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Die Wahrheit · 1915-10-22 · Heft 34 (22.10.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 34 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Gelte 6 Die Wahrheit Nr. 34. „Rasche Hilfe". Asylverein für Obdachlose, Frauen-Berein „Franz Joses-Kindervort". Direktion und Lehrer des allgem. österr. israel. Tanbstummen-JnstituteS, Israel. Humanitätsverein für den X. Bezirk, Israel. Tempelvereiu für ben XIX. Bezirk, Bezirkskommission für den XXI. Bezirk, Vierer-Komitee. Israelitischer Humanitätsverein „Eintracht", Oesterr. Bund „Blau-Weiß", „Weibliche Fürsorge", Jüd. Schulverein im X. Wiener Gemeinde-Bezirke. Zionistisches Zentralkomitee. Israel. Tempelvereiu für die Bezirke Wieden- Margarethen. Frauen - Wohltätigkeitsverein für die Bezirke Wleden-Margarethen, Synagogen-Verein „Beth Israel", Verein „Kurfürsorge" Damenkomitee. Tempelvereiu „Adaß Jisroel", Rekonvaleszentenheim „Philanthropia, Frauen- Wohltätigkeitsverein für den I. Bezirk. Bethausvorstand für den XVIII. Bezirk. Tempelverein für den VHI. Bezirk, Jüd. Turnverein Favoriten. Verein für erweiterte Frauenbildung, Brig. Israel. Unterstütznngsverein, FlüchtlingS- Mädchen-Heim, Verein „Die Brüder", Oesterr.-nngar. Kantorenverein. Patriotischer Hilfsverein vom „Roten Kreuze" Niederösterreich, Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Bezirks-Kommission für den XVI. und XVII. Bezirk, Oesterr. Israel. Union, Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten. Stadtgemeinde Nikolsbnrg (Bürgermeister Deutsch), Kaufmännischer Unterstütznngsverein „Osten", Israel. Bethausverein „Emnnas Aves", Brigittenaner Israel. Tempelverein, Krankenverein „Liwias Chen", Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten, Verein Israel. Kinderbewahranstalt, Israel. Tempelverein für den X. Gemeindebezirk. Verein Kurfürsorge. Dr. Gustav Kohn. (Nachruf eines Flüchtlings.) Der jüngst verstorbene Vizepräsident der israel. Kultnsgemeinde in Wien. Dr. Gustav Kohn, hat auch auf dem Gebiete der Flüchtlingsfürforge so Großes geleistet, daß er es verdient, daß ihm auch seitens der Flüchtlinge ein Wort warmen Gedenkens gezollt werde. Als der große Menschenstrom im Herbst vorigen Jahres nach dem Herzen des Reiches, der Residenzstadt Wien, flutete und die Barackenlager allein nicht ausreichteu, um die heimatlos gewordenen Massen zu fassen, wandten sich die unbemittelten jüdischen Familien naturgemäß an die Wiener Knltnsgemeinde um Hilfe. Dr. Kohn als Referent des Armenwesens leitete sofort eine Aktion zur Unterstützung der hilfsbedürftigen Juden des Ostens ein und zu der ständigen Einrichtung für das Armenwesen der Judengemeinde Wien gesellte sich nun auch jene der Flüchtlingsunterstützuug. In allen Fällen war man bemüht, ausreichende und ausgiebige Hilfe zu gewähren und der nunmehr verewigte Dr. Gustav Kohn tat noch ein Uebriges: In der ihm angebornen seelischen Vornehmheit behandelte er die Bittsteller, welche persönlich bei ihm vorsprachen, nicht als Arme oder Verarmte, sondern als schwer heimgesnchte Menschen, die Achtung und Mitleid verdienen, weil sie unter Zurücklassung ihrer Habe vor einem Feinde geflohen, der selbst das Leben friedlicher Bürger nicht schont. Mit Mut und Selbstvertrauen suchte er uns den Weg weiter zn ebnen, und dieser gute, verständnisinnige und teilnahmsvolle Mann hätte unseren Schmerz gewiß noch mehr verringert, wenn es ihm möglich gewesen wäre, Bon den Leiden des Krieges wurden leider nicht allein die Kriegsflüchtlinge, sondern auch ein großer Teil der Wiener Inden betroffen, die in ihrer Not begreiflicherweise zur Kultusgemeinde Zuflucht zu nehmen gezwungen waren. Weil ich bei den Wiener Armen angelangt bin, will ich einen Charakterzug des edlen Verblichenen schildern, der ihn so recht in seiner wahren Wesenheit zeigt. Eine Familie hatte ihr Oberhaupt durch den Tod verloren. Frau und Kinder blieben in der trostlosesten Lage zurück. Die Gattin schwor sich aber trotzdem, ihrem von ihrer Seite Entrissenen ein standesgemäßes Leichenbegängnis, hauptsächlich aber ein bezahltes Stückchen Erde zu widmen. Panischer Schrecken ergriff sie, so mau ihr von einem Arme n grab leise Er* wähnung machte. Gute Menschen taten, was sie konnten; auch die Friedhofsleitnng der Kultusgemeinde hatte ein Einsehen und reduzierte den Betrag auf die Hälfte; doch auch der größere Teil dieser Hälfte fehlte noch! Man brachte es Herrn Dr. Kohn zur Kenntnis, und was tat er? Telephonierte an die Friedhossabteilnng, daß er die Kosten des Begräbnisses übernehme, und der Wunsch der Hinterbliebenen war ganz und restlos erfüllt. So viel der edle Verblichene im öffentlichen Leben geleistet, so Unvergängliches er geschaffen, es brach ihm das Herz darüber, daß es nicht mehr war. Man sah es ihm füglich au, wie er günstigere Verhältnisse herbeisehnte, um neue Pläne zur Tat heranreifen zn sehen. Als ich ihn das letztemal sah, klagte er mir. daß er im Interesse der Flüchtlinge ein Rundschreiben an mehrere parlamentarische Vertreter der vom Kriege unmittelbar betroffenen Länder gerichtet habe und wie wenig Verständnis und Teilnahme er damit gefunden hätte. Sie schütteln sich ab, wiewohl es jetzt so viel Gemeinnütziges zu leisten gibt und alle Hände zugreifen sollten! Bei seiner Leichenfeier sah man unter den zahlreichen Leidtragenden auch viele Flüchtlinge. Menschen, für die er trotz seiner 76 Jahre viel zu früh gestorben ist, denn die meisten von ihnen haben ihn erst im 75. Jahre seines tatenreichen Lebens lieben und schätzen gelernt nnd diese kurze Spanne Zeit erscheint fast wie ein Traum. Die Trauer um den Verblichenen ist deshalb in diesen Kreisen eine tiefe und ansrichuge. Alle, die wir ihn kannten und srin beispiellos warmes Herz empfanden, werden Herrn Dr. Gustav Kohn stets das ehrendste Andenken bewahren. Möge ihm die Erde leicht sein! Isidor O b st g a r t e n. Erinnerung an Kal»l»iner Dr. At»r. AdolfSchmiedt und Kobdiner Dr.I. I. Unger s. A. Am 7. Marcheschwan, am 15. Oktober d. I.. jährte sich» zum zweiteumale, daß unser unvergeßlicher Wiener Rabbiner Dr. Schmied! ans unserer Mitte geschieden ist nnd seine zahlreichen Freunde hier und außerhalb Wiens werden an diesem Tage in frommer Andacht seiner gedenken. Mit besonderer Vorliebe trieb Dr. Schmiedl in jungen Jahren das Arabische. Jedes hierüber an der Wiener Universität gelesene Kollegium interessierte ihn und gab es etwas Neues zu hören, da ließ er sich sofort inskribieren. So hatte Schreiber dieses bei einer Vorlesung des damals kanm 30jährigen Orientalisten Professors Eduard Sachau — vor kurzem witube in Wert in fein 70. Geburtstag gefeiert — die besondere Freude, neben dem gelehrten Fünfhauser Rabbiner Dr. Schmiedl zn sitzen nnd die Gelegenheit, dessen Eifer und gespannte Aufmerksamkeit während der Vorlesung des jungen Professors zu bewundern. Bis in seine letzten Lebenstage fanden befreundete Besucher immer Herrn Dr. Schmiedl in Sadjas Werken und in dessen klassischer arabischer Bibel-Uebersetzung mit besonderer Vorliebe lesen. Ebenso war die hebräische Sprache seine allerliebste Domäne, auf der er sich so gerne bewegte. Als 90 jähriger Greis schrieb er seinen Namen in das Jubel-Exemplar des „Higgajon b e chinnor“, der hebräischen Dichtungen Dr. U n g e r s in Jglan, zu dessen Ehren einstige Schüler nnd Verehrer des hochgeschätzten Meisters seine gesammelten klassisch-hebräischen Dichtungen damals neu herausgegebeu hatten. Es machte Dr. Schmiedl Freude, seinen gewesenen mährischen Rabbiner-Kollegen znm 50 jährigen Amtsjubiläum in seine Jglauer Gemeinde, die er gewissermaßen großgezogen, namens der Wiener Amtskollegen als deren Senior zu beglückwünschen. Am 5. Marcheschwan — Heuer am 13. Oktober — wurden es drei Jahre, daß Rabbiner Dr. Joach. Jakob Unger von uns

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