Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 35 (5.11.1915)
- Date
- 1915-11-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Leite 9. Die Wahrheit 4. Juni 1886 zu Lieguitz in Schlesien besuchte er die Realschule nitd dann die Präparalidenschule seiner Heimat und war 1884—1887 auf dem Lehrerseminar zu Hannover. Dort hatte er in Berggrün, dem bedeutendsten Kantor jener Zeit, ein vorzügliches Vorbild und späterhin einen guten Freund, bei dem er sehr viel lernen konnte. Nebenbei erweiterte Fabisch auch seine allgemein musikalischen Kenntnisse. Ostern 1887 verließ er das Seminar zu Hannover und kam als Elementarlehrer und Kantor nach Steinheim in Westfalen; von da am 15. November 1890 nach Göttingen, wo er bald darauf die Lehrerprüfung ablegte. Neben seiner beruflichen Tätigkeit trieb er dann an der Universität eifrige Studien in Sprachen und Philosophie, die er, kurz vor dem Doktorexamen stehend, infolge Ueberanstrengung und einer dadurch hervorgernfenen nervösen Erkrankung anfgeben mußte. Im Laufe der Jahre erholte sich Fabisch zwar langsam, aber doch immer mehr, sodaß seine Mußestunden wieder einem ganz bestimmten Zwecke dienten. Er wandte sich wiederum gur Universität. Diesmal aber zur musikalischen Betätigung innerhalb derselben, um Kontrapunkt und Gesang zu studieren. Daraufhin entstanden bald seine Kompositionen größeren Stiles, wie die jüdische Oper „Esther", die bei den verschiedensten Aufführungen großen Beifall fand. Seiner Feder entstammt auch ein anmutiges Singspiel „Chanukazanber" sowie eine Sammlung von zwei- und vierstimmigen Chören, die unter dem Namen „Gesänge der Andacht" weile Ver-! breitnng und Anerkennung gefunden haben. Neben sonstigen j Kompositionen religiösen Inhalts hat Fabisch auch weltliche j Musik geschrieben, so besonders ein Streichquartett und ein I Klaviertrio. Seine kritischen und propagandistischen Arbeiten j bat er in Aufsätzen und Vorträgen zum Ausdruck gebracht, > und alle Institutionen, denen er augehört, sind stolz darauf, ihn an hervorragender Stelle zu den ihrigen rechnen zu dürfen. In seiner Gemeinde pflegt er seit Jahren mit Erfolg den einstimmigen Gememdegesang. Dem Jubilar ein herzliches Glückauf mit dem Wunsche noch vieler und gesegneter Lebensjahre! H. Z. Internationale Wiffensrhasilirhe Uereinignng israel. Kantoren. Nene Kompositionen von Aron Friedman n— Berlin. Es sind zwei recht interessante Hefte, die uns dieser fruchtbare und gediegene Komponist diesmal bringt. Zunächst sechs Traunngsgesünge und dann eine Ballade von Freiligraih „Nebo" (Auf Jordans grünen Borden). In den sechs Trauungsgesängeu waltet auch wieder jener religiöse Ernst vor, der Friedmauu auf allen seinen Komposilionswegen begleitet, er läßt ihn überall jenes vornehme Maßhallen finden, das von selbst alle Härten umgeht. Da ist nichts von gesuchter oder gekünstelter Musik zu finden, lauter echtes natürliches Empfinden, das trotzdem elementare Kraft besitzt und mit oft primitiven Mitteln des Akkordbanes und der Modulation zu fesseln versteht. Friedmanns Stärke ist eine subjektiv lyrische Art; alle Mittel der ihm vorschwebenden Totalwirknngen bewegen sich in den Grenzen keuscher Einfachheit, er will als Kirchenmnsiker beileibe kein Dramatiker sein, so oft auch der Text ihn hiezn einladen mag. So besitzen diese Trannngsgesänge jene vom Herzen kommende und ,zn Herzen gehende Innigkeit des Ausdruckes, welche in ihrer Einfachheit eine solche Kraft ansftrahlt, daß mir stets in weihevoller Stimmung festgehalten werden. Besonders hervorheben möchte ich den „Miaddir", F-Dur und das Es-Dur- Lied „Zn dir, o Herr". All diese Vorzüge gelten auch von der religiös gehaltenen Ballade „Nebo". Die mannigfachen Akkord-Fortschreitnugen -sind einfach, gewinnen aber durch viele melodische Verschlingungen, oft blitzt die vom Komponisten beabsichtigte, altväterische Würde durch, ohne daß die selbständig pttlsierende Melodie oder Begleitung geheurml wird. So ist auch das HrraÄ-Rezitativ an der Stelle: „Im Tal ruh'n die. Nomaden" ein sehr glücklicher Gedanke, da die Jntensivität des Ausdruckes sich dadurch erheblich steigert. Eine landläufige Empfehlung haben diese Neuerscheinungen nicht nötig, der Name des Autors sichert ihnen eine baldige große Verbreitung. S i n g e r-Kattowitz. Kriegs sprnche. V. Gürte dein Schwert um deine Hüfte, Held, es ist deine Pracht und deine Zierde. (45. 4.) Mit Gott erringen wir Sieg, er tritt unsere Feinde nieder. (60, 14.) So gib uns Beistand vor dem Feind, denn nichtig ist Hilfe des Menschen. (13.) Alle Völker umringen mich, im Namen des Ewigen vernichte ich sie. (118, 11.) Sie umgeben wie Bienen mich, doch sie erlöschen wie Dornenfener. (12.) Ich bin friedlich und wenn ich was rede, sind sie für Krieg. (120. 7.) Er richtet über die Völker, viele Leichen sind; er zerschmettert das Haupt auf weitem Lande. (110. 6.) Wie Pfeile in der Hand des Helden, so sind die Kinder der Jugend. Heil dem Manne, der seinen Köcher von ihnen füllt, sie werden nicht zu Schanden, denn sie sprechen mit den Feinden im Tore. (127, 4. 5.) Ewiger, mein Gott, du bist der Sieg meines Heils, du schützest mein Haupt am Tage der Schlacht. (140, 8.) Gelobt sei der Ewige, mein Fels, der meiner Hand den Kamps lehrt, meinen Fingern den Krieg. (144, 1.) Gott, der mich mit Kraft umgürtet, macht meinen Wandel tadellos. (18, 33.) Nicht die Stärke des Rosses wünscht er, nicht an den! Schenkeln des Mannes hat er Gefallen. (147, 10.) > Erhebung Gottes ist in ihrer Kehle und em zweij schneidiges Schwert in ihrer Hand. (149, 6.) Der Ewige ist mächtig und stark, der Ewige ist ein Held des Krieges. (24, 8.) Der Ewige verleiht Sieg seinem Volke, der Ewige segnet sein Volk mit Frieden. (29. 11.) I Gehet, sehet die Werke des Ewigen, der Verwüstungen! hat ungerichtet im Lande. Er hat aber auch dem Weltkriege! ein Ende gemacht, den Bogen zerbrochen, den Speer zerhaut und die Wagen verbrannt im Feuer. Dr. Fr.-G. Uerschiedene Aschrichte». Wien. Dienstag den 9. November 1915, präzise 5 Uhr nachmittags sinder un Leopoldstädter Tempel, II. Temvelgasse 8, eine Trauerandachr für den verstorbenen Ersten Bize-Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav K o h n s. A. statt. Wien. Montag, den 8. d. M. 5 Uhr abend» findet nach dem jüngst verstorbenen Ersten Bize-Präfiüenten der Israelitischen Kttltusgemeinde Dr. Gustav Kovn un Tempel des Berhausvereines „Belh Haifilah" im IX. Bezirke. Müllnergafie (Grüne Thorgasse), defien Ehrenmitglied der Verblichene war. ein Requiem statt. Wien. Freitag, den 29. Oktober ist nach kurzer Krankheit der langjährige Berbansvorsteher der Wiener Kultusgemeinde Herr 2.21. Waiseroogl im 78. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene widmete sich mit seltener Hingebung mehr als 25 Jahre den Angelegenheiten des Berhausvorstaudes und wenn auch manchmal seine bis in das kleinste Detail gehende Bedachtnahme aus alle Dinge, die mit dem Gottesdienst und dem Gotreshaus im Zusammenhang standen, von dem einen oder dem andern übel ausgesaßt wurde, io mußte doch anerkannt werden, daß er zu den fleißigsten und verläßlichsten Mit-