Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 36 (19.11.1915)
- Date
- 1915-11-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9fr: 36. Die Wahrheit Seite 5. Dankschreiben der Frau Jda Barany für die Gratulation des Vorstandes an ihren in Rußland kriegsgefangenen Gatten, des Dozenten Dr. Robert Barany aus Anlaß seiner Auszeichnung mit dem Nobel-Preis. Beileidskundgebungen an den Vorstand anläßlich des Ablebens des Vertreters kais. Rat Adolf Schrämet s. A. von den Herren: Hofrat Berstl, Regierungsrat Dr. Frankfurter, Professor Dr. Zappert, der Kultusgemeinde Leipnik, Knltusgemeinde Troppau, Israel. Kinderbewahranstalt, des Brigittenaner Tempelvereines, des Vereines zur Ullterstützung armer kranker Israeliten, des Israel. Tempelvereines für die Bezirke Wieden und Margarethen, des Synagogeuvereines „Beth Israel", des Vereines Das Jisroel (Schiffiynagoge), Bezirkskommission und Bethansvorstand für den XXI. Bezirk, Indischer Verein „Einheit". Beileidskundgebungen anläßlich des Ablebens des verewigten Bethausvorstehers s. A. Wasservogel von Herrn Dr. I. Schorr. vom Israel. Tempelverein für die Bezirke Wieden und Margarethen, vom Vereine Israel. Kinderbewahranstalt. T r a u e r k n n d g e b u n g. Nach Bekanntgabe des Einlaufes hielt der Vorsitzende, j Präsidenl Dr. Alfred Stern folgenden Nachruf: „ Wenige Wochen sind es her, daß wir zu einer Trauersitzung uns hier versammelten. Und wieder ist es ein Totenklage, welche wir heute hier erheben; wieder beklagen wir den Verlust eines teuren, braven, tüchtigen Mitgliedes unseres Vorstandes. Ich habe schon nach dem Hinscheiden unseres verewigten Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn darauf hingewiesen, daß von den 20 Herren, die, als ich in den Vorstand eintrat, demselben angehörten, ich der einzige bin, der Letztüberlebende, bin; und wenn ich nun wieder nach so kurzer Zeit eine Todlenklage erheben muß, so kann ich nicht umhin, mich des wehmütigen Dichterwortes zu erinnern: „Fallen seh' ich Zweig aus Zweig Kaum noch hält der morsche stamm". Kaiserlicher Rat Adolf S chra mek. der uns io plötzlich entrissen wurde, war uns Allen ein lieber, teurer Kollege. Sein freundliches, liebevolles, entgegenkommendes Wesen erwarb ihm unsere herzlichste Sympathie; ebenso sein biederer, lauterer Charakter. Wenn er auch nur neun Jahre, eine nur so kurze, viel zu kurze Zeit dem Vorstände augehörte, so war doch sein Wirken ein reichhaltiges, vielumfassendes, so daß es einer sehr, sehr viel längeren Tätigkeit genngr hätte. In allen Angelegenheiten des Kultus, des Ritus, dem so verzweigten Gebiete der Finanzgebahrung unserer Gemeinde, war seine Meinung, sein Rat gar oft von entscheidender Bedeutung. Er war kein Mann der Rede, kein Mann, der viel Worte machte; wenige, schlichte, prägnante Worte, mit welchen er das Wahre der Sache traf, seine Einsicht, seine Erfahrung wiesen uns nicht selten, selbst in schwierigen Angelegenheiten, den rechten Weg, so daß bas erreichte Ziel der Gemeinde zum Segen gereichte. Er hatte eine offene, freigebige Hand, und es dürfte nie vorgekommeu sein, daß er den Hilfesuchenden, der vor seiner Türe erschien, abgewieseu hätte. — Sein Hauptverdienst war jedoch die Gründung des „Kaiser Jnbilänms-Hnldignngs-TempelS" amBolkert, in dem von unseren Glaubensgenossen am dichtesten bevölkerten Teile der Leopvldstadt, in welchem die Errichtung eines neuen Bethauses am notwendigsten erschien. Nicht allein seiner materiellen Unterstützung, sondern auch der! Ausdauer, dem Fleiße und der Fürsorge, welche er diesem Werke gewidmet, war es zu danken, daß dieser Tempel in jener Pracht entstanden ist, welche für immerwährende Zeiten Zeugnis ablegen wird von dem heilsamen, segenbringenden Wirken des Dahingeschiedenen. Wir im Vorstande der Kultusgemeinde werden das Andenken an den teuren Kollegen stets in Ehren halten. Und noch eines Mannes muß ich gedenken, den wir vor wenigen Tagen zu seiner letzten Ruhestätte geleiteten. Salomon Adolf Waffe r v o g l, der durch 26 Jahre dem Bethausvorstande angehörte, hat innerhalb seines Wirkungskreises sich alle Mühe und Sorgfalt um die klaglose Abwicklung des Gottesdienstes gegeben. Sowohl im Stadttempel wie im Leopoldstädterteurpel war er unermüdlich tätig, nie fehlte er beim Gottesdienste, dessen würdevolle Ausgestaltung und Abhaltung, für welche er rastlos tätig war, ihm stets am Herzen lag. Sein Andenken wird ein gesegnetes sein! Die Versammlung beschließt, die Trauerkundgebung dem Protokolle der heutigen Sitzung einznverleiben. Namens der anwesenden Familie des Herrn kais. Rates Adolf Schramek dankt Herr Dr. Leopold Drucker für die dem Andenken des Verstorbenen gewidmeten ehrenden Worte des Gedenkens. Die öffentliche Vorstandssitznng wird geschlossen. Kooptiernng des Kultusvorstandes In der nach längerer Unterbrechung folgenden vertraulichen Plenarsitzung wurden über Vorschlag des Präsidenten Dr. Alfred Stern im Sinne des § 18 (neu) der Wahlordnung nachfolgende Herren kooptiert: k. f. Hofrat Dr. Josef Löwner, Heinrich Mendel, Dr. Wilhelm Pappenheim, Hof- und Gerichrsadvvkat, Louis Freiherr von Rothschild, Dr. Rudolf Schwarz-Hiller, Hof- und Gerichlsadvokat, Gemeinderat der Stadt Wien. Die Mitteilung von der erfolgten Wahl des Herrn phil. und jur. Dr. Spitzer zum Präsidenten des Bethausvorstandes und des Herrn Anton Beck zum Bize-Präsidenten des Bethausvorstandes der israel. Kullusgemenide für den I. und II. Bezirk wird zur Kenntnis genommen. Nach Erledigung einer Reihe von dringlichen Subventionsansuchen und Personalangelegenheiten wird die vertrauliche Sitzung um 1 Uhr nachm, geschlossen.