Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1915-12-03 · Heft 37 (3.12.1915) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 37 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063862-3063899--09809-3077092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 37. Die Wahrheit Seite 5. Festgaltesdienst nnd Kestfttznng anläßlich des Negienn'.gsjnbilüuins Seiner Majestäl des Kaisers. Am Vorabende des Regiernngsjnbilänms Seiner Majestät fand im Tempel der Inneren Stadt (Seitenstettengasse) ein Festgottesdienst statt, an welchem der gesamte Vorstand mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern an der Lpitze, der Bethansvorstand mit dem Präsidenten Dr. Markus Spitzer, die Beamtenschaft der Knltnsgemeinde mit dem Ersten Sekretär kaii. Rat Dr. Theodor Lieben, Delegierte vieler Vereine nnd Institutionen, sowie zahlreiche angesehene Mitglieder der Gemeinde leilnahmen. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Max Bach, die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Don Fuchs mit verstärktem Chor. Nach dem Festgottesdienste begaben sich die Anwesenden zn einer öffentlichen Festsitzung des Kultusvorstandes, bei welcher der Präsident Dr. Alfred Stern die nachfolgende Rede hielt: Geehrte Festversammlnng! Heute ist es znm zweitenmale, daß wir die Jahreswende des Regierungsantrittes unseres vielgeliebten Kaisers mitten im Waffengeklirr festlich begehen. Welche Unsumme von mannhafter Entschlossenheit, von sieghafter Zuversicht haben unsere heldenmütigen Truppen, vereint mit den tapferen Armeen unserer Verbündeten, in diesem blutigsten Jahre der Weltgeschichte an den Tag gelegt! Welch herrliche Beweise von Opfermut, von Kaisertreu.: nnd Vaterlandsliebe haben die Völker dieser mächtigen Monarchie in diesem Jahre des Existenzkampfes geliefert! Es war ein Jahr blutiger, schicksalsschwerer Kämpfe und erhebender, glänzender, eine frohe Zukunft verheißender Siege! Vertrieben ist der barbarische, jeder Kultur uud jeder Menschlichkeit entkleidete Feind un Norden aus deu Grenzen dieses Reiches, verfolgt von unseren sieghaften Truppen, welche Feindesland besetzt halten, in welchem nunmehr unter österreichischer Herrschaft an Stelle zarischer Knechtung Recht und Gerechtigkeit, an Stelle russischer Bedrückung Kultur nnd Recht und Freiheit walten und für immer walten mögen. In dem Gebete, welches wir heute am Beginne unseres achttägigen Tempelweihfestes sprachen, danken wir Gott für die Siege, welche unsere Vorfahren erfochten. „Viele waren in die Hand weniger gegeben", so heißt es in dem Gebete. Viele in der Hand weniger! Das wiederholt sich hente in weit größerem Maße. Was damals vor zweitausend Jahren die Heere von Tausenden, das sind hente die Millionenheere. Schott der eine der verbündeten Feinde, der Koloß im Norden, überragt mit seinen 170 Millionen Bewohnern um zwei Drittel, ja fast bis zum doppelten die Volkszahl und Macht der beiden europäischen Mittelmächte, der österreichischungarischen Monarchie und des Deutschen Reiches zusammen. Umso schwerer fällt der ruhmvolle Siegeslauf sunserer verbündeten Armeen ins Gewicht. Um>o viel höher zu werten ist die Volkskraft, die nimmerwankende Siegesziiversicht, dieser innere heilige Glaube an den endgiltigen Sieg unserer ruhmreichen Waffen und an den zu erringenden dauernden ehrenvollen Frieden, unsere Zuversicht, geschöpft ans der unvesiegbareu Quelle der hingebungsvollen, schwärmerischen Liebe, die jeden einzelnen Bürger dieses großen, mächtigen Reiches für unseren großen, mächtigen, gerechten Kaiser erfüllt, der dem Frieden seiner Völker sein Leben geweiht, nur mit äußerstem Widerstreben die Waffen ergriff und auch jetzt für eine dauernde Sicherung des Friedens kämpft. Stolz und mit innerer Befriedigung kann die Judenschaft des Reiches an diesem Jnbeltage sich sagen, daß sie als kaisertreue und vaterlandstreue Bürger des glorreichen Habsburgerreiches, in Reih und Glied mit ihren Mitbürgern, ihren redlichen, vollen Anteil an den Kämpfen, ihren redlichen vollen Anteil an den Opfern, an den Siegen hat und auch an den Hoffnungen und an der Zuversicht, welche alle für den endgiltigen Sieg, für die Zukunft und die segensreiche Entwicklung des Vaterlandes beseelt. Und wenn unserer Brust inbrünstige Gebete für den Sieg unserer Waffen sich entringen, wenn unser Herz von den innigsten Wünschen für unsere Tapferen im Felde erfüllt ist. so wenden sich unsere heiligsten Gedanken, unsere besten Wünsche stets dem heißgeliebten Kaiser zn, dessen väterliches Herz für alle Bürger dieses Reiches, ohne Unterschied ihrer Nationalität und ihres religiösen Bekenntnisses mit gleicher Liebe schlügt. Danken wir dem Allmächtigen, daß er unseren gütigen, großen Kaiser in voller Kraft nnd Gesundheit erhält. Möge Gottes Allgüte ihn auch weiter schützend geleiten k Möge Gott ihn beglücken, zn schauen den Sieg seiner ruhmvollen Waffen, auf daß sein Herzenswunsch in Erfüllung gehe: Seine Lande nnd seine Völker in dauerndem, ehrenvollem, im Siege gefestigtem Frieden, blühen und gedeihen zu sehen! Möge den heute sich endenden siebennndsechzig Jahren seiner ruhmreichen Regierung noch eine lange, lange Reihe von Jahren sich anreihen, in denen er weise und gütig, wie bisher, seines Herrscheramtes walte! Unser i n n g st g e l i e b t e r, weiser, gütiger, gerechter Kaiser Franz Josef I. lebe hoch! Tage der Erhebung. Inmitten der gegenwärtigen, einzigartig großen Zeit leuchtet uns das Frendenlicht der Makkabäer, Israels Heldensöhne, die in allen Zeiten durch Heldengröße und Riesenmut das große Beispiel Inda Makkabis nachahmen! Welcher Opfersinn bei allen Völkern unseres weiten Reiches, unter ihnen auch Israels! Freudig geben Väter nnd Söhne, oft auch beide zugleich, für Kaiser und Reich ihr Leben, ihr alles! Israel hat in diesem Weltenringen die haltlosen Anwürfe von Feigheit und Unzuverlässigkeit zunichte gemacht und seltenen Heldensinn überall bewiesen! Das Makkabäerblnt rollt in ihnen und unbezwingbarer Heldensinn führt sie zu den kühnsten Taten nnd Leistungen, von denen wir täglich lesen. Im Schützengraben, in der Luft, im Wasser, auf der Erkundung, gegen feindliche Uebermacht, überall sind sie unverdrossen, unermüdlich voran. Es ist rührend nnd erhebend! Wie viele hoffnungsvolle jüdische Offiziere, die Blüte unseres Volkes, haben an der Spitze ihres Zuges den ruhmvollen Heldentod für Kaiser uud Reich gefunden! Ihr Name leuchtet im vaterländischen Nuhmesbuche, ihr edles Beispiel findet begeisterte Nachahmung und trotz allen Schmerzes nnd aller Thränen der Eltern und Geschwister, der Frauen und Kinder sind sie glücklich zu preisen, die für ein großes Ziel, für des Reiches Macht und Entfaltung ihr Leben in die Schanze schlugen. Heil ihnen auf dieser und in jener Welt!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.