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Die Wahrheit · 1915-10-15 · Heft 33 (15.10.1915) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 33 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12. .. . . Die Wahrheit Ne. 33. den Armen sein muß. .wenn sie vom Bad — in dieser unwirschen Zeit — zurückkehl^n und im ungeheizten Raum auf Steinfließen verweilen müssen. Allerdings wurde ihnen Dienstag von der. lobt. Kultsmeinde ein großer Sparherd ausgestellt, aus welchem sie die Küche halbwegs werden versorgen können. Wie diesbezüglich das Nichtige gerroffen wird, da jede einzelne Familie' eine gewisse Selbständigkeit im „Haushalte", zu bewahren wünscht, ist mottienlan noch unklar. Am 20. November berichtet dieselbe Zeitung wieder: Mimvoch den 18. d. M. gegen 2 Uhr nachmittags langte m Eger ein neuerlicher Trupp von polnisch-jüdischen Flüchtlingen ein, von dem 130 Personen nach Pograth, 100 nach Wies weiter befördert und 73 dem Massenquarlier in Eger zugejührt wurden. Das Attssehen dieser Flüchtlinge ist noch jämmerlicher als das des eisten Trupps. Angst nnd Verzweiflung spricht ans den Zügen dieser der Heimatscholle Beiaublen. M«t vor Kälte klappeiudeu Zähnen standen sie am Bahnhof. Weinende Kinder, anch weißbärlige. verzweifelte Greise, zumeist in mangelhafter, zerschlissener Gewandung. So starrten sie uns an. ohne zn wissen, ohne zn fragen, welchen Plan wir mir ihnen haben. Montag den 16. d. M. um 8 Uhr abends fand im „Kronprinz Rudolf" eine überaus gut besuchte Generalversammlung, vom Vorstande des israelitlscheu Frauenvereines einbernfen. zn der auch Fräulein von Schosulau mit mehreren Vorstandsdameu vom Roteii Kreuz erschienen waren, statt und Mittwoch 8 Uhr abends fand sich der Vorstand der Kultnsgemeinde im gleichen Lokale zu einer Besprechung ein, bei welcher nachstehender Beschluß gefaßt wurde: Nach vielen Erwägungen wurde es den Beratenden klar, daß nur eine Massenaus'peisnng ersprießlich .sein kann und dem idealen Bestreben, jeder einzelnen Familie eine gewisse Selbständigkeit im Haushalte zn belassen, leider nls unmöglich, keine Rechnung getragen werden kann. Nachstehende Herren wurden zn Sektionsvorständen gewählt: Knltnsvorsteher Löwy zum Obmann aller . Sektionen, .Dr. Grünseld, Wohlfahrt. Dr. Grnnhnt. Rechtsschutz, Dr. Zentner, Küchenverwaltung, Dr. Glaser, Medizin, Dr. Kraus, Finanzen, Ferdinand Koretz, Spedition, Viktor Gelber. Aussicht. Oberkantor Wilkowitich, Berichterstattung und Verdolmetschung, Wilhelni Herrmann. Wirtschaft, Isidor Dpringer, Spenden. Als Seklwnsvor stände wurden für Pograth Herr Hugo Karpeles und für Wies Herr Josef Lenk gewählt. Am 15. November 1914 kamen nach dem amtlichen Berichte in Eger an 334, am 18. November 253, am 20. November 221 Personen nnd 37 Personen, welche nach Wildftein weiterbesördert wurden. Diese 845 Flüchtlinge wurden verteilt aus: Eger 407. Pograth 122, Wies 58. Frauzensbad 83, Oberndorf 50, Schlada 38, Sirmitz 50, Wildstein 37 Personen. Am 31. Juli 1915 kamen aus Ungarisch-Hradisch weitere 97 Personen an. Der Stand erhöhte sich bis zum 1. Juni 1915 aus 1167 Pesonen durch Zuwachs von Einzelnen und Familien. Trotz der belipiellosen Opserfrendigkeit der Kultusgemeinde in Eger und ihrer Mitglieder, als auch anderer Kreise der Bevölkerung (es führten auch arische Parteien der Flüchtlingssürsorge ansehnliche Spenden zu) war die Not in Anbetracht der fortwährenden Preissteigerung aller Lebensnnd Bedarfsartikel, die der Krieg naturgemäß mit sich brachte, unter den Evakuierten groß; allein sie murrten nicht, denn ihr Gottvertrauen war felsenfest! Man hörte oft ans ihrem Munde: „Gott kann und wird nicht zngeben, daß der Bösewicht über den Gerechten frohlockt! Bald wird der freventliche Feind mit Schande und Spott aus unserer Heimat verjagt werden!. . Wenn in künftigen, friedlichen Tagen in Eger von der großen Zeit des Weltkrieges die Rede sein wird, werden unsere Kruder gewiß erzählen, wie die galizischen Flüchtlinge auf dem Marktplatz herunistandeu und mit uns fremdartigen Gesten eifrig die Kriegslage erörterten, wie sie sich herandräugleu, wenn von der „Egerer Zeitung" ein neues Telegramm ausgehängt wurde und wie sie ihr letztes Zweihellerstück für die Zeitung, die die Kriegsberichte von der Heimat brachte, hergaben u. s. w. Ja, wir alle sind von den Kriegsereiguisseu betroffen^ allein die Opfer, die die Ae> nisten der Armen, die galizischen Flüchtlinge, bringen mußten: Hab nnd Gut, Hans und Herd im Suche zu lassen und nur ans milde Gaben bauen zu müssen, stehen turmhoch über unseren. Konnten wir daher unser Herz diesem Elende verschließen? An der Hilfsaktion für die Kriegsflüchtlinge im Egerer Bezirke beteiligten sich in hervorragender Weise: Vor allem die Herren Knltnsvorsteher Eduard Liiivy in Eger und Theodor Spiegl in Frauzensbad, mit den Herren und Damen der hiezu von den Vorstehern ins Leben gerufenen Komitees, die das Menschenmöglichste leisteten, um die unsägliche Not der'Evakuierten nach Tunlichkeit zu mildern. Ferner Herr Bürgermeister Loimannn und das Bürgermeisteramt Franzensbad, letzteres durch Gewährung von Freibädern und Kurgebrauch für eine große Anzahl von Flüchtlingen des ganzen Egerer Bezirkes, für die Unterbringung von 80' Flichtlingen in der ..Villa Mähner" während der ganzen Winlermonate, einschließlich Ende April, wobei die Mlelkosten die Stad Franzensbad trug, für Beschaffung von Kartoffeln, Brot, Holz, Kohle n. s. w. und Abgabe an die Flüchtlinge zum Kostenpreis, als auch durch Veranstaltung eines Wohltätigkeitskonzerles zu Gunsten der Heimreisenden, dessen Reinertrag von 1150 Kronen der Kultusgemeinde Franzensbad überwiesen wurde; Herl^Ngermeister Soinuier in Wildstein und Herr von Hermseld in Allemeich für znm Teil kostenlose Versorgung der Kriegssiilchtlinge mit Wohnung und Beheizung, als auch Beschaffung von Kartoffeln und sonstige Lebensmitteln. Der Staat gewährte im Mai 1915 einen Betrag von rund 30.000 'Kronen für die Beschaffung von Kleidern, Wäsche nnd Schuhe für die Flüchtlinge in Eger und anfangs Juni für die in Franzensbad; weiters 7000 Kronen bis Ende August für die Neuangekommenen in Eger. Für den Winter 1915/16 ist eine neuerliche AuSstäffieriingsaktion in Aussicht genommen. (Fortsetzung folgt.) ‘ Zeichnet die dritte Kriegsanleihel Die dritte Kriegsanleihe wird zur Zeichnung aufgelegt werden. Zinn dritten Male im Laufe des Krieges ergeht die Aufforderung, dem Staate die Mittel zu geben, die zur Erfüllung seiner großen Aufgaben notwendig sind. Ruhmvolle Siegestaten des Heeres und der Flotte berechtigen uns, mit vollstem Vertrauen in die Zukunft zu blicken; aber anch die Beweise unserer wirtschaftlichen Stärke haben die Kraft eines Sieges. Es ist, als ob sich die Macht des Reiches unter dem Ansturm der Feinde gewaltig gehoben hätte. Dies und der große Erfolg der ersten Anleihen, sowie die stetig fortschreitendeKapitalserneuernng, dann.derpatriotische Geist nnd das Pflichtbewußtsein des Volkes sind Gewähr für vollen .Erfolg der dritten Kriegsanleihe. Unsere Brüder im Felde weihen ihr Lebe» und Blut dem Vaterlande. Wer daheim geblieben ist, hat die Ehrenpflicht, bis zur äußersten Grenze von Können und Vermögen .mit allen Kräften die Mittel für den Kampf zn.sichern. Wer dafür sorgt, sorgt mit Einsicht für sich; denn seine Sicherheit fußt auf der Stärke des Gemeinwesens. Die zielbewnßte Gegenwart ist die Grundlage der Zukunft des Friedens. Am Erfolg ist jedermann, wer immer es" fei und wie viel oder wenig er besitzen mag, unmittelbar und persönlich beteiligt. Wer über Bargeld. Einlagen oder Bankguthaben verfügt, wer Werte besitzt, die in Geld nmgewandelt werden können, für den ist es ein Gebot der vaterländischen Ehre,

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