Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 34 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 34. an der sich ein Großteil der Bevölkerung, ohne Unterschied dev 'Konfession, beteiligte, wurde mit gutem Erfolge veranstaltet und konnte das Allernotwendigfte für die Flüchtlinge, wie Lager, Decken usw. angeschafft werden. Allein die Mittel, die in Franzensbad aufgetriebeu wurden, versiegten bald und der Kultusvorsteher Spiegl erließ daher einen Aufruf an viele Kultusgemeinden, Korporationen und Persönlichkeiten, der von Erfolg gekrönt war. In dem Zeiträume vom Februar bis September 1915 liefen zirka 15.000 Kronen im Baren und mehr als 100 Kisten mit Wäsche. Kleidern usw., die einen Wert von zirka 25.000 Kronen repräsentierten, ein. So war es bald möglich, die Not der Flüchtlinge zit mildern. Die ursprünglichen Strohlager konnten fast durchwegs durch Betten ersetzt werden; ärztliche Hilfe, Medikamente und auch Bäder wurde den Kranken zuteil, auch dem religiösem Bedürfnisse der Strenggläubigen wurde voll und ganz Rechnunggetragen. So wurde z. B. in Aich, Haslan, Schlada und Wildstem den Flüchtlingen ermöglicht, öffentliche Gottesdienste regelmäßig abzuhalten. Die Seelsorge bei Sterbefällen, Trauungen, Geburten usw. versah Herr Rabbiner Dr. Spitzer (und es gab solcher Funktionen massenhaft) unentgeltlich. Aerztliche Hilfe leisteten die Herren Dr. Leopold Steinsberg, Dr. Theodor Reicht, Dr. Arthur Selig und der Primarius des israelitischen Hospitals in Franzeusbad, Dr. Julius Hirsch. Verdienste um die Flüchtliugsfürsorge erwarben sich vornehmlich: Die „Israelitische Allianz" und die Kultusgemeinde in Wien, Dr. Ferd. Bloch in Franzensbad, Moritz Spiegl (Haus Hoheuzollern), ferner die Damen Luise Spiegl und Frau Lella Spitzer, denen auch die anderen Damen hilfreich zur seile standen. Für die ihnen erwiesenen Wohltaten während des langen Winters sahen sich die galizischen Flüchtlinge am 23. April 1915 veranlaßt, folgende Danksagung au ihre Gönner durch die „Egerer Zeitung" ergehen zu lassen: Dank der Kriegsflüchtlinge in Eger. In der Bedrängnis unseres Vaterlandes waren vor allem die Bewohner Galiziens und der Bukowina gezwungen, Haus und Herd im Stich zu lassen und in die rauhe Welt zu flüchten. Allein gute edle Menschen nahmen sich unser in Liebe an und versorgten uns mit allem und jedem und linderten die Not nach Menschenmöglichkeil. Die ergebenst Gefertigten gestatten sich daher auf diesem Wege ihre herzlichsten Dank auszusprechen. Vor allem sei ergebener Dank der hochlöblichen k. k. Bezirkshauptmannschaft m Eger, an deren Spitze Herr Hofrat Kaiser steht, sowie die Herren Dr. Neudert, Oberarzt Dr. Beck, Dr. Vozab, Dr. Köppl, wie dem Referenten Herrn Kanzlisten Müller, deren Aufofernug im Dienste der Kriegsflnchtlingsfürsorge volle Anerkennung verdient. Ferner dem ehrwürdigen Rabbiuate, Herrn Dr. Grünfeld, dem hochlöblichen israelitischen Kulmsvorstande, dem Vater der Flüchtlinge, Herrn Eduard Löwy, an dessen Seite Herr Isidor Springer segensreich wirkt, der Verwaltung des allgemeinen Krankenhauses, Herren Dr. Heitzer, Dr. Tieber, Dr. Lohr, samt den Hilfskräften, dem Herrn Hugo Karpeles und Herrn Josef Lenk. Nicht minder segensreich beteiligten sich die israelitischen Wohltätigkeitsvereine: Herr Hugo Fleischl als Obmann der Chewra Kadischa und Frau Charlotte Kohn als Präsidentin des Frauenvereines mit deren Stellvertreteriu Frau Richard Schnabl. In aufopfernder Weise betätigen sich die Herren Aerzte Dr. Bäumel, Dr. Glaser und Dr. Hönig; als Rechtsanwälte leisten Anerkennenswertes die Herren Dr. Grünhut. Dr. Zentner und Dr. Kraus. Wir danken ferner Frau Dr. Bäumel, Frau Jsmar Hein. Frau Viktor Gelber, Frau Dr. Kappel, Frau Dr. Hönig, Frau Julius Gottlieb, Frau Therese Kohn, Frau Max Hübsch. Frau Rosenberger, Frau Sam. Oesterreicher, Frau Heinrich Kohn, Bahithofstraße, den Damen Adler und Kohorn, Frau Max Abeles, Frau Dr. Glaser, Frau Dr. Zentner und den Damen Hübscher. Frau Oberkantor Wilkowitsch leistete Hervorragendes und sei ihr spezieller Dank quittiert. Die/ Herren Wilhelm Hermann, Hugo Kohn und Josef Salus Verdienen ebenfalls Anerkennung. Ferner feiger'löblichen Redaktion der „Egerer Zeitung" für kostenlose Berichterstattung und Ankündigung in Bezug der Flüchtlingsfürsorge und allen edlen Spendern von Geld und Naturalien, ganz besonders aber der verehrten Firma Schlesinger & Komp, in Eger mit dem Prokuristen des Hauses, Herrn Ferdinand Koretz, herzlichster Dank ausgesprochen. Eger, 23. April 1915. Nachmann B o r n st e i n aus Brzesko und Lazar Moses Karfiol ans Czeruowitz im Namen aller Flüchtlinge. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Tr a u e r a n d a ch t für weil. Dr. G u st a v Kohn.) Sonntag, den 17. Oktober d. M. fand im „Beth-Hamidrasch" der israelitischen Kultnsgemeinde eine vom Borstande des Oesterr.-nngar. Kantorenvereines veranstaltete Trauerandacht (ISDn) für den hochverdienten I. Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn statt, der stets ein warmer Freund und Gönner des Oesterr.-ung. Kantorenvereines und der Kantoren un allgemeinen war. Die Feier, an welcher die Mehrzahl der Wiener Kantoren teilnabm, begann mit dem vom Ersten Kantor S. Iurb erg er vorgetragenen Mincha-Gebet, worauf Präsident Oberkantor Bauer eine ergreifende Trauerrede hielt und den großen Verlust, den der Verein und alle Kantoren sowohl der Knltusgemeuide wie auch der Tempelvereine durch das Hitticheiden ihres edlen Gönners erlitten haben schilderte. Vizepräses Oberkantor M o r g e u st e r n hielt einrn Nachruf in klassischem Hebräisch. Nach Anzüuden des Seelenlichtes durch das älteste Bereinsmitglied, Kantor Philipp Basse r, rezitierte Oberkantor Morgenstern das mole rachamim“, womit diese würdige Trauerfeier endete. Wien. Sonntag, den 17. d. M. ist nach längerem Leiden der Amtsleiter der Wiener Kultusgemeinde und Inspektor der Bibesichnlen, Herr Julius Braun, gestorben. Der Verblichene war seinerzeit Sekretär des verewigten Adolf I ei l i n e k, dann als Religionslehrer und Leiter des Kultusamtes tätig und versah auch viele Jahre die Agenden eines Sekretärs des Bethausvorstandes. In seinem Wirken als Religionslehrer war sein Bestreben vornehmlich darauf gerichtet, der Jugend nicht nur Wissen beizubringen, sondern auch die Liebe znr Religion zu erwecken und zu fördern. Seine reichen Erfahrungen verwertete er in verschiedenen literarischen Arbeiten und seine Uebersetzungen fanden vielfach Verbreitung und Anerkennung. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den 19. d. M. unter zahlreicher Beteiligung der Kollegen und Freunde statt. Am Grabe hielt Herr Religionsfchulmspektor Professor Kauitz einen das Wirken des Verblichenen würdigenden Nachruf. Wien. Sonntag, 17. Oktober, 3 Uhr nachmittags, fand im, Seitenstettentempel die Trauung des Herrn Moriz Z e r n e r, Sohn der durch ihre philanthropische Tätigkeit bekannteu Präsidentin: des Vereines „Jugendschutz" Frail Julie Zerner, mit Frl. Cesia Feuerstein statt. Der Trauung, die Rabbiner Dr. Bach vollzog, wohnte eine ungewöhnlich große Zahl von Gästen bei. Nach vollzogenem rituellen Akte hielt Rabbiner Dr. Margulies aus Drohobycz eine Ansprache an das -Brautpaar. Wien. (Jüdischer N a t i o n a l f o n d s.) Die September- Eingänge des Jüdischen Narioualfonds beliefen sich auf Mk. 40.762.—. Zu dieser Spendensnmme haben beigetragen: Nordamerika Mk. 17.307, Oesterreich Mk. 10.419, Deutschland Mk. 7273, Rnmäuien Mk. 1635, Südafrika Mk. 959, England Mk. 895, Argentinien Mk. 689, Holland Mk. 508, Südjlavische Länder Mk. 422, Griechenland Mk. 403. Rußland Mk. 210 und Däneniark Mk. 42. Es ist von Interesse, daß selbst in beu aufs schwerste und unmittelbar vom Kriege heimgesuchten Gebieten die Sammelarbeit für den Nationalfonds u>cht völlig aufgehört hat. So wurde z. B. aus einer Festung in Russisch-Polen wenige Tage vor ihrer Eroberung durch die deutschen Truppen ein größerer Spendenbetrag an das Hauptbureau des Jüdischen Nationalsonds abgeschickt. Die Lemberger Nationalfonds-Kommission wiederum hat kurz vor dem Einfall der Russen alle in der Stadt verteilten Sammelbüchsen des Nationalfonds einziehen lassen und sie zur sicheren Aufbewahrung gegeben. Nach wie vor fließen dem Nationalsonds namhafte Spenden aus den Schützengräben aller Fronten zu. Austritte aus dem Judentum. Tauber Rosalia, geb. 24. Jänner 1859 in Seö. XU., Schönbrunnerstraße 195. E n g e l m a » n Egon, Beamter, geb. 30. November 1886 in Wien. VI., Mollardgasie 17. Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, die restlichen Abonnementsbeträge einsenden zn wollen.