Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1915-12-03 · Heft 37 (3.12.1915) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 37 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063862-3063899--09810-3077093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Die Wahrheit Nr. 37. Sie haben der Makkabäer Vorbild nachgeahmt und deren Namen geehrt und in der Welt zu neuem Glanze geführt! Unser Herz schlägt dabei höher, unsere Seele jauchzt. Unsere Feinde mögen zittern ob ihrer Ohnmacht. Zusammen fanden sich die Lüge und Verleumdung Englands, die Rachegier Frankreichs und der Länderhnnger Rußlands, um Oesterreich und Deutschland zu vernichten, mit Fürstenmörderu und wortbrüchigen Banditen taten sie sich gegen uns znsammeu. Sie, die angeblich die kleinen Völker schützen und befreien wollen, vergewaltigen alle ihnen nicht ganz gefügigen Lander durch Absperrung zur See aufs härteste und werden damit hoffentlich nur verdienten Lohn ihrer Heimtücke ernten. Der Orient lauscht gleich der übrigen Welt dem ehernen Gange der Weltgeschichte, die Gottes Lenkung und Fürsorge erkennen und uns aufatmen läßt. Eine große, erhabene Zeit rauscht an uns vorüber, lasset sie uns nützen. Lasset uns gleich unseren Vätern in ihr Gottes Fingerzeig erkennen und in aller Drangsal ihm Dank und Preis zollen. Im Dröhnen der Geschütze, in Not und Tod erkennen und sinden wir den alten, lebendigen, .großen, ewigen Gott der Güte und Gerechtigkeit, den Hort mib Hüter der Schwachen und Entrechteten. Nehmet das Buch der Bücher und leset der Makkabäer Heldenleben und Heldentod zu Kraft und Trost, zu Labung und Siegeszuversicht andächtig durch! Ein Hauch der Ehrfurcht und Freude durchweht uns ob solcher Heldenahuen, die uns den Weg der Glanbeustrene, Manneszucht, des unbeugsamen Lebenswillens und der Charakterstärke für alle Geschlechter und Zeiten wiesen. Wollen wir ihn aber auch gehen! Wie das Lichtlein uns ruhig leuchtet, sei unser Pfad lichtvoll und klar, unser Geist zu Gott gewandt, unser Herz der Menschheit, unsere gepanzerte Faust dem Feinde, dessen Anschläge wir, gleich Juda Makkabis Heldeuarm, rastlos vereiteln und zuschanden machen müssen. Wie die Lichtlein täglich an Zahl zunehmen, so muß täglich unsere Zuversicht und Opserfreude für ein großes, uns bereits winkendes Ziel wachsen und aller Kleinmut, jede Schwäche und Angst weichen. Das Licht muß in der Welt zunehmen uuö der Vierverb a nd der Lüge, Rachsucht, Ländergier und Treulosigkeit dem Vierbnnd der Wah'heit,. Gerechtigkeit, Menscheuschätzung und Treue weichen und die Welt wieder ausatmen! In dieser schweren Prüfung bewährt sich unser Glaube und unsere Ueberzengung, daß die Welt durch Gerechtigkeit und Recht, Treue und Glauben regiert tvird und alle Mächte der Finsternis für die Dauer nicht die Welt in ihrer Entwicklung und ihrett großen Zielen hemmen und anfhalten können. Gott hat unsere Helden Wunder der Tapferkeit und Hingebung an höchsten Ideen und Güter verrichten lassen und die ganze Welt, soweit sie ein offen Ange und gerechtes Herz hat, beugt sich in Ehrfurcht und Liebe vor solcher Größe, solchem Heldentum. Mögen auch rvir des Wortes eingedenk bleiben: „Gott richtet die Welt in Gerechtigkeit und die Völker in Redlichkeit!" Nie wird uns Gott verlassen, me unseren heißgeliebten Kaiser und sein erhaben Haus gegen Mordbuben und deren hohe Beschützer unterliegen lassen! „Großes hat der Herr an uns allen, seiner Gemeinschaft getan und wird es weiter tun. O, daß wir stark in diesem Glauben und dieser Zuversicht das Channkalichtlein der Herzensstärkttng und Glaubenkraft überall zünden! Dies Lichtleiu soll jedes Heim erleuchten, mag der Herr auch draußen auf blutiger Wallstatt ruhen, mag er in Gefangenschaft schmachten oder auf seinem Schmerzensiager sich winden, dies Lichtlein soll zarte Frauen- oder guter Kinderhand im treuen Gedenken an Ahnengröße und Znkunftsstärke zünden, dem Weltenlenker für all die Wunder, die sich auch, uns täglich offenbaren, dankend und Ihn preisend, daß Er uns diese Ruhmeszeit erleben ließ. Ist dies Lichtweihfest heuer nicht besonders erhebend, muß nicht heuer gerade das schöne Heldenlied „moos zur jeschuosi“ unendlich weihevoll nach solchen Erlebnissen zum Himmel steigen! Denn Ihr alle, die Ihr diese Zeilen leset, gedenket aller guten Werke der Vaterlandsliebe, gebt allen Zwecken rasch und reichlich und auch besonders unseren geliebten, schwergeprüften Brüdern im heiligen Lande! Füllt die Sammelbüchsen und gebt nach besten Kräften! Wie in der Propheten Tagen, io ist heute und wohl in aller Zukunft, unser Land erez Isroel, das Dnrchzngsland, der Schlüssel, der stets von allen Mächten begehrt wird, eine Kampfstätte, voll Weihe, Größe und Leiden, voll Stolz und Erhabenheit, eine Stätte, wo die größten Männer der Menschheit gewandelt, voll Zukunft und Entwicklnngsmöglichkeit. Gerade in diesen Kampfeslagen des Makkabäerfestes lasset uns Herz und Hand ihm erschließen und den Brüdern, die in tiefer Frömmigkeit dahin gepilgert, um hier in Gebet- und Beschaulichkeit ihr Leben zu beschließen oderdes Landes Größe durch Arbeit und Schaffensfreude zu fördern. „So ich dem vergesse, o, Jerusalem, verdorre meine Rechte!" sei anch unserer Zeit Mahnruf! So leuchtet denn, ihr Channkkalichtlein, überall in der Welt, leuchtet Israel auf seiner Wanderung, der Menschheit erweiset den rechten Weg! Gebt uns Licht und Wärme in dieser starren Finsternis, unserem Auge den Scharfblick richtiger Erkenntnis, unserem Herzen innige Glaubenswärme, unserer Hand Kraft, unserem Fuße Behendigkeit, auf daß wir alle bald dem großen Friedensziele näher kommen, für das wir Gott preisen: Gelobt seist Du, o, Herr, der uns Sieg und Heil verleiht! Rabb. Prof. Dr. L. H i r s ch. B.-K r n ui a n, Dezember 1915 (Kislew 5676.) Die galizilche» KriegsMchllittge im Ggerer Kesirlre. Bon Ariiuil Wilkowltfch, E,;er. (Schluß.) HerrHofratKaiser erwiderte, daß ihm dieloyaleGesinnnng der Kriegsslüchtlinge mosaischen Bekenntnisses, welche ohne Murren Hab und Gut dem Vaterlande weihten, nur zu gut bekannt sei, daß sie aber anch des Sieges unserer ruhmreichen Armeen sich herzlich freuen dürfen, da sie am eigenen Lei be den Terror und die Roheit der unmenschlichen Feinde verspüren mußten; unsere Staatsmänner jedoch waren und sind bestrebt, das harte Los der Heimatlosen nach Tunlichkeit zu mildern. Herr Hofrat Kaiser dankte bei diesem Anlasse den Herren Vorstehern für ihre tatkräftige Unterstützung der Flüchtlingsfürsorge, worauf die Herren Eduard Löwy und Taeodor Spiegl in kurzen Ansprachen auch den Behörden für ihr Eingreifen und die segensreiche Durchführung dieser Aktion dankten. Während die offizielle Kundgebung in der k. k. Bezirkshanptmannschaft vor sich ging, spielte die von den Flüchtlingen bestellte Musikkapelle und immer wieder erklangen vaterländische Lieder in deutscher und polnischer Sprache, besonders die stimmnngsvolle Kaiserhymne. die von allen Anwesenden mit eutblößtem Haupte gesungen wurde. Dazwischen erschallen Rufe „Heit", „Hoch". Nun nmringten die Flüchtlinge Herrn Süßkind ans Rymanow, der einen Folianten anfgeschlagen hatte und das Kaisergebet in hebräischer Sprache zu singen begann. Alles durcheinander — Jnd und Christ — brach in begeisterte Hochrufe ans. Nach dieser Rezitation las Herr Oberkantor Wilkowitsch vom Fenster der Bezirkshanptmannschaft mit lauter Stimme eine Hnldignngsdepesche folgenden Inhaltes vor: „An die Kabinellskanzkei Sr. kais. und königl. Apostolischen Majestät in Wien. Anläßlich der siegreichen Einnahme Lembergs erlauben sich die Kriegsstüchrlinge aus Galizien und der Bukowina der Knltusgeineinde Eger und Franzensbad, ihre Freude und das Gelöbnis unwandelbarer Treue nnd Anhänglichkeit für Se. Majestät zum Ansdrncke zu bringen. Die Knltnsvorsteher Eduard Löwy, Eger, und Theodor Spiegl, Franzensbad, für die Kriegsstüchtlinge." Nun zogen die Flüchtlinge zum Stadthaus und von dort zur Wohnung des Knltnsvorstehers, wobei die Musik vaterländische Weisen anstimmte. Der Zug bewegte sich dann zum Ailsgangspnilkle Johannisplatz. Diese imposante Kundgebung war von keinem Mißtou getrübt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.