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Die Wahrheit · 1915-07-09 · Heft 26 (9.7.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 26 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. dir 26. I'ie Wabrbeit werden muß, der zweite hingegen muß nachsichtiger behandelt werden. Nnn was war denn der Anspruch Italiens ans Tripolis, was ist denn das Verlangen Rußlands nach Konstaulinopel mehr als die Habgier des Räubers nach dem Gute des Nächsten zu gelangen, weil er es, ebenso wie der rechtmäßige Besitzer desselben, gebrauchen kann? Und warum soll denn Tirol, Dalmatien und die Adria Italien gehören? Sind diese Gebiete von Italienern bewohnt,, ist Konstantinopel russisch? Das Verwerfliche dieser Forderungen springt jedem ins Auge und doch protestiert kein Mensch dagegen und man empfindet es sogar als „geheiligte Aspirationen". Wenn aber Deutschland in der Not ganz genau so gehandelt hat, wie jeder Mensch handeln würde, da wurde die Welt in Bewegung gesetzt und jedes Männlein glaubte dagegen protestieren zu müssen. Wie wäre es nnn, wenn Deutschland Belgien den Krieg ohne weiteres erklärt hätte, sei es, weil es hier den Zugang znm Meere wünschte, sei es, um sich gegen Frankreich kräftiger verteidigen zu können? Das wäre den Leuten recht! Ist die Verletzung der Neutralität eines Staates ein größeres Vergehen, als einem Staate den Krieg zu erklären, weil man nach seinem Besitze gelüstet? Voltaire behauptet in einer Vorrede zu einem seiner geschichtlichen Werke, daß die ganze Geschichte ein Morden und Rauben der Staaten gegeneinander sei. Dies hat sich im Zeitalter des Humanismus wenig geändert. In einer Zeit also, in der gegen die Raubpolitik einzelner Wüstlinge, die ganze Völker ins Verderben stürzten, niemand zu protestieren wagte, hat kein Mensch das Recht, gegen das Vergehen Deutschlands Belgien gegenüber zu protestieren, weil es Belgien den Krieg nicht erklären wollte, sondern ihm den größtmöglichen Ersatz für den Durchgang angeboten hatte. Denn wie einst der „kleine" Napoleon sich brüstete, die ganze Welt wie eine Zigarette in Brand stecken zn können, so prahlen jetzt die Delcass«, Zswolski's und die „Nikoläuse" mit „ihrem" Kriege. Erst wenn Proteste gegen das Gelüsten nach fremdem Gute erfolgen werden und diesen Treibereien in der Zukunft ein Halt geboten wird, erst wenn diesen Parasileu am Menscheugeschlechte, die sich mutig bei ihrem Tische gebärden und mit Lanzen schlagen, während sie ihre Mitmenschen in die Feuerschliinde der.Kanonen treiben,, das Handwerk gelegt Mrd her Well der unsägliche Jammer und •'Mpdernen Krieges.'erspart, bleihen 'und die - Hoffnung.'her. Juden , auf das Zeitalter, -worin die Völker Hpe^ Sch werter ' zn Pflugscharen umschmieden werden, in Erfüllung gehen; ' denn „sie werden nichts Böses tun und nichtverderblich., handeln auf meinem heiligen Berge, denn dibv.^'HMMlis,Mö.tt.eS, .jvjrd die Erde elsullen wie.Wasser d.en Meeresgrund bedecht". /. , . Chanoch Al—k. Dir Graberimg von ßemherg. j; : v ‘ ' ■ „Der große Tag Les -lyunder- < < . baren «siege» wurde Von Gott bestinunt, io laffet uns froh und fröhlich sein." (Ps. 118) Der sehnsuchtsvoll erwartete Tag der Befreiung Lembergs vom Joche der russischen Barbaren ist nunmehr mit der Hilfe Gottes herangenaht. Jeder Bewohner der Monarchie und des Deutschen Reiches hat Ursache den frohen und glücklichen Tag, an welchem der moskowitische Amalek trotz seiner Millionen Sklaven, die er ins Feuer senden kann, vollständig geschlagen wurde, mit dem üblichen Segeusspruch: „Gelobt seiest du Ewiger unser Gott, Herr der Welt, der uns hat am Leben erhalten, daß wir diesen schönen glorreichen Tag erlebt und erreicht haben", zu begrüßen und sich darüber zu freuen, daß endlich auch für den seit Jahrhunderten als Dömon die Welt beunruhigendett und beängstigenden nordischen Amalek der Zahltag gekommen sei. Wenn man sich von der Situation, in der sich jetzt der russische Zar, feine für den Pauslavismus schwärmende, den Germanismus ingrimmig hassende Mutter nud der Geueralissimus Nikolajewitsch, die den Weltkrieg mntwillig entfesselt haben, um die Monarchie und das Deutsche Reich zertrümmern und die Beute sich teilen zu könueu. einen Begriff machen will, so lese man die letzten Verse des herrlichen, Poesie- und phantasiereichen Liedes, das die Prophetin Deborah anläßlich des glänzenden Sieges, den sie in dem schweren Kampfe mit Sissera, dem Feldherrn des kanauitischen Königs Jabin, angestimmt hatte: „Am Fenster schaut die Mutter Sisseras und jammert zum Gitter hinaus: Warum zögert sein Wagen so lange,, warum kommt er noch nicht! was zaudern die rollenden Räder?' Ihre weisen Kammerfrauen suchten sie zn trösten, zu beruhigen, zu besänftigen und zu ermutigeu, so daß sie selbst ihren eitlen Kummer bestraft. Jene riefen ihr zu : So sollen sie nicht Beute holen? Beute teilen, jedem Streiter (nach Art der entmenschten russischen Kosaken) zwei Mädchen zum Lohne; Bissuß und Purpur dem Sisna, bunt gesticktes Zeug zur Siegesbeute, köstliches Gewand, reich gestickt um den Hals eroberter Schönen!" Alle deine Feinde, Herr! müssen so zu Grunde gehen; die ihn aber lieben, strahlen wie die Sontie, hoch am Firmament." Will man aber erfahren, wieso es einem schwachen Weibe — der Richterin in Israel — gelang, einen mächtigen gewaltigen weit überlegenen Feind niederzuriugen, so lese man das ganze herrliche Lied, in welchem Debora eingestanden, daß sie diesen glänzenden Sieg einzig und allein der göttlichen Hilfe, dem göttlichen Beistände zu verdanken hatte: „Ewiger, als du auszogest von Seir, als du einherschrittest vom Gefilde Edom, da erbebte die Erde, da zerfloß der Himmel, da troffen die Wolken Wasser; die Berge zergingen vor dem Ewigen, der Sinai, vor dem Ewigen, dem. Gotte Israels;" d. h. mit anderen Worten: Gott der Herr, der am Sinai Israel die. Thora — das kostbarste Gut der Welt — mit dem Aufträge verliehen hatte, dafür zu sorgen, daß sie Gemeingnt der gesamten Menschlichkeit werde, ist allein nicht nur der Schöpfer, sondern auch der Erhalter und Richter des Weltalls, ferner: „Dort kommen die Könige zum Streite; die Häupter der Kananiler traten ins Feld, bei Toanoh, am Strome Megidoh — aber sie trugen nicht Silber zur Beute davon. Min haschomajim milchomu. V o m H i m m e l h e r a b ward für uns gestritten, von ihrer Laufbahn stritten die Sterne mit Sisra. Der Strom Kischon schwemmte sie fort, der Kischon uralter Strom! tritt nnaufhaltsäm weiter mein Geist!" nsw. Könnte also die wohlverdiente Niederlage der Russen, der grausamsten der Barbaren, besser geschildert werden, als es hier in diesem Liede geschah? Lisn gowäu. Möge es nur weiter allen unseren Feinden so ergehen, damit die so schwer geprüfte und hart heimgesnchte Welt wieder einmal anfatmen und sich des dauernden ungetrübten Friedens erfreuen könnte. Das walte Gott. _ Dr. M. H. Fr. Schutalrtio« für Flttchttiugskinder ans Galizien und der KnkaWina. Unter den zahlreichen verheerenden Wirkungen, welche der gegenwärtige Krieg für unsere unglücklichen Glaubensgenossen in Galizien und der Bukowina hervorbrachte, war wohl sicherlich eine der bedeutendsten die, daß die Kinder der Flüchtlinge den Schulunterricht unterbrechen mußten und in zahlreichen Orten, wo sie untergebracht werden konnten, ohne jegliche Unterweisung blieben. Wohl haben einsichtsvolle Eltern häufig die Gelegenheit benützt/ ihre Kinder in den Schulen ihres Aufenthaltes nach Möglichkeit unterzubringen und es muß anerkannt werden, daß ihnen seitens der lokalen Schulbehörden möglichstes Etttgegenkommen bewiesen und eine größere Anzahl von Kindern ailfgenomliien wurde. Selbst

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