Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 30 (3.9.1915)
- Date
- 1915-09-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 30. Wahrheit.= Gelte 7. Währelid hie ^- tlichtj sidifchen-Stap tbe)voHuer hW.;.Wndffche,.. Soldatengruppe nengierigm,Huge^'.augMM^raHk,tzin Teil r. der. jüdischen : Peyölkexttug noch -in -letzter.!,.Stunde ojlles^. <znsamnlen was handlich nlitgenonimen -werden^korlnte und ergriff die Flucht,- wpbei sich liatiultc^:; die erschnttlerildsteniHzeueil ^hspiMeln Wie PatroniÜWueWt^^daß das russische > Militär beMs in der Nähe sei-ulld WsächliH überbrachte-; iein -von den Rllffen.ejntfandte-r Deleg^ierLer nttl^jil llhr mittags,. dkui Bürgermelster ein;^ in . .jchlMem^ HeMchz.i ah^efaßtes Schreiben mit r der-jAnfsyrderilM zur Ueber^abe der Stadt.; Dr. Weißelberg machte hieraus - die Bevölkerung auf das-. bev0l stehende Ereignis aufmerksam und verfügte sich, von Erzbischof v. Repta begleitet, zur Reichsbrücke, um die -mit der Uebergabe notwendigen Formalitäten zu erfüllen. .Wie schwer Herrn Dr. Weißelberger dieser Uebergang von "der österreichischen Sonne in die russische Finsternis geworden ist, kann man sich wohl denken, aber er war und bleibt ein H e l d, wenn er bei seiner schwachen körperlichen Konstitution alldas überwinden konnte, was die Ereignisse und Geschehnisse von ihm erforderten. Er sowohl als anch der als tolerant bekannte Erzbischof forderten vom rnssischen Militärkommando vor allem den Schutz der Bürger, da man mit Recht um das Leben namentlich der jüdischen Bevölkerung besorgt sein mußte. Haben doch russische Soldaten und russisches Diebsgesindel schon unmittelbar vor der Uebergabe der Stadt die bei der Prnthbrncke wohnenden Inden überfallen, ansgeraubt mib ihnen mit dem Tode gedroht! Und so bescheiden das russische Militär nachher in die Stadt einmarschierte, gab es bald an an allen Ecken ilnd Enden, wenn auch nicht im Mittelpunkte der Stadt selbst, ein so herzergreifendes Wimmern und Klagen über Schikanen, Belästigungen und Plünderungen, daß es fast Steine erweichen konnte. Unser Bürgermeister war da ohnmächtig etwas zu tun, da ihn die rnssischen Befehlshaber nur unter der Bedingung weiter im Amte beließen, daß er der Vollstrecker ihres Willens werde, sich aber um andere Vorkommnisse nicht kümmern dürfe. Dr. Weißelberger erkannte sofort die Schwere der Situation und nur Gott war mit ihm und uns, daß es ihn ans seinem Posten ansharren ließ. Im Namen des russischen Militärkommandos mußte er Kundmachungen und Anordnungen unterschreiben, die grausamer Natur waren und immer in den Schluß ansklangen: bei Todesstrafe. Wenn die Ausbringung der mit großer Mühe gelungenen Ermäßigung der Kontribution von 600.000 ans 3OO.ÖO0 Krotten nicht gelingen sollte, gehe die Stadt in Trümmer und die Bevölkerung verfällt der Todesstrafe; wenn Waffen und Munition aller Art nicht binnen 24 Stunden dem rnssischen Militärkommando abgeliesert werden sollten — Todesstrafef; wenn selbst ein Knall aus einem Kindergewehr vernommen werden sollte, so wird die Bevölkerung erschossen! Dasalles .mußte Dr. Weißelberger mit seinem Namen decken, als Bürgermeister in der Gewalt der Russen, bei denen das -Erschießen und Lebenlassen ganz einerlei ist. Doch so unerhörte Anforderungen die russische Lynchjustiz an das Stadtvberharlpt von Czernowitz stellte, Dr. Weißelberger fügte sich .mit Ruhe und Gelassenheit darein, nur um der Bevölkerung zu helfen. Selbst in seinem Arbeitszimmer konnte er sich nicht frei bewegen, denn das russische Kommando hatte dort eine ständige Wache postiert, die den Bürgermeister überwachen solle. Die zähe und ausdauernde Natur Dr. Weißelbergers ließ sich alles gefallen und als es verlantete, daß am 14. September ein Gouverneur in die Stadt einziehen und im Landesregierungspalais seinen ständigen Wohnsitz nehmen werde, erhoffte man von diesem mit Rücksicht auf das klaglose Verhalten der Bevölkerung, eine Besserung der Verhältnisse. Während aber der berüchtigte Herr E v r e i n o w am selben Tage noch den Bürgermeister leutselig empfing, ihm für sein taktvolles Benehmen dankte, und ihn in feiner weiteren Funktion beließ, geschah iil, der darauffolgenden Nacht etwas, was unsere Angst vor der russischen Schreckens- . Herrschaft in Unermeßliche steigerte und uns vollends jede i. <Mrmütsrnhe raubte: Dr. Weißelberger und einige andere ^; PersiNEchkesten w nrheu - von russischen Gendanyen verhaftet _**• uu&' wMxschkeM^ .iulb'ekaM ' wohin.'. Schon am 15. setzte ,dM russische.Regime. mit uff seinen Schreckenund Härten ^ein^Mddle-Ernemttlng des dein Gouverneur ^finnnngs- -verwandten — leider oster rLichischev. Staatsbürgers — . Dr. Boearrce^1z;rm Bürgernleister gab .das Signal zu einer .. regelrechten , Befolgung und Unterdrückung, der jüdischen , B'epöckerilug- Kflsächlich. wurden, alle her Bürgerwehr angehörigen Inden sofort entlassen, die jüdischen Perkanfer vom - Ringplatz entfernt und dre rm Magistrat tagenden Kommissionen, . sofern, sich unter.denselben. Inden als Mitglieder befanden, aufgelöst. Die Verhaftungen von jüdischen Bürgern nahmen immer größere Dimensionen an und erfolgten unter den nichtigsten Vorwanden. Die Plünderungen jüdischer Geschäfte standen ans der Tagesordnung und wer sich zu beschweren wagte, tonrde unter vorheriger A n w e lt b u lt g der Prügelstrafe ins Gefängnis abgeführt. Es kam soweit, daß man sich kaum ans bie Straße wagte, da auch das brutale Benehmen der russischen Soldateska und ihr ewiges Schnüffeln nach Geld und Geldeswert, ernste Besorgnis einflößte. Die Hoffnung ans baldige Befreiung snchlen die Russen durch lügenhafte Berichte einzndämmen, welche nichts anderes als eine Niederwerfung und völlige Vernichtung des österreichisch-ungarischen Heeres enthielten. Nur die Wenigsten glaubten daran, aber schließlich wurden wir doch durch das übermütige Verhalten der Russen so mürbe gemacht, daß wir die Stunde der Befreiung kaum zu erleben glaubten. Den Höhepunkt russischer Niedertracht und Berlemndnng erreichte endlich das einige Tage vor dem fluchtartigen Rückzug der Russen affichierte Plakat mit der Aufforderung zu einem Pogrom und Erschlagnng der Inden, die sich weigern, den Zar als Kaiser der Bukowina anzuerkennen, zumal von einem österreichischen Heer nicht mehr die Rede sein könne. Alles, was Oesterreich noch an Streirkräften besitze, bestehe nur mehr aus einigen Landstürmern. Finanzern und Gendarmen. Die Furcht vor einem Pogrome fuhr uns durch die Glieder, da sich in der Stadl größtenteils russische Bauern hernmtriebeu. Die Aufforderung kam jedoch glücklicherweise zu spät, denn bevor noch zur Ausführung der abscheulichen Tat geschritten werden konnte, standen unsere tapferen Verteidiger bereits vor den Toren der Stadt. Die Russen bekamen Lunte und flüchteten. Der Gouverneur selbst machte sich schon früher rechtzeitig, aus dem Staube und am 20. Oktober 1914 waren wir zum erstenmal von der rnssischen Invasion befreit. Am 27. November wiederholte sich dieselbe zum zweitenmale, dauerte vis 17. Februar 1915 und seit damals ist das „russische" Czernowitz wieder e chtö ft e r r e i ch i s ch geworden und die Bukowina nach wie vor das Musterland des Habsbnrgerreiches, Isidor O b ft g a r t e h. Die Egerer Kandftnrmer. Egerer Kriegsbild von Armin Wilkowitsch, Eg er. Zwei Tage vor dem Kaiser-Geburtstage rückten nach zweimaliger Verschiebung mehrere Jahrgänge des Landsturms nach der Metropole des Egerlandes ein. Am Vorabend, wie am Frühmorgen bis spät nachmittags flutete das Menschengewoge vom Egerer Bahnhöfe nach der Bahnhofftraße und von dort nach den Kasernen; unsere breiten Straßen vermochten kaum die gewaltigen Menschenmaffen zu faffen! Es war ein Geschiebe und Gedränge, schlimmer als an Jahrmarktstagen vor den Buden am Marktplatze. Fahrgelegenheiten nnchten überhaupt vom Straßenverkehre ansgeschaltet werden. Die mit ihren Habseligkeiten bepackten Landsturunyänner lieferten ein überaus buntes Straßenbild: Bauern in ländlicher Kleidung, Forstleute in Jägertracht, galizifche Flüchtlinge in Kaftans und gekräuselten Schläfenlocken, auch solche, die ihr Haarfymbol auf dem Altäre der Vaterlandsliebe opferten, Post-, Polizei- und Wachmannschaft in ihren Uniformen,