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Die Wahrheit · 1916-01-07 · Heft 1 (7.1.1916) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 1 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Ministerpräsident Tisza zuletzt, denn er sagte unter anderem : „Nicht wir waren es. d i e l e b e n d e S t ü ck e a u s dem Körper friedlicher Nachbarn mit räuberischer Hand herausreißen wollten. Unser Sieg wird die Bürgschaft unserer Sicherheit schaffen, aber keineswegs Angriffe gegen die Existenz der übrigen Großmächte Europas involvieren." Trotz der Tiraden der schuldbeladenen ^französischen Kriegstreiber ist denn doch die Hoffnung nicht mehr abweisbar, daß dem französischen Volke bald die Schuppen von den Augen fallen, zumal ihm das Deutsche Reich gewiß sehr weit entgegenkommen winde und das Reich kräftig aus der erstickenden britischen Umklammerung ziehen möchte. Daß die verbrecherischen englischen Kriegstreiber alle Anstrengungen machen, um den Weltkrieg hinansznziehen, ist jedermann verständlich, denn ihnen muß vor der Abrechnung grauen, wenn ihre blutige Kriegsnnternehmung erfolglos bleibt oder gar mit einer Schwächung der englischen Großmacht endigt. Völlig unverständlich bleibt aber die Haltung der französischen Sozialisten, welche gegenwärtig noch Elsaß- Lothringen für Frankreich reklamieren, gleichzeitig aber alle Eroberungspolitik zu rnckw elfen und die politische und wirtschaftliche Bern i ch tun g Deutschlands a b l e h n e n. Ja. die Gloire ist und bleibt eine französische Volkskrankheit. Doch ein Friedensvorschlag konnte gemacht werden und wenn auch das geängstigte Albion nun alle verzweifelten Anstrengungen macht, tim aus der selbstverschuldeten Gefahr wieder herauszukommen, so muß der Erfolg dieser Bemühungen zutage treten. Schon fühlt Großbritannien die Notwendigkeit schmerzhaft, das eigene Blut und die eigenen Knochen für seine Juteresien in noch nie dagewesener Höhe einsetzen zu müssen. Seine eroberungssüchtigen Kriegsgenossen können sich kaum selbst der heraufbeschworenen Feinde erwehren und die Hereinziehung weiterer noch neutraler Staaten in den Weltkrieg für englische Interessen wird immer schwieriger. Schon zittert Albion vor der Gefährdung seines ägyptischen Raubes, schon fühlt es auch seinen alten indischen Raub rucht mehr gesichert. Wohl müssen die Engländer noch empsindlicher, als dies bis zum heutigen Tage durch deutsche, türkische und bulgarische Kräfte geschehen ist, geschlagen werden, ehe sie sich dazu bequemen, auf Kriegsbeendigung zu denken, doch werden dies die praktischen, einflußreichen Engländer rasch tun, sobald sie die Unmöglichkeit erkennen, durch ihre List ferner siegen zu können. Man darf eben ans die Tatsache nicht vergessen, daß die englische Einkreisuugspolitik und der ganze gegenwärtige Weltkrieg nicht vom englischen Volke ins Leben gerufen wurde, sondern nur von der englischen Krone in Vervindung mit spekulativen Ministern und überreichen, aber an Menschlichkeit armen Großunternehmeru. Das russische Volk ist ebenfalls als solches an dem ganzen Weltkriege unschuldig, nur der Zar in Verbindung mir ehrsüchtigen und beutelustigen Dienern der absoluten Zarengewatt haben das vergossene Blut am Gewissen. Die „Vossische Zeitung" bekämpfte übrigens auch den antiösterreichischen 4. Punkt betreffs Italien mit dem Hinweise darauf, daß die Regelung desselben ausschließlich Sache des überfallenen O st e r r e i ch - U u g a r n sei. Ähnlich mlerlte die „Vossische Zeitung" auch bezüglich Bulgariens uttd der Türkei. Der zentralstaatliche Verband kann und will bereits Frieden schiteßeu, sobald die Gegner hiezu bereit sind, denn Faustpfänder für einen günstigen Frieden har er bereits genug in der Hand. Er hat die Rechte neutraler Staaten im Laufe des Krieges jedenfalls ehrlicher respektiert als dies die Gegner taten, gleichgrltig. ob deren Neutralität „wohlwollend" war oder nicht, auch die „Menschlichst" hat der mitteleuropäische Vierbund im Laufe des Weltkriegs in ungleich höherem Maße geübt, wofür die Tatsache spricht, daß die „Barbaren" zivile Russen, Franzosen und andere Angehörige feindlicher Staaten weit weniger gehässig behandelt haben, als z. B. unglückliche Deutsche oder Österreich- Ungarn in den gegnerischen, kriegführenden Ländern. Sogar gegen notorisch übelwollende neutrale Staaten will der zentralenropäische Bund den Frieden aufrecht erhalten, wie der Notenwechsel Deutschlands und Österreich-Ungarns mit Nordamerika, diesem Haupl-Kriegslieseranten an unsere Kriegsgegner, wohl genügend erweist. R. L. Znr Abwehr. Seit dem siegreichen Vormarsch der. Mittelmächte in Polen bilden die dortigen Inden den Tummelplatz für geistreiche Publizisten, Journalisten und Fenilletonisten. Die Zeitungsschreiber, nach „Stoff" schnüffelnd, fanden hier eine ungekannte Märchenwelt mit einem unversiegliehen Born, ansdem sie stehenden Fußes eine Fülle von „Eindrücken, Betrachtungen und Schilderungen" schöpften. Religiöse, soziale und politische Zustände sowie die Art, Tracht und Redeweise der polnischen Inden werden des weilen und breiten besprochen und bilden einen sehr beliebten Gegen stand journalistischer Betätigung. Dieses hat znr Folge, daß Wesentliches und Unwesentliches, Richtiges und Falsches in einem Zuge vorgetragen wird, so daß eine Reihe von falschen und verkehrten Vorstellungen über Charakter und Wesen dieser polnischen Inden verbreitet werden, die zu schiefen und nngerechien^Urteilen führen. Allein solange die journalistische Tätigkeit sich darauf beschränkte, das erschlossene Gebiet als Lückenbüßer für ihre Blätter anszubeuten, konnten genaue Kenner der Verhältnisse mit einem gewissen Achselzucken über diese Auswüchse der journalistischen Oberflächlichkeit zur Tagesordnung übergehen. Sobald aber der Rahmen der Tagesjournalistik überschritten wird, sobald ans solchen Schilderungen weitgehende Schlüsse über die Zukunft der Ostjuden überhaupt gezogen werden und die Artikelschreiber sich auch für befugt halten, auf Gritnd ihrer „Erfahrungen" ihre Meinungen in dieser Frage ans die Wagschale zu werfen, da muß' diesem Treiben mit aller Entschiedenheit entgegengetreten und Worte der Aufklärung überallhin verbreitet werden. Es muß alles anfzeboten werden, um der geradezu rührenden Unkenntnis aus diesem Gebiete auch im eigenen Lager abzuhelfen und den Spöttern die nötige Abfuhr zu erteilen. Es war somit höchste Zeit, daß sich ein „Komitee zur Aufklärung über ostjndische Fragen" bildetete, das sich zur Ausgabe machte „über die Lebenstatsacheu des Ostjudentums Klahrheit zu verbreiten, eine richtige Wertung der ostjüdischeu Probleme anzubahnen und Jrrtümeru, wo und in wessen Jiuerefse immer sie anstauchen mögen, entgegenzntreten". Wie weit.diese Jcrtümer verbreitet sind und wie sie das Urteil sonst klar denkender Köpfe zu trüben vermögen, zeigt ein jüngst erschienener Aufsatz eines jüdischen Gelehrten. Darin heißt es: „Hat . , bei seinem Aufenthalt in Polen nichts davon erfahren, daß eine starke Anzahl der dortigen Inden den Goi als ihren natürlichen Feind betrachtet, den in jeder Weise ausznbenten nicht allein ihr Recht, sondern ihre Pflicht tft? Haben lhm Offiziere und Manschasten unseres Heeres nichts von der scheußlichen Prostitution erzählt, zu der viele Juden ihre eigenen weiblichen Angehörigen benutzen, wenn sie dadurch ein gutes Geschäft machen können?" Das ist nicht im Leipziger „Hammer" oder in der Wiener „Reichspost" zu lesen, sondern — iiorribila dietn — in einem Leitartikel von Prof. Dr. Martin Philipps o h n in der Nummer 51 der Berliner „A l 1 g e m e i n e n Zeitung des, Judentums". Ich habe mir au den Kopf gegriffen und gefragt: Ist es möglich? Kennt der jüdische „Historiker* Philipp sohn die polnisches Inden so wenig? .Hören wir da nicht eine heraufbeschworeue Stimme

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