Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 23 (18.6.1915)
- Date
- 1915-06-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seile 7. ilr. 23. es ebenso wie bei dem amerikanischen Lebensmittelschiff für den Transport und die Einfuhr des Petroleums -notwendig, die Zustimmung verschiedener Regierungen zu erlangen, damit das Petroleum nicht auf dem Wege oder im Lande der -Konfiskation anheimfällt. Die nötigen Schritte wurden eingeleitet und es steht zu hoffen, daß sie Erfolg haben werden. Die zum Ankauf notwendigen Summen sollen der Anleihe zur Erhaltung der palästinensischen Orangen-Pflanzungen von 600.000 Frcs. entnommen werden, deren Zustandekommen gesichert erscheint. Die Beteiligung des bekannten jüdischen Philanthropen Jacob H. Schiff in New-Aork bei dieser Anleihe war irrtümlich mit 20.000 Lire angegeben worden. Herr Schiff hat vielmehr 100.000 Frcs gezeichtlet und sich bereit erklärt, außerdem 200.000 Frcs. unter Garantie der Zionistisch e» Fi n a nz-I il st j tn t e, Jewish Colonial Trust und Jüdischer Nationalfonds, vorzustrecken. Das amerikanische Le b e n s m i t t e l s ch iss in Palästina. Das amerikanische Lebensmittelschiff ^Vulkan" ist Ende April in Jaffa angekommen, hat aber seine Ladung erst einige Tage später löschen können, da zuvor einige Mißverständnisse gelöst werden mußten. Es war von vortlherein Absicht des amerikanisch-jüdischen Hilfskomitees gewesen, einen Teil der Ladung auch den nicht-jüdischen .'iotleidenden Palästinas zur Verfügung zu stellen. Die palästinensischen lokalen Behörden forderten jedoch, daß die Verteilung der Lebensmittel proportionell der Seelenzahl der verschiedenen Bestandteile der Bevölkerung vorgenommen werden sollte. Auf diese Forderung konnten die Vertreter des amerikanischjüdischen Hilfskomitees nicht eingehen. da die ganze Aktion ausschließlich ans jüdischer Initiative hervorgegangeu und fast ganz durch °jüdische Arbeit- und mit jüdischen Spenden durchgeführt worden war. Schließlich wurde eine Einigung erzielt, wonach 55 Prozent der Lebensmittel an jüdische. 26 Prozent an die mohammedanische und 19 Prozent an die christliche Bevölkerung verteilt wer'den. Die Vorräte wurden sodann ans Land gebracht und die Verteilung ist inzwischen erfolgt. Die Ankunft der Lebensmittel war von größter Bedeutung, da die Vorräte in Palästina zuletzt äußerst knapp geworden waren. Der ganze Vorgang hatte auch eine weittragende moralische und knltltrelle Wirkung zur Folge. Bekämpfung der Heuschrecken in Palästina. Der bekannte palästinensische Agronom Aaronson hat den türkischen Behörden eine Plan zur Bekämpfung der .Heuschrecken überreicht, die in Palästina, auch in einer Reihe ^jüdischer Kolonien, Schaden angerichtet haben. Herr Aaronson hat von dem Oberbefehlshaber der vierten türkischen Armee, Djemal Pascha, der seinen Plan genehmigte, ausgedehnte Vollmachten erhalten, um die Bekämpfung der Heuschrecken in den Vilajets Beirut, Jerusalem und Damaskus durchznführen. Die jüdischen Institutionen. die in Palästina arbeiten, haben zu diesem Zwecke. 10.000 Frcs. zur Verfügung gestellt, wovon die zionistische Palästina-Bank und das zionistische Palästina-Amt die Hälfte übernommen haben. Jüdische P a l ä st i n a - H i l f s a k t i o u, Z e n t r a l st e ll e Kopenhagen. Die von der Zentralstelle Kopenhagen in allen Ländern mit Ausnahme von Amerika, wo die Arbeit von dem Provisional Zionist Committee geleitet wird, ins Leben gerufene Jüdische Palästina-Hilfsaktion hat bereits erfreuliche Resultate gezeitigt. In den meisten Ländern wurden unter Initiative der Zionistischen Landes-Komitees spezielle Sammlungen für Palästina eröffnet; in einigen Ländern wurde ein Teil der für die in- Folge des Krieges in Not befindlichen Inden gesammelten Beträge für Palästina bestimmt. Es steht zu hoffen, daß alle Kreise des Judentums das Ihrige zur Rettung der jüdischen Bevölkerung in Palästina und zur Erhaltung des jüdischen Kolonisationswerkes beitrage» werden. Aus Deutschland, England. Rußland und Skandinavien sind schon erhebliche Beträge zur Linderung der Not in Palästina überwiesen worden. In Holland, Rumänien und in der . Schweiz wurden die Sammlungen ebenfalls begonnen. Die Ueoerweisnng der Gelder erfolgt von der Zentralstelle der Jüdischen Palästina-Hilfsaktion. Kopenhagen, Bestergade 1, durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel, Mr. Morgenlhau. Uerschiedeue Llachrichten Vien. Freitag, den 11. Juni ist hier der pensionierte Lehrer Natan Bogt gestorben. Mehr als fünfzig Jahre im Lehramte tätig, an dem er mit großer Liebe und Berufsvertiefnng hing, wirkte er früher jahrzehntelang als Fachlehrer an Mädcheninstituten, so besonders an der Fortbildungsschule des Mädchen-Ullterstützungsvereins, und war zugleich als Leiter des häuslichen Unterrichtes weitbekannt und in den angesehensten Faurilien tätig. Er fungierte zuletzr als Religionslehrer der Kultusgem-inde an städtischen Schulen. Als ein Gelehrter von scharfem Verstände, vielseitiger Bildung, reichem Wissen und großer Belesenheit, als ein Mann von ungewöhnlicher sprachlicher und stilistn'cher Begabung, war Vogl, der jedes persönliche Hervorrreren ängstlich vermied, ein Freund und Berater vieler angesehener Pädagogen und Fachschriststeller. Ein vornehmer, edler Charakter und selbst völlig bedürfnislos, widmete er alle seine freie Zeit und alles, was er von seinem Einkommen erübrigen konnte, menschenfreundlichem Wirken nnd unermüdlichem Wohltün. Biele Tausende seiner Schülerinnen — in mancher Familie mag schon die dritte Generation seinem Unterricht auvertraut gewesen sein — werden sich in herzlicher Dankbarkeit dieses außerordentlichen Lehrers nnd gütigen Menschen eriniler», den im 71. Lebensjahre während seiner Berufstätigkeit ein Herzschlag dahinraffte. Seine Bestattung erfolgte Sonntag um halb 12 Uhr aus dem Zentralfriedhofe. Der Trauerfeier wohnten die Institutsdirektoren kaiserlicher Rat S. Heller, Dr. Theodor Heller nnd Max Fischer, Kultusvorsteher Dr. Spitzer und vom Borstande des Mädcheunnterstützungs» Vereines, an dessen Schulen Bogl lange Jahre verdienstlich wirkte, Frau Dr. Rie und Frau Direktor n Regine Ülmairn bei, ferner die Professoren und Lehrer Inspektor Kanitz, Breuer, Dr. Goldberg, Kellermailü, Dr. Krauß, Kühner, Lehr, Malden, Straffer und Urbach, die Industriellen Dr. Max Silberberg und Alexander Klein, Schrissteller Doktor Leimdörfer, kaiserlicher Rat Wilhelm, kaiserlicher Rat Direktor Rosenbanm, Buchhändler Brunner, dre Tonkünstler Kafka nnd Storch, Abordnungen der Lehrerschaft und der Schulkinder mehrerer Anstalten n. d. Rabbiner Dr. Taglicht, selbst ein Freund des Verstorbenen, hielt ihm den Nachrns. Wien. In den Räumen des Allgemeinen österreichischen Taub» stnmmeninstitntes, das seitens des Kuratoriums als Lazarett adaptiert und der Militärbehörde als Filialspital der k. k. Krankenanstalt Rndolfsstistnug angebocen nnd zur Verfügung gestellt wurde, veranstalteten Dienstag, den 8. d. M. die Herren Emil und Viktor Jelinek ernen ihrer fich allseits berechtigten Erfolges erfreuenden vierhändigen Klaviervorträge, der den Pfleglinge» dieses Hauses viel Freude bereitete, iramentlich aber den dortielbst untergebrachteu Verwundeten ans unserem treuverbündeten Nachbarreiche. Die Vortragenden brachten nebst zahlreichen heimischen, patriotischen Werken auch ein großes Potpourri, lediglich reichsdeutsche Nationalmelodien enthaltend, zur Aufführung, dessen einzelne Stellen stets nntgesnngen wurden. Wie». (Kaiser Franz Jo s e s I.-Jub i l äu m s-Frauen» verein zur Bekleidung »ud Unterstützung armer alter Frauen in Wieu.) Dieser von Frau Bertha Wein w nrm vor sechs Jahren begründete, ui aller Stille, dabei aber mit großer Intensität arbeitende, vorzüglich geleitete Wohlrätigkeitsverein, hielt am letzten Samstag in der Restauration Tonello seine Generalversammlung ab, die außerordentlich gut besucht war und durch das Erscheinen einer Reihe von Ehrengästen ausgezeichnet wurde. Nach dem von der Vereins» Präsidentin Frau Hermme Gerber erstattereu und mit Beifall ausgenommeneu Berichte über die Tätigkeit des Vereines erstatteten die Schriftführerin Frau Marie S t e > »ec und die Kassaverwnlrerin Frau Sophie Nathan so hn ihre Referate, denen zu entnehmen ist, daß der Verein rund 15000 Kronen seinen wohltätigen Zwecken zuführen konnte. Bezirksrar Philipp B a k, der in Vertretung der Bezirksvorstehung erschienen war und Dr. Löwy würdigten in beisälligst ausgeuommenen Reden die verdienstvolle unermüdliche Arbeit der Bor» standsdameu. Bezirksrat Bak gab speziell seiner Frende darüber Ausdruck, daß die jüdischen Frauen der Leopoldstadt in diesen schweren Zeiten Mit geradezu heroischer Aufopferung ihre humanitäre» Ausgabe» erfüllen. Redner begrüßte insbesondere Frau Regieruugsrat R e u» mau n. die seit den ersten Tagen nach Ausbruch des Krieges, Tag für Tag, ohne Rast und Ruhe, aus ihrem Posten stehe wie em Soldat. Es sei erfreulich für den Verein, daß eine solche Arbeitskraft nunmehr auch dem Vorstände angehören werde. Aus Antrag des Doktor Adolf K a p r a l i k wurden die bisherigen Funkrionäre des Veremes