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Die Wahrheit · 1915-12-24 · Heft 39 (24.12.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 39 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. .39. Die Wahrheit. Setie 7. Frauen, die sich ihr Wahlrecht durch Wort und heilende Tat mitten im Kriege aus friedliche Weise erstreiten; Dr. Moritz Lowy sprach im Namen der Zentralstelle für Armenwesen. Das Schlußwort sprach Frau Sophie G r ü n f e t d. indem sie alle bat, die in Wien in Behaglichkeit leben, zum Wohle der Ärmsten Schuhe herbeiznbringen. Unter den Anwesenden bemerkte man noch Frau Marie v. Schlnmberger, Marianne Hämisch, Obermagistratsrac Dr. Dont, Frau Regiernngsrat Wien, Rabbiner Dr. Fenchtwang und Dr. Grnnwald mit ihren Gattinnen, Vorsteher Karl Freund, Amtsleiter Rudolf Kraus. Sekretär Fuchs, Schriftsteller Leo Steinnnd Frau, Notar Dr. Bermann, Generaldirektor Porges, die Präsidentinnen der Franenhikfsaktionen und fast sämtlicher Wiener Frauenvereine sowie alle Vorstatidsdamen des Ferienheims und des Seehospizes, an der Spitze die Frauen Sophie Qnittner, Adele Zins und Frau Bergrat Lilly Bauer, die Schöpferin des Schuhanstaufchreklamebildes. Es wäre nur zu wünschen, daß diese wohl für die Allgemeinheit bestimmte, aber bisher zumeist durch Arbeit jüdischer Frauen und durch jüdisches Geld geförderte Institution auch den jüdischen Armen zu Gute kommt. Wie wir informiert wurden, ist das Recht der Schnhanweisungen den Franen-Fnrsorgekomitees in den einzelnen Bezirken, in denen, mit Ausnahme des 2. Bezirkes, jüdische Damen wenig oder gar nicht delegiert sind, sowie dem Vereine „Settlement" enigeränmt. Trotz des kurzen Bestandes dieser Institution ist uns aber bereits ein Fall bekannt geworden, wo eine jüdische Petentin, die um eine Schnhanweisung beim Bezirkskomitee ansnchte, abgelehnt und ihr der Weg zur Knltnsgemeinde geraten wurde. Wir fürchten, daß dieser Fall nicht vereinzelt bleiben werde. Konfere«; betreffend die jüdisch-türkischen Beziehungen. Gründung der „Deutsch-Israelitisch Osmanischen Union". Auf Einladung eines größeren Berliner Kreises fand Sonntag, den 12. Dezember 1915 im „Brüderverein" zu Berlin eine Besprechung statt, welche Teilnehmer aus allen Gegenden Deutschlands vereinigte. Dem Einlader-Koiltitee gehörten unter anderen an: Komm.-Rat H. Bamberg, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Cohen, Dr. I. Ginsberg. Aron Hirsch, Jnst.-Rar Dr. Horwitz, Prof. Dr. James Israel, Prof.Dr.Kalischer. Komm.-Rat AlfredLöwenberg. Generalkonsul Komm.-Rat I. Mandelbanm, Bankier Alois Ä. F. Marcus, Rabb. Dr. Munk, Dr. Alfred Nossig, Dr. Walther Rathenan, Generaldir. Konsul Segall, Kommerzienrat Gerson Simon, Prof. Dr. L. Stein, Oscar Tietz, Geh. JnstizratBerthold Timeudorfer, Rabb.Dr. Warschauer, Rabb.Dr.Weisse. sowie zahlreiche andere namhafte Mitglieder der jüdischen Gemeinden Berlins. Die Veraniassnlig zu der Konferenz halten die Verhandlungen gegeben, die,gelegentlich der Uebergabe der Spende des jüdischen Hilfskomitees „Roter Halbmond" mit der türkischen Regierung stattgefnnden und zur Gründung einer „Osmanisch- Israelitischen Union" in Konstantinopel geführt haben. Der neite bedentsame Gedanke, zwischen den Jllden und den Osmanen innigere Beziehungen zu schaffen, die einerseits für die Türkei vorteilhaft wäre, andererseits der Besserung der Lage unserer ostenropäischen Glaubensgenossen dienlich sein könnten, hat in zahlreichen jüdischen Gemeinden Deutschlands ein äußerst lebhaftes Echo geweckt. Gegen 300 im Vordergründe des öffentlichen Lebens stehende jüdische Persönlichkeiten beteiligten sich an der Konferenz, darunter die Vertreter zahlreicher B. B.-Logen. Ueber hundert znstimmende Zuschriften und Anerbietnilgen zur Mitarbeit trafen außerdem ans den verschiedensten deutschen Städten ein. Die Konferenz wurde durch Komm.-Rat Gerson Simon eröffnet und geleitet. In seiner Ansprache führte Komm.-Rat Simon ans, daß die Erreiguiffe des Weltkrieges die Inden vor eine neue Situation stellen. Einerseits ist die den Juden seit jeher sympathische Türkei durch das Bündnis mit Deutschland .uns nun auch als Dentscheil besonders nahe gerückt. Andererseits wird, infolge der Besetzung von Russisch-Polen und Litauen durch die Zentral-Mächte, die ostjüdische Frage gu einer Frage der deutschen Jndenheit und des deutschen Reiches. Zwischen die netten Tatsachen können gewisse ersprießliche Znfammenhänge geschaffen iverden. Die Verwirklichung dieses Gedankens hat das jüdische Hilfskomitee „Roter Halbmond" angebahnt. Durch seine Sammlungen zu Gunsten der türkischen Armee, die über 120.000 Mark ergeben haben, erbrachte es einen sehr bemerkenswerten Beweis der besonderen Sympathie der deutschen Jndenheit für die Osmanen. Der Vertreter des Komitees, Dr. Alfred Nossig, hatte dann in Konstantinopel Gelegenheit festznstellen, daß diese Sympathien von den türkischen Regiernngskreisen erwidert werden und daß die Türkei geneigt sei, sich für die Sache der ofteuropäücöeii Inden einznsetzen. Im werteren Verlaufe rief das Komitee „Rocer Halbmond" das „Zentral-Hilfskomitee" ins Leben, welches einen Fonds schaffen sollte, mn einerseits die dnrch den Krieg herbeigeführte Notlage der Inden in Palästina zu mildern, andererseits für die lleoersiedlnng von ostenropäischen Inden nach der Türkei Mittel bereit zu stellen. Mit besonderem Erfolg hat bis jetzt das mit der „Hilfskommüsion 1915" vereirugre Landeskomilee des „Zentralbiliskomitees" in Oesterreich gervirkl. Das österreichische Landeskomilee haldei eilsgrößere Summen anfgebrachl. wovon mehr als 80.000 Kronen nach Palästina adgeschickc wordeli silld. Infolge der in Koiistantinopel geschaffenen Tatsachen steht rinn eine Nertorganlialivn der jndisch-hnmanilären Tätigkeit iür den Orient bevor. Dr. Alfred Nossig. Berlin, der das Hanptreserat erstattete, schilderte zunächst die katastrophale Lage, in die die Jndenheil des Ostens dnrch die Ereigruffe des Weltkrieges gebracht worden sei. Man schätzt die dnrch den Krieg entwurzelten jüdischen Existenzen ans etwa eine Million. Eine Mnsfenailswanoernng von iingehenren Dirueiistoiien steht bevor. Der Weltkrieg eröffnet die Anssicht, mit der Zeit ein Abflnßgebiet in der Türkei zrl finden. Der Einstnß der der jüdischen Einwardernng hinderlichen Entente - Mächte ist erloschen, das Bündnis mitDenlichland begünstigt und erleichtert eineZnnahme der jüdischen Bevölkerung in der Türkei. Die Erklärungen, welche Dr. Nossig von Mitgliedern des Herrscherhauses, von türkischen Ministern nild von den Führern des jnttgcnrkischen Komitees erhalten halte, berechtigen zu der Erwarlnng, daß bei encer vorsichtigen, zweckenlsprechenben Behandlung der einschlägigen Fragen die jüdische Einwandernng nach der Türkei zur Besrredignng beider Seiten geregelt werden könne. Die Durchführung des Werkes ist nach dem, in Konstantinopel erfolgten Meinniigsanstansch. nur im Rahmen der historischen Freundschaft möglich, tvelche Inden und Osmanen verbindet und gegenseitiges Vertrauen schafft. Die neue poltische Konstellation eröffnet für diese Freundschaft vielfältige Betütignnsmöglichkellen in wirtschaftlicher niiD kultureller Hinsicht. Als Schwestergeseüschasr der analogen Vereinigung in Konstanlinvpel ist am 6. Dezember in Berlin die „Dentsch- Jsraelitisch Osmanlsche Union" gegründet worden. Die „Union" ist keine Kolonisatlonsgesellschaft; sie verfolgt den ideellen Zweck der Pffege innigere Beziehungen zwischen Inden und Oslnanen. Wvhl aber wird sie den praktischen Bestrebungen durch Schutz, Vermiltlnng und finanzielle Förderung dienlich sein können. Als nenartlge, den ZeitverhältNifsen entsprechende Jnstitnlionkann sie keiner der bestehenden Organiialivn eingefügt werden. Dagegen ist ein Kvoperativnsverhättnis zwischell der „Union" und diesen Organisationen höchst erwünscht, ja nnerläßlich. So vor allem mit dem ..Hilfsverem", deffen Schnlwerk für die Erziehnngsbednrfnisfe der jüdlschen Einwanderer in der Türkei sorgen dürste, Ferner mit den Kotonisatlonsgesellschaften, lvie die I. C. A., die A. I. K. O. und auch den rein wirtschaftlichen Instituten der Zionistischen Organisation, tatkräftige Förderung erwartet die „Union" von den B. B.-Logen. Die Znsammeilsetznng des Vorstandes berechtigt zu der Erwarliillg, daß die „Unioii" arich mit den anderen großen jüdischen Organisationen Deutschlands in enger Fühlung bleiben wird. Das Zentral-Hilfskomitee hat sich der Union angefchloffen.

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