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Die Wahrheit · 1915-11-19 · Heft 36 (19.11.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 36 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Telle 6 Die Wahrheit Mi 36. Die Kage in Palästina. Das Kopenhagener Bureau derZionistischen Organisation versendet folgende Mitteilungen: Nach dem Verschwinden der Heuschrecken hat man sich in den Farmen des Jüdischen Nationalsonds und in den Kolonien hauptsächlich dem Anbau von Gemüse zugewandt und auch energisch wieder mit dem Getreidebau begonnen. Es muß überhaupt festgestellt werden, daß in Palästina alles versucht wird, um über die gegenwärtige Krisis hinwegzukommen. Die hebräischen Schulen in Palästina sind sämtlich in Betrieb, dank der Opferwilligkeit der Lehrer, die trotz der herrschenden Teuerung aus freien Stücken auf einen beträchtlichen Teil ihres Gehaltes verzichtet haben. Die Schulen werden zur Zeit von 3110 Schülern besucht, die von 187 Lehrern und Lehrerinnen unlerrrchtet werden. Dle ökonomische Situation in Palästina hat sich in letzter Zeit dadurch verschlechtert, daß die Geldsendungen aus dem Auslande fast ganz ausgeblieben sind. Auch die Hilfsgelder von Amerika haben immer mehr und mehr abgenommen, sodaß dem palästinensischen Verteilungs-Komitee unter dem Vorsitze von Herrn Dr. Rllppin in letzter Zeit nur 15.000 Frcs. monatlich zur Verfügung standen, während 70.000 Frcs. per Monat dringend benötigt werden. Die Folge davon ist, daß die Juden aller Länder mit größter Intensität die Hilsssammlnngen für Palästina sortsetzen werden, damit wenigstens für die dringendsten materiellen Bedürfnisse gesorgt werden kann. Die Ergebnisse der Palästina-Hilfsaktion in den europäischen Ländern, die teils von den Zionistischen Organisationen dieser Länder, teils unter Beteiligung derselben durchgesührt wurden, sind folgende: Brilgarieu 5000 Frcs., Deutschland 70.000 Mark, Griechenlarrd 2500 Frcs., Holland über 11.000 Gulden, Skandinavien 13.500 dän. Kronen; Andere europäische Länder etwa 350.000 F-cs. Durch Vermittlung , des Kopenhagener Bureaus der. Zionistischen Organisation wurde außerdem ein Teil der Argentinischen Sammlungen in Höhe von 2500 Fics. nach Palästina Überwiesen; und bei dem Hauptburean des Jüdischen Nationalsonds im Haag gingen weitere 5000 Frcs. für Nvtstaudsarbeiteu ein. Die Hilssgelder ans England sind, ebenso wie die Erträge der Sammlungen in den außereuropäischen Ländern, dem Amerstanisch-Jüdischen-Hilfskomitee für Palästina zur Verfügung gestellt worden, das aus Vertretern des Zionistischen Exekutiv Komitee in New Jork und des American Jewish Committee zusammengesetzt ist. Diese Betrüge sind daher in den Ausweisen jenes Komitees inbegristen. Die Eingänge sowohl der europäischen wie der amerikanischen Hilfsaktion sind dem Palästinensischen Verteilnngskomitee in Jaffa, unter Vorsitz von Herrn Dr. Ruppin, überwiesen worden. Außer diesen Hilfsaktionen sind auch durch andere jüdische Organisationen Hilfssammlnugen für Palästina durchführt worden, die zum Teile ebenfalls beträchtliche Ergebnisse hatten. Das jüdische Schniwese» in Russisch-Polen. Wir werden um Aufnahme nachstehender Feststellung ersucht: Die „Jüdische Korrespondenz" in Wien berichtet in Nr. 10 vom 21. Oktober 1915 über eine Unterredung, betreffend das jüdische Schulwesen, zwischen dem Reichsratsabgeordneren Dr. I. Steinhaus und dem Referenten derDeutschenZivilverwaltnng, Reichstagsabgeordneten Dr.Haas in Warschau. Dr. Haas sollte sich dahin geäußert haben, daß der Jargon als Unterrichtssprache nur während eines Uebergangsstadiums Geltung haben solle, d. h. bis die Schulkinder sich die polnische Sprache derart angeeignet hätten, daß sie den ganzen Unterricht im Polnischen genießen könnten . . Die Entscheidung in dieser Angelegenheit unterliege wohl der deutschen Reichsregierung resp. dem Oberkommando. Dr. Haas habe jedoch versprochen, diesen Standpunkt bei der Regierung aufs wärmste zu befürworten." Dr. Haas ermächtigt darauf hinznweisen, daß die Behauptungen in der Veröffentlichung. soweit sie ihn betreffen, unrichtig sind. Die galizische» Kriegsflüchtlintze im Gtzerer Kesteke. Bon Armin Wilkowitfch, E^er. (Fortießuug.) Dank der Kriegsflüchtlinge irr Franzensbad. Die Unterfertigten siild ermächtigt inti) beauftragt, im Namen sämtlicher Kriegsflüchtlinge, die im Bereiche der israelitischen Kultnsgemeinde Franzensbad nntergebracht sind, dem allverehrten Herrn Vorsteher und Stadtrat Theodor Spiegl. sowie dessen G mahlin Frau Louise Spiegl für rastlose Tätigkeit und mühevolles Wirken, um die Not der Unglücklichen zu lindern, ihren innigsten Dank anszndrücken. Schon in den ersten Tagen unserer Ankunft, überzeugten wir uns von der Gutherzigkeit des Herrn Spiegl, als er bei der Stadtgemeinde Franzensbad erwirkte, daß den Flüchtlingen statt eines gemeinsamen Strohlagers einzelne schöne Wohnungen zugewiesen wurden.. So strengte Herr Spiegl sich unaufhörlich an, bis ihn eine tückische Krankheit überfiel. Kaum war es ihm aber möglich, das Bett zu verlassen, entfaltete er persönlich eine umfangreiche Korrespondenz mit hervorragenden Wohltätern, wohltätigen Vereinen und Gemeinden Oesterreichs, Deutschlands und selbst der Schweiz,.

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