Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 31 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seit* 6. Die Wahrheit Nr 31. Verdienste zu erwerben und etwaige Sünden zn sühnen", denn es pflegt oft vorznkommen, daß der Reiche in seinem Uebermute den Minderbegüterten mißachtet und wenn er sich emporzuschwiugeu anfängl, ihm in den Stücken fällt, mit ihn vollends niederschmetteru. zu können. Nie aber wagt es der Schwächere, den Mächtigen heransznfordern. es sei denn, daß er hiezu von einem anderen hochmütigen Mächtigen veranlaßt wird. Wenn man nun das Vorgehen der Ententemächte näher betrachtet, so wird man bald auss innigste überzeugt, daß Hoch- und U e b e r m u t, H e r r s ch g i e r und H a bs n ch t die Triebfeder ihrer grausamen Handlungsweise waren, daß diese weltverwüstenden Leidenschaften es waren, die sie veranlaßt haben, gefährliche, ans die Zertrümmerung der Monarchie und des Deutschen Reiches zielende Pläne. zn schmieden. Die heterogensten Elemente: Russen, Engländer, Franzosen, Italiener und Serben haben sich zusammengetan, aufs innigste (?) miteinander verbündet, um die zwei Kaiserreiche vernichten und deren Länder annektieren zn können. Welche Erfolge aber haben diese Raubritter erzielt? Der Zar, der stets auf sein großes, mächtiges, hundertfiebzig Millionen Einwohner zählendes Weltreich gepocht und mit einer Zuversicht sondergleicheil gehofft hat. daß es ihm, dem viele Millionen Soldaten zur Verfügung stehen, gelingen werde, glänzende Siege zu erringen, hat im Laufe des Kriegsjahres eine Niederlage nach der anderen erlitten, Millionen Soldaten verloren, ist aus den Karpathen, aus fast ganz Galizien hinansgewvrfen worden und jetzt ist sogar Warschau, die große, müchlige Hauptstadt Polens, von den Verbündeten erobert morden. Das stolze Frankreich (die grande nafcion), dem seine Verbündeten Hilfstrnppeu zur Verfügung gestellt, ist es bis nun nicht besser als den Russen ergangen. Trotz der zahlreichen englischen, afrlkauischeu und asiatischen Söldlinge, die in seinen Reihen kämpfen, ist es ihm nicht möglich, auch nur teilweise irgend einen Vorteil zu erringen. In ihrer Verzweifllung nehmeii die Franzosen ihre Zuflucht zu ihren russischen und englischen Verbündeten und betteln um Hilfe. Dem russischen Zar rufen sie zu: „Ten 11 kanefesck“, ^Ueberlasse uns entsprechende Hilfstruppen", „wekorekus kack lock“, ,die zwanzig Milliarden, die wir dir bereits vorgestreckt, kannst du vorläusig behalten." Der arme Zar aber antwortet ihnen: „Ich kann beim besten Willen nicht eurem Wunsche entsprechen, denn meine zahlreichen Armeen sind erschöpft, entkräftet, entmlttigt und demoralisiert. Nitn wenden sie sich an die englischen Machthaber und rufen ihnen flehentlich zu: „kowo 11 bonim“, „Versorget uns mit Hilfstrnppen. sonst sind wir vernichtet." Diese suchen sie nun zu beruhigen und zu besänftigen und antworten: „Wir sind gern bereit, euch zu Hilfe zu kommen, nur müßt ihr einige Zeit Geduld haben, bis die angeworbeuen Truppen ausgebildet sein werden." Das also sind die Früchte, die die weltverderbenden Pläne der Ententemächte gezeitigt haben. Hoffentlich werden die Diplomaten des Vierverbandes doch bald zur Besinnung kommen und Einsehen, daß der Hochmut sie verblendet hat, daher sie so stark gefehlt und geirrt haben. Der Zar hat vergessen, daß ein Landesvater, der seine Landeskinder barbarisch behandelt, sie der Not und dem Elend preisgibt, nicht das Recht hat. von ihnen zu verlangen, für ihn in der Stunde der Gefahr ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Und der Präsident der französischen Republik scheint nicht daran gedacht zu haben, dgß fremde, besoldete Hitfstruppen — und noch dazu die afrikanischen und asiatischen Wilden — unmöglich den Mangel an Einheimischen ersetzen können. Die Deutschen, Oesterreicher und Ungarn, die mit allen Fasern ihres Lebens dem Vaterlande und dem Landesvater treu anhänglich sind, ziehen mit Lust und Liebe, mit Geist, Herz, Gemüt und Gefühl in den ihrem Vaterlaude aufgezwungenen Kampf und erringen ohne jede fremde Hilfe herrliche Siege, trotzen einer Welt in Waffen. Ein tiefer, sehr beachtenswerter Gedanke liegt in folgenden psalmistischen Worten: ♦-pab v'22 mm Wenn du das Glück haben wirst, nebst deinen Kindern auch zahlreiche Enkel zn sehen, die sich durch Patriotismus und Heldenmut anszelchnen werden, bv dann wirst ans jedem dir anfgenötigten Kampfe siegreich hervorgehen und einen glänzenden da ne rüden Frieden erringen können. Dr. Fr. Deutsche und Iyde« in Polen. Bon w. Kaplnn-Kogan. Mit der Einnahme Warschaus ist nicht nur die polnische, sondern auch die Frage der Ostjnden in ihrer ganzen Bedeutung für die deuische Politik in den Vordergrund gerückt. Warschau ist das größte jüdische Zentrum Europas, das zweitgrößte in der Welt. Die jüdische Bevölkerung der Stadt betrug im Fahre 1910 306.061 Seelen und machte mehr als 39 Prozent der Gesamtbevölkernng ans. Warschau ist das Herz des Ostjudentnms, die Metropole jüdischer Kultur, dort erscheinen die meisten jüdischen und hebräischen Zeitungen, deren Gesamtauflage etwa eine halbe Million Exemplare erreicht, von dort gingen die wertvollsten Anregungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur und Wissenschaft ans. Denn speziell in Warschau gibt es eine breite Mittel- und Oberschicht von gebildeten Inden: Großkanflente und Industrielle, die an der Kultur und der Sprache ihres Volkes festhalten, sowie Akademiker und hochgelehrte Rabbiner. Durch die Einnahme von Warschau sind die Inden in Polen von der russischen Knechlung erlöst; sie sind von der Hoffnung getragen, daß ihre politischen und sozialen Bestrebungen nunmehr in Erfilllung gehen werden. Warschau ist keine rein polnische Stadt mehr; denn neben dem großen Prozentsatz der Inden gibt es auch noch eine ansehnliche Zahl von Deutschen. Zusammen machen Deutsche und Inden die Mehrheit der Warschauer Bevölkerung aus, so daß sich das Majoritätsverhältnis im Vergleich mit anderen polnischen Zentren (Lodz) znungnttsten der Polen verschiebt. Es liegt im deutschen Interesse, diese Tatsache mir allem Nachdruck zn betonen. Welche staatsrechtliche Stellung Warschau in Zukunft auch einnehinen möge, die Rechte der deutschen und jüdischen Bevölkerung werden dort geschützt werden müssen, weil dieser Schutz für das Gedeihen der Stadt und für die Kräftigung des Deutschtnms im Osten von allergrößter Bedeutung ist. So wird auch ohne Zweifel das große Werk der Verwaltung Warschaus auf Grund der gerechten und großzügigen Städteordnung, die Geueralfeldmarschall v. Hindenburg für die von den Deutschen besetzten östlichen Städte erlasien hat, in vollem Einklang mit der Tatsache durchgeführt werden, daß die Warschauer Bevölkerung eine gemischtnationale ist. Den Bedürfnissen der beiden Nationalitäten der besetzten östlichen Städte ist schon jetzt in verständnisvoller Weise Rechnung getragen worden. Die Inden Warschaus hatten unter der russischen Gewaltherrschaft, der sich der polnische Boykott zngesellte. unendlich viel zu leiden. Dieser Boykott war die Folge des Versuches der Inden, ihre Interessen' in der Reichsdnma durch die Wahl eines nichtantisemitischen Polen durchzusetzen. Zu den Leiden der Inden während der „Friedenszeit" kamen noch die ililgeheuren Drangsalierungen der unglücklichen Bevölkerung durch die russischen Behörden und die Soldateska, die sie der Deutschfreundlichkeit bezichtigten. Die allgemeinen Unbilden des Krieges verschlimmerten vollends die Lage. Nunmehr bricht aber eine neue Aera im Leben der östlichen Inden an. Das allgemein kulturelle und wirtschaftliche Leben wird, durch keine Hindernisse gehemmt, unter deutscher Zucht und Ordnung die größte Blüte erreicheil. Gerade für die Inden bedeutet der siegreiche Vormarsch der Deutschen nicht nur einen politischen Wechsel, sondern vor allem einen engeren Anschluß an die den Inden längst wohlvertraute deutsche Kultur. Sprechen doch die Inden des Ostens einen deutschen Dialekt, den Jargon. Dies ist die Sprache, die sie vor Jahrhunderten aus ihrer deutschen Heimat mitgebracht und mit