Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 26 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 26. Die Wahrheit Seite 9. IL Pazmanitengaffe 6, beim Hauptgottesdienste statt. Oberkaukor und Chor sangen zur Ehre des zur Thora gerufenen Jubilars und Professor Autsch er l hielt auf Ersuchen des Tempelvocstaudes eine sehr gemütvolle, warme Ansprache au die Gefeierten, die nach dem Gottesdienste von der ganzen großen Gemeinde anfs herzlichste beglückwünscht würden. Wien. (Festabend des Wiener Synagogeusänger- Bereius.) Zur Feier der Wiedergewinnung Lembergs veranstaltete der 'Wiener Synagogeusäuger-Verein in den Lokalitäten Eduard Herlinger Samstag, den 26. Juni, abends 9 Uhr, einen Festabend, der einen äußerst würdigen und angeregten Verlauf nahm. Als Gäste waren n. a. die Herren Rabbiner Dr. Max Grnnwald, Knltusvertreter Dr. .Markus Spitzer, ebem. Reichsratsabgeordneter Adolf Stand, .Professor Dr. Maser Balaban, Advokat Dr. Fränkel, Oberkantor Lauf m a n it und Kantor Löwit erschienen. Nach der Eröffnungsrede des Bereinsobmannes Herrn Armenrat S. Lemberger wurde , unter Leitung des Herrn Chordirigenten Julius H e i m a n u vom Chor die Kaiserhyiune vorgetragen, in welche die ganze Versammlung jubelnd einstimlnte. Herr Rabbiner Dr. Grnnwald feierte hierauf in zündenden Worten die dreifache Harmonie, die in den Begriffen Gesang, Chor und Verein enrhalten sei, denen der Name des Chorsängervereines Ausdruck verleiht. Die deutsche Volks- Hymne schloß sich an diese begeistertaufgenommenen Worte. Als nächster Rednersprach in flammender,'geistvoller Rede Herr Knlmsrat Dr. Markus Spitzer die Hoffnung ans, es möge recht bald das große Hallelujah des .Friedens ertönen und als passendes Echo auf diesen Wunsch ließ nun der Sängerchor das große Sulzersche Halleluja unter der Leitung des Herrn Chordirigenten Josef Zellnik mit Herrn Hermann Reich als Solisten .prachtvoll ertönen. Die herrliche Stimme des Herrn Reich kam bei den Solopartien besonders schön zur Geltung und wirkte geradezu faszinierend auf das begeisterte Publiknm. Tiefe Ergriffenheit weckce mm die von Herrn Abgeordneten Adolf Stand gebotene Schilderung der Leiden der Lemberger Exulanten. Der durch seinen mächtigen und begeisternd ausklingenden Hymnus auf das Judentum hervorgerufeneil Wirkung entsprach der Bortrag des von H eimann geleiteten Beethovenschen „Die Himmel rühmen". Alle entzückte durch seinen meisterhaflen Mischeberach aufdie Ehrengäste als nächsten Teil des Programmes Herr Oberkanror Josef B a s s e r. Die Gefühle der Wiener Juden den Lemberger Brüdern gegenüber kleidete hierauf Herr Dr. Max G r n n w a l d in einen Toast auf die jüdischen Frauen Galiziens, die in den bitteren Monaten des Exils wie jederzeit sich als wahre Heldinneil, als würdige Vertreterinnen der von jeher so preisenswerten jüdischen Frauenwelt bewahrt haben. Der Sängerchor intonierte nun sehr stimmungsvoll unter Leitung des Dirigenten Herrn I. P'orth das Brahm'sche Wiegenlied. Frau Regine Schwager trug im Verein mir Herrn M. M e n z e r am Klavier Miliräcmäcsche von Schubert, Herr Gustav Zellnik eine eigene Komposition, den Regimentsmarsch der 84er, vor. Frl. Mizzi L ö w i t erntete, wie die vorangehenden Beiträge, mit ihrem Solovortrag lebhaften Beifall. Ein Dankeswort des Obmannes an die Erschienenen, unter denen noch Herr k. ü. k. Oberarzt Dr. Isidor L. Brau u, lebhaft akklamiert, erschienen war, beschloß den sstr alle Teilnehmer erhebenden unvergeßlichen Abend. Die Sänger des Leopoldstädter Tempels Max Schwager und Michael Striks haben sich um den Abend besonders verdient gemacht. Mödling. Anläßlich der Wiedereroberung von Lemberg veranstaltete der Vorsteher der hiesigen israel. Kultusgemeinde, Ferdinand Diamant, am 80. Juni l. I. einen Festgortesdient. In dem festlich beleuchteten Tempel waren außer deu Gemeindeangehörigen erschienen: in Vertretung der k. u. k. technischen Militärakademie ein Oberst nebst einer Abordnung der hier garnisonierenden Offiziere, der Bezirkshanptmann Statthaltereirat Josef Fuchs, der Pfarrer der hiesigen evangelischen Gemeinde W. Stiller u. v. a. Nach Bortrag von Psalmen durch Kantor Ignaz Falk hielt Rabbiner Dr. Bardo w icz die Festrede. Den Schluß der schönen Feier bildete die von der hiesigen israelitischen Schuljugend recht innig nnd frisch gesungene Bolkshymne. Nach vollzogener Feier wurde folgende Depesche aü die Kabinettskanzlei Sr. Majestät abgesandt: An die Kabinettskanzlei Sr. Majestät. Wien. Die zu einem feierlichen Gottesdienste versammelte israel. Kultnsgemeinde Mödling bittet,-aus Anlaß der Wiedererobernng von Lemberg. die ehrfurchtsvollsten tiefempfundenen Glückwünsche und die Versicherung unwandelbarer Treue für Eure kaiserliche und königliche apostolische Majestät nnd das glorreiche Herrscherhaus au den Stufen des allerhöchsten Thrones untertänigst niederlegen zu dürfen. Für deu im Felde steheuden Vorsteher Oberleutnant Dr. Emst Moser der Stellvertreter Ferdinand Diamant, Rabbiner Dr. Leo Bardo wicz. Mödling. Dem Sohne unseres Altvorstehers Ignaz B e I a i, Dr. Augustin Bslai, Assistenzarzt in der Reserve, ukrainisches Frei- -willigenkorps, wurde in Anerkennung tapferen nnd aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde das goldene Berdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille vom Kaiser verliehen. Amstetteu. Am 29. Juni l. I. veranstaltete die hiesige Kultusgemeinde anläßlich der heldenhaften Wiedererobernng 'Lembergs einen solennen Dankgottesdienst und eine Siegesfeier. In dem mit österreichisch-ungarischen, deutschen und türkischen Farben und Blattpflanzen ^eschmückteu Tempel hatten sich zahlreiche Mitglieder — auch viele aus der Umgebung — mit dem Vorsteher Herrn Gottlieb Mahler aus Kemmelbach eingefunden. Als Gäste waren erschienen: Herr Bezirkshauptmann Baron R o s e n f e l d, Herr Bürgermeister K n b a sta, Landtagsabgeordneter k. k. Baurat Z e r d , k, der Herr Schulinspektor mit deu Lehrkörpern, Vertreter des Generalmajors vom k. k. Gefangenenlager in Hardt bei Ainsterren, viele Offiziere ufw., die Herr Temvelvorsteher Alex. Deutsch empfing. Das Mincha-Gebet verrichtete Herr Salomon Fried. Religionslehrer und Kantor aus Purgstall. Die kantoralen Funktionen versah in erhebender ^und exaktester Weise Herr Oberkantor Wilh. R ab ino witsch aus St. Pöiren, der der Ein» ladung unseres Vorstandes Folge leistete. Unser ehewürdiger Herr Bezirksrabbiner Dr. Ch. B er tisch hielt eine patriotische Festvredigt. die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Mit dem von Herrn Rabbiner Bertisch verfaßten und vor offener Bundeslade verrichteten Gebete für den Kaiser, für die verbündeten tapfereu Armeen nnd die Monarchie, worauf die ganze Festversammiung die öfter» reichifche und deutsche Kaiserhymne sang, schloß der feierliche Dankgottesdienst. Eger Die Kriegsflüchclinge aus Galizien und der Bukowina der Knltnsgemeinden Eger und Fcanzensbad veranstalteten am Mittwoch, deu 23. v. M. um 5 Uhr nachmittags, ein üb-raus imposante Freudenkundgebung, die folgenden Verlauf nahm: Genau 5 Uhr beweate sich der nach vielen Hunderten von Männern, Frauen nud Kindern zählende Zug vom Johannisplatz durch die Steingaffe zum Marktplätze. Mit klingendem Spiel, unter Vorantragung von Fahnen, geschmückt mit dem Kaiserbilde und heiligen Silbergeräten der Gejetzesrollen aus dem Tempel zu Eger. zogen sie dem Gebäude der k. k. Bezirksoauptmannschast zu. Schön nnd sonnig war der Tag, schön wie die Hoffnungen der Völker unserer Dopp^lmoiiarchie, und es wimmelte der Marktplatz wie in deu Tagen unserer höchsten Feste! Eine Abordnung der Kultnsvorstäude, der Herren Eduard Löwy, Eger, und Tveo.dor Spiegl, Franzensbad, an der Spitze, gefolgt vom Oberkantor Wilkowitsch. Eger, und zweier Flüchtlinge aus Eger nnd Franzensbad, begab sich hierauf zum H§rrn Hofrat Kaiser, an den der Rabbiner m einer schwungvollen Ansprache die Gefühle der Dankbarkeit und der Tiefergebenheit der Flüchtlinge, wie der gesamten Judenheit der oberwähuken Gemeinden für die erhabene und . geheiligte Person Seiner Majestät des Kaisers verdolmetschte nnd bat, diese znm Andruck gebrachte Freudenkuudgebung aus Anlaß der Eroberung Lembergs an die Stufen des Thrones Sr. Majestät gelangen zu laffen. Herr Hofrar Kaiser erwiderte, daß ihm die loyale Gesinnung der Kriegsflüchtlinge mosaischen Bekenntnisses, welche ohne Murren Hab nnd Gut dem Baterlande weihten, nur zu gut bekannt sei, daß sie aber auch des Sieges unserer ruhmreichen Armeen sich herzlich freuen dürfen, da sie am eigenen Leibe den Terror und die Roheit der unmenschlichen Feinde verspüren mußten; unsere Staatsämter jedoch waren und sind bestrebt, das harte Los der Heimatlosen nach Tunlichkeit zu mildern. Herr Hofrat Kaiser dankte bei diesem Aulaffe deu Herren Vorstehern für ihre tatkräftige Unterstützung der Flüchtlingsfüriorge, worauf die Herren Eduard Löwy und Tyeodor Spiegel in kurzen Ansprachen auch deii Behörden für ihr Eingreifen und segensreichen Durchführung dieser Aktion dankten. Während diese offizielle Kundgebung in der k. k. Bezirkshaupliuanuschaft vor sich ging, spielte die von deu Flüchtlingen bestellte Musikkapelle und immer wieder erklaugen vaterländische Lieder in deutscher und polnischer Sprache, besonders die stimmungsvolle Kaserhymne, die von allen Anwesenden mit entblößtem Haupte gelungen wurde. Dazwischen erschollen Rufe: „Heil und Hoch!" Nun umringten die Flüchtlinge Herrn Süßkind aus Rymanow, der einen Folianten aufgeschlagen harre und das Kaisergebet in hebräischer Sprache zu singen begann. Dieser Borbeter versteht es mit heller Tenorstimme zu singen, daß es die Zuhörer ordentlich ergreift! Biele sekundieren ihm nach ureigener Arr, und als Herr Süßkind den Namen Kaiser Franz Josef Erwähnung tut, lüftet er seinen Hut, was von den Anwesenden nachgeahmt wird, wobei alles durcheinander — Jud und Christ — in begeisterte Hochrufe ansbricht. Nach dieser Rezitation liest Hexr Oberkantor Wilkowitich vom Fenster der Bezirkshauptmannfchaft mir lauter Stimme eine hnldigungsdepesche folgenden Inhaltes vor: „An die Kabinettskanzlei'Sr. kais. und königl. Apostolischen Majestät an Wien. Anläßlich der siegreichen Einnahme Lembergs erlaube» sich die Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina der Kultusgemeinde Eger und Franzensbad ihre Freude und das Gelöbnis unwandelbarer Treue und Anhänglichkeit für Se. Majestät znm Ausdrucke zu bringen. Die Kultusvorsteher Eduard Löwy, Eger, und Theodor Spiegl, Franzensbad, für die Kriegsflüchtlmge." Nun zogen die Flüchtlinge zum Stadthaus und von dort zur Wohnung des Kultnsvorstehers. wo die Musik vaterländische Weisen austimmte. Der Zug bewegte sich dann zum Ausgangspunkte Johannisplatz, Diese iniposaute Kundgebung war von keinem Mißton getrübt,' vielmehr teilte die Egerer Bevölkerung den Jubel der Kriegsflnchllnige, wofür dem Publikum herzlichen Dank gezollt sei! Die althistorische Stadt Eger wird gewiß in ihren Chronik dieses- Ereignis aus großer Zeit freudig aufnehmen. Dentsch-Brod. Anläßlich der Eroberung der Stadt Lemberg wurde Samstag, den 26. Juni l. I. im hiesigen Bethauie für die jüdische Schuljugend der Volks- und Bürgerschulen und des k. k. Obergymnasiums eine Feier abgehalten. Nach dem Mmcha-Gebete hielt Herr Rabbiner Dr. Leo Verlisch an die Jugend eine kurze Ansprache, in der derselben die Bedeutung dieses großen Sieges erklärt wurde. Mit der Absingung der Bolkshymne schloß die Feier. Aus demselben Anlaffe fand Mittwoch, den 30. Juni int hell und schön beleuchteten Tempel eine Feier statt. Bor der Herligen Lade war die Büste unseres allgeliebten Kaisers, umgeben von schönen Blumen, auf-