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Die Wahrheit · 1915-08-20 · Heft 29 (20.8.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 29 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 29. zwar bei den Professoren Vogel, Weiß und zuletzt bei dem Meister Wallerstein seine herrliche Stimme vollkommen anszubilden. Aber auch er blieb nicht lässig, sein vortreffliches Chasonus weiter zu vermitteln und verschaffte sich während seiner hiesigen Tätigkeit als Lehrmeister in seinem Fache einen außerordentlich guten Namen. So wollen wir nur einige seiner Sckiüler hervorhebem hie sich heute in angesehener Stellung befinden, und zwar die Herren Nugel in Temesvar, Abr. Kirschbaüm in Budapest, B. Kaufmann in Wien sowie der selige Bela Guttmann in Wien. Möge es unserem wackeren Kollegen Baruch Gutmann vergönnt sein, noch lange Jahre in seiner ehrenvollen Stellung zu wirken. Otto Friedlander Kantor und Kauzleibeamter der ist. Kultnsgkineinde Pra^. . Oesterrcichilch-nttgarische Kolonie» in Polöstina. Zur Unterstützung der durch den Krieg und eine ungewöhnlich schwere Heuschreckenplage dem Hungertode preisgegebenen jüdischen Kolonisten österreichisch-ungarischer Staatsangehörigkeit in Palästina hat die vor wenigen Wochen gegründete Hilfskommission 1915 (Geschäftsleitung Wien, IL, Ferdinandstraße 23) eine Sammlung eingeleitet, an der sich n. a. die Herren Louis Freiherr von Rothschild mit 10.000 K, Gebrüder Gutmann mit 8000, Sigismund Freiherr von Springer mit 5000, Philipp von Gomperz mit 5000, I. Petschek und Kommerzialrat Ed. Weinmann in Anßig mit je 5000, Leop. Pollack von Parnegg mit 2000, Generalrat B. Watzler mit 2000, die Herren Bankdirekloren Dr. Paul Hammerschlag. Wilhelm Knx, Em. Raumann und Alexander Werner mit je 10M L beteiligt haben. Am Dienstag, den 24. d. M. 6 Uhr nachmittags fand im großen Saal des Hotel Continental, Wien. Praterstraße 7, eine Vollversammlung dieser Hilfskommission statt, über welche wir eingehend berichten werden. Eine psalmistische Sommerstndie. (Zur W i e d e r e r o b e r u n g Lembergs.) (Fortsetzung.) Bevor wir in eine Detailbesprechung dieser Dominica eiugehen, sei zum allgemeinen Verständnisse folgendes bemerkt: 1. Jede Dominica setzt sich, insoweit alttestamentarische Stücke in Betracht kommen, außer den bereits früher erwähnten Hauptstücken, dem Eingang (Introitus), dem Mittelstück (Gradnale) und dem Endstück (Offertorium) noch aus dem sogenannten „Alleluja" und der „Kommuuio" zusammen. Das „Alleluja" ist keineswegs eine Uebersetzung jener Psalmen, welche bereits im Original mit einem Alleluja beginnen oder schließen, sondern auch andere Psalmenverse, denen die katholische Liturgie diese Bezeichnung beigelegt und die oftmals demselben Psalm entlehnt sind, dem das Gradnale angehört. 2. Während an den hohen Festtagen oft auch andere Stücke des Alten Testamentes, mitunter auch Prosastücke rezitiert werden, die dann die Bezeichnung Sectio (Vorlesung) oder Tractns bekommen, kommt das bei der sogenannten Dominica nicht vor. Diese bringen zumeist nur Psalmen. 3. Der Text des Missale weicht von dem Text her Vulgata oft wesentlich ab und richtet sich nach einer älteren lateinischen Uebersetzung, der sogenannten Jtalia. 4. Niemals werden ganze Psalmen sondern nur einzelne Verse eines Kapitels rezitiert und diese ohne Angabe der Verse, was eben die Auffindung sehr erschwert. Auffallend erschienen mir aber bei dieser Textierung zwei Umstände: ,X. Daß, die erste Zeilenstelle des zweiten Verses: "-«ö rin 'by avnpa. „Wenn die bösen Feinde an dm Leib mir rücken, um mich mörderisch in den Tod zu .schicken", welchen Satz da die Vulgata wörtlich übersetzte „Dum opprojiant super me nocentes ut edant cärnea meäs“, daß also dieser kräftige Vordersatz ganz ansgefchältet ist. In der Ansscheidung dieses Satzes liegt nicht bloß eine Amputation sondern eine ^stirpation, wodurch auch der logische Zusammenhang zwischen dem ersten und dem zweiten Sätze fehlt. Welche Gedanken den Redaktoren dieses Introitus bei der Exstirpation dieses Gliedes vorgeschwebt haben möge, läßt sich schwer erraten. 2. Daß der so schöne, folgende Vers 4, der doch so einen herrlich schönen poetischen Gedanken in sich schließt, hier nicht angeschlossen, sondern erst in der sechsten Dominica benützt wurde. Dieser Schlnßgedanke gehört doch unzweifelhaft zur Ergänzung des zur frommen Andacht stimmenden, in den Introitus ausgenommen Teil des Pfalmes. Dieser Psalmvers mit dem Schlnßgedanken: „Wenn das feindliche Lager sich gegen mich erhebt, mein Herz vor ihnen nie erbebt", läß sich gewiß jetzt von den Predigern aller Konfessionen praktisch verwerten und dürfte vielen als apologetischer Stoff willkommen sein. Spricht sich doch gerade in diesem Verse ein echt poetischer Geist, ein Streben nach Gottähnlichkeit, nach idealen Gütern ans, Gedanken, die uns oft aus Schillerschen Gedichten, z. B. der „Sehnsucht" und „Das Ideal und das Leben" wiederlönen, die hier wiedergegeben sein mögen: Sehnsucht. Ach wie schön muß sichs ergehen, Dort in Gottes ewigem Sonnenschein Und die Luft auf Libanons Höhen x O wie labend muß sie sein? ' ' Du mußt glauben, du mußt wagen, Denn die Gottheit gibt kein Pfand, Nur ein Wunder kann dich tragen In das schöne Gottesland. D a s I d e a l u n d d a s L e b e n. Wollt ihr hoch auf des Geistes Flügeln schweben Werft die Angst des Irdischen weit von Euch! Fliehet aus dem engen dumpfen Leben In der Ideale göttlich' Reich. Zwischen Sinnesglück und Seelenfrieden Bleibt dem Menschen nur die enge Wahl; Auf der Stirn des hohen Uraniden Leuchtet ihr vermählter Strahl. Als Mittelstück folgt das sogenannte Gradnale: Dropitus esto, Domine peccatis nöstris: nequando dieant gentes: Ubiest-Deus eorum — Adjuva nos Deus salutarii noster: et propter honorem nominis tus Domine libera nos. Das ist offenbar der in jüdischen Gebeten oft zitierte Psalm 79 (9 und 10) hs “istn u'b'sn arrnbx rrx erw hmc rab ptib wnxtwr Nach Mendelsohn: 9. Hilf uns o Gott! Unser Helfer Um deines Namens Ehre willen Rette uns, verzeihe unsere Sünden Um deines Namens willen. 9. Warum sollen die Barbaren sprechen: Wo ist Ihr Gott? Hier begegnen wir wieder eine Umgestaltung der Verse des Originals, indem der Vers 10 dem Vers 9 vorangeht^ während die Vulgata sich genau dem Originaltext anschließt^

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