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Die Wahrheit · 1915-07-09 · Heft 26 (9.7.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 26 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 26. Weiter schrieb Dr. Rieß: „Und wenn auch heute etliche Juden das Hasenpanier ergreifen und eitel Furcht und Augst um ihre bedrohte Existenz dem Judentum« den Rücken kehren, so sind diese den faulen Früchten, dem vertrockneten Laube zu vergleichen, welche beim Säuseln eines leisen Windes vom Baume herabfallen, während der mehr als dreitausend Jahre alte Baum des Judentumes allen Verlockungen der freundlichen Holzfäller sowie allen Stürmen feindlicher Elemente trotzig und hartnäckig widersteht!" Welche Kraft der Sprache und des Gedankenansdruckes, glaubt man nicht in die Zeit der Disputationen versetzt zu sein, da ein Nachmanides nach einem viertägigen Redetnrnier sich seiner Aufgabe so meisterhaft entledigte, daß der König ihn mit einem Ehrengeschenk und den Worten entließ, er habe noch nie «ine religiöse Frage so geistreich verteidigen gehört. Wenn euer Gott den Götzendienst nicht liebt, warum macht er ihn nicht unmöglich, fragten die Philosophen im alten Rom die jüdischen Aeltesten? * „Es werden", antworteten sie, „ja auch Sonne, Mond und Sterne angebetet, soll Gott seine schöne Welt der Toren wegen zerstören? Vielmehr geht die Welt dennoch ihren gewohnten Gang. Im Jahre 444 v. Ehr. am 1. des siebenten Monats hat der aus Babylon zurückgekehrte Esra zum ersten Male wieder in Jerusalem auf einem freien Platze aus dem Gesetzbuch vorgelesen. Um dieselbe Zeit stand die Kultur Griechenlands auf ihrer Höhe. Männer, wie Perikles, Sokrates standen als Llchtgestalten im Vordergründe. Die Reinheit der sokratischen, der Adel und die Hoheit der platonischen Gesinnung stehen außer Zweifel, aber das edle Streben des Sokrates und seiner Schüler und Nachfolger wurde durch die Sophismen besiegt und vernichtet. Dem Esra aber folgten im Geiste der Propheten die Männer der großen Synagoge. Juda, der Heldenstamm, zog nicht vergebens mit feinem himmelblauen Banner voran, Adonay, Herr des Krieges, lautete die Parole und sein Volk war durch den Glauben, wie es noch heute der Fall ist, tapfer, mutig und kriegstüchtig. - „Schall der Peitsche und Schall donnernder Räder und trabende Rosse und rasselnde Wagen, Reiter schwingen hoch, so flammende Schwerter, wie .blitzende. Lanzen und ein« Menge Erschlagener und Haufen.Entseelter. und ohne Ende. die Leichen, sie straucheln über ihre.Leichen." - - , Welch antike Größe liegt in dieser Profezeihung Nahnms des Elkoschi! j(- , „Die Opferstamme lodert nicht mehr auf Zions Altar, "aber die Opferidee leuchtet fort und fort, und solange ei» Mdisches Herz schlägt, hat Gott ejnen Tempel und einen Altar, . wenn auch die Sonne feiner Selbstständigkeit untergegangen") so li§ß sich eiilst ein großer Kanzelredner in Jstael vernehmen.^/ Da wandeln', sie durch die Straßen der- Stadt, caus .ihrer, Heimat. Vertriebenen mit den langen.KaftPjs, den schwarzen Bärten und durchgeistigten Gesichtszügeu. welch eine Fülle von Wissen wohnt in diesen Köpfen, scheinbar demütig neigt sich das sorgenschwere Haupt, im Innersten aber gilt diese Demut ihrem Gotte. Was die Welt braucht und heiß verlangt sind neue Ideale, welche im vollen Einklang mit dem wirklichen Leben stehen. Der wahrhaft aufrichtige Mensch, der starke Mensch der Zukunft wird sich nur darin zeigen, daß er Schritt für Schritt, Zug um Zug, Schlag ans Schlag die falschen Fassaden wegränmt, sie im höheren geistigen Leben verschmäht, den Dingni auf den Grund geht und die nüchternen Gerüste lieber sieht, als die falschen, verkleidenden Zierate. Flora Wilhelm. Kersckiedene Nachrichten. Wie«. (Kriegsfürsorgestistung der Reich-freien Basseui von Threwenberg Krregswaisen- und Juvalidenhospiz Lipik.) An den Borstand der Wiener-Knltusgemeinde ist folgende Znschrifi gelangt: An die hochlöbliche Israelitische Kultnsgemeinde Wien. Wir beehren uns höflichst mitznteilen. daß der gefertigte Familienrat im Thermalkurort Lipik (Slavonien) unter der bewährten Leitung der Oberin-Schwester Jda Rxichsfreiin Basseui von Threwenberg genannt Fürst und des Chefarztes Dr. Heinrich Breitwieser ein Hospiz für kurbedürstige Kinder gefallener, verstorbeuer, invalider oder gefangener Krieger und auf Thermalbehändlung angewiesene Kriegsiuvaliden errichtet hat. Die Pfleglinge erhalten gegen Vergütung der Regiekosten Unterkunft, Pflege, knrgemäße Verpflegung. Wenn der Belagsraum von den Pfleglingen der Kriegsfürsorge nicht ganz in Anspruch genommen ist, können in berücksicvtigungswerten Fällen auch Kurbedürftige anderer Kategorien, in erster Reihe Schütze Unge der öffentlichen Wohitärigkeirsanstalten ausgenommen werden. Bei der Auswahl der Pfleglinge inöge berücksichtigt werden, daß im Sinne des von der Landesregierung genehiiiiglen Badestatuies Kranke mir entstellenden oder anstoßerregenden Gebrechen vom Aufenthalte in Lipik ausgeschlossen sind. Die Regiekosten belaufen sich derzeit per Kopf und Tag aus 3 Kronen 50 Heller. Diese Gebühr ist auf je 14 Tage im Vorhinein an die Austaltskasia zu entrichten. Die Kinder sind aus vier Wochen mit Leibwäsche, Kleider, Oberkleider, Badewäsche und womöglich mit je einer leichten Sommerdecke zu versehen. Diese Stücke sind in geeigneter Weise als Eigentum des Kindes kenntlich zu machen. Wir beehren uns demnach ergebenst zu bitten, die zur Absendung nach Lipik designierenden Kinder sürzuwählen, der Anstalt namhaft zu machen und am festgesetzten Zeitpunkte samt den Personaldoknmenten dem Hospiz (Villa Domisljen) übergeben zu wollen. Für Begleiter ist die gleiche Gebühr zn entrichten. In Anbetracht der hohen Wichtigkeit der Kriegssürsorge wird um geneigte Förderung unserer in ihrer Art einzigen Anstalt inständigst gebeten. Alle ans die Frequenz der Anstalt betreffenden Zuschriften werden an den Kurator der Stiftung Michael Vajda, Budapest, IX., Uellöi nt 121 erbeten. Mit besonderer Hochachtung für den Familienrat der Reichsfreien Baffem von Threwenberg Der S-nior - Syndikus : Unterschrift unleserlich. P. 8. Angehörigen der mosaischen und mohammedanischen Konfession wird unter Kontrolle des Rabbinates streng rituelle Kost verabreicht. Wien. Samstag, den 26. Juni l. I. 10 Uhr vormittags fand in der Synagoge des Vereines „Beth Israel", Wien, H., Leopoldsgaffe 29, anläßlich der Wiedereroberung Lembergs ein feierlicher Dankgottesdienst mit patriotischer Festpredigt statt. Nachdem Kantor und Chor Psalm 21 rezitierten, verrichtete über Einladung des Vorstandes^ an Stelle des' ans Urlaub sich befindenden Herrn Rabbiners M a y e rs ohu, kais. Rät'Rabb. Aron Lewin aus Sambor an der Bnndeslade das Gebet für unsere tapferen Landesverteidiger, worauf er daun von der Kanzel herab an die zahlreich versammelten Andächtigen den überwältigenden Eindruck der Wiedereroberung Lembergs auf die ganze Monarchie und den gerechtfertigten Jubel der von der schweren Bedrückung der zarischen Barbaren befreiten galizischen Judenschaft schilderte. Hiranf wandte sich der Festredner der erhabenen Person Sr. Majestät zu und schilderte die zahlreichen Wohltaten, die besonders wir Juden Allerhöchst demselben schulden. Deswegen ergreifen auch wir Juden freudig die Gelegenheit um unsere Dankbarkeit zu Thron und Herrscher zum Ansdrucke zu bringen, und von wahrer Dankbarkeit erfüllt, soll auch' heute die Jubelstimme Israels in frommen Gebeten für den endgiltigen Sieg unserer gerechten Sache zn Gott dem Herrn sich erheben. Es folgte vor offener Bundeslade ein Gebet für dem Kaiser, für das kaiserliche Haus, für die tapfere Armee und deren glorreiche Führer und mit dem Absingen der Volkshymne schloß dann die erhebende Feier. Wie«. Ayl 6. d. M. veranstalteten die Herren Emil und Viktor Jelinek im Reservespital Nr. 8 vom Noten Kreuze (Spital der israelitischen Kultusgemeinde) einen ihrer allgemein so beliebten vierhändigeu Klaviervorträge, der den Verwundeten überaus angenehme Stunden der Aufheiterung und Zerstreuung erbrachte. Das reichhaltige, vielfach aus patriotischen Musikstücken' zusammengesetzte Programm und die treffliche Ausführung desselben erzielte lebhaftesten Beifall, an dem sich auch die Gäste, beteiligten, unter welchen man bemerkte: in Vertretung der Knltusgemeinde Vorstandsmitglied Dr. Markus S.p i tz e r^ den Kommandanten des Spitales Oberleutnant B r o d y, Verwalter Dr. M. Ko ra ny i, die Aerzte und Verwandte der Pfleglinge. Gegen Schluß des Konzertes hielt Dr. Spitzer eine längere Ansprache, in welcher er zunächst den Ausübenden für ihre Mühewaltung dankte, die Verwundeten begrüßte und ihnen den Wunsch nach baldiger Wiedergenesung vordolmetschte, sowie deren Heldenmut pries und mit einem begeistert aufgenommenen dreimaligen Hoch aus den erhabenen Monarchen endete. Die Brüder Jelltnek intonierten die Volkshymne, die stehend mitgesungen wurde und sich zu einer herzlichst angebrachten Ovation für den allerhöchsten Kriegsherrn gestaltete. Dr. Spitzer verteilte nun noch ein größeres» Quautum Zigarren und Zigaretten an' die Verwundeten, die durch diese Spende den herrlichen Sieg unserer Truppen bei Görz feiern konnten. Wie«., Am verflossenen Sabbat, am 3. d. M., fand anläßlich der goldenen Hochzeit des Herrn Jakob S a p h i e r und seiner Gattin Katharine, wohnhaft II., Darwingasie 35, die die ersten dreißig Jahre ihrer Ehe in Groß-Meseritsch in Mähren glücklich verbracht hatten^ eine schöne erhebende Feier im Kaiser Franz Josef I. Huldignngstempel

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