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Die Wahrheit · 1915-09-17 · Heft 31 (17.9.1915) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 31 (17.9.1915)
Date
1915-09-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 31. Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugeud Böses muß gebären." ' Dotz alledem haben die religiösen Menschen und mit ihnen besonders die schwer leidenden Juden keine Ursache, die glückliche Beendigung des Krieges zu bezweifeln. Der Gott, welcher die gottlosen Erwartungen der raubgierigen Kriegsspekulanteu nach 18^/, monatigem Kampfe dnrchstrich, kann den überfallenen Gegnern trotz des ungleichen Kampfes noch ferner beistehen und die vereinigten Raubstaaten, welche in ihren Abmachungen lange schon das Gut der Ueberfallenen unter sich verteilten, werben schließlich schmerzlich erkennen, daß sie in ihrer Rechnung einen gar gewichtigen Faktor vergessen, den Beistand Gottes. Mit allen freigesinnten und rechtlichen Menschen können bisher auch die Inden mit der Entwicklung des Weltkrieges zufrieden sein. Die schwerbedrohten Juden in den nördlichsten Ländern Oesterreich- Ungarns und Deutschlands erscheinen nun vor dem russischen Joche gerettet, zwei Millionen Inden Russischs-Polens, Litauens und Kurlands vom russischen Regime erlöst und selbst die russischen Juden können nach den neuesten Berichten einer milderen Behandlung eutgegeuseheu. Durch die gehässigen Judenverfolgungen durch die russische Soldateska wurde das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Inden auf dem Erdbälle mächtig aufgerüttelt und durch die im Kriege erwiesene jüdische Tapferkeit, Opferwilligkeit und Treue gegen ihre staatliche Heimat wurden die Judenfeinde aller Länder kleinlaitt. Der Weltkrieg hat sogar die Regierungen mit demokratischem und sozialem Oele gesalbt und die rücksichtslose Plusmacherei merklich eingeengt. Es ist zu hoffen, daß die keineswegs begriffstützigen Inden sich diesem segensvolleu Geiste bald anpassen und auch nach dem Kriege bleibend ihren Gemeinsinn, ihre altjüdische Einfachheit und Bescheidenheit hervorkehren werden. Damit schlagen sie aber dann den Judenfeinden die letzten Scheingründe für ihr gehässiges Verhalten aus den Händen. Die Erkenntnis, daß in der Not alle Volksschichten aufeinander angewiesen sind nnd die Kriegsfaust des Besitzlosen im Kampfe ebenso wertvoll istals die des Besitzenden, wird nnd muß Wandel schaffen. Es wird in allen zivilisierten Staaten das heiße Bestreben der Regierungen und Völker sein, alle Volksschichten zufrieden zu stellen, weil dadurch die Kraft gegen außen am meisten gesichert llnd gesteigert wird. R. L. Gottesstimme. In eine große Posaune wird gestoßen . . ." Religion muß er- und gelebt sein. Alle Geschehnisse müssen zu ihr in Beziehung stehen nnd von ihrer hohen Warte ans müssen wir alles beurteilen. Was vor unseren Augen seit einem Jahre sich vollzieht, es erfüllt uns mit der tiefften Ehrfurcht nnd Dankbarkeit gegen Gott. Das der Zahl nach größte Heer der Welt, für dessen Bewegung gegen Deutschland Frankreichs Revauchegelüste Milliarden Rußland geliehen, ist geschlagen und zieht sich überall zurück, des Zaren stärkste Festungen sind bezwungen und Petersburg wird geräumt. Ist da nicht Gottesstimme vernehmbar, die der Welt Gottesurteil- und Gericht verkündet! Jenes übermütige, von unseligem Länderhnnger getriebene Rußland, das seit Jahren unsägliche Leiden nnd Bedrückungen den Fremdvölkern zugefügt, hat die Wohnrechte der Juden dem Vernehmen nach infolge seiner Niederlagen erweitert und außer einigen Bezirken wie Petersburg, Moskau, dem Don'schen Kosakeugebiete Rußland ihnen nach der Eroberung von Russisch-Polen durch Oesterreich und Deutschland freigegeben! Wir sehen da Gottes Hand, wie er die Hochmütigen erniedrigt nnd die Unterdrückten erhebt! Gottes Stumne spricht deutlicher denn je zu uns: Ich regiere die Welt und die Menschen sind meine Werkzeugs! Eine große Gotleszeit ist über die Welt gekommen und von Schauer und Ehrfurcht wird alles ergriffen ob Gottes Walten und Schaffen. Awero goreres awero., Der Fluch der bösen Tat zergt sich jetzt an Rußland, das der Zeiten Wandel nicht merken, den gerechten Volksbedürfnissen und Notwendigkeiten sich stets verschließen wollte. Roh wurde jeder Trieb freier Betätigung, freier Anschauung und freien Wortes unterdrückt, von oben herab alles verhöhnt was nicht die Marke ^der Dunkelmänner' trug und die rohesten Volksinstinkte gegen jede Aufklärung und Bildung losgelassen! Die Früchte reifen, die Saat schießt in die Halme! Das Geschick vollzieht sich an Rußland, das Gones Stimme nicht hören wollte und dem Chauvinismus. dem Rassen- und Klassenhasse, nebelhaften Rassentheorieu Millionen Menschen unnütz opferte lind Milliarden Werte zerstörte, aus Haß gegen die Monarchie, Deutschland und die Türkei! Sie alle sollten von einer Koalition mächtiger, skrupelloser Feinde vertilgt werden. Gottesurteil erreichte die Ueveltäter und die den Weltbrand entfesselten, gäben heute viel darum, wäre ihnen die Entschlußfreiheit gewahrt. Gott entscheidet, er sitzt zu Gericht über uns am Neujahrstage und besiegelt Aller Geschick am Versöhnungstage! Ueber Sein und Nichtsein, Krieg und Frieden, Leben und Tod entscheidet er tu seiner Allgerechtigkeit und unendlichen Güte. Die schweren Wunden unabwendbaren Geschehens und unvermeidlichen Geschickes heilt er und eine neue, bessere, lichtvollere Morgenröte folgt der finsteren Nacht des Leidens. Das ist unser tiefster, durch die Ereignisse gestähler Glaube, der täglich und stündlich bestätigt wird. Wer hätte am vorjährigen Rosch haschana geglaubt, wer auch nur diese welterschütternden Heldensiege über ein frevlerisches Reich geahnt! Unsagbares Leid brachten., sie über alle, namentlich Israel und Gottes Stimme ist über all den Gequälten, Verfolgten, Ermordeten hörbar: „Ich richte die Welt in Gerechtigkeit und die.Völker in Redlichkeit." Stehst du diese angst- und schreckerfüllten Armen, Frauen, Kinder, Greise, Krüppel, wie sie vor der russischen Soldateska als Deckung hergetrieben werden, siehst du sie zusammen- '-brechen auf pfadlosen Straßen, vor Hunger, Durst, Müdigkeit und Krankheit sterben, noch in Verscheiden voil roher Faust mißhandelt, geschlagen! Mit dem Schema hauchen sie ihr Lebenaus, aber über ihnen ertönt Gottes Stimme: „Kommt zu mir, Ihr Reinen, um Euren Gotteslohn!" Jene Entmenschten aber trifft Gottes Gericht, fordert von ihnen Rechenschaft über das grausam vergossene, unschuldige Blut. Niederlage auf Niederlage treibt diese Henker rast- und ruhlos weiter und die Schatten der Gemordeten, die Wehrufe der Witwen. Waisen, all' der Armen, die diese Vertierten grundlos in namenloses Elend gestoßen, weichen nimmer von ihnen bis zu ihrem eigenen Ende! Siehst du, wie unsere armen, völlig ausgeplünderten Brüder zusehen müssen, wie man die heilige Thora zerreißt, mit Füßen tritt und besudelt, diese der gesitteten Menschheit teure Urkunde der Liebe mtb Treue, des Glaubens an Gott nnd Menschheit verbrennt und schändet, um vielleicht im selben Augenblicke Gott anzurufen Uiid seine Hilfe gegen den Feind zu erbitten! Siehst du, wie. Estern der Vergewaltigung ihrer Töchter, der Ermordung ihrer Lieblinge um schnöden Randes, verwerflichsten Hasses willen zusehen müssen! Wer die amtlichen Berichte über die Greuel liest, muß von Entsetzen über die „weltbefreienden" gegen „die Barbaren" gesandten Horden erfüllt werden und gar manchen hat die Wahnsinnsnacht limfangen ob solcher Rasereien. Gottes Stimme aber kündet der Welt Sühne und Ahndung solcher Verbrechen und wir sind Zuschauer bei diesem jom hadin, diesem Gerichtstage Gottes, wo alles von tiefster'Ehrfurcht und Scheu ruft: Adonai ha koelöhim, Gott ist der wahre Richter und Lenker alles Geschehens! Die entsetzlichen Kriegsleiden werden auch ihr Ende finden und „die in Tränen säen, in Jubel ernten". Darum sollen wir nimmer verzagen, nimmer. kleinmütig werden, sondern im größten Leiden Gott vor Augen, seine Stimme im Herzen: „Siehe, nimmer schlummert, nie schläft der Hüter Israels!" Mögen wir Geld nnd Gut, Hans und Hof, mögen wir alles verlieren, so wir ihn haben im Herzen und in der Seele, so heil uns! Denn alles kann man uns rauben, hat man uns genommen, aber unser» tiefen, innigen Glauben an Gottes Walten, Liebe und Treue, Milde nnd

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