach Szerdahelh und erfreute sich der besonderen Wertschätzung des berühmten Chatam Sofer. Seine folgenden Rabbinale waren in Rete nnd Szenrtz, bis er 5613 (1853) zum Oderrabbiner nach Szerdahelh berufen wurde, in welcher Gemeinde uuter 500 Mitgliedern fast 300 „Talmude-Chachamim" wohnten. Bon weit kamen an den von einem stattlichen Schulerkreise umgebenen, gefeierten Rabbi wiffenschaftliche Fragen, die er in geistvoller Art beantwortete. Am 23. Siwan 5626 (1866), mitten in seiner segensreichen Tätigkeit, hauchte R. Juda O s s a d seine fromme Seele ans. Sein Andenken lebt fort und eine nach seinem Hmscheide» angefertigte und gelungene fotografische Ausnahme, die man auch in Wiener jüdischen Häusern antrifft, zeigt in den milde» Zügen den großen Meister. Laug anhaltendek Beifall am Schluffe des Vortrages zeigte dem Redner, welch kiesen Eindruck se»i getreu entworfenes Lebensbild eines „Großen in Israel" auf olle Zuhörer gemacht hatte, umer denen manche den gefeierten Rabbi noch persönlich gekannt hatten. Bade«. Samstag, den 22. Jänner, findet hier ein Wohltätigkeits-Konzert statt, dessen Erträgnis den Wilwen und Waisen Gefallener gewiduier ist. Das Protektorat übernahm Ihre Exzellenz Frau Gräfin O r s i n i - R o s e n b e r g. Eine Anziehungskraft bilder Herr Ferdinand Jnra, der Ooerkamor der hiesigen Knlrnsgemeinde, der sich in kurzer Zeit seines Wirkens als tüchtiger Sänger und Musiker viele Freunde und Verehrer erworben hat. Herr Jura ivar am Berliner Kyufervatorinm als Gesangspädagoge tätig und hat große Erfolge als Konzerlsäuger in London, München, Frankfurt a. M., Biikarest erzielt. Dieser au Jahren noch junge Kamor har fein früheres Fach als Opernsänger nur aus religiösen Prinzipien ansgegeben und sich denr Kaittorate gewidmet. Er begeistert mit seiner Stimme und feinem Vortrage nicht nur die Tempelbesucher, sondern auch alle musikalischen Kreise der Sradr, welche auch ans seine Mitivirkung beim oben angeführten Konzerte großen Wert legten. Möge es ihm vergönnt sein, seinen bisherigen Erfolgen neue Lorbeeren hinzuznfügen. Berlin. Unter zahlreicher Beteiligung der an der W ssenschaft des Judeiitlims interessierren Kreise fand hier die Mitgliederverfainmlnng der G e s e l l s ch a f t z u r F ö r d e r n n g der W i f i e n s ch a f t des I n d e n t n m s statt. In Vertretung des an der Ailwefenheit verhinderten Vorsitzenden Profeffor Marti» Philipps» n eröffnete der stellvertretende Vorsitzende Rabbiner Professor G u r t in a n n — Breslau die Versammlung mit einem Hinweis auf die hohe Bedenrnng, welche dem Judentum als geistige Gemeinschaft im Kulturleben der Menschheit zukvmme und leitete hierandie Verpflichtung her, die Wisienschaft des Judeiltpms zu pflegen und nach Kräften zu fördern. Er schilderte die Pflege, welcher der Wissenschaft des Judentums tu alter Zeit zuteil geworden sei und stellte sie als Vorbild hin für unsere Zeit. Zu feiner Freude, fuhr der Redner fort, könne er Mitteilen, daß ihm eben die Nachricht von einer neuen Spende zuge--- gangen sei, die Herr Moritz Wolfsoh n—Berlin anläßlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres zugewendet habe. Der Redner erstattete sodann den Jahresbericht, aus dem er als besonders erfreuliche Tatsache mitteilte, daß demnächst von den beiden großen wiffenschaftlicheii Unternehmungen der Gesellschaft, dem Oorpus 1a»uait>i6iim und der Germania Judaica je ein Band zur Veröffentlichung gelangen werde. Im Anschluß an die mit lautem Beifall anfgenommenen Ausführungen des Redners ehrte die Versammlung da- Andenken der um die Wiffenschaft des Judentums hochverdienten Gelehrten Profeffor Schechter — Newyork und Leopold Cohn — Breslau durch Erheben von den Sitzen. Die Wahlen ergaben die eilistimiiiige. Wiederwahl des bisherigen Ausschusses nnd Vorstandes. Alsdann dielt Herr Profeffor Dr. B. Pick— Gotha einen durch viele vortreffliche Licht-- bilder illustrierten Bortrag über die jüdischen Münzen. Der Vortragende schilderte nach kurzen Bemerkungen über ältere Handbücher und die wichtigsten Sammlungen jüdischer Münzen zunächst das Geldwesen der ältesten Zeit. Alsdann wurden die fremden Münzen vorgeführt, deren sich das jüdische Volk unter persischer und griechischer Herrschaft bediente, bis der Freiheitskampf der Makkabäer ihm mit der Unabhängigkeit auch das eigene Münzrecht brachte. Die Lichtbilder zeigten, daß es zunächst nur eine sehr bescheidene und auf Kupfermünzen beschränkte Prägung war. Die später zeitweilig dafür und daneben eintreteude Prägung der römischen Statthalter ist ebenso dürftig, aber beachtenswert durch die religiösen Gefühle der Juden. Der erste große Ausstand, unter Nero, bringt dann die ersten eigenen Silbermünzen, die dicken Schekel, deren viel bekanntere Nachahmungen am leichtesten daran zu erkennen sind, daß sie fälschlich die jetzt noch übliche Quadratschrist statt der althebräischen zeigen. Die Unterdrückung des Ansstandes durch Bespasian nnd Titus wird durch die zahlreichen zur Feier des S.eges geschjagenen römischen Münzen illustriert. In den nächsten 6 Jahrzehnten gab es keinen jüdischen Staat nnd daher auch keme jüdischen Münzen, bis endlich unter Kaiser Hadrian der zweite Aufstand die reichste und mannigfaltigste Prägung brachte: sowohl große und kleine Silbermünzen, die meist am römische und syrische Kaisermüiizeu übergeprägt sind, wie zahlreiche Sorten in Kupfer. Ein großer Teil der Münzen trägt den Namen eines Simeon, in dem vielleicht der unter dem Namen Barcochba bekannte Führer des Anfstandes zu erkennen ist; vereinzelt neunen einen Priester Eleasar, während eine größer Zahl statt eines Persouennämens nur den der Stadt Jerusalem angaben. Für manche noch zweifelhafte Fragen kann man Aufklärung durch künftige neue Funde erhoffen. Der Vortragende schloß, indem er der Erwartung Ausdruck gab, daß der komme,ide Friede mit der Erschließung des Orients auch der jüdischen Numismatik und der Wiffenschaft des Judentums überhaupt neue Wege eröffnen werde. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete dem Bortragenden reiche» Beifall und der Vorsitzende schloß mit Dankesworle» für den Redner die Versammlung. Austritte nnv chom Judentum. Sprecher Alice. Private, geb) M April 1893 inWien.H.,Untere- Donaüstraße 25. >,i ' v* V .; W ei,» berget Hanns, Bankbeayjef, geb. 25 April 1890 in Wieit ' HL, Pefferhosgaffe k ' ' 5 v