Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 28 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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r Nr. 28. Die Wahrheit Seite 5. der Prophet Ezechiel hatte gesagt: „Die Väter haben Herlinge gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden. (Ezechiel 18). Uebrigens sei unbesorgt, komme mit mir, ich werde dir. Speise in Fälle verschaffen. Er führte ihn zu einem Brunnen, der zwei Zugriemen hatte, die in Verbindung standen, so daß immer der eine in die Höhe stieg, wenn der andere sich senkte. In einen dieser Eimer setzte sich der schlaue Fuchs. Warum setzest du dich in diesen Enner hinein, srug ganz erstaunt der Wolf. Hast du denn keine Augen, eutgeguele der Fuchs, siehst du nicht den Leib Käse, der da nuten am Boden liegt? Setze dich nur in den anderen Eimer und wir werden bald den Käse haben und dn wirst dich sättigen können. Der beschränkte Wolf, der eben den Vollmond, der sich im Wasser abspiegelte, für einen Leib Käse hielt, tat so wie der Freund Fuchs ihm befohlen. Als der Wolf schon im Eimer saß, sagte der fromme, bibelfeste Fuchs, so ists ganz recht, denn in der heiligen Schrift wird richtiges Maß nnd richtige Wage geboten. Es war aber keine richtige Wage, denn der dicke, schwerfällige Wolf senkte den Eimer herab, während der leichte, dürre Fuchs, als er in die Höhe kam, sofort hinansspraug nnd sich ins Fäustchen lachte. Wie aber, schrie der Wolf, werde ich da hinauskommen? Nun hatte der fromme Fuchs wieder ein Bibelwort in Bereitschaft: „Der Fromme wird ans jeder Gefahr gerettet nnd der Bösewicht kommt au seine Stelle." (Spr. Sal. 11.) Welch eine Fülle von Gedanken enthält diese Legende. Die russischen, serbischen und montenegrinischen Wölfe, die während dieses Weltkrieges sich als gefährliche Bestien benommen und furchtbare Greueltaten scheußlichster Art verübt haben, sind bei weitem nicht so gefährlich, als die hochkultivierten - englischen, französischen, italienischen nnd — amerikanischen Fuchse. Sie haben alle Völkerrechte verletzt, sind wortnnd eidbrüchig geworden, um nur das Deutsche Reich und die Monarchie aus Neid, Haß und Habsucht vernichten zu können. Besonders getadelt zu werden verdient das Vorgehen des neutralen Amerika. Um Hunderte Millionen verdienen zu können, 'haben die liberalen Herren Amerikas unsere Feinde mit Mordwaffen reichlich versorgt. Es hat ihnen, den Feinden, wenig genützt, wie das Prophetenwort lautet: .„Jede Mordwaffe, die gegen dich geschmiedet wird, wird wirkungslos bleiben" und die amerikanischen Waffenfabrikanten sind um die hunderte Millionen, die sie bei diesem Mordgeschäfte verdienten, auch nicht zu beneiden, denn an jedem verdienten Heller, den sie verdienten, klebt Menichenblnt. Der Krieg hätte langst schon ein Ende gehabt, wenn Amerika als neutraler Staat unparteiisch gehandelt haben würde. „Groß ist der Hirte", er wird weiter helfen. Dr. Fr. Paritätische Kehandlrmg der Inden in der neuen städtischen Selbstverwaltung Russisch-Polens. Wie bekannt, werden jetzt nach der neuen „Städteordnung" für die unter deutscher Verwaltung stehenden Gebietsteile Russisch-Polens die Mitglieder des Magistrats (Schöffen) nnd des Stadtverordnetenkolleginms bei der erstmaligen Bildung ernannt. In Lodz. Pabianice, Wielnn und vielen anderen Städten haben die Ernennungen schon stattgesunden. Wir hören aus bester Quelle, daß die jüdische Bevölkerung ihrer Stärke gemäß neben den anderen Nationalitäten bei der Bildung der städtischen Selbstverwaltungskörperschasten voll und ganz berücksichtigt wird. So sind in Lodz unter den zehn Schöffen drei Juden vertreten, nämlich die Herren Bankier Stanislaus Jarocinski, Fabriksbesitzer Bielszowski und Kaufmann Sergius Hoffmann. Unter 36 Stadtverordneten befinden sich 13 Juden. In Pabianice wurden zu Schöffen drei Densche, zwei Polen und ein Jude ernannt. Die 33 Stadtverordneten sind, wie wir hören, durch 12 Deutsche, 7 Polen und 4 Inden vertreten. In Wielnn befinden sich unter den Schöffen vier Deutsche, 4 Inden und vier Polen. Kiblisches Drama eines Kier verliandes. (Kriegsbetrachtnng 1915.) Bon Dr. D. Leimdörfer, Hamburg. Biblische Dramen gibt es nickt, aber dramatische Schilderungen erschütternder Ereignisse im Leben der Menschen und Völker, Erzählungen von gemnlüberwälti» genden Katastrophen, wie sie lebendiger nnd anschaulicher kein Tragödiendichter zu schildern vermag, enthalt das der* vorragendste Werk der Weltliteratur: das Bnck der Bücher in Fülle. Unsere tiefbewegte Zeit bietet tragische Schauspiele von ungeahnter Tragweite, und seitdem Goethe des Lebens wechselvolle Spiele wie alle Ereignisse und Erlebnisse „Gleichnisse" nannte, sucht der prüsende Intellekt für die aktuellen Geschehnisse des Tages nach Gleichnissen im Urbuche der Erziehung des Menschengeschlechtes, und diese Suche ist lohnend. Als im zehnten Kriegsmonale die Welt das unglaubliche Schauspiel erlebt hat von dem schmählichsten Tr eub uch in der en s ch enge s ch i ch t e, saß ich in meinem Studierzimmer verbitten, brütend nnd sinnend über das so oft zitierte, ja abgebrauchte Wort Ben Akibas: „Alles einmal dagewesen" und fragte die vier Wände, nein die Bücher um sie, ob ein Gleichnis in ihnen sich vorfände für diese unglaubliche Ueoerraschnng, die die Orangenblütenheimat auf dem europäischen Festlande aller Welt bereitet hat. Siehe, da fiel mein Auge auf das letzte Kapitel der Weissagungen des von Renan einst als Prediger der Zukunftsreligion bezeichneten Propheten Jesaias. Dort heißt es: Stimme des Aufruhrs von der Stad t, Stimme von Tempel, Stimme des ewigen Gottes, der Vergeltung übt an seinen Feinden. Des Aufruhrs Stimme drang zu nuferen Ohren von der S t a d t. die man die ewige nennt, von Rom. Zugleich aber — gleichsam sänftigend das betäubende Echo — drang eine andere, verföhnendere Stimme au die Pforte des beunruhigt pochenden Herzens: die vom Tempel, die von dem Gotte, der in seiner Allgerechtigkeit Vergeltung zu üben versprach — seinen Widersachern. Den Tempel der Friedenschöre dnrchhallt die Stimme der vergeltenden Gottheit, die die Liebe liebt und den Haß haßt, und mehr als den Haß die falsche, trügerische, heuchlerische Liebe, die den Eid bricht und heilige, geeinte Bruderbünde heimtückisch zerreißt. Ist solches denn möglich? Wenn nicht nur möglich, wenn sogar wirklich, ist es beispiellos? Nun. ein Analogon kennt die Bibel. Man lese aufmerksam das vierte - Buch Moses, Kapitel 16, das von dem Aufruhr eines dem Stamme Mosis, dem Levitenstamme zugehörigen, durch Berwandtschaftsbande dem Hohenpriester Nächsten, Korah, berichtet. , Es ist, als ob sich ein Drama in fünf Akten vor unseren Augen abspielte. Im ersten erscheinen die Personen mit ihren Namen. Ein V i e r v e r b a n d steht vor uns: Korah, Dathan. Abiram und Ore. Der erstgenannte Hanptheld, früher wie alle aus Levis Hause treu zu den zwei führenden Geistern Moses und Ahrou haltend, verbündet sich mit drei unzufriedenen, einflußreichen, volkstümlichen Männern aus einem anderen Stamme in der Wüste Sinai, die neidisch und scheelsüchtig ans die Größe und Würde der genannten zwei Führer blickten, die ihren Stamm (Rüben) hintangesetzt wähnten. Neid und Eifersucht ist die Triebfeder ihrer Gegnerschaft. Diesen drei feindseligen Mächten schließt sich der L e v i t K o r a h an, um mit ihrer Hilfe als vierter im Bunde, selbstische, ehr- und ruhmsüchtige Pläne schmiedend und rein egoistische Ziele erstrebend, die Flamme des A u f r u h r s und der Empörung anzusachen und zu schüren.