Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 28 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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fitf 6 Die Wahrheit Nr. 28. Es folgt der zweite Akr: Der Aufstand. „Sie standen auf". Zn den vier Verbündeten gesellten -sich 250 Männer, Fürsten, Erkorene. Männer mit Namen und Ansehen. Bald aber steigerte sich der Anhang und wuchs dermaßen, daß sich Mose und Ahron, die an der Spitze der Gesamtheit stehenden Großmächte von einer gewaltigen Uebermachl umgeben, die sich „znsammenroltelen" und eine gar künstliche, unerhörte Sttggeftion übten, die ihnen die Mehrheit des gewöhnlichen Volkes gewann. Denn, was gilt diesen mehr, als die Schmeichelei, ebenbürtig zn sein den Großen, heilig gesprochen zu werden von den Größten. Die vier Verbündeten und ihr Anhang treten dann auf das Forum der Straße und Hetzen und wühlen und erregen die Streitsucht der rühmlosen und ruchlosen Menge, die von den Schmeichelreden der Aufrührer, die sie alle zu den „Heiligen" zählen, hingerissen, mit Jubel in den Kampf eintreten gegen die, die mehr sein wollen und sich erheben über die Gemeinde d es Herrn, die ja alle ans lanter H e i l i g e n b e st e h t." Im dritten Akte wütet der Kampf gegen Gesetz u n d R e ch t und £' r i> n n n g. Die Aufständischen nahen verwegen dem Stiftzelte, entwinden dem Priestertum seine versöhnenden Wasien, tragen ihr Feuer und Rauchwerk zum Versuche ihrer neuen Gewalt bis vor den Eingang des Zeltes der Versammlung, Hier erscheint mit seiner ganzen Rotte der Aufwiegler vor dem erzürnten, bescheidenen, jetzt trostlosen und in dieser Verfassung vollster Mutlosigkeit auch für die Bösen noch betenden Moses, er und sein Bruder fallen stehend auf ihr Angesicht: Herr, Gott aller Geister in jeglichem F l e i s ch w e s e u, der eine sündigt, willst du über alle zürnen? Nein, nein, das will die Alliebe nicht, aber die Welt muß gewarnt werden, muß sich fern halten von solchen Rotten und Verbänden, die unter Priestermasken das allerheiligste Gesetz und Recht und Wahrheit schänden. „Meidet die Zelte dieser Bösewichte und rühret nicht an, was ihnen gehört, sonst würdet ihr nntergeheu in dem Sündenjammer." Die Gottheit der Reinen und Getreuen stößt noch zum Schluß die Hoffnung in die Seelen der ihm rren Verbundenen, die Hoffnung auf den Endsieg, über die verschworenen Feinde der gerechten Sache und diese sollten es hören: „Morgen — wartet auf den Morgen — da wird Gott knndtun, wer zu ihm gehört, wer heilig ist, wer sich erwählt dünken darf." Es kommt der vierte Akt. Hier wird das verwerstiche Motiv der Aufrührer enthüllt. Die scheinheilige Maske Korahs und feiner Verbündeten fällt und was sie wollen und was die eigentliche Triebfeder ihres Handelns gewesen, sollte von allen klar erkannt werden — als Vorbote des Schicksals, als letzten Teil des Korah-Dramas. Wohl ist der N e i d, die heiße Gier nach höchster Würde und Geltung die Ursache der Empörung und es ist eine Klugheit von unseren Drameuhelden, diese Ursache zn verschweigen und anstatt von dem vermeintlichen Unrecht, das ihm geschah, zu reden, lieber die Gesamtheit vorznschieben — aber er fand seinen Meister, der ihn durchschaut. Das besagt das Wort Moses: - ^,Jhr sucht auch noch, neben dem was ihr bereits erlangt habet, das P r i e st e r t u m, womit ihr nicht gegen den Be- * neideten (Ahron) murret, sondern gegen den Allerhöchsten, der eS also verordnet hat." Allein die Botschaft der Verbündeten, Dathan und Abiram, enthält die Urmotive der Verbindung Korahs mit ihnen. Den Hanpthetzern gilt als Kriegsgrund der krasse Egoism u s, die Hab s u ch t, die Gewinugie r, eine E r- Weiterung von Besitz und Macht, ein kampfloses Genießen des Ueberflusses irdischen Erbgutes. Das lassen die Verbündeten, die zu einer Auseinandersetzung berufen werden, sagen: „Wir kommen nicht hinauf. Zst es denn zu wenig, daß du uns geführt aus einem Lande, wo Milch und Honig stießt, um uns zu töten in der Wüste, »nn willst du uiffer Fürst sein, über uns fürstlich herrschen? Auch hast dn uns nicht gebracht in ein Land, wo solche Genüsse uns znstießen. Hast du uns etwa gegeben einen Erbbesitz-, von Feld und Weinberg? Willst du diese Männer denn blenden? Wir kommen nicht hinauf!" Darin ist evident erwiesen, daß die Motive des Aufruhrs keine anderen sind als der niedrigste Prostteifer, der irdische Genuß. Die Kampfeswut wächst in dem Maße als der verhaßte materialistische Drang leine Befriedigung und die egoistische Leidenschaft keine Nahrung findet. Das Wunder, daß sich der Erdenmnnd für solche niedrige Naturen anflun soll, ist eigentlich gar kein Wunder. Denn wen die Erde so in ihrem Rachen hält, erfaßt hat wie Korah und seine Verbündeten, wen die Erde schon während des ganzen Lebens so umschlungen hat, wie sie, daß sie kein höheres geistiges und moralisches Empfinden anfkommen lassen, dem ist der „Erde Mund leine neue Schöpfung", wie es die Lippen des Gottesmannes künden. Dies ist die Ueberleitnng znm fünften Akt, zur K a t a st r o p h e: Sie sinken lebendig in die Unterwelt. Schon im Leben der Unterwelt verfallen, öffnen sich der Tiefen grausige Schlünde und verschlingen Korah und seine Bundesgenossen, es spaltet sich der Boden unter ihren Füßen, sie versinken jammernd, schreiend, wehklagend und schwinden ans der Mitte der Gesamtheit und ihre Umgebung sticht und bebt und lernt schaudern vor der gähnenden Tiefe des Erdenschlundes derer, die an sich selbst die Hand gelegt, um sich durch Aufruhr leiblich und seelisch das Schicksal des Unterganges zn bereiten. Das Bild dieses schauerlichen Bibeldramas beleuchten grell die stammenden Feuer der Geschütze um jenes Land, wo so oft der „Mund der Erde" über feuerspeiende Berge sich öffnet, um unter Leben, viel sonnigem und wonnigem Leben ein gar heißes Grab zu schaufeln. Aber keine Kraterglnt rafft' soviel Leben hinweg ans dieses Paradieses Auen, wie die schmachvolle Glut der Leidenschaft eines von Dämonen der raubsüchtigen Unterwelt ausgehetzten Volles, mögen diese vom süßen Stimmenfänge, die Redlichen denunzierenden Dichterkobolde oder von dem rhetorisch feurigen Klang wühlender Ministerznngen umrauschtsein, das kündet der Prediger der Zukunft, Jesaias, schlicht und schön: „Stimmen von der (ewigen) Stadt, Stimmen vom Tempel, Stimme des ewigen Gottes, der Vergeltung übt an seinen Feinden!" Und hörtet, ihr Feinde Gottes, ihr Hasser des Rechtes, der Wahrheit und edler Menschlichkeit, trotz aller Heimsuchungen in diesem fürchterlichen Weltgericht noch immer nicht des alten Propheten laute „Stimme vom Tempel"; wiegst Dn Dich, hoffärtigcr V i e r v e r b a n d, in tausend Hoffnungen aus Deinen Endsieg über den religiösen und ethisch wirkenden treuesten Bruderbund Deutschland und O e st e rre ich-Ungarn wie auch der Türkei; gaukelt südlich schwärmerische Phantasie Dir, jüngster Korahvetter, jüngster Bruder des genannten Vierverbandes, Triumphe ohne Zahl, Zuwachs von Gebiet und Erdengröße vor die erhitzte Volsseele: so begebt euch alle zn der Eingangstür zur Unterwelt, wo sich der Vorhang hebt zum letzten Akt des Schicksalsdramas! Besonders Dn, Romas stolze Tochter, angelockt von Höllenfürsten, die sirenengleich zn Paradieseswonnen luden, tue auf die Augen vor dem „Schlund der Erde" und lies, so laut Dn es vermagst, was poetisch schön Jtalias großer Dichter, Dante, einst gewählt zur Ueberschrift für das Tor der e w i g e n G r u f t d e r L e b e n s h o f f n n n g, zum dem die Bnndesbrüder dich verführerisch gerufen, zn dem, wie in wollüstiger Sehnsucht nach dem Nichts, im Sturmschritt durch eigene Hand Dich tötend. Dn sehnsüchtig geeilt, lies und denke nach: „Lasciate ogni speranza“. Auf vergilbten Pergamenten las ich kürzlich den Namen „Korah" in Gesellschaft von berüchtigten historischen Persönlichkeiten, die in ihren süßesten Hoffnungen getäuscht, nicht nur nicht das erlangten, wofür sie im Heißhunger der Seele leidenschaftlich Krieg führen, sondern auch noch dazu das verlieren, was zn ihrem ursprünglichen Besitzstände gehört. (Der babilonische Talmud, Sota 9.) Sollte diese Weisheit Dantes Worte nicht noch leuchtender erstrahlen lassen, dem Bier verbau de nnd seinen jüngsten Genossen