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Die Wahrheit · 1915-06-25 · Heft 24 (25.6.1915) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 24 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24. Die Wahrheit Seite 5. Welt in Brand zn setzen, um dann mit Hilfe seiner Gesinnungsgenossen der Herr des Weltreiches werden zn können. Allein, all sein Mühen und Streben war vergeblich, was aus folgender Erzählung der heiligen Schrift klar entnommen werden kann: Amrophel — Nimrod — der König von Elam, hatte sich mit noch anderen Königen verbündet, um gegen die Könige von Sodom, Amora, Adua Zebojim und Bela in den Kampf ziehen zn können. Diese waren nämlich zwölf Jahre dem Kedorleomer unterwürfig, im dreizehnten Jahre jedoch fielen sie ihm ab. Im vierzehnten Jahre aber kamen Kedorleomer und. seine Verbündeten und besiegten viele mächtige Volksstänune, nämlich die Refaim in Aschteros Karnajim, die Susim in Hom, die Emim in Schowe Kirjosajim und den Chori auf dem Gebirge Seir bis El Voran, welches an der Wüste liegt. Sie kehrten dann zurück und kamen nach En Mischpat, d. i. Kadesch, und schlugen das ganze Gefilde Amaleks und auch den Emori, der in Chazezon Tamar wohnte. Hier zogen die Könige von Sodom und Amora nebst ihren Verbündeten entgegen und ordneten gegen sie im Tale Sidum eine Schlacht. Es kämpften somit vier Könige gegen fünf — was damals wohl schon eine Weltschlacht genannt zu werden verdiente —. Die Könige von Sodom nnd Amora nebst ihren Verbündeten wurden, trotz ihrer Uebermacht, von ihren Gegnern vollständig besiegt und mußten daher die Flucht ergreifen, wobei viele in die Lehmgruben, deren das Tal Sidim voll war, stürzten nnd viele ins Gebirge stohen. Die Sieger nahmen alle Habe von Sodom und Amora nnd alle vorhandenen Lebensmittel und gingen davon. Auch den Lot, den Bruderfohn Abrams, und seine ganze Habe — der bekanntlich kurz vorher Sodom zn seinem Wohnsitze gewählt hatte — nahmen sie gefangen nnd zogen ab. Da kam Plötzlich ein Flüchtling zu Abrain, dem Ebräer, der im Haine Mamres wohnte, und setzte ihn von den Ereignissen des Kriegsschauplatzes in Kenntnis. Als Abram hörte, daß sein Verwandter Lot in Gefangenschaft geraten sei, da bewaffnete er seine Kriegsgeübten, seine Hausgeborenen dreihundenachtzehn. und setzte dem Kedorleomer nach und verfolgte ihn bis Don. Des Nachts verteilte er seine Mannschaft gegen die Feinde, er und seine Diener und schlugen nnd verfolgten sie bis Choba, links von Damaskus. Und so gelang es ihm, alles wieder zurückzubringen, seinen Bruderfohn Lot und dessen Habe, auch die Frauen und das Volk von Sodom. Welche Triumphe feierte der sieggekrönte Patriarch, als er vom Schlachtfelde — nachdem er Kedorleomer und seinen Verbündeten Amrophel vollständig niedergerungen hatte — znrnckkam. Vor allem zog ihm entgegen der König von Sodom und begrüßte ihn in freundlichster Weise. Auch Malki Zedek, König von Schalem, kam in ehrerbietigster Weise, ließ Brot und Wein herausbringen und er war Priester dem höchsten Gotte. Er segnete ihn nnd sprach: „Gesegnet sei Abram vom höchsten Gotte, dem Schöpfer des Himmels und der Erde und gepriesen sei der höchste Gott, der geliefert hat deine Feinde in deine Gewalt" und Abram gab ihm den Zehnten von allem. Nun trat jetzt der König von Sodom an Abram mit einer Bitte heran: „Gib mir die Personen und das Gut nimm dir!" Abram aber sprach: „Ich erhebe meine Hand zum Herrn, dem höchsten Gotte, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, daß ich weder einen Faden, noch einen Schnhriemen, daß ich von allem, was dir gehört, nichts nehme, damit du nicht sagen kannst: Ich habe Abram reich gemacht. Fern sei es von mir! Ausgenommen sei, was die Jünglinge verzehrt haben und der Anteil meiner Bundesgenossen Aner Eskol und Mamre, die mit mir ins Feld gezogen, diese sollen ihren Anteil empfangen." Das heißt mit anderen Worten: Ich bin nicht in den Kampf gezogen, um meine Herrsch- und Habsucht zu befriedigen, sondern um unglückliche Menschen, die als Kriegsgefangene von Barbaren weggeführt, ihres Vermögens wie aller ihrer Lebensmittel beraubt wurden, zu befreien, vom Hungertode zu retten und vor Vergewaltigungen nnd Schädigungen zu schützen." Man sieht also, wie RechtKohelet hatte, wenn er sagte: „Was gewesen ist, wird wieder kommen; was geschehen ist, wird wieder geschehen; es entsteht nichts neues unter der Sonne." Dr. Fr. Patriotischer Opfermut eines jüdischen Mädchens.*) Das kleine Städtchen Pistin in Südostgalizien hatte im letzten Viertel des Jahres 1914 von den Russen viel zn leiden. Die Kosaken besetzten die jüdischen Häuser nnd Hütten und die jüdische Einwohnerschaft war gezwungen, bei befreundeten rnthenischen Bauern Zuflucht zn suchen. Es psiegte oft vorznkommen, daß die Kosaken für einige Tage das Städtchen verließen, um auf diversen Streifzügen neue Beute zn suchen. So war es den armen Menschen hie und da möglich, frei aufznatmen. An einem solchen „freien" Tage kehrte auch die 19jährige Sara Esther Schorr in ihr Elternhalls zurück und fand unter den zertrümmerten Hausgeräten einen von den Russen vergessenen Tagesbefehl. Das Mädchen, welches rnthenisch versteht, erkannte sofort die Wichtigkeit des Dokumentes nnd blitzschnell tauchte der Gedanke in ihr auf, daß der Besitz für unsere Heeresleitung sehr wertvoll sein müsse. Dieser Erkenntnis folgte der mutige Entschluß, das Dokument dem in Wiznitz befindlichen österreichischen Kommando zn überbringen. Sara Schorr ließ sich durch die Gefahren der geplanten Unternehmung, welche ihr von Eltern nnd Verwandten vorgestellt wurden, nicht abschrecken und verließ ganz allein und ohne Wissen der Eltern Pistyn. Zwei Tage llnd Nächte währte die Wanderung in der von russischen Patrouillen dnrchstreiftell Gegend. Mit großer Vorsicht mußte jeder Steg und Weg gewählt werden, um den russischen Wachtposten zn entgehen. Todmüde und schwer erkältet erreichte das brave Mädchen Wiznitz und war glücklich, den geborgenen Schatz in die bewährten Hände des Generals Schüller nnd Majors Papp vom Kommando der k. u. k. 54. Jnfanterie-Trnppendivision übergeben zn können. Dem Kommando in Wiznitz brachten die Mitteilung des wackeren jüdischen Mädchens und der russische Tagesbefehl wichtige Aufklärungen über die Stellungen des Feindes. Die Herren vom Kommando wollen die Tapferkeit der Jüdin mit Geschenken quittieren. Sara Schorr lehnte aber die Annahme von Geld nnd Geldeswert ab, mit der Motivierung: sie könne für ihre ans Patriotismus vollbrachte Tat keinen Lohn entgegennehmen. Dies geschah Ende November 1914. Im Dezember mußte Wiznitz geräumt werden. Major Papp erinnerte sich in der Stllnde der Gefahr der tapferen Jüdin und ermöglichte ihr die Flucht nach Wien. Sie erhielt seitens des Kommandos der k. n. k. 54. Jnfanterie-Trnppendivision eine offene Order (Zl. 316 vom 2. Dezember 1914), mit welcher alle Zivil¬ und Militärbehörden aufgefordert wurden, sie passieren und ihr jede Unterstützung angedeiheu zu lassen. Ende März erhielt Sara Schorr ein Medaillon, welches von einem Schreiben folgenden Inhaltes begleitet war: „Zum Andenken für Ihre Heldentat empfangen Sie auch von mir eine kleine Aufmerksamkeit. Major Papp." Die Eltern des Heldenmädchens mußten den Patriotismus der Tochter schwer büßen. Die Russen schworen ihnen Rache wegen des verschwundenen Tagesbefehls, den sie arg vermißten. Ueber das Schicksal der armen Leute verlautet noch nichts Bestimmtes, aber sicher ist, daß namentlich der Vater der Sara eine Reihe von Martern zn bestehen hatte. *) Aus dem soeben erschienenen ersten Heft der Mitteilungen des „Jüdischen Kriegsarchivs", Wien Ü., Zirknsgässe 33. Preis des Heftes 60 Heller.)

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