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Die Wahrheit · 1915-07-09 · Heft 26 (9.7.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 26 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26. Die Wahrheit. Seite 7 Lort. wo sich sprachliche Schwierigkeiten ergaben, wurden diese nach einiger Zeit mit Leichtigkeit überwunden, so daß entnommen werden kann, daß für eine ansehnliche Zahl von Schulkindern die Zeit ihres Exils ans ihrer Heimat nicht .ganz ohne Nutzen für ihre wertere Ausbildung verstrichen ist. Immerhin war es nur ein verschwindend kleiner Teil der Kinder, der in den Ortsschnlen untergebracht werden konnte, der weitaus größte Teil konnte schon wegen Platzmangels rfeiite Aufnahme finden. . Für die in den Baracken untergebrachten Kinder war wohl im Einzelnen für die Erteilung der Hebräischnnterrichtes vorgesorgt, für den Volksschnlnnterricht fehlte es an Schnlrüümen, Lehrkräften nnd Lehrbehelfen. Angesichts dieses Sachverhaltes fanden schon im Dezember 1914 Beratungen zwischen dem Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung und dem Vorstände der Israelitischen Allianz statt, um zunächst in Mähren Beschäftiguugsknrse für galizische Flüchtlingskinder zu aktivieren, in denen ein volksschnlmäßiger Unterricht an schulpflichtige Kinder mit polnischer.Unterrichtssprache und obligatem deutschen Unterrichte stattfinden sollte. Das Kuratorium der Baran Hirsch-Stiftung erklärte sich bereit, die in ihren Diensten stehenden Stiftnngslehrer, welche im Fortbezuge ihrer vollen Bezüge standen, zur Verfügung zu stellen, so daß bloß die Auslagen für die sachlichen Erfordernisse und die Remunerationen zu bestreiten waren. Die beiden Korporationen, sowie das Brünner Hilfskomitee für galizische Flüchtlinge verpflichteten sich gemeinsam hiefür anfznkommen. Schon vorher hatte das Kuratorium in Wien in rascher Aufeinanderfolge 8 Klaffen aktiviert, u. zw. 4 Klassen in dem vom Kuratorium der israelitisch theologischem Lehranstalt. Wien, H., Tempelgasse 3, in bereitwilligste?'Weise unentgeltlich zur Verfügung gestellten. Rägm^^nd- 4 Klassen in dem JosefineMendstschen Wohlfahrtshanse, Wien.. XX.. Denisgasse 33. In dem letzteren Gebäude wurde später noch ein L. Klasse aktiviert, speziell für jene Kinder, welche in Zwischenbrücken wohnen, wo ein passendes Lokal zu entsprechenden Bedingungen nicht zu beschaffen war. Die Frequenz, dieser. sowie aller änderen Beschäftigungskurse ist ans den am Schluffe befindlichen Ziffern zu entnehmen. Für die in Brüün befindlichen Flüchtlingskinder hat das dortige Komitee in außerordentlich hingebungsvoller und fürsorglicher.Meise_g.MUfi. jf» gelang ihm zunächst in „der Zeile" 65—69 in dem den Erben des Grafen Bräuner gehörigen Palais 7 große, Helle und luftige Schnlzimmer zu mieten, in welchen 9 Klassen untergebracht werden konnten, weiters das Recht der Benützung em.es im Hanse befindlichen Gartens zn erlangen, so daß dfe'Schule sich schon äußerlich sehr gut präsentiert und hinter normalen ckaum znrücksteht. Die Schule wurde am 17. Jn'ni, durch einen Besuch Seiner Exzellenz des Statthalters Freiherr von Bleyleben ausgezeichnet, der sich in außerordentlich schmeichelhafter Weise über das Gesehene und Gehörte anssprüch. Aber auch in den Flüchtlingslagern in Nikolsburg, Pohrlitz und Gaya wurde dank der außerordentlichen Fürsorge, welche das Ministerium des Innern, die Statthalterei und die zuständigen Bezrrkshanptmannschaften dieser wichtigen -kulturellen Aktion zuwenden, in entsprechender Weise gesorgt. In jedem der drei Barackenlager wurden eigene Schulbaracken errichtet, für Gaya speziell auch die Errichtung einer Lweiten Baracke angeordnet, so daß für alle dort befindlichen Kinder genügend Vorsorge getroffen werden konnte. Nach Aktivierung der Beschäftigungsknrse in Mähren, zu deren Kosten, soweit nicht das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung -bie von ihr verwendeten Lehrer ans eigenem selbst honoriert, die Israelitische Allianz drei Fünftel, die Baron Hirsch-Stiftung ein Fünftel und das Brünner Hilfskomitee ein Fünftel beiträgt, wendete die Baron Hirsch-Stiftung ihre Fürsorge auch den in Böhmen befindlichen Flüchtlingen zu. Da die Einkünfte der Stiftung durch vertragsmäßige Verpflichtungen vollständig absorbiert werden, wurde vom Ministerium des Innern die Zusicherung erbeten und erteilt, daß die Kosten der Errichtung von Kursen, soweit die Itiftnn g nicht auch die Gehalte der dorthin entsendeten Stiftnngslehrer ans Eigenem trägt, seitens der Regierung refnndiert werde». Ans Grund dieser Zusicherung wurden in den in der Znsammeustellnng befindlichen Orten Beschäftignngskurse errichtet, welche von den Flüchtlingen gleichfalls mit Freude begrüßt wurden. In den letzten Tagen wurde auch ein solcher Beschäftignngskurs in Bruck a. L. für dorcselbst befindliche 260 schulpstichtige Kinder aktiviert. - Unabhängig von den hier angeführten Akionen hat sich auch in Prag ein Schulkomitee gebildet, welches Schule» für 1200 schulpflichtige Kinder sowie Erwachsene begründete und erhält. * js * Frequenz der Beschäftignn gsknrse: Nieder- Oe st erreich: Wien, II. Tempelgasse 106, Wien, XX. Denisgafse 245, Bruck a. L. 256. Böhmen: Kgl. Weinberge 238. Hermaunmestec 74. Komotan79, Pecinow31. Sangerberg 30, Schlada-Franzensbad 63. Mies 33. Königsaal 33. Schlau 32, Klattan 300. Ueberdies sind in den Kursen des Prager SchnlkomiteeS zirka 1200 Schüler untergebracht. Mähreu: Brünn 428, Damboritz 78. Gaya-Baracke413, Kanitz 64. N-kolsburg-Baracke 711, Nikolsburg-Stadt 126, Pohrlitz-Baracke 439, Pohrlitz-Stadt 129. Sana mens in corpore sano. , Friedrich der Große, der Philosoph von Sanssouci, hat zwei denkwürdige Anssprüche betreffend die Religio» getan: Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, so sie prvfessieren, ehrliche Leute sind". Und: Mag jeder nach seiner Facon seelig werden!“ Der einstige Querpfeifer und Poet wurde in der harten, entsagnngsreichen Schule des Leberts einer der größten Monarchen der Erde. Bon großem Interesse ist der Briefwechsel, der zwischen Dr. H. Rieß, praktischem Arzt in Anspitz und dem Theologe» und Hebraisten Franz Delitzsch im Jahre 1887 über dieses Thema stattgefnnden hat. -eberhanpt nntertchleo pcy das Judentum von vieteu anderen Religionsversasfungen, daß es den Leib nicht gering schätzte und Ertötung desselben, als e«n Verdienst anrechnete. Es weckte nnd nährte in dem Herzen seiner Bekenner Lebens» heiterkeit und Lebensfreudigkeit, es lehrte froh und fröhlich in die Welt Hineinblicken, es wollte nicht, daß der Israelit gequält und geängstigt durch Schreckbilder sein Dasein auf F Erden verbringe, und wie mächtig mußte das ans die Kriegstüchtigkeit einwirken. „Ein frohes Herz tut dem Körper wohl, aber niedergeschlagenes Gemüt, verzehrt das Gebein!" Dr. H. Rieß, welcher Prof. Franz Delitzsch eine anerkannte Autorität, einen Heros der hebräischen Literatur nannte, erhielt in einem dieser Briefe folgenden interessante» Ausspruch des Gelehrten: „Mir ist Thora und Profetie heilig, aber das göttliche Non plus, ultra sind sie nicht!" Darauf erwiderte unser geistvoller Glaubensgenosse: „Die Bibel ist Goiles Wort und alles was Gott sagt und tut, ist vollkommen und Non plus ultra!“

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