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Die Wahrheit · 1915-07-23 · Heft 27 (23.7.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 27 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27. Die Wahrheit. Seite 7 -schon in alter Zeit als Symbol der Dummheit und gerade ans dem Stamme Jßechar waren die weisesten und gelehrtesten Männer, „die Zeitenkundigen", Astronomen hervorgegangen. Möglich anch, daß der Midrasch wegen der späteren Schmähung der griechischen Judenfeinde, daß Antioches ^Epiphanes bei der Betretung des Allerheiligsten dort einen steinernen Mann ans einem solchen Esel sitzend gefunden habe und daß die Inden einen Eselskops verehren, keinen Esel als Abbildung ans eine Stammesfahne setzen wollte. Sebulums Fahne war weiß und hatte als Wappenbild mit Beziehung ans Genesis 49. 13, ein Schiff; Dauns Fahne war saphirfarben und hatte, mit Beziehung auf Genesis 49. 17, eine Schlange als Bild; Gad: Fahne schwarz und weiß gemischt (gesprenkelt) und mit Beziehung ans Genesis 49, 19, ein Heereslager im Bild; Naphtali, Farbe hellrot, mit dem Bilde einer Hindin (Genes. 49. 21); Ascher: hellglänzend, wie der Janschischstein mit dem die Frauen sich schmücken, mit dem Bilde eines Oelbanmes (Genes. 49, 20); Josefs Fahne: tiefschwarz, worauf Esraim, Menasse und Mizraim eingezeichuet waren, weil diese in letzterem Lande geboren wurden; überdies hatte auch jeder von diesen beiden eine Fahne, elfterer mit dem Bilde eines Stieres, letzterer mit dem Bilde des Reem (Büffel), mit Bezug auf Deuteronom. 33, 17; endlich Beujamiu: eine Zusammensetzung aller zwölf Farben der anderen Stämme, mit dem Bilde eines Wolfes, mit Beziehung aus Genesis 49, 27. Nach ben meisten Versionen und Kommentatoren waren die zwölf Edelsteine der Neihe nach: Karfunkel (Karniol, Rubin, Sarder), Topas, Smaragd, Granat, Saphir, Beryll, Opal (Hyacinth). Achat, Amethyst, Chrisolith, Onyx. Jaspis. Ob die Farben der genannten Steine mit den vom Midrasch angegebenen Fahnenfarben übereinstimmen, mögen die Edelsteinknndigen untersuchen und beurteilen. M. Stark. Die Hilfsaktion für Palästina. Die Hilfsaktion für Palästina hat bald nach Beginn des Krieges in allen jüdischen Kreisen eingesetzt, weil man Nachrichten empfangen hatte, daß die Unterbindung des Verkehrs und vor allem die Unmöglichkeit, die in den judälscheu Kolonien gepflanzten Orangen und Mandeln abzusetzen, eine Hilfsaktion dringend notwendig gemacht hatte. Inder l e tz t e n Z e i t sind die w i r t s ch östlich e n Aussichten in Palästina wieder sehr traurig geworden, da eine ungeheure Heuschreckenplage die .Kolonien betroffen hat. Drei H eu f ch recke u sch w ä rme sind vom Süden her in die Kolonien eingefallen, einer stärker als der andere. In den jüdischen Kolonien war der Abwehrkampf gegen die Heuschrecken mit aller Energie organisiert worden. Der Leiter der jüdischen Landwirtschaftlichen Versuchsstation, der bekannte Agronom A r o u s o h n , wurde von D j e m a l Pascha, dem türkischen Oberkommandierenden, mit der Leitung des Abwehrkampfes im ganzen Lande betraut. Den neuesten Nachrichten zufolge ist der von den Heuschrecken angerichtete Schaden in einzelnen Kolonteu leider außerordentlich groß. Während man die Heuschrecken und ihre noch gefährlichere Brut mit Erfolg bekämpft hatte, soweit sie direkt i u jüdischen Kolonien ein* gefallen waren — es waren z. B. alle Schüler der jüdischen Schulen in die Kolonien gezogen, um zu helfen — konnte man ihrer schon nicht Herr werden, als sie aus den arabis ch e n Dörfern gegen die jüdischen Kolonien zogen. Die Araber hatten nämlich ihrerseits die notwendigen Maßregeln zur Bekämpfung der Heuschreckenplage trotz der Aufforderungen hierzu nicht dnrchgesührt. so daß aus den arabischen Dörfern ungeheure Mengen der flügellosen Heuschrecken in die jüdischen Pflanzungen einbracheu. So ist auch ein großer Teil der diesjährigen Ernte vernichtet und die durch die Unterbindung des Verkehrs entstandene wirtschaftliche Not ist wieder verstärkt worden. Um so notwendiger ist es, daß die Hilfsaktion für Palästina, die die jüdischen Organisationen eingeleitet -haben, weiter mit Eifer dnrchgesührt werde. In Deutschland haben sich die verschiedenen' in Palästina arbeitenden jüdischen Organisationen zu einem gemeinsamen Hilfswerk für Palästina zusammengefchlossen, so n. a. der Verein Bezalel, der Verein ..Esra", der »Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina", die „Gesellschaft für P a l ü st i n a f o r s ch u n g". die Z i o u i - stische Vereinigung für Deutschland usw. Gleich nach Beginn der Aktion wurden 20.000 Mark nach Palästina überwiesen. In den nächsten Tagen erscheint in der allgemeinen Presse der Ausweis über die bisher eiugegangene Summe von 40 000 Mark. Weitere Spenden werden erbeten an das H i l f s w e r k für Palästina, Berlin W. 15. Postscheckkonto Berlin 4192. _ Gingesendet. Schon oft wurde Joel Bril von jüdischen Artikelschreibeu zum Kantor der jüdischen Gemeinde Berlin gestempelt. Die Berliner Gemeinde hat niemals einen Kantor Joel Bril gehabt. Die Amtsbezeichnung, die Joel Bril in der letzten Zeit beigelegt wird, beruht auf einem literarischen Mißverständnis. welches ich mir aufzuklären erlaube. Joel Bril (nicht Brühl) lebte in den Jahren 1785—91 in Berlin und gehörte zu den jüngsten Schülern Moses Mendel'ohns. Joel Bril war von Berns Theologe und kein musikalisch gebildeter Kantor. Er schrieb einen hebräischen KommenMr zu den von M. Mendelsohn ins Deutsche übersetzten Psalmen lind nannte diese Ausgabe: bmvr nrrai iso Der Titel dieser Ausgaben läßt für den, der das Buch nicht gesehen hat, ein Synagogeu-Gesangswerk vermuten. Dieses ist aber nicht der Fall. So dürfte es von literar-historischem Interesse sein, den vollständigeu Titel des erwähnten Buches hier iviederzugeben. Er lautet: 2"8.in 122 8*712 nr-war iso VT bV 1K12D1 8'St BH30 J2 NDQ 121 21.10 11821 "T32®8. 212171 2V ^i»’12 8&T’ Für dieses V8121 tutot 122, welches 1785 im Verlage der jüdischen Freischute in Beitin erschien, hat später, 1791, Joel Bril eine Vorrede in b; ei Teilen, über die hebräische Sprache über die Entwicklung des Gesanges von Jubal bis Salomo und über die Justrilmente im Tempel, versaßt. Mit diesem kurzen literarischen Hinweis wird jetzt hoffentlich niemand mehr Joel Bril als Kantor bezeichuen. In der Zeit, wo Joel Bril (auch Löwe genannt nach seinem Vater m« p) in Berlin lebte, war Aron Beer bei der Berliner jüdischen Gemeinde „erster Vorsänger", was ans meiner „Denkschrift". die ich anläßlich des 200 jährigen Bestehens (1914) der hiesigen „Alten Syiragoge" versaßt habe, zu ersehen ist. Aron F r i e d m a n n Kgl. Musikdirekror, Oberkanror der jüdische» Gemeinde, Berlin. Gin Aufruf um Tefillin Frankfurt a. M., den 5. Juli 1915. Aus dem Büro der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: Angesichts der berschenden Tefillinnot haben wir im Januar 1915 um Ueberlassnng aller für den Besitzer entbehrlicher Tefillin zur Befriedigung des starken Bedarfes an solchen in Kriegsgefangenenlager und in den galizischen Flüchtlingszentren gebeten. Der Erfolg unserer Bitte war befriedigend und wir konnten hunderten von Gesuchen entsprechen, nachdem wir die eingegaugenen Tefillin einzeln hatten prüfen und zum Teil reparieren lassen. Der Vorrat ist indessen jetzt völlig vergriffen, während sich die Gesuche foivohl von Seiten russisch-jüdischer Kriegsgefangener als aus den kleinen Orten Böhmens und Mährens, in denen sich galizische Flüchtlinge aufhalteu, von Tag zu Tag mehren. Es ergeht daher die dringende Bitte an jeden, der entbehrliche Tefillin zur Verfügung hat, diese unserem Büro, Schützeustraße 14, so rasch ivie möglich zur Verfügung stellen zu wollen.

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