Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 29 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29i Seite 7. Die Wahrheit. begleitet vom verstärkten Chor unter Leitung des Chordirektors Professor Joses Sulzer, einige Psalmen vor. womit die Feier ihren Abschluß fand. Im Anschluß air den Festgottesdienst^ fand eine zahlreich besuchte öffentliche Festsitzung stattin welcher der Vorsitzende, Präsident Drv Adolf Stern, eine Ansprache hielt, in der er sagte: „Es sind jetzt herrlicheherrliche Tage, wir schreiten von einem Triumph zum anderen.5 Mit diesem schönen Worten unseres:; Thronfolgers an; die ihn begrüßende Bndapestex Deputation, mit diesem Jnbelrnf begrüße ich Sie, meine Hochverehrten Herren,- diewir uns heute an dem Geburtslage unseres erhabenen Monarchen zur Festfeier Hier versammeln. Ein Jahr ist es her, .da standen wir am Beginne weltgeschichtlicher Ereignisse, am Anfang des großen, welterschütternden Ringens, welches eine wie aus dem Boden beransgewachsene Koalition von Feinden begonnen hatte, eine .'Koalition, die > seither Unheil und Verwüstung über unser Vaterland, über Europa gebracht hat. Vertrauend auf unseren heißgeliebten Kaiser, der in seiner Friedensliebe bis an die -äußerste Grenze gegangen, von uns wie von aller Welt als der Friedensfürst gefeiert, überzeugt, daß nur ein äußerster, unabwendbarer Zwang der Verhältnisse ihm die Waffe in die Hand drückte, vertrauend auf die Gerechtigkeit unserer Sache, auf die glanzvolle Zukunft unseres Vaterlandes, waren wir Oesterreicher dem. Rufe unseres Kaisers gefolgt, entschlossen, Gut und Blut für ihn, für die Machtstellung der Monarchie, für die Freiheit ihrer Völkerschaften hinzugeben. Wir Oesterreicher, unter ihnen, wahrlich nicht in letzter Reihe, wir österreichische Inden. Und heute, da wir im Gotteshause unser tiefinniges Dankgebet an den Allmächtigen richteten, daß er unseren gütigen, weisen, gerechten, heißgeliebten Kaiser den heutigen Tag in voller körperlicher, und geistiger Kraft und Frische erleben ließ, ihn schanen ließ all die herrlichen Waffentaten seiner rühm- und siegreichen Armee, da dürfen wir hier erhobenen Hauptes mit Stolz und Gennglnung uns und all^x Welt künden, daß wir unser Gelöbnis in Treu und Ehren gehalten, daß wir es mit dem Blute unserer Besten besiegelt haben, daß unter den Stämmen und Völkern unseres weiten Vaterlandes wir Juden uns den Besten und Opfermutigsten an die Seite stellen dürfen. So haben wir es gehalten und so wollen wir es auch ferner halten. Heute, in dieser öffentlichen, festlichen Versammlung, in der gehobenen Feiertagsstimmuug ist es die Stimme des Gewissens, die in mir hallt, erachte ich es als eine mir in meiner Stellung obliegende Gewissenspflicht, hinzttweisen auf die pflichtgemäße, patriotische Haltung unserer österreichisch-ungarischen Jndeuschaft. Ja, wirhaben allen Grund, den Geburtstag unseres heißgeliebten Kaisers dankerfüllt und jubelnd zu begehen. Im Norden wird bald, mit Gotteshilfe, dank unserer sieggewohnten Armee, auch der letzte Feind aus unserem heimatlichen Boden vertrieben sein, während jetzt schon weite Strecken des Feindeslandes von unseren und unseren verbündeten Armeen besetzt sind. Wir wollen und, werden dnrchhalten, durchhalten, bis nach unseres heißgeliebten Kaisers erhabenen Willen, nach seiner hohen Einsicht ein die Ehre, Würde, die Interessen unseres Vaterlandes vollständig und dauernd wahrender und -verbürgender Friede geschlossen wird. Und so, vertrauensvoll aufblickeud zu der ehrwürdigen, erhabenen Gestalt unseres Kaisers Franz Josef I., dem festen Hort der Gerechtigkeit, schließe ich mit dem heißen Wunsche, der unser aller Seelen erfüllt, unser geliebter, gütiger, gerechter Kaiser möge durch die Gnade des Allmächtigen noch viele, viele Jahre als Beschützer aller Völker und Stämme dieses Reiches das Zepter -der ruhmreichen Habsburger führen. Er möge die endgültigen Siege der glorreichen-Heere unseres Vaterlandes erschallen. Er möge nach ehrenhöllem Frieden noch lange, lange Jahre bis an die äußerste Grenze menschlichen Daseins allen seinen Völkern voranleuchten. Unser geliebter, gütiger, gerechter Kaiser Franz Josef I. lebe hoch! hoch! hoch!" Nach dieser mit stürmischem Beifall . aufgenommeuen Redebeschloß die Versammlung, an Se. Majestät ein Huldignngstelegramm-abzusenden. Der 7Q. Geburtstag Dr. Julius Ofners. Am 20. August 1015 feiert ein Ethiker ersten Ranges, ein selbstloser, edler Menschenfreund. ein Eiferer für Recht und Gerechtrgkeit, seinen 70. Geburtstag und Tausende von i freiheilich und fortschrittlich gesinnten Bürgern und armen,! gedrückten Menschen, die seine selbstlose Hilfe genossen haben, werden ihn freudig mitseiern. Was Dr. Ofner als Advokat, als Landtags- und Reichsratsabgeordneter, als Rechtsgelehrter für alle ungerecht Behandelten geleistet hat, entzieht sich durch seine Fülle der Beschreibung und Auszählung: Jeder arme und ungerecht Verfolgte konnte sich furchtlos an ihn um Hilfe wenden und nie vergebens, wenn eine solche möglich war. Er vertrat das Interesse ganzer Berussklaffen und Stände hartnäckig in selbstlosester Weise. Die Lehrer. Beamten und Handelsangestellten. sogar die geringgeschätzleu Hausierer fanden in ihm einen Anwalt und gar mancher erzielte Erfolg ist seiner Arbeit zu danken. Das Wirken Dr. Ofners wird am treffendsten durch die Worte charakterisiert, die auf dem Grabsteine Pestalozzis prangen: „Alles füraudere, nichts für sich." Für sich hat Doktor Ofner keine Reichtümer gesammelt, nicht für sich har er gearbeitet und sein Wissen ausgenützt. Selbst seme Gegner und Fetnde müssen sich heute vor seiner moralischen Größe beugen und niemand wagt eine Schwärzung feines edlen Bildes. Alle aufrechten Inden haben Grund, ans diesen Glaubensgenossen stolz zu sein, denn wenn es heute noch möglich ist, daß ans dem von den Judenfeinden so sehr als egoistisch verschrienen Stamme so edle und selbstlose Menschen entsprießen können, wie Dr. Ofner ist, dann muß wohl ein edler Kern im jüdischen Stamme stecken. Möge die gütige Vorsehnng den edlen Greis noch lange geistig ltnd körperlich rüstig erhalten, möge sie ihm die Freude gönnen, an dem freiheitlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwünge rüstig Mitarbeiten zu können, was zweifellos nach Beendigung des Weltkrieges in unserem geliebten Vaterlande geschehen wird. R- L. AFjiihriges Amtsjnbilänm Am jüngsten Sabbath Nachamu hatte Herr Oberkantor Barnch Gutmann, ein achtbarer, stimmbegabter, gediegene Fachkellntllis besitzender, für seinen heilige» Berns in hohem Maß begeisterter Mann, sein fnnsnndzwanzigjähriges Jubiläum als Oberkanlor der altehrwürdigen Pinkas-Synagoge gefeiert. Dem allseitig beliebten bescheidenen Jubilar wurden von Freunden und Verehrern zahlreiche Beweise der Achtung und Anerkennung geliefert. Ich gestatte mir daher, die Lebensgeschichle dieses dem Kantorenstande zur Ehre gereichenden Kollegen hier in gedrängter Kürze zu skizzieren. Im Jahre 1863 geboren, kam er als siebenjähriger Junge zu dem Kantor ferner Heimatsgemeinde Moses Rottenberg und nach dessen Ableben übernahm ihn dessen Nachfolger David Peterseil. Durch Moses Lipschitz, nachmaligen Oberkantor von Tarnow, kam er im Jahre 1873 zu Josele Silberfeld nach Oswicim und von da nach dem derzeit von unseren heldenhaften Truppen besetzten Pionikow. Später kam er nach Ungarn, wo er durch Musikunterricht bis zum Jahre 1879 sein Fortkommen gesunden hat. Er wurde in Piotrikow als Tenorist und Chordirigent akzeptiert und verblieb dort bis 1882 in dieser Stellung, von wo er nach Nen-Sandec übersiedelte. Hier fand er seine Lebensgefährtin und wurde 1885 von der Gemeinde Andrichau als Kantor gewählt. Während seiner Amtstätigkeit in Andrichau kam er sehr oft nach Wien, um seine von der Natur herrlich beschenkte Tenorstimme bei Professor Steiueder ausbilden zu lassen. Nach fünfjähriger Wirksamkeit in Andrichau kam er nach einem glänzenden Probevortrag an die Pinkassynagoge nach Prag. Hier in Prag fand er erst die Gelegenheit, und