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Die Wahrheit · 1915-11-05 · Heft 35 (5.11.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 35 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 35. Mittel zur Begründung der Loge, zur Schöpfung eines Ferienaufenthaltes für schwache Kinder in Duhnen, zur Begründung eines Fonds für den israelitischen Lehrerbnnd in Deutschland u. s. w. Er erfaßte die Bedeutung echter Seelsorgerschaft zur Ehre Gottes und des Judentums in Wort, Schrift und Tat und was hier aufgeführt wird, ist nur ein Bruchteil aus seiner umfassenden Tätigkeit in Stadt und Gemeinde. Im Kriegsjahr 1915 gab Leimdörfer noch den deutschen und österr.-ung. Instanzen der- Israeliten die Anregung, die Staats-Kriegshilfe durch Stiftung einer Haskorath-Neschomothaus den Gemeindesestlagssammlnugen bei den Totenfeiern zu entlasten. Bei all seiner rabbinischeu amtlichen und freiwilligen seelsorgerischen Tätigkeit fand Leimdörfer Zeit, literarisch zu wirken und eine größere Anzahl wertvoller Schriften zu veröffentlichen. Zuerst sind seine fleißigen und gründlichen Bibelforschungen zu nennen, vor allem sein trefflicher Kommentar zu Kohelet, in dessen historisch-kritischer Einleitung der Nachweis geführt ist, daß das Buch zahlreiche geschichtliche Hinweise auf di- Zeit Schimon ben Schetachs enthält, eine Entdeckung, die von der Gelehrtenwelt, insbesondere von Lazarus, Kayserling, Friedmanu und dem Großrabbi von Frankreich Zadoc Kahn begeistert anerkannt wurde. Leundörfers Vorliebe für den „Prediger Salomonis" ist es zu danken, daß die Lösung des Koheleth-Rärsels durch Jbe-baruch (16. Jahrh.) der deutschen theologischen Forschung zugänglich wurde, daß nämlich Jbe-barnch dem Koheleth, einem Atheisten, den ben David „den Frommen" gegenübergestellt sieht; durch Leimdörfer ist diese grundlegende Antithese in allen Einzelheiten eingehend erläutert worden. Die Frage nach dem Ich in den Psalmen, einmal Preisaufgabe der Berliner philosophischen Fakultät, ist von Leimdörser in dem Psalterego in den Jch-Psalmen gelöst, wie Professor Cornill, der zu dem gelehrten Werke die Einleitung schrieb, durch sein auf das Gebiet im besonderen maßgebendes Urteil s. Z. anerkannt hat. In das Gebiet der Psalmenforschung gehören noch Leimdörfers „Psalterklänge", die mit Recht als eine vorzügliche, eigenartige homiletische Einführung in die Psalmdichtnng zu bewerten ist. Wir wollen nur noch einige Titel von Leimdörfers weiteren Schriften erwähnen: „Zur Kritik des Buches Esther", „Messiasapokalypse", „Kaddischgebel", „Das Sisrerätsel". „Erster Priesterornat im Talmud". „Vernunftkritik der Bibel", „Religion und Wissenschaft", „Würdigung der Geschichte", „Talmudische Ethik des Alphabetes" u. s. w. In diesen Schriften zeigt sich Leimdörfers Eindringen in die alte midraschische Literatur im Bunde mit umfassender Kenntnis der neueren wissenschaftlichen Exegese. In der Zeit, als der Antisemitismus seine schlimmsten Blüten trieb, veröffentlichte Leimdörfer mehrere apologetische Schriften, deren vornehme Sachlichkeit besonders zu rühmen war, gegen Stöcker die Schrift: „Gotthold und Moses", gegen Friedrich Delitzsch „Der JHWH-Fund in der Bibel." Aus seiner langjährigen Lehrtätigkeit erwuchsen folgende pädagogische Schriften: „Knrzgefaßte Religionslehre", „Moseslehre (2 Auflagen)", „Ehinuch bar Mizwoh für die Konsirmanden", „Nachbiblische Geschichte (4 Auflagen; ins Englische von Hecht übertragen und Lehrbuch der Sabdatschulen Amerikas)". Poensch-pädagogisch fiub zu bewerten die Festspiele: „Lebende Megilla", „Chanuckawunder" (von Rahmer in der Familienzeilung vei öffentlich! und seitdem wiederholt in Schulen mit Beifall anfgeführi). Au letzter Stelle gehört hierzu das bedeutende Oratorium „Moses", das den Sieg des Judentums über alle negativen Mächte und niedrige Lebensauffassungen verherrlicht. Nahezu 150 Gelegenheits-Reden sind von Leimdörfer veröffentlicht. Sie verdienen den Namen „Meisterreden". Die größte Zahl derselben wurde bald bei dem Erscheinen vergriffen, um als ewige Erinnerung von denen, die jene Reden hörten, anfbewahrt zu werden. Bleibenden Wert, weil zugleich Denkmäler moderner Exegese, haben die Predigtsammlungen: „Unser Gottesbekenumis" (4 Reden), „Der Priestersegeu" (8 Reden), „In schwerer Trübsal" (5 Reden ans dem Cholerajahre), „Ein Feststrauß dem Ewigen" (5 Reden), „Psaltertöne". „Zur Gemütsbildung", „Pessach- und Snbbatreden". „Menetekel", zuletzt mehrere Reden in den Sammeldänden von Ackermann LHickl über„UnsereKeduschah". Reich an moralischen Erfolgen war die Arbeit Lein> dörfers an dem Ausbau des Vortragswesens in den Literalurvereinen und Logen. Er gründete mit G. Karpeles den „Hamburger Verein" und die Gabriel Riesser-Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, in der alle Zeitgrößen zu Worte kamen, ist seine alleinige Schöpfung, die er geistig leitet und in der er fast alljährlich spricht. Es gibt kaum eine große deutsche und österr.-ungar. Stadl, die Leimdörfer nicht ehrenvoll zu Vorträgen berufen hätte. Seme Vorträge „Ethik der hebr. Sprache", „Akiba", „Sarah Sullam", „Salomo und Sokrates" und „Naturgeschichte der Religion", die in den Jahrbüchern der Geschichts- und Literatur-Vereine zum Abdruck gelangt sind, zeigen den selbständigen Denker und originellen Forscher. Zahllos sind die populär-wissenschaftlichen Abhandlungen in periodischen Zeitschriften. Nicht um zu rühmen, sondern als Bekundung für die Wahrheit des alten Wortes in den Pirke Aboth: Hisoharu biwne anijim schemehem teze thanro, „Achtet auf die Söhne der Armen, denn von ihnen erwächst die Belehrung" sei erwähnt, daß Leimdörfer, ein Sohn armer Eltern, seit seinem 11. Lebensjahre für Vater, Mutter und Geschwister gesorgt, mit der größten Not gekämpft hat, durch Stundengeben sich selbst das Studium ermöglicht hat. Die Leiden seiner Studienzeit hat er in einem humoristischen Büchlein geschildert: „Aus meinem Jngendleben". Was gab Leimdörfer die Kraft, alle Hindernisse zu überwinden und zu solcher Größe, zu solchem segensreichen Schaffen sich empvrznringen? Seine im alten Judentum, im Elternhanse wurzelnde Frömmigkeit. seine friedliche, milde, vornehme, bescheidene Sinnesart, fern Mut und seine Treue, sein Fleiß, seine Opserirendigkeil! Gottes Gnade hat sein Wirken gesegnet! In seiner Familie aber sindet Leimdörser den Nährboden seiner Schaffenskraft. Ihm zur Seite steht eine edle Gattin, eine Verwandte von Professor Adolf Neubauer- Oxford s. A., Vorsteherin des humanitären Frauenvereines in Hamburg, und übt eine sprichwörtlich gewordene Gastlichkeit. Ihn erfreuen zärtliche Kinder, die von den Eltern hervorragende Begabung für Wissenschaft und Kunst geerbt haben und deren Können in weiteren Kreisen mit Achtung und Anerkennung genannt wird. Wir schließen mit dem Wunsche, daß es Dr. Leimdörfer, der jetzt das seltene Fest seines 40-jährigen Rabbinatsjnbiläums begeht, beschieden sein möge, als Stolz seiner Gemeinde, als Zierde Israels noch viele, viele Jahre wie heute in frischer Kraft zum Heile der Mitwelt und zur Ehre Gottes zu wirken. Heinrich Fabisch Am Montag, den 15. November werden 25 Jahre verflossen sein, seitdem einer der Besten des deutschen Kantorenstandes, seitdem H e i n r i ch F a b i s ch als Kantor und Lehrer nach Göltingen berufen wurde. Fabisch bedeutet für das Kantorat ein Programm, dessen Erfüllung er in rastlosem Schaffen an sich selbst vollzogen hat. Es versteht sich daher ganz von selbst, daß er im Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbaudes Sitz und Stimme hat und daß man dem, was er da schon geleistet hat, respektvoll begegnen muß. In Anerkennung dessen gehört Fabisch seit 1912 auch dem Ausschuß des Deutfch-Jfraelitiscben Gemeindebundes an; er ist Mitglied der Kantoren-Kommission des Lehrerverbandes und Vorstandsmitglied des hannoverschen Lehrervereines. Der Werdegang Fabischs ist folgender: Geboren am

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