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Die Wahrheit · 1915-07-23 · Heft 27 (23.7.1915) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 27 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27. Die Wahrheit Seite 5. ziehenden Karawanen zn verproviantieren. Doch diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Nicht etwa deshalb weil die Zufuhren dem, massenhaften Zuge eines ganzen Volksanfgebotes nicht Genüge leisten konnten, sondern weil die Feinde des jüdischen Volkes sich alle Mühe gaben, jedwede Lebensmittelzufuhr für dasselbe hintanzuhalten und zu vereiteln, (v. M. r. 1. c.) Die Feinde des jungen Israel haben nämlich von dessen feierlichen Auszüge ans Egypten gehört, sie haben mit Entsetzen von dessen glänzendem Siege über Amalek vernommen, dem Kriegsgeübtesten aller damaligen Völker, welches zuerst den Ueberfall und Angriff gewagt auf die im Kriegshandwerk ungeübten jüdischen Volksscharen und gerieten darob in eine solche Panik und in eine solche hysterische Scheu vor der neuausstrebenden Macht und Kraft des jüdischen Volkes, daß sie jede Hoffnung anfgäbeu, sich mit demselben jemals mit Erfolg in offener Feldschlacht messen zu können und ihre einzige Hoffnung, das jüdische Volk dennoch niederringen zu können, auf den neu ersonnenen, heimtückischen Plan einer Aushungerung desselben setzten, welcher bei dem Zuge der jüdischen Volksscharen durch die Wüste den sichersten Erfolg zu bringen versprach. Es war somit derselbe Plan, wie ihn mit teuflischer Rücksichtslosigkeit die Diplomaten und Politiker der Ententestaaten ausgedacht. Jetzt wie damals war es die Erkenntnis der eigenen militärischen Inferiorität, die zu diesem gewissenlosen, allem internationalen Völkerrechte zuwiderlanfenden Kampfmittel führte. Was aber war die Folge? Moses, der gottbegeisterte Führer, verkündete dem verzweifelten Volke, daß vom Himmel ein Brot für sie herabsallen werde, welches so verteilt sein wird, daß ein gleiches Maß auf jeden Kopf eines jeden Haushaltes kommen wird, gleichviel ob jung oder alt, ob Frau oder Mann, ob reich oder arm. Die Einrichtung der Brotkarte tritt uns hier ans den Worten der heiligen Schrift selber in der deutlichsten Weise vor Augen. Ob vielleicht auch den Urhebern der Einrichtung der Brotkarte jene biblische Erzählung als Muster vorgeschwebt hatte, wäre wohl sehr interessant zu erfahren. Ueber den Geschmack des Himmelsbrotes, dem der Name Manna gegeben wurde, berichtet die Tradition, daß es so beschaffen war, daß jedes Alter darin die von ihm gewünschte und begehrte Speiseart fand. Der Greis spürte in ihm das Fett des Oeles, das Kind die Süssigkeit der Milch und die gereiften Erwachsenen den stärkenden Wohlgeschmack des Brotes. Aehnliche Eigenschaften charakterisieren auch unser jetziges Kriegsbrot. Es enthält alle nur vorkommenden Mehlsvrten: Weizen- und Roggenmehl, Maisnnd Gerstenmehl und gewiß noch andere Zutaten, die alle möglichen Geschmackseigentümlichkeiten in sich vereinigen. Wenn es aber trotzdem nicht jene Feinheit ausweist, die dem biblischen Manna nachgerühmt wird, so muß man doch bedenken, daß menschliche Kunst die göttliche wohl nachahmen kann, niemals aber ihr gleichzukommen imstande sein wird. Im übrigen waren ja auch die einstigen Stämme Israels seinerzeit mit dem Manna nicht ganz zufrieden, wie denn deren Klage darüber lautete: „Unsere Seele hat es schon satt dieses gewichtlosen Brotes." (vide Num. cap. 21). Welch Wunder also, wenn auch derzeit die Begeisterung für das Kriegsbrot keine übermäßig große ist. Dagegen aber wird das gegenwärtige Kriegsbrot in einer Beziehung das einstige Manna weit übertreffen; es wird nämlich schon nach kaum vier Monaten außer Gebrauch gesetzt werden, während das Manna in der Wüste 40 Jahre lang gegessen werden mußte; denn so lange hat es gedauert bis das Volk Israel von der Ernte des heiligen Landes zum erstenmal Besitz nehmen konnte. Daß mit dem Segen des Bodens gleichzeitig auch der Segen eines allgemeinen Weltfriedens in nnsere Heimat seinen Einzug halten möge, und kein Volk mehr wider das andere das Schwert erhebe, dies erflehen aufrichtig vom Allgütigen alle wahren Menschenfreunde, an deren Spitze gewiß vor allen anderen Großen der greise Monarch, Kaiser Franz Joses I., der vielbewährte Friedensfürst und Menschenfreund, stehet. Horowitz. Irrlnmcr nnd Cnttänschnngen. Wenn man die Mittel, die die großmäuligen Diplomaten der Ententemächte augewendet haben, um d.ie Welt in Brand zu stecken, näher betrachtet, so wird man nicht bloß über das riesige Netz von Lügen und Jntriguen, von Schlichen und Kniffen, von Verleumdungen und Verdächtigungen, das jahrelang gesponnen wurde, um die russischen, englischen, französischen, italienischen und slavischen Völker gegen die Deutschen, Oesterreicher und Ungarn verhetzen zn können, sondern auch über die großen Fehler und Jrrtümer, die die Maulhelden begangen, so daß sie alle sich jetzt in ihren Erwartnngen bitter getäuscht sehen, in Staunen versetzt. Welch ein schmähliches Fiasko haben Nikolaus-Nikolajewitsch, Edward Grey, Poin'eare und zuletzt Salandra mit ihrer weltverwüstenden Politik gemacht. Nikolajewitsch, der seinen Vetter, den russischen Kaiser, in dem Wahne bestärkt hatte, daß er mit seinen viele Millionen zählenden Armeen in kürzester Zeit Wien, Budapest und Berlin erobern werde, hat vergessen, daß der eigentliche Schlachtenlenker nicht der russische Generalissimus, sondern der Schöpfer und Erhalter des Weltalls sei, gegen dessen Willen kein Stanbgeborner, und wäre er auch der Mächtigste und Gesürchtetste auf Erden, es wagen darf, ungestraft zn handeln: Es ist keiner heilig wie Gott, keiner ein Hort und Fels wie unser Gott! Darum redet nicht so viel stolz, so stolz, es entfahre kein freches Wort eurem Munde, denn Gott, der Allwissende, kennt die Gedanken eurer Herzen, er allein weiß, ob das Wort auf der Zunge mit den Gedanken eurer Herzen in Einklang steht, wie auf der Wage liegt vor ihm des Menschen Tun und Lassen. „Dem Starken bricht der Bogen; Schwächere gürten sich mit Kraft und Mut!" (Samuel 1. B. 1. Kap.) „Dem Könige ist nicht immer geholfen mit einem riesig großen Heere und der Starke reitet sich nicht immer mit seiner großen Kraft. Trüglich ist das Roß zur Hilfe und mit seinem großen Heere rettet er sich nicht. Schau! Gottes Auge ist gerichtet auf die wahrhaft Gottesfürchtige«, die an ihn glauben, auf ihn fest und unerschütterlich vertrauen nsw." (Ps. 33.) Nikolajewitsch aber hat nicht an Gott geglaubt und daher auch nicht auf ihn vertraut, sondern nur ans seine eigene Macht, wie auf die vielen Millionen russischer Soldaten. Welche Erfolge er bis nun erzielt hatte, weiß alle Welt. Die Stellung des russischen Kriegsmiuisters Suchomlinow, von dem man Wundertaten erwartete, ist erschüttert, da man ihn für die Fehler, die der Generalissimus Nikolajewitsch beging, verantwortlich macht, und im russischen Volke herrscht eine tiefe Verstimmung. Der bekannte schlaue Intrigant Edward Grey, der seine leichtgläubigen Engländer, die sich in Friedeuszeiteu wie kaum ein anderes Volk von Landstreichern und Hochstaplern auf die leichteste Weise dirigieren lassen, zu verhetze» und sie für die Zertrümmerung des Deutschen Reiches und der Monarchie zn gewinnen verstand, dieser kalte, frostige, herzlose Menschenhasser hat angeblich eines Augenleidens, oder richtiger, eines bösen Auges halber, für einige Zeit (?) einen Urlaub nehmen müssen. Ja die Folgen eines bösen Auges sind immer traurigster Arr. Ein berühmter Lehrer der talmudischen Zeit, R. Josna, sagte: „Ein böses Auge, unbezähmbare Genußsucht, Leidenschaftlichkeit und Menschenhaß. sinos haberios, führen den Menschen zur Vernichtung (Abot 2. 11.) Der Präsident der französischen Republik, Poincars, der mit Bestimmtheit behauptete, daß es Frankreich mir Hilfe der russischen „Dampfwalze" und der englischen Seemacht, die bis vor kurzem als die größte, unbesiegbarste Seemacht der Welt galt, gelingen werde, Elsaß-Lothringen 'zurückzuerobern und noch sonstige Landstriche zu erbeuten.

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