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Die Wahrheit · 1915-07-23 · Heft 27 (23.7.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 27 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 27. Uerschiedene Nachrichten. Wie«. Der k. u. k. Oberarzt Herr Dr. Isidor L. B r a u u wurde vom Kaiser durch Berte,hnng der silbernen Medaille vom Roten Kreuz und mit einem Ehrendiplom ausgezeichnet. Dr. Braun erfrent fich wegen seines menschenfreundlichen und uneigennützigen Wirkens allgemeiner Sympathie. Wie«. (KaiserFrauz Jole f I.-H uld i g ang s tem P el, Wien, II., Pazma nitengasse 6.) Seit einem Jahre »st der Rabdiuatssitz infolge Ablebens des Rabbiners Herrn I. L. A b e l e s unbesetzt. Nachdem der Vorstand des Tempelvereines in der ani 20. April 1815 abgehaltenen Sitzung den Herrn Rabbiner Dr. Salomon Funk in Boskowitz stimmeuemhelllg zum Bereinsrabbin«'r gewählt und berufen hatte, findet am Freitag, den 23. Jnli 1915 (Schabbos Nachmu) bei dem um 7 Uhr abends abzuhaltenden Abendgottesdienste die feierliche Einführung statt. Samstag, vor dem Musiaphgebete, hält der installierte Rabbiner Predig:. Wie«. (Jü d i f ch e r S ch ul v er ein für den IX. Bezirk.) Vorige Woche fand die Zeugnisverteilung in feierlicher Weise in Gegenwart des Herrn Schulinspekrors I. Braun und des Bereinsvorftandes statt. Herr Josef Broun hielt eine zum Herzen gehende Ansprache an die Kinder und erklärte sich mit den Lehrersolgen, die Heuer unter besonderen Schwierigkeiten erzielt wurden, besonders befriedigt und drückte dem Vorstände und dem Lehrkörper besonderen Dank aus. Hernach hielt Herr Lehrer Müller eine tiefempfundene Ansprache. Zum Schlusie wurde eine solenne Huldigung Sr. Majestät unserem allverehrten Kaiser dargebracht, die Volkshymne und andere patriotische Lieder von allen Anwesenden gesungen. Wie«. Unter zahlreicher Beteiligung fand am 22. d. M. das Leichenbegängnis der Frau Sofie R u s s o. Gattin des Herrn Alfred M. R u s s o, einzige Tochter der bekannten Philantrovin Frau Anika B e u v e u r st i, statt. Die Verblichene war eine hochgebildete vornehme Dame, welche die besten Eigenschaften in sich trug und dadurch in allen Kreisen große Verehrung geuoß. Die kautorale Funktion versah Oberkanror Bauer, Rabbiner P a p o und Dr. K u r a n d a widmete der edlen Dahingeschiedeueu warmempfundene Nachrufe. Wie«. Anläßlich der Wiedereroberung Lembergs hat die zu Ende des Schuljahres siattgehabte Vollversammlung der Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeiude an Seine Majestät ein Huldigungstelegramm gerichtet, auf welches nachfolgende telegrafische Antwort eiugelangt ist: Herrn k. k. Professor Moriz K a n i tz. Seine k. und k. Apostolische Majestät danken den Religiouslehrern der Wiener israelitischen Kultusgemeiude huldvollst für die zur Wiedererobernng Lembergs dargebrachten treuen Segenswünsche. Auf Allerhöchsten Befehl: Freiherr von S ch i e ß l. Wie». Am 19. Juli hat der Verein zur Errichtung israelitischer Volksküchen über Anregung der verdienstvollen Leiterin der Volksküchen, Frau Hermine K a d i s ch, welche mit Schmerz seit Kriegsbeginn wahrnehmeu mußte, wie sich imuler mehr Mittelstandskreise in die Volksküchen drängen, eine überaus ersprießliche Mittelstandsa u s s p e i s u n g für Angehörige des kaufmännischen Berufes und anderer Mittel st andskreise in dem schönen und ausgezeichnet gelegenen Lokale I., Franz Josefs Quai 47, Ecke Heiurichsgafse eröffnet. Ein gut zubereitetes und elegant serviertes Mittagmahl kostet daselbst 1 Krone (Suppe, Fleisch mit Zutat, Mehlspeise und Brot, ohne Mehlspeise 80 Heller). Die Mahlzeiten können nur gegen Wochenabonnements verabreicht werden. Wenn die Unternehmung glückt, am ersten Tage fanden sich über hundert Gäste ein, so will der Volkskücheuverein ähnliche Mittelstandsausspeisungen, gleichfalls streng rituell, in allen Bezirken eröffnen und über Kriegs- Lauer hinaus belaffen. Bei der Eröffnung hatten sich Polizeirat P o l d t, Bezirksrat Back, der eine rührende Ansprache hielt, Kultusvorstand Steiner, Direktor Bruno K a h a n e und Frau, Dr. Moriz L ö w y von der Zentralstelle für jüdisches Armenwesen, vom Vorstand des Vereines Architekt Wilhelm Fraeukel, Dr. G r ü n w a l d, Ehepaar Kadi sch, Frau Klothilde Benedikt und Dr. Arnold Hildesheim e r eittgefnuden. Welche alle tatkräftig mitbedienten und die Gäste empfingen. Diese neue Unternehmung, die e r st e r i t u e l l e Mi tt elst a » d s a us sp e is n n g Wiens, verdient die größte Förderung von Seiten humaner Chefs, sowie gewerblicher und kaufmännischer Vereine und ist geeignet, die so gefährliche Kriegsuntereruährung in weiten und arbeitsamen Kreisen zu bekämpfen und Wohlstand und Gesundheit dauernd zu befördern. Eg er. Sonntag den 11. Juli um V2 3 Uhr nachmittags fand die Beerdigung des Herrn Leopold Heller, Mitchefs der Firma Heller und Rosenberger und Ausschußmitgliedes der israelitischen Kultusgemeinde in Eger statt. Eure überaus große Tranergemeinde, voran eine Abteilung der freiwillige» Feuerwehr Eger, folgte dem Sarge bis auf den israelitischen Friedhof. Am Grabe sprach Se. Ehrwürden Herr Spitzer aus Franzensbad. Er rühmte in beredten Worten des biederen Sinn, das anspruchslose Wesen und die ivohltätige Art des Dahingeschiedenen, der sich durch rastlose, aber ehrliche Tätigkeit zu Wohlstand und Ansehen eurporarbenete. Die Rede machte aus die Zuhörer einen tiefeil Eindruck. — Der Verstorbene war eine urwüchsige Egerländer Gestalt, weithin bekannt und beliebt, im ganzen Egerlande. Besonders in ländlichen Kreisen machte er sich durch seine Jovialilät und durch seine Schnurren und Schwänke sehr beliebt. Er war ein Landsmann des vor kurzem verstorbenen Dr. Hönig, denn er stammte gleich diesem aus Kirchenbirk. — Am gleichen Tage vormittags fand auch im Tempel ein feierlicher Gottesdienst für die Soldaten mosaischer Konfession, die in großer Zahl erschienen waren, statt, in dessen Verlauf Herr Oberkantor Armin Wilkowitsch an die Mannschaft eine vom patriotischen Geiste durchwehte Ansprache hielt. Der Tempel war wohl seit seines Bestehens noch nie von so viel Soldaten gefüllt, wie es an diesem Tage der Fall war. Nach beendetem Gottesdienste in den drei Gotteshäusern fand bei der Laudwehrkaserne vor Offizieren die Defilierung des Bataillons statt,, die bei den zahlreich vom Lande hereingekommenen, bei der Kaserne stehenden Zuschauern großes Aufsehen erregte. — An den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Eger traf im Wege der k. k. Bezirkshauvtmaiinschaft Eger die Mitteilung ein, daß >m Allerhöchsten Anflrage seiner k. k. Apostolischen Majestät für die anläßlich der Wiedereroberung von Lemberg durch den Herrn Kultnsvorsteher Eduard Löwy uamens der im Bereiche der Kultusgememde sich aufhaltenden Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina im telegraphischen Wege zum Ausdrucke gebrachte huldigende Loyalitätskundgebung der Allerhöchste Dank bekanntzugeben ist. Literatur. Beiträye zur Wissenschaft des Judentums. Von Dr. Simon Friedman n, Rabbiner der Synagogengemeinde Lublinitz. Breslau^ Köbnerische Verlagsbuchhandlung. 1913. 71 S. Neue und alte Beiträge zur Geschichte, Literatur und Religion des Judentums legt uns der Verfasser in schlichter, einfacher Form ohne großen Apparat vor. Und wir freuen uns dieser Beiträge herzlich^ denn sie sind die Ergebnisse des Nachdenkens eines freien Kopfes, der im Laufe vieler Jahre eine schwere Fülle von Gelehrsamkeit anfgenommen und gesichtet hat. Wenn wir auch nicht mit allen Resultaten einverstanden sind, kann mau jeder Einzelnntersuchung wissenschaftlichen Wert zusprechen. Ich nehme einen der kleinsten Beiträge unter dem Titel „INI". Das ist das symbolische Wort, das nach Snkk. 45 a ausgernfen wurde. Die alten Kommentatoren sind über die Bedeutung, nicht klar. Friedmann vermutet darin gemäß dem in den Elesantine- Papyri gefundenen Gottesnamen „Jabo" ein „Wabo". Das ist durchaus nicht unmöglich, da das Rätselworr sicher einen Gottesanrnf bedeutet. Das ist doch unbedingt eine feine Entdeckung, auchgvenn sie anfechtbar ist. In jedem Falle aber ist es erquickend zn sehen, wie der alterfahrene Rabbiner sich mit den modernsten Sachen auseinandersetzt. Ebenso ist die Distinktion zwischen Agrippa I und II im Talmnd und im Josefus. Der. kleine Midrasch Nistarok di R. Simon ben Jochai (Jellinek Beth-Häm. III, 78) erfährt kritische Beleuchtung und Textsäuberuug. Der Verfasser benützt die Gelegenheit an Abu-Jsa knüpfend über den modernen Zionismus zu sprechen und zu Einigkeit zu ermahnen. Das weltbekannte und weitüberschätzte Gebetstück sph ruföl,, in unserem Ritus geradezu ein Schau- und Schanerstück, wird auf Kolonymus aus Mainz znrückgeführt, der das Stück verfaßt hat streng davon zn trennen ist die Amnou-Sage. Der Name Amno» stammt wie Kolonymus aus Italien. In der Abhandlung über den „Hohepriester" ist die Tendenz schön und wahr, daß im Judentume die Priesterwürde nur Männern sittlicher Größe verliehen wurde und wenn nicht, dann wurde sie auch durchaus verachtet. Der Appell an die Frauen ist reizend. Rein historisch ist die Abhandlung über Rabbi und Raw. Der mannigfaltige Inhalt des Buches ist aus dem Wenigen hier Angeführten ersichtlich. Die anderen Kapitel handeln über den Namen des Schwiegervater Moses, eine sehr geistreiche Untersuchung, die Zeit des Buches Joel, das Buch Esther, die Sage vom Oelkrüglein, Pirke Aboth, Zins und Wucher im Judentum; auch dem Andenken feines Großvaters Rabbi Simon Lewy widmet der Verfasser einige Abschnitte^ Und das ganze ist geziert durch das Porträt des Autors, ans dem uns das liebe freundliche Antlitz des hochgelehrten, ehrwürdigen Rabbiners entgegenblickt. Feuchtwang. Oesterr - »ttgitv. KnutorenUerein. Die Vereinsmitglieder werden dringendst ersucht, die restlichen Vereinsbeiträge an den Kassier, Erster Kantor S. Jurberger. II. Tempelgasse 3, zn senden. Anmeldungen und Zuschriften sind an den Präsidenten, Oberkantor Jakob Bauer. H., Novaragasse 27, zu richten. Austritte ans dem Judentum. Ehrmann Walter, Handelsakademiker, geb. 14. Januar 1900 in Wien. VH., Kaiserstraße 76. Fischler Charlotte, Universitätshöreriu, geb. 30. November 1894 in Przemysl. VII., Zieglergaffe 29. S p > e l m a n n Berta. Hilfsarbeiterin, geb. 10. November 1889 in Bagujhely. VH, Laudongasse 71. Schnabel Nura geb. Mauthner, geb. 11. August 1887 in Budapest. XIII., Leopold Müllergasse 5. Schnabel Veronika, ged. 1. November 1908 in Budapest. XIII., Leopold Müllergaffe 5. Schnabel Doris, geb. 7. September 1913. in Wien. XIII., Leopold Müllergaffe 5. Haliczer Luzie, Privat, geb. 14. Februar 1887 in Warschau/ IX., Bindergasse 8.

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