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Die Wahrheit · 1915-09-03 · Heft 30 (3.9.1915) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 30 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30. Die Wahrheit Seite 6. Stammutter Nahe! auf die Klage um ihre Kinder vernimmt und die in diesen hohen Feiertagen beim Gottesdienste verlesen wird, kann auch für sie Geltung haben. »Halte zurück deine Stimme vom Weinen und deine Augen von Tränen, denn es gibt einen Lohn für dein Tun und eine Hoffnung für deine Zukunft". Und so hoffen wir ... Der Schofar, die Posaune, schallt, die Kanonen dröhnen in der Ferne, die Welt geht ans den Fugen, »das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht ans den Ruinen". Eine neue Welt wird verkündet, die Macht des Lasters „memsclieles sodom u wird weggefegt, das messianische Ideal rückt näher, das da bedeutet: Ewiger Friede. _ Chanoch Al—k. Der Sieg «brr die Knsfe» nnd feine Folgen. . Die beispiellose Tapferkeit der reichsdeutscheu und .österreichisch-ungarischen Heere, die Treue und Einigkeit der Völker zn ihrem Staatsganzen und ihren Monarchen und die Empörung gegen den moskowitischen Würger aller Volksrechte und Freiheiten hat in verhältnismäßig kurzer Zeit mit Gottes Hilfe titanenhafte Heldenarbeit geleistet. Die verbündeten Heldenheere haben in dieser Zeit nicht nur den größten Teil Galiziens und Teile voll Ungarn und der Bukowina von den russischen Kriegshorden befreit, sondern auch ganz Russisch-Polen, den größten Teil Litauens und einen Teil Wolhyniens unter die Macht ihrer Waffen gebracht. Es kann nur mehr einige Wochen, vielleicht nur mehr Tage währen, bis auch Riga und Grodno von den Verbündeten besetzt sind und dann ist die geradlinige Front von Riga über Kowno, Grodno und Brest-Litowsk bis zur ostgalizischen Grenze hergestellt. Nachdem die österreichisch-ungarischen Heere südlich von den Rokilnosümpfen bereits bis über den Bug nach Osten vorgedrungen sind, ist es nur mehr eine Frage einer kurzen Zeit, daß auch die östlichsten Gebiete Galiziens den Russen wieder entrissen werden. Welche Tragweite diese Siege haben, erhellt ans der Tatsache, daß dieselben die dichtest bewohnten nnd kulturell am meisten fortgeschrittenen rilssischen Provinzen mit einer Bevölkerung von 15 Millionen von den stärksten russischen Festungen gedeckt in die Gewalt der Verbündeten gebracht haben. Die eroberten russischen Provinzen bildeten das Sprungbrett des Zarismus, von dem sortroährend Verderben und Ueberflntnng oen reichsdeulschen und österreichisch-ungarischen Staatengebilden drohte. Diese Gefahr ist nun sehr vermindert,, denn der Zarismus erscheint nun ausgiebig geschwächt und es dürsten viele Jahrzehnte verlaufen, ehe es ihm wieder gelingen kann, den kolossalen Verlust zu planieren. Es ist nur Bluff, wenn er droht, noch 8 Millionen Kriegsvolk in den Kampf zn senden. Der zarische Absolutismus hat während des dreizehnmonatigen Weltkrieges bereits alle brauchbaren Kriegslente aufgebracht und gegenwärtig wird es ihm kaum gelingen, die furchtbar erregte russische Volksseele zu begütigen, die erzürnten Stimmen »der russischen Erde" klingen bereits energisch und drohend. Wird nach diesem Weltkriege der Friede wieder geschlossen, dann wird es Ehrensache der siegreichen Zentralstaaten sein, die Freiheit und den kulturellen Fortschritt ihrer Völker, wie auch deren materielle Wohlfahrt möglichst zn heben und zn fördern, um die gehässigen Verdächtigungen ihrer gegenwärtigen Kriegsgegner gründlich anfzudecken. Nach dem Kriege wird es sich erst klar zeigen, wo die Barbaren zn suchen sind. Alle Machthaber nnd Regierungen werden aber erkennen, daß nicht die Größe und der Reichtum des Landes, nicht die Lift und das Uebervorteilnngsvermögen der zünftigen Diplomaten, nicht die Einkreisungsbestrebungen und nicht geheime Abmachungen den eudgittigen Erfolg verbürgen, sondern nur die gerechte Sache nnd die Liebe und Treue ihrer Staatsbürger. Sie werden erkennen, daß auch politische Lügen kurze Beine haben und es ferner verschmähen, ihren Völkern Freiheit und Recht nur zu v e r s p e ch e n, sondern in ihrem eigenen Interesse deren Geist und Erkenntnis zu steigern, deren Tatkraft und Willen zn kräftigen suchen. Sie werden die riesigen Opfer au Blut nnd Habe, welche ihre Völker in diesem Weltkriege gebracht haben, mit ganzem Herzen voll einschätzen nnd die gefallenen Helden betrauern! Sie werden sich ihrer Pflicht voll bewußt werden, die ungeheuren Kriegsschäden möglichst rasch wieder zu heilen und ihre Dankesschuld an das Volk erkennen! Die Machthaber und Regierungen werden schließlich erkennen, daß »der Mensch das kostbarste Kapital des Staates" sei und ihn demgemäß hegen und pflegen! Sie werden es in ihrem Interesse ansgeben, Reibungen zwischen verschiedenen Nationalitäten, Konfessionen und sozialen Volksschichten zu steigern und vor der Verantwortung znrückschrecken, Kampf und Krieg nach innen oder nach außen anzuzetteln. Nicht umsonst haben schließlich die Inden als e n tf ch i e d e n st e Gegner des Zarismus gelitten, sie haben dadurch das Geeignetste getan, um das christlicharische Vorurteil zn brechen, sie haben ihren F r e i h e i t s i n n und ihre Va terlands treue im blutigsten Kriege glänzend dokumentiert. R. L. Eine Keminiszen;;nt» 85. Geburtstag des Kaisers. Bon Professor Stark, Prag. Es dürften wohl nur wenige Leute noch leben, die den Kaiser schon vor 64 Jahren gesehen und vor ihm — gesungen haben. Einer der Wenigen, die sich dessen rühmen können, bin ich. Allerdings war das nicht in Prag der Fall, sondern in meinem Geburtslande Ungarn. Als nämlich der Kaiser am Beginne der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, kurz nach der Unterdrückung des ungarischen Aufstandes, ganz Ungarn bereiste, kam er auch in jene Gegenden des Landes, die im vergangenen Winter der Schauplatz der russischen Invasion und der für uns siegreichen und ruhmvollen Karpathenkämpfe waren, in die nördlichsten, zumeist

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