Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 34 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 34. geschieden ist. Auch sein klangvoller Name bleibt unvergessen und beider Andenken wird ein gesegnetes bleiben. O. S. R. Moritz Antscherl. Die Hilfsaktion der notleidenden Inden in Galizien Der Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien" -versendet folgenden Aufruf: „Ein erschütternder Notschrei dringt ans dem durch unsere tapferen Heere von der feindlichen Okkupation befreiten Galizien. Von der nahezu 900.000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung, gegen die sich die Wut der Feinde in besonders grausamer Weise gewendet hat, ist ein großer Teil durch Zerstörung von Hab und Gut, durch Verwüstung ganzer Gemeinden in unsägliches Elend gestürzt worden. Die allmählig zurückkehrenden Flüchtlinge finden vielfach kein schützendes Obdach, nichts von ihrem Besitze und, solange der Krieg dauert, infolge der Ungeheuern Verlehrsschwierigkeiten auch nicht die Möglichkeit eines Erwerbes. •Sn Ostgalizien, wo aus vielen gänzlich zerstörten Ortschaften die Juden sich als Flüchtlinge nach den größeren Städten retten mußten, ist es dringend notwendig durch Erhaltung von Volksküchen an zahlreichen Orten Lehntausende von Menschen vor dem Berhungern zu schützen. In großen Städten wie Lemberg, wo durch die traurigen Ereignisse während der russischen Gewaltherrschaft, durch die Ermordung und Verschleppung vieler Familienväter, g r o ß e S ch a r e n j ü d i s ch e r K i n d e r, aus der ortsansässigen armen Bevölkerung und aus den verwüsteten kleineren Städten der Umgebung, verwaist, schutzlos, v e r w a h r l o st, ohne Nahrung und ohne Unterkunft in den Straßen he rum irren, Müssen Asyle errichtet werden, um die unglücklichen Geschöpfe vor dem Verkommen zu bewahren. Die herannahende kalte Jahreszeit wird die Not noch besonders steigern. Während seitens unserer hohen Negierung eine Aktion geplant ist, der notleidenden Bevölkerung aller Bekenntnisse, die durch den Krieg und die feindliche Invasion so furchtbar gelitten hat, dadurch Hilfe zu bringen, daß die zerstörten Städte und Gemeinden wieder Planmäßig aufgebaut werden sollen, ist es für die nächste Zeit eine unabweisbare Pflicht der privaten Wohltätigkeit in m ö g li ch st weitem Aus m aß e Hi lf e zu b i e ten, um ein e Katastroph e von H n n d e r t t a u s e n d e n von Menschen abzuwenden. welche inzwischen im bittersten Elend schmachten und selbst im günstigsten-Falle noch längere Zeit der Wiederherstellung ihrer normalen Existenz entgegenharreu müssen. Wir wenden uns daher au unsere Gönner und Wohltäter mit der innigen Bitte, uns durch Ueberweisung hochherziger Beiträge in den Stand zu setzen, in den so zahlreichen schwer heimgesuchten jüdischen Gemeinden Galiziens die Not der nächsten Zeit zu lindern und Hnnderttausende von Menschen vom Untergänge zu retten. Die Hilfsaktion, welche nufer Verein gemeinsam mit dem „Verbände der israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith für Oesterreich" und mit dem „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens" leitet, wird sehr hohe Summen erfordern. Wir hoffen und erwarten für unser großes, weit ausgreifendes Hilfswerk auch eine großzügige Opferbereitschaft zu finden. Spenden sind an den Vorstand der „Israelit ischen Allianz zu Wien", Wien, II., Untere Donaustraße 33 (Postsparkassa Nr. 8152), zu senden. Internationale Wissenschaftliche Dereinignng israel. Kantoren. Bericht des Aktionskomitees. Die letzten Rundschreiben enthielten zunächst viele interessante Anregungen bezüglich der Form und Fassung des Kompendiums; es werden über zwanzig Kollegen in allen Zonen Mitarbeiten. Nicht unerwähnt sei. daß viele hervorragende Kantoren Deutschlands und Oesterreichs sich für unsere Bestrebungen gemeldet haben. Der literarische Nachlaß des weil. Wiener Oberkantors Josef Singer erscheint in Buchform unter dem Titel: „Geschichte des Synagogengesauges" und wird alle Aufsätze vou 1878 (Jnd. Kantor— Bromberg) bis 1910 (Wiener „Wahrheit") enthalten. Ferner knrzgefaßle Biographien der bedeutendsten Kantoren aller Zeiten und Zonen, auch eine Uebersicht aller synagogalen Musikwerke. Für diesen Anhang haben unsere hervorragendsten Kollegen ihre Mitarbeit zugesagt. Bezüglich der Werke „Semiros Istoel" hat uns Kollege Birnbaum wieder ungemein interessante Mitteilungen gemacht; nach seinen sür uns einzig maßgebenden Berichten wäre es noch nicht sicher, daß jene Semiros-Ausgabe von Hecht ist, denn der Titel stimmt keineswegs mit dem Inhalte.*) Außerdem nennt Birnbaum noch ein sechstes sehr interessantes Werk „Semiros Israel" von Anania Cohn aus Reggio, erschienen Livorno 1793. Der Verfasser berührt auch die Metro-Rhythmik der hebräischen Sprache und kommt zu dem Resultate, daß die Musik oft die Unebenheiten der Metrik ausgleichen müßte. Das Aktionskomitee. Die galizifcheu Kriegsssiichllinge im Egerer Keürlre. Bo» Armin Wilkowitfch, Eger. (Fortsetzung.) Von derHilfsaktion der Komitees in Eger und Franzensbad sind mir folgende Daten über ihr Geschäftsgebahren zugekommen. Ans Eger: Außer den vielen Unterstützungen von den israelitischen Vereinen und den eizelnen Mitgliedern der Knltnsgemeinde in Eger, die zu Beginn der Hilfsaktion für die Flüchtlinge geleistet wurden, verpflichteten sich die meisten auch zu regelmäßigen monatlichen Beiträgen, welche 1200 Kronen allmonatlich ergaben. Ferner spendeten ansehnliche Beträge verschiedene Kultnsgemeinden und Privatpersonen ans nah und fern. Auch von den Egerer Banken kamen dem Kassier des Flüchtlingshilsskomitees, Herrn Isidor Springer in Eger, ansehnliche Spenden zu. Es liefen auch Riesenmengen ein von Kleidern, Wäsche und Schuhen von Privaten und Kultnsgemeinden. Persouennnlerstützungen wurden 1000 Kronen nnd Auslagen für Beschaffung vou Kleidern, Schuhen und Wäsche 400 Kronen monatlich verausgabt. Aus Franzeusbad: Der erste Trupp vou Flüchtlingen, der am Morgen des 17. November 1914 nach Franzensbad kam, bestand ans 400 Personen. Am Bahnhofe wurden die Angekommenen empfangen: Von den Herren k. k. Bezirkskommissär Dr. Neudert aus Eger, Bürgermeister Loimann, Kultnsvorsteher Spiegl, Rabbiner Dr. Spitzer mit mehreren Kurärzten. Herren und Damen der vornehmsten Familien in Franzensbad. als auch von den Damen des Zweigvereines vom Roten Kreuz, welche den Flüchtlingen Labungen verabreichten. Die Unterbringung der Flüchtlinge wurde in folgender Weise vorgenommen: Die Turnhalle nahm mehr als 100 Personen arff, vier Familien mit 16 Personen gewährte Herr Ernst Pick in seinem Hanse (Palace-Hotel) für die ganzen Wintermonate unentgeltlich Unterkunft, der größere Teil aber ging nach den Ortschaften Schlada, Sirmitz, Wildstein und Trebendorf ab. Das schon vorher vom Bürgermeister und Kultusvorsteher in Franzensbad gebildete Hilfskomitee entfaltete sogleich seine Tätigkeit, indem im Hause des Vorstehers („Kaiser von Oesterreich") ein Bureau eröffnet wurde, das der Hilfe mit Rat und Tat diente. Eine allgemeine Sammlung, *) Auch wäre der Kantor Joel B r ü ü l nicht zu verwechseln mit Joel B r i l — Löwe genannt.