Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 25 (2.7.1915)
- Date
- 1915-07-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063862-3063887--09662-3076933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 Die Wahrheit Nr 25. Nach Vortrag des Salomon Sulzerscheu RulIslugLli und Absingung der Volkshymne wurde die Feier geschlossen. Die Orgelbegleitung bei allen Gesäugen versah der bekannte Musiker Prof. Storch. * * * Das Präsidium und der Oberrabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Wien haben in Ausführung des Beschlusses der Festsitzung vom 24. Juni 1915 nachfolgendes Telegranlm au die Kabiuettskauzlei Sr. Majestät des Kaisers gesendet: „An die Kabinettskauzlei Sr. Majestät des Kaisers. Der zu einer öffentlichen Festsitzung versammelte Vorstand der Wiener israel. Kultusgemeiude erlaubt sich anläßlich der Wiedereroberung von Lemberg durch unsere siegreich vorwärtsstürmeuden Truppen die Gefühle der Freude und der unwandelbaren Treue für für Eure kaiserliche und königliche apostolische Majestät, den heißgeliebten Vater all seiner Völker und das glorreiche Herrscherhaus an den Stufen des Allerhöchsten Thrones alleruntertänigst uiederzulegen. Im festen Glauben au die unversiegbare Kraft unseres Vaterlandes nimmt die gesamte Judenschaft Oesterreichs opferfreudig teil an den Kämpfen für die Ehre und den Ruhm des glorreichen Habsburgerreiches. In allen Synagogen Oesterreichs steigen Dankgebete zu dem Allmächtigen empor, die ausklingen in dem heißen, innigen Wunsche: Gott erhalte. Gott beschütze unfern Kaiser, unser Reich!" Hierüber ist nachfolgendes Telegramm eingelangt: „Wien Burg. Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemanu, Wien. Seine k. u. k. apostolische Majestät haben die aus Anlaß der Wiedererobernng Lembergs seitens des Vorstandes der Wiener israel. Kultusgemeiude dargebrachte patriotische Huldigung mit besonderer Befriedigung zur Allerhöchsten Kenntnis zu nehmen geruht und danken wärmstens für die neuerliche Versicherung, daß die gesamte Judenschaft Oesterreichs opferfreudig und werktätig für den Ruhm und die Ehre unseres Vaterlandes in altbewährter Treue einsteht. Im Allerhöchsten Aufträge Freiherr v. Schießl." Ehrung eines jüdischen Helden. Wie in diesen Blättern bereits mitgeteilt wurde, erhielt der jüdische Stabsfeldwebel Leo Lustig, welcher schon früher für sein heldenmütiges Verhalten ausgezeichnet worden war, für seine neuerlichen Beweise todesmutiger Tapferkeit die goldene Tapferkeitsmedaille. Die feierliche Ueberreichung dieser hohen Auszeichnung fand, wie erinnerlich, im Stesaniespitale in Anwesenheit Angehöriger des Allerhöchsten Herrscherhauses statt, wo Stabsfeldwebel Leo Lustig infolge schwerer Verwundungen in Pflege stand. Am Tage vor seiner neuerlichen Einrückung ins Feld fand im Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeiude eine herzliche Ehrung des ausgezeichneten jüdischen Helden statt, an welcher die beiden Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h u und Hofrat Dr. Benjamin Rappapo rt, k. k. Feldrabbiner Dr. Arnold Frankfurter, sämtliche Oberbeamteu der Kultusgemeiude unter Führung des Sekretärs Dr. Emil Adler teilnahmen. Hofrat Dr. Rappaport überreichte eine vom Vorstände der Wiener israelitischen Kultusgemeinde dem Ausgezeichneten gewidmete goldene Uhr mit folgender Ansprache: . „Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeiude hat einem Berichte Sr. Ehrwürden des Herrn Feldrabbiners mit großer Genugtuung entnommen, daß Sie in Anerkennung Ihres überaus tapferen und todesmutigen Verhaltens vor dem Feinde von Sr. Majestät dem Allerhöchsten Kriegsherrn mit der goldenen Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet wurden. Die Feierlichkeit, mit welcher Ihnen diese hohe Auszeichnung überreicht wurde, war Ihnen eilt Beweis, daß Ihre hervorragenden Leistungen als Soldat in den höchsten Kreisen Würdigung und Bewunderung gefunden haben. Wohl hat Se. Ehrwürden bei diesen Aulasse Ihnen bereits die Glückwünsche des Kultnsvorstandes verdolmetscht und wenn der Vorstand sich veranlaßt sieht, Ihnen jetzt, da Sie wiedergenesen, abermals ins Feld ziehen, um Ihre Pflicht weiter zu erfüllen, eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen, so geschieht dies, um Ihnen damit zum Ausdrucke zu bringen, daß Sie durch Ihre außerordentliche Pflichterfüllung nicht nur dem Vater laude treu gedient, sich selbst eine innere Befriedigung verschafft, sondern auch dem Jndentume, dem auzugehöreu Sie stets mit Stolz erfüllen möge, einen hervorragenden Dienst geleistet haben. Mit Freuden kann ich es hier hervorheben, daß gleich Ihnen eine beträchtliche Anzahl von Glaubensbrüdern in diesem furchtbaren Kriege durch ihre beispielgebende Tapferkeit und hinreißende Todesverachtung die goldene Tapferkeitsmedaille errungen hat. Möge Ihnen dieses Zeichen unserer Anerkennung ein Ansporn sein für die Zelt Ihres ganzen Lebens, dem Vaterlande und unserem Glauben ein gleich treuer, hingebungsvoller Sohn zu bleiben! Der Allmächtige geleite Sie auf Ihrem Wege der Pflicht, lasse Sie teilhabeu an den Siegen unserer glorrelchen Waffen und an der Erringung eines ehrenvollen Friedens und lasse Sie wohlbehalten heimkehren in den Kreis Ihrer Familie." Stabsfeldwebel Leo Lustig dankte gerührt mit einigen Worten, womit die Feier ihren Abschluß fand. -i- * * Anläßlich der Wiedererobernng Lembergs hat der Vorstand der Wiener lsraelitischeu Kultusgemeiude an Seine k. n. k. Hoheit, den durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Friedrich, nachstehendes Telegramm gerichtet: „An Seine k. u. k. Hoheit, den durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Friedrich, Oberkommandaut und Feldmarschall, Hauptquartier. Anläßlich der siegreichen Besetzung Lembergs durch unsere heldenmütigen Truppen bringt der in öffentlicher Festsitzung versammelte Vorstand der Wiener israelitischen Knltnsgemeiude Euerer kaiserlich und königlichen Hoheit, sowie den sieghaft vordringenden verbündeten Armeen die ehrerbietigsten Glückwünsche der österreichischen Judenschaft zum Ausdruck. Tausendfacher Dank den todesmutigen Helden, Heil und Sieg ihren ruhmreichen Waffen, Heil und Dank dem sieghaften Heerführer! Der Vorstand der Wiener israelitischen Knltnsgemeinde." Hierauf ist an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde nachstehende Antwort eingelangt: „Vorstand der israelitischen Kultusgemeiude Wien: Wärmsten Dank für die mir und den verbündeten heldenhaften Truppen dargebrachten patriotischen Glück- und Segenswünsche. Feldmarschall Erzherzog Friedrich." Gin Krief nns Rnsstsch-Uolen. Daß die polnischen Inden inmitten von unsäglichen Leiden auch den Sinn für den Humor noch nicht verloren haben, beweist folgender Brief, den wir mit Beibehaltung von Orthographie und Interpunktion wiedergeben: „., den 16. Mai 1915. Hochgeehrter Herr Redakter „." in Berlin. Da so wie in den Kreisen. wie es finden sich bis 40,000 Jüdesche Einwohner welche von anfangs kriege gehen herum in der finster, und schmecken blos zu der Luft, und bekleren ferschidene gedauken, mit einem worth es weren siel menschen aufgeregt mnthlosig,