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Die Wahrheit · 1915-09-03 · Heft 30 (3.9.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 30 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 30. auch Gelehrte und Künstler mit langem Lockenhaar und vieler le markameu Typen. Auf eme Gestalt besonders konzentrierte sich das Interesse aller Zuschauer, die die Trottoirs der Bahnhosstraße stillten: ein baumlanger Mann im abgetragenen Salonrock und schwarzen Beinkleidern, die in plumpen Banernschaftstieseln mit massiven Hufeisen steckten; Hals und Brust geschmückt mit einst weiß gewesenen Kragen, Kravatte und Weste, auf dem Kopfe einen riesigen Zylinder — einen Fabriksschlot — der die Glanzzerr längst hmrer sich halte. „Wer mag das sein?" „Ein Schwarzkünstler?". „Ein witziger Droschkenkutscher?" .. . Süßt das Fragen, Ihr guten Leute! Bä!h tragen sie alle des Kaisers Rock und alle Unterschiede des zivilen Lebens sind verwischt! Es sind die Egerländer Helden, der Stolz der Armee, der Schrecken aller Feinde; es sind die Egerländer Landstürmer, die reichlichen Anteil haben an unfern gewaltigen Siegen . . . Sie jubeln und jauchzen und ihre patriotischen Lieder erfüllen die Bahnhofstraße. Sie haben auch schwarz-gelbe Fähnchen, geschmückt mit frischen Blumen an ihren Koffern, wodurch sie ihre Kaisertreue dokumentieren. Inmitten des grandiosen Menschengewühles schiebt sich ein Trupp russischer Kriegsgefangener, zumeist mit tartarifchen Pelzmützen. Die Gefangenen drehen sich nach rechts und links, nach vorn und hinten, sie hören den Jubel unferer Rekruten und denken sich: „Wie wurden wir betrogen, da man uns versicherte, daß nach 14tägigem Kampfe ganz Oesterreich- Ungarn besiegt sei. Das ist ein unerschöpfliches, unbezwingbares Volk — so viel Begeisterung, so viel Mut und auch so viel — Menschen! — Die russischen Gefangenen, die nach den Gesilden des Kaukasus und Sibiriens heimkehren werden,, sie werden etwas zu erzählen haben: Vom deutschen Mut und deutscher Lebenskraft. Eine plnlmiftilchc Sommerstudie. (Zur Wiedereroberung Lembergs.) (Schluß.) So hoffen wir zu Gott, daß er jetzt, nachdem durch die Wiedereroberung Lembergs den hartbedrängten Galizianern ihre Hauptstadt wiedergegebeu und den Russen als festgehaltene Beute wieder entrissen ist, als gerechter Weltrichter in diesem Weltkrieg sich auch als gerechter Richter bewähren und uns zum gerechten Siege verhelfen wird. Das sind die Gedanken, die sich für jeden denkenden Psalmenleser an diesen Psalm knüpfen, dessen zwei Schlußverfe für die gegenwärtige Zeit wie geschaffen sind, daher, obwohl sie in dieser Dominika nicht Vorkommen, hier wiedergegeben fein mögen. "Di vm nr b« 'n naip. Meudelsohn: 20. Ans Herr! Es trotze nicht der Mensch auf seine Uebermacht. Laß sie gerichtet werden, die Barbaren, vor deinem Angesicht. 21. Setze einen Meister über sie, laß sie fühlen, Die Barbaren, daß sie nur Menschen sind. Meine Uebersetzung: 20. Herr, erhebe dich, daß die Menschen nie sich überheben, Auf daß die Völker stets gerecht vor deinem Angesichte leben. 21. Flöße ihnen, o Gott, auch etwas von banger Furcht*) nur ein, Aus daß die Völker wissen, daß sie nur Menschen seien. *) Die Verschiedenheit in der Auffassung dieses letzten Verses ergibt sich eben aus der Verschiedenheit der Lesart des einen Wortes TTTMÖ' ob dieses mit einem Met nach der Vulgata oder einem Ls nach der hebräischen Schreibart (Mnssorn), geschrieben wird. Erstere Schreibart scheint dem Sinne besser zu entsprechen. Der Schluß, das Offertorium, lautet: II In in ins. oculus me o s, neun quam obdormiam in inorte, nequando dieat inimicus meus’: Pr a e va li s a d v ersus eum. Das ist offenbar Psalm 13 (4 und 5), der da lautet: '121 °>,t6k 'n "ojj? ni2'2N-! '- „Schau herab, erleuchte mein Auge, auf daß ich nicht des Todes entschlafe, daß der Feind sich nicht rühme, er habe mich überwunden." Auch dieser Psalmvers klingt in eineir Wunsch ans, den jetzt sicherlich alle gerechten und klug denkenden Menschen der Welt zum bevorstehenden Friedensschlüsse im Herzensgründe hegen. Auch der Sieger möge es dem Besiegten nicht fühlen lassen, daß er besiegt und überwunden sei, daß daher Annexionen nicht anznstreben seiendem Gedanke, den erst in den letzten Tagen der Bund des Zentralvereines der deutschen Demokratie öffentlich Ausdruck gab, ein Wunsch, der allerdings manchem öfflziösen Politiker nicht gefallen traben mag. - Die C o m m u h i o. die den Schluß dieser Dominica bildet, lautet: D ominus firmamen tum meum et refuguim meum et liberator meus, Deus meus adjutor meus. Gott, der Herr, ist mein Schutzfels, meine Zuflucht und mein Retter, mein Helfer und Befreier. Das ist offenbar Psalm 18 (3): nabBiai Tbo. Das ist der Eingang zu jenem schönen Psalm, den König David an feinem Lebensabend, nachdem ihm Gott von Saul und allen seinen Feinden Rettling verschafft hätte, als Siegestied, gewissermaßen als Siegestrophäe in echt dichterischer Weise gesungen hat, der daher nicht nur iir den Psalmen, sondern auch in dem Buche Samuels H., Kap. 22, mit einigen Variationen aufgenommen ist, von dem d'aher auch die Schlußverfe, da sie an den heutigen K> iegskaiilpf erinnern, angeführt sein mögen: Es lebe mein Gott, mein Fels fei hoch gepriesen, - Erhaben ist da Gott, auf dessen Hilf ich stets verwiesen. - Der Gott, der Rache so süß hat mir gebracht Und der Völker viele zu Untertan mir gemacht, - - Vor bösen Feinden Ruhe mir verschafft, j 1 Zu meiner Rettung manchen Uebeltäter dahingerafft, Dir will ich meines Dankes Zoll dar nun bringen Und Deinem Namen Dankeslieder singen. ' .5 So sind die Psalmen seit zwei Jahrtausenden eine unerschöpfliche Quelle erhabener Gedanken im-Leben der Einzelnen und ganzer Völker geblieben und werden es auch 'weiter bleiben. Dieses au der einen Dominssif nachzuweisen, war der Hauptzweck dieser psalmistischen Sommerstndie. Alls die Psalmen der anderen Sonntage der katholischen Liturgie znrückzukommen, behalten wir uns noch yor. DrI M. Epstein. Verschiedene Iliichrichten. Wie». (F e st g o t t e s d i e n st.) Mit Rücksicht aus den Gedenktag der vor zwei Jahren stattgehabten Einweihung des anläßlich des Allerhöchsten 80. Geburtssestes erbauten Kaiser Franz Josef I.-Huldigungstempels, II., Pazmanitengaffe 6, sowie infolge der durchschlagenden Siege der ruhmgekrönten Heere der verbündeten Staaten und zwecks Fürbitte um weiteren göttlichen Beistand, bis Habsburgs'mächtigem Reiche der ehrenvollste Friede gesichert werde, findet Samstag, am 4. September zu Beginn der Rüsttüge zu den hohen Feiertagen in diesem Tempel ein Festgottesdienst samt Predigt statt. Wien. (Kaiserfeier im Vereins-Reservespitale Nr. 11.) In dem festlich dekorierten Sitzungssaale des Reservespitales Nr. 11 der österreichischen Gesellschaft vom „Roten Kreuz" (Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim, II., Malzgafse 7) fand am 18. August l. I. anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers ein großes Festkonzert statt. Dasselbe würde durch eine begeisternde Ansprache des Spitalskommandanten Herrn Regimentsarzt Dr. S. Krüger eingeleitet, die in ein dreifaches Hoch auf unseren glorreichen Monarchen ansklang. Hieran anschließend wurde die Bolkshymne von den verwundeten Soldaten und den anwesenden Gästeir gesungen und die an Seine Majestät abgesendete Huldigungsdepesche zur Berlesmig gebracht. Die Reihe der künstlerischen Darbietungen wurde durch einen Klaviervortrag des im Spitale beschäftigen Arztes Dr. I. Flesch eröffnet. Ferner wirkten in liebenswürdigster Weise mit: Frau k. k. Hofopernsängerin Hermine Kittel und Herr Hofopernsänger Karl Ritt-

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