Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 27 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063862-3063889--09686-3076959- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Seite 6 Die Wahrheit Nr. 27. dürfte jetzt ebenfalls die Ueberzeugung gewonnen haben, daß er sich gewaltig geirrt, getäuscht habe. Seit fast einem Jahre dauert schon die Völkerschlacht und die Massenheere der Ententemächte sind trotz des zähen Widerstandes, den sie den Gegnern hartnäckig entgegengestellt hatten, nicht nur nicht vorwärtsgekommen, sondern fast überall zurückgedräugt und furchtbar geschlagen worden. Die Stellung des Kriegsministers Millerand ist erschüttert und ^große Bestürzung und Unzn-- friedeuheit herrscht im ganzen Lande. Mehr als alle die hier erwähnten Diplomaten der Ententemächte hat der italienische Ministerpräsident Salandra sich geirrt, getäuscht, für ewige Zeiten blamiert und seinen zur Wortbrüchigkeit verleiteten König komprimittiert. Der überkluge Salandra hat eben in seiner Verblendung übersehen, daß er einem Gegner den Krieg erklären ließ, der gleich dem Salamander, trn:iabD dem Feuer lange Zeit standhalten und aus demselben unversehrt, siegreich hervorgeheu kann. (Vgl. Chag. 27, Raschi zur Stelle.) '_ Dr. Fr. Die österreichische» Zionisten an den Statthalter von Galizien. Das Exekutivkomitee der westösterreichischen, galizischen und Bukowinaer Zionisten hat au den neuen Statthalter von Galiz en, General der Infanterie v. C o l a r d, folgendes Begrüßungsschreiben abgesendet. »Eure Exzellenz! Die gefertigte Vertretung der Zionisten Westösterreichs, Galiziens und der Bukowina erlaubt sich, Eurer Exzellenz aus Anlaß der Ernennung zum Statthalter von Galizien aufs ehrerbietigste zu begrüßen und Eurer Exzellenz den glücklichsten Erfolg bei der Ausübung des überaus wichtigen und schweren Amtes herzlichst zn wünschen. Die von unserem gerechten und gütigen Monarchen getroffene Wahl erfüllt die gefertigte Repräsentanz der nationalen Judeuschaft mit dem Vertrauen, daß die Geschicke des vielgeprüften . Kronlandes Galizien im Sinne strengster Gerechilgkeit und verständnisnisvollem Wohlwollens allen Bevölkerungskreisen und auch dem jüdischen Volksstamme gegenüber geleitet werden. Ein glückliches Galizien im untrennbaren Gefüge eines starken Oesterreich ist das Ziel aller wahrhaft patriotischen Hoffnungen, daher auch der Wünsche der uatioualgesinnten Judenschaft in Galizien. Bei der Arbeit zur Erreichung dieses hehren Zieles werden Eure Exzellenz der willigsten und opferfreudigsten Mithilfe der national organisierten Judeuschaft Oesterreichs und insbefondere Galiziens sicher sein." Kiene« im Kriegsdienst. In einer unter diesem Titel kürzlich im „Prager Tagblatt" erschienenen Notiz habe ich darauf hingewiesen, daß Bienen (Wespen, Hornisse) schon in den Kämpfen der Israeliten * bei der Eroberung Palästinas mitgewirkt haben. Sowohl im Exodus 23, 28, als auch im Deuteronomium 7, 20 wird dem Volke von Gott verheißen, daß er Schwärme von Hornissen gegen die Feinde der israelitischen Krieger loslassen werde, welche diese in Verwirrung bringen und selbst jene, welche sich vor den Israeliten versteckt, aus ihren Verstecken hinaustreiben werden. Und im Buche Josua 24, 12 bezeugt Josua der Eroberer des Landes, daß es tatsächlich so geschehen ist. Im Talmud (Sora 36a) wird bemerkt, daß auch schon bei der Eroberung des Ostjordanlaudes unter Moses Hornisse mitgewirkt haben. Nach einem Kriegsbericht des Midrasch- Rabbah (Numeri c 22) wären selbst die Luftkämpfe im gegenwärtigen Weltkriege nicht etwas ganz Neues, noch nie Dagewesenes. Dort wird nämlich bemerkt, daß im Kriege Israels gegen Midian, zu dem der Wahrsager und Zauberer Bileam die Veranlassung gegeben hatte, die fünf Fürsten und Heeresführer der Midianiten durch Zaubereien BileamS, der 1 am Kriege teilgeuommen, sich in die Luft erhoben und stiegen konnten, um aus der Höhe den Kampf zu leiten, oder gar Geschosse auf die Israeliten niederznwerfen. Aber deren Führer, der Priester Pineas, haben den fliegenden midianitiichen Fürsten den heiligen Gottesnamen auf dem Golddiadem des Hohenpriesters gezeigt, dadurch habe der Zauber Bileams seine Kraft verloren, die Fürsten stürzten aus ihrer Höhe auf die Erde herab und blieben tot liegen. Diese Bemerkung des Midrasch ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, sondern stützt sich auf die betreffenden biblischen Kriegsberichte, in Numeri. 31, 8 und Josua 13, 22. Luftschlösser haben, die Menschen seit jeher gebaut, aber diese zerstießen gewöhnlich in nichts; das Luftschiff und der Lnftkampf hingegen sind zur realen.Wirklichkeit geworden. Von einem Turm, der in der Luft fliegt, wird schon im Talmud gesprochen. Die feindlichen Pläae gegen Oesterreich und Deutschland werden sich jedoch zuversichtlich als in nichts zerfließende Luftschlösser erweisen. Hoffentlich in nicht zu langer Zeit mehr! Diesem im „Prager Tagblatt" vom 13. d. M. erschienenen Artikel füge ich in diesem geschätzten Blatte noch folgende Ergänzung bei. Auch die seit Jahrhunderten, ja seit Jahrtausenden in den Kriegsheereti aller Staaten bestehende Einrichtuug, Fahnen und Wappen zu führen, die das Palladium des Heeres bilden, dessen Ehre und Ruhm ansmachen und deren Verlust im Kampfe Schande und Schmach bedeuten und zu deren Schutz und Bewachung vor feindlicher Wegnahme jeder Krieger bereit ist, tausendfach sein Leben hinzugeben, ist nicht allein altisraelitischen Ursprungs, sondern ist auch von ben Israeliten zu den nachherigen Völkern gekommen. Wenigstens ist letzteres die Behauptung des Midrasch-Nabbah-Bamidbar o. 2, der merkwürdigerweise sagt: mehem lomduli hamalciius lihejos aussin mappuh wezewe lechol mappuh umappuk. Mir ist nicht bekannt, daß sonst noch im talmudischen und midraschischen Schrifttum eine derartige Hinweisung sich finden würde, obgleich außer den Fahnen noch vieles andere, was von Israel stammt, bei den Völkern Eingang gefunden. Auf ihrem Zuge durch die Wüste sehen wir schon die Israeliten ganz militärisch organisiert. Ja, schon bei ihrem Auszüge ans Aegypten wird bemerkt: Bewaffnet zogen die Kinder Israels aus dem Lande Mizraim. In der Wüste wurden die zwölf Stämme in vier große Heereslager geteilt; je drei Stämme bildeten ein solches. Inda, Rüben. Efraim und Dan waren die führenden Stämme, nach denen auch die vier Hanptfahnen benannt sind, wie dies alles in Nnmmeri o. 2 ausführlich berichtet wird. Es hatte aber außerdem auch jeder einzelne Stamm seine Fahne , mit einem Wappen darauf. Welche Farbe diese Fahnen und welche Gestalt die Wappenbilder hatten, darüber belehrt uns die schon bezeichnete Midraschstelle. Die Farben entsprachen der Farbe des Edelsteines des betreffenden Stammes auf dem Brustschilde des Hohenpriesters. Um die Farben dieser zwölf bei der Beschreibung des Brustschjldes von der Thora genannten Edelsteine bestimmen zn können, müßte man vor allem sicher wissen, welche Steine gemeint sind, was keineswegs der Fall ist, wenn auch Septuaginta und Vulgata und nach ihnen die späteren Uebersetzer und Kommentatoren die hebräischen Namen der Edelsteine, von welchen viele auch M Ezechiel c. 28 und Job o. 28 genannt werden, übersetzen. Selbst die Angaben in dem großen Werke: Os vsstübu sacerdotum, hebräisch, von Braun, auf welches Gesenins mehrmals hinweist, können nur als Vermutungen angesehen werden. Nach dem bezeichneken Midrasch war die Fahne Rubens von roter Farbe, worauf mit Beziehung auf Genesis o. 30, 14 Dudoim (Alraun, Liebesäpfel) abgebildet waren; Simons Farbe war grün mit dem Bilde der Stadt Sichem, mit Beziehung auf Genesis c. 34, 25, 26; Lewis Fahne war dreifarbig: weiß, schwarz und rot und trug als Abbildung die Urim und Tumim; Judas Fahne ivar himmelblau und trug als Bild einen Löwen; Jßechars Farbe war schwarz (dunkelblau wie Augenschminke), worauf Sonne und Mond mit Beziehung auf Chronik I o. 12, abgebildet waren., Eigentlich hätte man auf Grund von Genesis 49, 14, einen Esel als Wappeubild erwarten sollen; allein der Esel galt