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Die Wahrheit · 1915-12-31 · Heft 40 (31.12.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 40 (31.12.1915)
Date
1915-12-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Lette 6 Die Wahrheit Nr. 40. Bei dem eigenartigen Charakter und der ungemein großen Schwierigkeit einer richtigen Beurteilung der besprochenen Verhältnisse müßte in die betreffende Regierungsbehörde jedenfalls auch ein jüdisches Dezernat eingereiht werden. Aus der Wiener Knllnsgemeinde. (Einlauf der Plenarntzun gen des Kultusvorstandes am 5. Dezember und 26. Dezember 1915. Im Einlaufe befindet sich folgende Zuschrift des gewesenen Statthalters von Niederösterreich, Grafen Dr. Richard B i e n e r t h: Pr.-Z. 1846. Danksagung. Wien, am 29. November 1916. An den Herrn Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde m Wien. Seine k. und k. Apostolische Majestät haben mich mit Allerhöchstem Handschreiben vom 28. November 1915 über mein Ansuchen von dem Posten des Statthalters in Niederösterreich Allergnädigst zu entheben geruht. Anläßlich meines Scheidens von der politischen Verwaltung Niederösterreichs drängt es mich, für die mir jederzeit gewährte dienstliche Unterstützung meinen tvärmsten Dank ansznsprechen. Bienerth m. p. Ferner eine Zuschrift der k. k. n.-ö. Statthalterei betreffend Kenntnisnahme der Zeichnung der israel. Knllnsgemeinde Wien auf die „Oesterreiämche Kriegsanleihe" Dankschreiben des Herrn Geheimen Regiernngsrates Prof. Dr. Hermann Cohen ans Berlin für die Gratulation des Vorstandes zur Feier seines 50 jährigen Doktor-Jubiläums. Dankschreiben des k. k. Universitätsprofessors Dr. Guido Adler für die Gratulation des Vorstandes zur Feier feines 60. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn k. k. Kommerzialrates Ernst Kling er für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Feier seiner silbernen Hochzeit. Weiter folgende Schreiben: Vom gew. k. k. Minister des Innern von Heinold: „Bitte meinen herzlichsten Dank für die liebenswürdige Erinnerung anläßlich meines Scheidens vom Amte des Ministers des Innern entgegenzunehmen.^ Vom gew. Statthalter von Niederösterreich Grafen B i e n e r t h an den Präsidenten Dr. Alfred Stern: „Für die freundlichen Worte, welche der geehrte Vorstand der israel. Knltusgemeinde in Wien meinem Scheiden vom Dienste und dem mir zuteil gewordenen Allerhöchsten Gnadenbeweise gewidmet hat, bitte ich Euer Hochwohlgeboren meinen herzlichsten und wärmsten Dank entgegen zu nehmen und den Herren Vorstandsmitgliedern 511 vermitteln. Empfangen Euer Hochwohlgeboren die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung". Vom k. k. Statthalter von Niederösterreich Freiherrn von Bleyleben: „Seine k. k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 28. November l. I. mich znm Statthalter im Herzogtume Oesterreich unter der Enns allergnädigst zn ernennen geruht. Von dieser Allerhöchsten Schlußfassung beehre ich mich Euer Hochwohlgeboren mit der Bitte in Kenntnis zu setzen, mich während meiner Amtswirksamkeit an der n.-ö. politischen Verwaltung güligst unterstützen zu wollen." Dankschreiben des Fürsten Franz von und zu Liechtenstein für die dem „Oesterreichischen Hilfskomitee vom Bulgarischen Roten Kreuze gewidmete Spende vvn K 1000.—. Dankschreiben der Frau Berta von Hahn für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn k. k. Hofrates S. Ritter von Hahn f. A. Jüdisches Kriegsarchiv Wien, II., Zirka-gasse 33. Das gefertigte Komitee richtet an das Pitblikum die dringende Bitte, die Arbeit seiner militärischen Spezialabteilung durch einschlägige Mitteilungen zn fördern. Erbeten sind: Uebermittlung von Namen in diesem Kriege gefallener oder ausgezeichneter jüdischer Offiziere und Soldaten, alle den Gegenstand betreffenden Daten in möglichst präziser Form. Tatgeschichten, Anerkennungsschreiben, Fotografien, Feldpostbriefe, Zeitungsausschnitte, Dokumente eic. Das an obenstehende Adresse einzusendende Material wird über Verlangen rückgesendet. Durch die Sammlung aller Einzelheiten, mögen sie auch an sich nnbedeutend erscheinen, im Kreise seiner Freunde, Verwandten, Bekannten, Berufs¬ und Vereinsgenossen u. a. kann jedermann eine ernste historische Arbeit fördern und auch allen jenen, welche sich in diesem Kriege Verdienite erworben haben, ein würdiges Andenken sichern. ' Für das Komitee: Dr. Nathan Birnbaum Ingenieur Robert Stricker Archivleiter Obmann Feldpostbrief eines Brunner F a b r i k a n t e n a n sei u e G r 0 ßmu t t e r in Z n a im. Welch prächtiger Humor bei unseren Truppen herrscht, zeigt nachstehender Feldpostbrief, der uns von einem Leser unseres Blattes zur Verfügung gestellt wurde und einen recht launigen Dank für eine schmackhafte Liebesgabe enthält. - Verehrte Fladeuspenderin! Weltvergessen, traumverloren, Dumpf hinbrütend saß ich da, Als das Glück mich auserkoren Und ich einen Fladen sah. Hei, wie ward mir da zn Mute, Als er lockt in seiner Pracht. August spricht: „Das hat die gute Großmama allein gemacht." Und die Kriegerschar mit Eifer Wetzt die Messer um die Wette. Aus dem Munde trieft der Geifer- Tief hinab auf die Serviette! Und als er entzweigerissen. Sieht man Mandeln, Mohn, Zibeben, Äpfel, untermischt mit Nüssen Endlos Schicht ans Schichte kleben. Und die Kriegerschar im Kreise Ißt. was Platz nur hat der Magen, Alles schmatzt bald laut, bald leise, Werden die das auch vertragen? Da erhebt sich in der Runde August Löw-Beer ernst und spricht — Dazu noch mit vollem Munde Spuckt dem Nachbar ins Gesicht: „Wißt Ihr auch, Ihr Kameraden, Daß Ihr koschere Speise eßt? Von den Inden stammt der Fladen, Kommt aus Osten, nicht ans West!"

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